Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 42

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie herr Gotfridt Wernher freiherr zue Zimbern mit fröle Appollonia grevin von Hennenberg sich vermehelt und zue Mösskirch hochzeit gehapt, sampt etwas bericht von den graven von Hennenberg etc.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 402–411
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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[402]
Wie herr Gotfridt Wernher freiherr zue Zimbern mit fröle Appollonia grevin von Hennenberg sich vermehelt und zue Mösskirch hochzeit gehapt, sampt etwas
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bericht von den graven von Hennenberg etc.
Als nun herr Gotfridt Wernher sich also in kriegs- und ander sachen so wol gehalten, zu dem er ain herliche, schöne, gerade person, wardt er von herzog Ulrichen und menigclichem lieb und wert, auch hoch gehalten und herfür
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gezogen. Dessgleichen, als im die under herrschaft vor Waldt zu seinem thail worden, hat er anfengclichs dieselb mit rechtgeschaffnen ambtleuten versehen und anfahen, die güeter, sovil müglichen, zu bössern. Derhalben, als er sich dermaßen so heuslich und wol angelassen, sein ime vil
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trefflicher und gelegner heirat zugestanden, nemlichen so hat ime graff Ulrich von Montfort sein dochter, die hernach herr Christoffen von Schwarzenberg vermehelt, geben wellen; dergleichen graf Endres von Sonnenberg hat ime sein ainige dochter, die hernach herr Wilhelm truchseß von Waldpurg
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der elter genomen, zu der Scheer angepotten. Ich geschweig, das er graf Christofs von Werdenbergs dochter, die hernach graf Friderichen von Fürstenberg verheirat worden, leuchtlichen erlangen het mögen. Aber er hat diese und andere heirat alle ußgeschlagen und sich also erzaigt,
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das menigclichen darfür gehäpt, er würde in ledigem standt unverheirat bleiben. So ist zu wissen, das graf Hörman

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[403] von Hennenberg von seiner gemahl, der marggrefin von Brandenburg, neben andern kündern ain dochter, genannt frölin Appolloniam, überkommen. Diese hat er zu seiner geschweien, der herzogin von Nürtingen, ins frawenzimmer
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gethon. Dieselbig fürstin erzog diß frölin von Hennenberg sampt frölin Elsen, ires brueders, marggraf Friderichs, dochter. Diese zwai frölin waren geschwistergit kündt und waren über die maßen schön, darzu wurden sie in aller zucht und gueten geberden uferzogen. Es war kurzlich darvor fraw
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Els marggraf Ernsten vermehelt worden, aber dem frölin von Hennenberg [515] wardt herr Gottfridt Wernher über die maßen holdt, also das er durch iren willen mit rennen, stechen und allem ritterspill sich also herfür thette, das sie nit weniger liebe und willen zu ime überkam. Herzog
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Ulrich, der dann herr Gotfriden Wernhern sonderlichen mit gnaden gemaint, wie er das erfure, hette er wol megen leiden, das solcher heirat mit guetem willen und wissen grave Hörmans, ires herrn vatterns, were beschehen, derhalben, wie er mehrmals geen Nürtingen raisete und die
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alt fürstin haimsuchte, name er allweg herr Gotfridt Wernhern mit, zu zeiten lude auch der herzog die fürstin mit irem frawenzimmer uf die jagen oder das hirßgeschrai. So befliße sich dann herr Gotfridt Wernher, der nechst bei dem frawenzimmer zu sein. Er machte der alten fürstin vil
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kurzweil mit seinen historien und gueten sprüchen, also das sie in vor andern sonderlichen wol bei und umb sich haben megte. Sie het ain gewonhait, so der herzog oder andere frembde fürsten zu ir geen Nürtingen kommen und das sie herrn oder vom adel mit sich prachten, so megten
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dieselbigen nach dem nachtessen in das frawenzimmer geen, mit den frölin und junkfrawen sprachen; so baldt es aber acht uhren geschlagen, schieden die herrn und junkern widerumb ab. Begab sich ainsmals, das anno 150 . . herzog Ulrich die herzogin von Nürtingen uf ain jagen lude, nit fer von
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Denzlingen. Alda fiengen herr Gotfridt Wernher und herr Dieterich Spett ain rennen und stechen an, kamen am wasser zusamen. Der ain war herr Lanzlot, der ander herr Gabon. Unlangs darnach kam herzog Ulrich an sant Bartolomes abent geen Nürtingen. Nach dem nachtessen saß herr
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Gotfridt Wernher zu dem frölin von Hennenberg; dieweil aber dieselbig nacht ain groß ungewitter kam, blib der herzog, die herzogin, auch menigclichen über die zehen uhren her-

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[404] for. Dozumal haben herr Gotfridt Wernher und das frölin Appolonia ainandern die ehe verhaißen, doch darbei veranlasset, das sie sollichs beiderseits zwai jhar verschwigen und verhalten wellen. Das ist nun die jhar angestanden,
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das niemands, dann sie zwai, auch marggraf Ernst von Baden und sein gemahl, fraw Els, hievon gewist. Aber nach außgang der zeit hat sich herr Gotfridt Wernher bei seinen herrn und freindten berathen und herr Dieterich Spetten vermögt, der ist geen Nürtingen geritten und alle handlung
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der herzogin mit böstem glimpf anzaigt, mit underthenigem pitt, gnedigclichen hierinen zu handlen. Hierauf die herzogin geantwurt, waverr es irem herrn vatter, graf Herman, gefellig, solle es ir auch lieb sein. Damit ist fröle Appolonia ußer der herzogin gemach in fraw Elsa gemach
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geschafft worden, darauf die herzogin unverzogenlich ein potten ins landt zu Franken geschickt, dabei irem schwager, grave Hörman, alle sachen, sein dochter betreffen, zugeschriben. Es ist nit lang angestanden, grave Hörman hat zwen ansehenlich alt vom adel sampt ainem cammerwagen und
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etlichen pferdten geen Nürtingen geschickt, die haben nach überantwurtung der credenzgeschrift das frölin Appoloniam im namen ires herrn vatterns erfordert, mit anzaig, ir herr vatter beger ir, das sie zu im kom, er welle sie mit klaidern und aller notturft ußrüsten und darnach ehrlichen widerumb
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abfertigen. Aber nach langer handlung und genommen bedacht hat frölin Appolonia vor der herzogin und menigclichem die antwurt gegeben, sie welle uf dizmal nit zu irem herrn vattern. Haben die hennenbergischen gesandten gesagt, so haben wir den hin[516]gang für den hergang,
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haben sich damit wider in ir herbirg verfüegt. Dieser sachen aller ist herr Gotfridt Wernher, so domals bei herzog Ulrichen zu Stutgarten von stund zu stund bericht zukomen; dieweil er aber besorgen müeßen, das villeucht die Franken das frölin mit listen hünderkommen und hinweg füeren
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megten, hat er den herzogen umb hilf und rath angerüeft. Der hat ime ohne verzug herr Dieterichen Speeten mit 200 pferden zugeben. Die sein noch selbigs tags vor abents zu Nürtingen ankommen, haben sich uf alle straßen getailt und scart gehalten. Mitlerweil und sie uf alle thor und
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straßen achtung geben, ist herr Dieterich zu herr Gotfriden Wernhern kommen, sprechendt: »O herr, wir haben zu lang gebaitet, sie ist hinweg.« Damit hat er in dermaßen be-

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[405] wegt, das er hinnach zu eilen sich understanden, ist aber von herr Dieterichen, als er in recht bericht, abgestellt worden. Es ist nit lang angestanden, das geschrai ist in die stat kommen, die straßen und velder halten vol reuter. So
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baldt das die Franken erfaren haben, sie wol gedenken künden, von wesswegen dise reuterei angesehen und, wo sie nit zeitlich sich versehen, iren übel noch gewartet megen werden. Derhalben, seitmals die alt herzogin sie nichs versichern künden oder wellen, haben sie für die stat zu herrn
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Gotfridt Wernhern geschickt und gebetten, das er sie im friden widerumb zu irem herren raisen lassen welle, darbei begert, wess sie zu im sich versehen sollen. Also hat inen herr Gotfridt Wernher widerumb zuempotten, waverr sie nit mehr leut mit inen hinfüeren, als sie mit inen gepracht, so
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sollen sie sein sicher und ires gefallens raisen. Darauf sein sie gleich in selbiger stundt mit irem wagen, auch reutern widerumb haimzogen, derhalben dann herr Gotfridt Wernher mit den pferden widerumb geen Stutgarten an hof sich begeben. Dieweil er aber besorgen müeßen, das die Franken
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villeucht sich widerumb wenden und nochmals was understeen megten, das frewlin mit inen darvon zu füern, hat er herr Dieterichen Speeten in seinem abscheiden geen Nürtingen geschickt. Der ist etliche tag alda bliben, hat auch von dannen nit verrucken wellen, biß im die alt herzogin
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zugesagt, ob gleichwol die hennenbergischen gesandten widerkeren, das sie inen doch das frewlin nit verfolgen lassen, oder wellte doch zum wenigisten solichs herrn Gotfriden Wernhern zuvor bei gueter zeit avisiern. Diese fröliche potschaft hat herr Dieterich Speet herr Gotfriden
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Wernhern geen Stutgarten gebracht, hat darauf vom herzog Ulrichen ein underthenigen abschidt genommen, der mainung, was zu der hochzeit dienstlichen, mit gueter gelegenhait zu versehen. Also hat ime der herzog mit allen gnaden erlaubt, welcher ime auch die hochzeit gehalten, waverr er
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das mit ainichem glimpf oder fug thon het künden. Dieweil im aber hievon ain verwiß volgen, hat er sich sovil merken lassen, waverr er, herr Gotfridt Wernher, sein gemahl auser landt fieren, auch ob er seiner herren oder vom adel am hof darzu gebrauchen, daz ime sollichs zu keinen
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ungnaden reichen solle. Hierauf herr Gotfridt Wernher geen Mösskirch sich verfüegt. Daselbst het ime sein brueder, herr Johann Wernher, das schloß geraumpt. Also vergiengen

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[406] nit gar zwen monat, es ritten die zwen gebrüeder, herr Johann Wernher und herr Gotfridt Wernher, mit ainandern geen Nürtingen, das frölin Appoloniam zu holen. Herr Johanns Wernher nam sein gemahl, die schenkin von Erpach,
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mit ime, die fuer in ainem wagen. Herr Gotfridt Wernher het vor etlichen tagen seiner gemahl potschaft gethon und sie bericht, uf welchen tag sie kommen würden, sie zu holen. Sie war nach abscheiden der frenkischen gesandten bei der alten herzogin wider zu gnaden kommen, also das sie wider
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zu ir in das gemach kame. Uf den bestimpten tag erschienen herr Gotfridt Wernher mit seim brueder zu Nürtingen; sie liesen sich [517][1] bei der alten herzogin anzaigen. Bei dero, auch marggraf Ernsten von Baden und seim gemahel, namen sie ein underthenigs urlaub, fürten damit das
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frölin mit inen hinweg. Sie bliben nit lang alda, theten im schloß blößig ain trunk. Das frölin ist nit im wagen gefaren, sonder hünder herr Gotfriden Wernhern geen Mösskirch geritten. Herr Dieterich Spet hat herr Gotfriden Wernhern das glait von Nürtingen uß geen Mösskirch geben.
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Als sie dohin ankomen, hat die alt grefin von Ötingen, herr Gotfridt Wernhers fraw muetter, auch beider herrn schwester, die abtissin von Zirich, die gest empfangen, und, wie noch die alten darvon sagen, so ist es zu eim kleinen, eingezognen wesen ein holsellige und fröliche hochzeit gewesen.
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Unlangs, nachdem die heimfierung vergangen, ist herr Gotfridt Wernher zum oftermal mit iezgehörter seiner gemahl geen Nürtingen zu der alten herzogin kommen. Die hat sie baid herzlichen wol leiden megen; sie haben auch etlich mal spate erlauptnus, wider heimzukeren, erlangen
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mügen. Es ist fraw Appolonia zu zeiten ain halbs jar do bliben. Uf ain zeit haben herr Gotfridt Wernher und sein gemahl ir elteste dochter, frölin Anna, mit sich geen Nürtingen gefüert. Darab hat die herzogin eine große frewdt gehapt und mit dem jungen frölin, das domals über vier
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jhar nit alt, vil geferts triben. Nun het aber bemelte herzogin marggraf Ernsten von Baden und sein gemahl, die marggrefin von Brandenburg, ires bruders dochter, bei sich zu Nürtingen. Dieweil aber marggraf Ernst der zeit zwo döchtern, namlich frölin Margrethen und fröle Elsbethen,

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[407] do hetten die drei frölin vil gespillschaft mit ainandern. Füegt sich uf ain zeit, das fröle Anna, herr Gotfridt Wernhers dochter, wie dann die kindt pflegen zu thuon, sonderlichen, so sich die wol und ainigclich mit ainandern
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vergleichen künden, sich zu den[2] jungen frölin, den fürstinen, ställte, die sie auch wol bei inen leiden mögten. Herr Gotfridt Wernher war zugegen. Der gieng zu den jungen marggrefinen, buckt sich, wie ain hofman, nam sein junge dochter, stälte sie herab zu der hofmaisterin. Das lobt die alt
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herzogin hoch und maß solchs herr Gotfriden Wernhern in ain hochen verstandt; iedoch bevalch sie irem hofmaister, dem alten Hannsen von Newhausen, er solte das jung frölin wider hinuf fieren. Das ließ herr Gotfridt Wernher uf der herzogin befelch beschehen. Zu ainer andern zeit, als man
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ob disch saße und die alt herzogin die drei frölin allernechst bei ir sitzen het und ganz frölich war, darneben aber befalch, man solt den frölin nichts weren, sonder sie ires gefallens reden und machen lassen, under anderm aber sprach das frölin Anna ußer küntlicher mainung zu der
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herzogin: »Fraw Anna, ir hapt ain groß maul.« Wiewol aber die herzogin die wort nit merken, auch fraw Appolonia der redt übel erschrack, iedoch fragt sie das frewlin noch ain mal, was es gesagt, und als dasselbigs vorige rede widerumb sagt, het sie das lachendt gar zu guetem,
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sprechende; »Mein kindt, du hast war,« und bevalch darauf, das es hierum gar nit solte gestrafft oder gezüchtigt werden. Die guet herzogin hat nit lang hernach gelept, sie ist uf ain groß alter kommen und zu Nürtingen letzstlichen gestorben. Sie het bei iren lebzeiten den geprauch, das sie
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alle jhar den convent zu Hirsow ludt, dergestalt: Man pracht ir ain wagen mit münchen ußer Hirsow, die hetten zu Nürtingen ir guete herbirg und nach teglicher vollendung der götlichen empter warden sie uß herrlichist gehalten. So dann achtag verschinnen, fueren dieselbigen hinweg, und
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bracht man ain andern wagen mit minchen, biß man also mit dem convent, so priester waren, herumb kam. Sie was auch gewon, wann die acht tag herumb, so sprach sie den münchen selbs ganz gnedigclichen zu, bevalch sich inen in ir gepett, ließ sie damit abscheiden und aim ieden gab sie
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ein seidens oder guldins register in ain betbuech zu ainer

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[408] verehrung. An solchen register hat oftermals das frawenzimmer vil müeh und arbeit gehapt, biß die erfertiget, und ist den münchen manichmal darob geflucht worden, dann [518] derzeit hat der convent zu Hirsow, wie man sagt, gar
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seiten flaisch gessen, sonder sich gar nahe und sperengclich mit grosem abbruch behelfen müesen. Es hat fraw Appolonia, die grefin von Hennenberg, herren Gotfridts Wernhers gemahl, sich oftermals understanden, irem herrn vatter, graf Hörman, zuzeschreiben, auch
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ime, das sie ohne sein vorwissen sich verheirat, den zorn abzubitten; so ist er doch ain solcher strenger mann gegen seinen künden allen, insonderhait aber gegen dieser dochter gewest, hat auch ein solchen ernst gebraucht, das er ir biß an sein end nie verzeihen wellen. Er hat kein sondern
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unwillen zu herr Gotfridt Wernhern desshalben getragen, dann er ine allwegen vorhin lieb gehapt. Er hat ime hievor etliche mal uf der ban zu Stutgart, als herr Gotfridt Wernher gerennt und gestochen, gedient, ist aber alles beschehen, ehe er sein dochter genommen. Man sagt, er hab ain
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solchen misfall ab diesem heirat gehapt, woverr sie im zu haus kommen, das er des vorhabens, sie in ain beschlossen closter zu verstoßen. Andere haben vermaint, er würde sie gar eingemauret haben. Er soll willens gewesen sein, sie aim herzogen von Zweibrücken zu vermeheln. Ich hab auch
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wol gehört, er hab sie aim grafen von Reiferschaidt geben wellen. Das mag nun wol sein, ich glaub aber genzlichen, es seie ime umb das heiratguet mehrtails zu thuon gewesen, welches er gern erspart. Und ob er gleichwol ain große parschaft zusamen gebracht, so ist doch nach seinem
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absterben die seinen sönen nit worden. Got waist, wo es hinkommen. Man sagt, er habs vergraben gehapt, dann an seinem letzsten ende im die red also gelegen, das er nit wie oder wo anzaigen künden. Wie unglücklichen es dann seinen sönen ergangen, mit denen auch das herlich,
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uralt geschlecht der graven von Hennenberg, der linia von der Saul, abgestorben, das haben wir zu unsern zeiten villfeltigclichen vernommen. Ich kan nit underlassen, ein historia von ime zu vermelden, darauß sein grim und ernstlichs gemüet gegen denen
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kindern, auch gegen denen, die das nit beschuldt, vermerkt wurt. Nachdem als sein gemahl, die marggrefin von Brandenburg, mit todt abgangen, hat sie im vier söne, auch

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[409] drei döchter verlassen, under denen döchtern er die ain, fröle Appel, zu seiner geschwien, der herzogin von Würtemberg, geen Nürtingen gethon, die ander hat er in der jugent in ain beschlossen closter beredt, die dritt ist im landt zu
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Franken in ainem freien gestift erzogen worden. Als nun fröle Appel mit herr Gotfriden Wernhern sich vermehelt, hat er besorgt, sein jüngere dochter im freien gestift megte dergleichen ires gefallens auch heiraten, derhalben er sich gegen niemandts seins fürnemens vernemen lassen, hat
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dieselb dochter zu im uf ain vassnacht beschriben, und als sie etlich tag bei im und er ganz frölich mit ir gewesen, hat er sie beredt, sie soll zu irer schwester, die dann im beschlossnen closter gewest, faren und ein tag etlich bei ir sein, sie ainmal haimsuchen. Das guet jung mentsch ist
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fro gewesen, das sie zu ir schwester ein mal komen soll, die sie in vil jharen nit gesehen, hat irem herrn vatter wol vertrawt und keins solchen trugs sich besorgt, ist guets willens zu irer schwester ins closter gefaren. Darneben aber hat ir herr vatter der äbtissin in solchem closter
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geschriben, sein dochter, ob die gleichwol herauß begern, solle sie doch die darin behalten und keinswegs herauß lassen, dann er das vorhabens, ir lebenlang sie darin zu halten. Das ist also beschehen, und hat das guet jung mentsch, so, wie gehört, von irem leiblichen vatter in das
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closter getrogen und darin gewaltigclichen, wider irn willen, umb unschuldt enthalten worden, ir leben in großem kommer und jammer enden müeßen. Bei söllichen tiranischen handlungen was glück konte denen beiwonnen? Und ob gleichwol die höcher weltlich obrigkait in söllichen fellen
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durch die finger sicht, so befindt sich doch in aller erfarnus, daz die recht [519] oberhandt söllichs ungerochen nit last und die straf, so man sich dero manichmal am wenigisten versicht, hernacher volgt. Wiewol nun graf Hörman von Hennenberg an solchem
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heirat wenig gefallens, so ist doch hernach anno 1521 aller unwill durch bischof Wilhelmen von Straßburg, der ain graf von Honstain und graf Hörman ganz nahe verwandt, dergleichen marggraf Casimirn von Brandenburg hingelegt worden, welcher seiner vettern, graf Hörman, dahin bewegt,
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das er seim dochterman, herr Gotfriden Wernhern, vier tausendt guldin in golt zu ehesteur also bar zugestellt und

1 [410] geben hat; actum Straßburg zinstag nach Vocem jocunditatis in ermeltem jhar[3].

Welchermaßen aber herr Gotfridt Wernher und sein elterer bruder, herr Johanns Wernher, ire herrschaften
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ainandern abgedauschet und abgetailt, auch herr Gotfridt Wernher das schloß Wildenstain zu seinen handen gepracht und behalten, das ist hievornen gnugsam anzaigt, von unnetten iezundt wider einzufieren. Allain zu wissen, das herr Gotfridt Wernher, nachdem er also verheirat, sich hinfüro
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mertails anhaimsch gehalten, wenig an die höve oder anderswahin geriten, sonder im fürgenomen, das schloß Wildenstain, dohin er von jugent uf ain liebe gehapt, zu der wer zu erbawen, wie er auch und mit merclichem uncosten gethon; dann er alda ain diefen graben in den felsen durch
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den perg hindurch brechen lassen und an dem graben, auch an dem schloß ob den vierzig tausendt güldin verbrochen und verbawen. Wie nutzlich aber solch gelt angelegt worden, auch ob das schloß zu der wehr gericht und erbawen, das will ich andere, mehr verstendigere und die erfarnen
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urthailn lassen. Er ist willens gewest, wover er ain sone von seiner gemahl von Hennenberg überkommen, ein stetlin für das schloß Wildenstain zu bawen, hat den ganzen blatz vor dem stetlin, ist iezmals ain wisswachs, biß an berg mit ainer starken ringmaur einfassen wollen, und fürwar, es were
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ain großmüetig werk worden, dann das stetlin das schloß zu rugk het gehapt, beid seiten, demnach der felsen hoch und gehe, sturmfrei; under augen het es ain diefen graben mit zweien grosen egkthürnen gehapt, mit zwain thoren, das ein gegen Lübertingen, das ander gegen der Tonaw
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und dem Buchpronnen. Die inwoner des stetlins weren die mair zu Lübertingen gewest, die hetten ire velder zu Lübertingen ußer disem stetlin bawen müesen, wie dann vor jaren vil gebewes von schlösern und stetlin uf solchem berg gewest, und das die gelegenhait an mehr orten zu erkennen
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gibt, als namlich die Statwiss an der ainen seiten des bergs, an der andern gegen der Tonaw der Altstat und Altenburg; darzwischen ist der hoch ruck des bergs gewest, würt iezmals die Senge genannt. Solch gebew, als namlich die ringmaurn, thürn, thor und kirchen vor dem schloß Wilden-

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[411] stain ist alles verdingt gewest; seitmals aber herr Gotfridt Wernher allain döchter, wie hernach gesagt, überkommen, do ist solchs underbliben. Es haben unsere vorfarn vil red gehalten, ob ain vest und werlichs haus eim geschlecht
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nutzlich oder guet, und wiewol zu beiden theiln ansehenlich argumenta ufzubringen, die iezmals zu erzellen ein verlengerung brechten, so befindt sich doch, das die geschlechter, so dermaßen veste und werliche heuser gehapt, sich oftermals darauf verlassen, ire obern oder auch ire nachpaurn
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darauß gedrutzt, selten ufrecht oder bei iren güetern bliben sein, wie dann die erfarnus das zugibt mit denen eldelleuten von Fridingen, von Clingenberg, Sickingen, Rosenberg und andern, auch noch vil höchers standts, die zu irem selbs nachtail iren feinden und widerwertigen gebawen. Derhalben
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der weis churfürst, herzog Friderich von Sachsen, kein befestigung in seinem landt bawen wellen, und waver seine nachkommen ime gevolgt und uf seinen institutis behart, were ine die chur bei unsern zeiten nit entzogen[4] worden. Es hat auch herr Jörg truchses von Waltpurg, der in der
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bauren ufrur anno 1525 obrister gewest, seinen sönen kein bar gelt, darauß ain verthon und [520] übelhausen, kain testament, darauß missverstendt und rechtvertigung volgen, auch noch vil weniger kein werlichs haus, darauß zank under inen entspringen mecht, verlassen wellen, gleichwol
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ain söllich guet haus in aim fürzug oder landesempörung auch nit zu verachten.



  1. 517] s. 516b enthält die wappen von Zimmern und Henneberg, s. 516c die wappen von Zollern und Zimmern.
  2. den] hs. der.
  3. jhar] d. i. 7 Mai 1521; vgl. Schultes, Diplomatische Geschichte des Gräflichen Hauses Henneberg I, 397.
  4. entzogen] hs. ertzogen.