Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 33

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Von herrn Schweikarten von Gundelfingen und maister Ulrichen Groppen, auch wie herr Johanns Wernher von Zimber zu s. Jacob geraist und ime darzwischen ein son gestorben und ain anderer geporen worden.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 319–328
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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[319]
[475] Von herrn Schweikarten von Gundelfingen und
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maister Ulrichen Groppen, auch wie herr Johanns Wernher von Zimber zu s. Jacob geraist und ime darzwischen ein son gestorben und ain anderer geporen worden.
Herr Johanns Wernher freiherr zu Zimbern hat der zeit die zimbrischen lehen vom haus Österreich noch[1] nit
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empfangen gehapt, dann die lehenleut dozumal und darvor uf ir ansuchen angestellt, zu dem auch sein gemahl, die schenkin von Erbach, nit genugsamlich verwidmet. Die ist er willens gewesen uf seinen tail des dorfs Hülzingen zu versichern; dieweil aber sollichs vom haus Österreich zu lehen, hat ime
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das ohne ersucht, oder ohne bewilligen zu volstrecken nit gepüren wellen. Derhalben er im außer der, auch andern ursachen fürgenommen, in diesem 1516 jhar geen Insprugk zu verraisen und dieselbigen sachen zu verrichten. So baldt dieser rais herr Schweighart freiherr von Gundelfingen und
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graf Jörg von Lupfen verstendigt, haben sie ohne das irer obligenden gescheften halb auch geen Augspurg sich verfüegen wellen, derhalben sie der zeit und rais mit herr Johannsen Wernherrn sich verglichen und sein also von mehr kurzweil und gueter gesellschaft wegen mit ainandern geen
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Augspurg und wider herauß geraist. Und damit sie destere ain frölichere rais, haben sie den maister Ulrichen Groppen, den glaser von Riedlingen, der domals aller grafen und herren im landt zu Schwaben persevant und gar ain kurzweilig, lecherlich man war, mit sich genommen. Was
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seltzamer, abenteurlicher schwenk und gueter hendel sie uf dem weg gehapt, ist nit alles zu beschreiben. Allain ist nit zu vergessen, als sie zu Kempten übernacht gewesen, hat sie der wiert erlich tractiert. Nach dem nachtessen

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[320] hat er sie in ein schöne behausung, so von der andern abgesondert, gefiert, alda inen ain cammer ingeben. Sie haben aber von merer rhue wegen niemands in ir kammer oder dem haus ligen wellen lassen, dann allain maister Ulrichen,
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welcher gleichwol ain guets trinkle het, aber ganz kurzweilig war. Dieweil es aber in winters zeiten gewest, derhalben in aller kelte, hat herr Johanns Wernher spat in der nacht, als menigclichen sich nidergelegt und im ersten schlaf war, ain liecht begert; also ist dem glasermaister Ulrichen
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bevolchen worden, er soll dem hausknecht rüefen, ain liecht zu bringen. Das hat nun der guet maister Ulrich gethon, ist ufgestanden, im hembdt für die cammer gangen und dem hausknecht gerüeft, und so gleich der glaser gerueft, so baldt hat im herr Johanns Wernher geantwurt, er kom,
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hat aber in ain küssen geredt und die stim also verwelcht, das der glaser nit anders vermaint, dann der hausknecht geb im von ferrem antwort. Über ain cleine weil hat der glaser wider gerüeft, so ist im aber ain antwurt außer dem küssin worden. Hiezwischen ist der glaser ohn underlaß
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im hembdt vor der cammer im küelwasser gestanden, den hat der biber wol gestochen. Herr Schweikhart von Gundelfingen und grave Jörg sein in der cammer gelegen und haben vor lachen zerbrechen wellen. Als nun herr Johanns Wernher und der glaser etlich mal das gefert also antriben,
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ist letzstlich der hausknecht mit aim liecht daher kommen. Der ist etwas später, dann andere, beim schlafftrunk bliben; der ist gesteckt [476] voll gewesen. Den glaser, der von frost gar nahe gestarret, hat gar übel verschmacht, das im der hausknecht so oft geantwort hab, er well kommen und
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sei doch nichs desto weniger außbliben. Das hat er dem hausknecht mit großer ungedult verwisen. Der hausknecht hats nit gesteen wellen, und haben der wechselwort sovil getriben und ainandern liegen haißen, das sie zuletzst ainandern ins haar gefallen und ainandern vor der cammer
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wol umbzogen. Hierauf herr Johanns Wernher ufgestanden, ain wolfbelz anthon und zu dem schimpf gangen, sie von ainandern gepracht; hat dergleichen gethon, als er nichs umb den handl wisse und sie zu beiden theiln verhört. Nun hat aber der glaser und der hausknecht ainandern
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gerauft [und][2] geschlagen gehapt, das inen baiden warm wor-

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[321] den. Hiezwischen graf Gerg und herr Schweikhart auch ufgestanden, den außgang der comedien zu sehen. Die haben des handels also gelacht, das sie weder reden, noch anders thon künden. Indem sie nun also causiert, hat den
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glaser im hemet wider anfahen zu frieren[3]; do hat sie herr Johanns Wernher wider an ainandern[4] gehetzt, welches gleichwol nit vil kunst bedörft, dann der hausknecht war bezecht und gar hoch streuß, das sie abermals ainandern wol erbelzet haben. Wie aber der glaser den hausknecht uf ain
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aug trofen, ward der also gar erzürnt, in maßen er den glaser bei dem geschröt erwüscht, das im ohnmechtig wolt werden. Also macht herr Johanns Wernher ain anstandt zwischen inen, dann weder graf Gerg oder herr Schweikart dem gueten glaser gelechters halb ainiche hilf beweisen
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megten, und muest sich der hausknecht wider packen. Der het sein thail auch wol darvon bekommen, dann im der glaser das angesicht übel zerkretzt het und war im das ain aug groß geschwollen, derhalben er mit vil trewworten abschiede. So gehueb sich der glaser ganz jemerlich, er
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het sich gar erfochten, das er schier kein attem mehr het; so enpfande er ain solchen schmerzen an den gemechten, das er sich von seiner fromen hausfrawen wegen übel gehueb und besorgt, er würde wie ain cappan wider heim kommen. Also, do den herren das gelechter zum tail
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vergangen und den gueten glaser also weinen sachen, fiengen sie in an zu trösten; damit ward er wider an sein bet getedingt. Es ward dieselbig nacht wenig geschlaffen, sonder merthails mit aim gelechter (dess doch der glaser nit lachen möcht) [zugebracht][5]. Des morgens, wie man ufsteen sollte,
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war der glaser noch krank und, so er ufstande, konte er doch beschwerlichen geen. Derhalben, damit die rais seinethalben nit verhündert, dann sie in ihe nit hünder inen lassen wolten, muest man dem glaser die alten cleperes salben und schmürben, damit im die geschwulst vergieng, welches
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beschach. Über das morgenessen vertrueg herr Johanns Wernher allen unwillen zwischen dem glaser und dem hausknecht, welcher vertrag allen zuhörenden nit weniger lecherlich und kurzweilig, als der vergangen scharmitzel gewesen wardt. Mit sollichen und dergleichen kurzweiligen hand-

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[322] lungen sein sie geen Insprugk und volgendts wider anhaimsch komen. Herr Johanns Wernher ist der österreichischen lehen halb uf ain commission domals verwent worden, ist aber hernach auch nichs darauß worden. Seins gemahls verwis
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ist im domals bewilliget, vermeg ains briefs, der über langs hernach ist ufgericht worden. Was lecherlicher und abentürlicher schwenk grave Friderrich von Fürstenberg, auch ander [477] grafen und herren mit bemeltem glaser verricht, bedörft ains aignen buechs.
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Er raist uf ain andere zeit auch mit etlichen graven und herren des landts zu Schwaben gen Insprugk und Tirol, aber sie richteten ime zu Insprugk ein spil zu. Also wie er über den platz alda gieng, kamen zwen stattknecht zu im, die fragten ex composito, wer und waher er were.
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Sprücht er, er haiß Ulrich Gropp und seie von Riedlingen. Das sprach er gleichwol unverstendlich, dann er lurkt heftig mit der rede, zudem kunt er den buchstaben r auch nit wol aussprechen[6]. Die stattknecht thetten dergleichen, als ob sie verstanden hetten, er were von Reutlingen, wie sie
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dann underricht und gehaißen waren. Darumb sprachen sie mit rauchen worten: »Wie, bistu von Reutlingen? so bistu auch der lutterischen kelchdieb einer«; dann kurzlich darvor war Reutlingen uf die luttrisch sect gefallen, vast bei den ersten stetten in unsern landen, derhalben waren
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sie domals von mertails nachpurn ganz verhast. Der glaser leugnet vast, er were nit von Reutlingen, sonder von Riedlingen, auser des haus Österreichs erblanden. Aber die statknecht kerten sich nichs daran, sonder sprachen: »Du bist der rechten gesellen ainer, ain kuntschafter von
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Reutlingen.« Damit namen sie den gueten glaser und mit im in das narrenheusle, so uf dem platz stat und mit eisen ist vergettert. Gleichwol er über zwo stund nit darin lag, dann die herren giengen uf dem platz spazieren. Denen rüeft er zu, mit bitt, sie welten ime von dem ort helfen. Die herren
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thetten dergleichen, als ob sie hievon nichs wissten, fragten mit verwundern, was er verwürkt. Also erzellt er inen alle sach, wie es ergangen, darumb sie aber mehr wissens hetten, als er. Die herren handleten darauf, das er wider wardt außgelassen. Die schankten den stattknechten ain par
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güldin und namen iren persevanten mit sich in die herbrig.

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[323] Er, glaser, hett sonst den prauch, das er järlichs zu eingang des newen jhars gar nahe zu eim ieden von grafen und herrn des lands Schwaben raisete, so schankt im dann derselbigen ainer ein rheinischen güldin in goldt; war die tax.
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Under denen etlich, die waren im vil schuldig, er kont aber nichs von inen pringen; darüber er manichmal ungedultig ward und sprach zu denselbigen: »Ir herren, ir fatzen mich wol, aber ich kan darbei von euch kain bezallung bekommen«, und vermaint ihe, er welt inen den järlichen güldin
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zum newen jhar gern guets willens nachlassen, damit er von inen megt bezallt werden. Der guet herr Schweikhart von Gundelfingen hat vil kurzweil und fröde mit dem glasermaister Ulrichen gehapt. Es ist sonst noch ain würt zu Riedlingen seßhaft gewesen,
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zum Hafen, genannt der Hefelin, war gar ain gueter fatzman. Diese baidt berüeft herr Schweikhart vilmals geen Neufra, so kont er sie dann an ainandern richten. Iezundt waren sie der sachen wol ains, dann ainsmals wolten sie hawen und stechen; in ainer geschwinde het er sie wider
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verglichen. Auf ain zeit aber het sie ain abenteurer zu Riedlingen dermaßen an ainandern gehetzt, das ainer den andern ain wissenlichen böswicht het gescholten. Also warden sie der sachen so gar zu unfriden, das kainer mehr sein essen oder trinken wolt, do der ander war, und konte
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sie der guet herr Schweikhart ain guete zeit nit mehr seins gefallens, wie hievor beschehen, zusamen bringen und sein kurzweil mit inen haben. Aber er erdachte ain sinn, das sie baid zu im geen Neufra kammen, iedoch dingte ain ieder auß, das im sollichs an seinen ehren kein mangel
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sollte bringen. Also verhört er sie beiderseits, und wiewol die clagen ganz hoch und schwerr, iedoch verainiget sie herr Schweikhart mit aim spruch, nemlich, so sie beid ainandern [478] hetten gescholten oder schelten hetten künden, so wolt er derselbig gescholten man sein; sie sollten nun
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zufriden sein. Mit diesem sentenz bracht er sie unversehens wider in ain solche concordia, daz sie ainandern die hendt butten, ainandern brachten und so guet gesellen, als hievor, mit ainandern waren. Wie gehört, das diese obgenannte drei herren ganz
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frölichen uf der rais geen Insprugk gewest, so ist zu wissen, das sich herr Schweikart etlichemal uf der fart also erwisen het, das ainer megte gezweifelt haben, ob er verheirat wer

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[324] gewesen, wie ainest herr Hanns Jacob von Landow sagt vom Wolf Dieterrich von Honburg, das sich der also zu Insprugk gehalten, und als er bei ainer an einer wandt an der that ergriffen, darum ermanet, het er überlaut geschrieen:
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»O Martha, Martha (also hieß sein hausfraw), wie hab ich dein so schantlich vergessen!« Diese gestalt megt es umb herr Schweikharten auch haben gehapt. Es hetten sich die sachen uf dem weg also verloffen. Wie er von der gesellschaft geschaiden und uf Neufra zuraisete, das er besorgen
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muste, er würde sich bei seinem gemahl, der grefin von Montfort, nachdem und er etlich wochen uß gewesen, nit wol halten künden[7], darauß im dann allerlai argwon und nachtails hett erwachsen mögen, derhalben, das zufürkomen, wie er allernechst zu Neufra kompt, lasst er seine diener
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voranher reiten, und als sein niemands gewaret, steigt er eilends ab, felt uf den boden, schreit nach seinen dienern. Die kammen mit verhengtem zaum herzu gerennt und hueben den gueten herren vom boden. Er gehub sich übel. Man schickt den maister Ulrich, den glaser, eilendts
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voranher gen Neufra, den unfahl zu verkünden. Die guet fraw gehueb sich übl, war ganz angsthaftig. Hiezwischen hetten die diener groß mühe, biß sie iren herren heim brachten; er name sich großen schmerzen an. Aber in wenig tagen, als er wider außgeruhet het, ward es bösser umb in. Es
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war ain bescheider, listiger und geschwinder herr. Sein gmahl hat er vor seinem absterben wol bedacht und ir ungefärlich den halben theil seiner güeter nach seinem absterben, iedoch ad dies vitae, vermacht, und ist darnach anno 1546 zu Neufra in guetem alter gestorben. Sein
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gemahl hat ine umb [14][8] jhar überlept, und ist mit ime das uralt geschlecht und herkommen der freiherren von Gundelfingen abgestorben, auch schilt und helm mit ime zu Neufra in der pfarrkirchen begraben worden. Seine voreltern sein ires herkommens der rechten und gar alten herzogen von
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Bayrn, vor denen grafen von Scheyrn, und sollt der erst im geschlecht, so sich ain freiherren von Gundelfingen geschriben, seiner nechsten vettern und verwandten einen, [ein][9] herzogen in Bayrn, in eim zorn entleibt haben, der-

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[325] halben er zu ainer straff den fürstlichen titel verlassen und damit von allen seinen güetern und vätterlichem erb weichen müesen. Derselbig ain parschaft mit sich darvon gepracht und ist damit an die Lauter herauf in die Alb geraten; da
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hat er und seine nachkommen nach und nach ein landtschaft an sich erkauft, schlösser und heuser gebawen, als Gundelfingen, Degeneck und andere, und ist sein sach domals nach gestalt und gelegenhait wol gestanden. Im hat ain römischer kaiser dozumal sein bayrisch wappen geendert
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und im an statt der blowen und weisen wecken zu einer straff ain roten hagendorn in ainem güldin feldt gegeben, sovil als ob er mit ainem feurigen und brinenden dorn vom landt und allem vätterlichen erbe seie gewisen. Es ist demselbigen ersten freiherren von Gundelfingen und seinen ersten
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nachkommen so glücklichen und wol ergangen, das sie in drei underschidliche herrschaften und linias sich getailt, auch ire wappen, iedoch allain mit den farben, haben verendert. Ainsteils haben sich freiherren von Gundelfingen, die andern von Steußlingen, die dritten von Justingen genennt und
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geschriben. [479] Und so mans recht erwegen will, haben sie nit ain kleinen theil ertrichs ingehapt, sonder gegen der Tonaw ein gueten tail der rauchen Alb besessen etc. Welcher maßen aber hernach die baide herrengeschlechter, als Steußlingen[10] und Justingen, abgangen, hat man lenge halb
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der zeit kein gewisse rechnung, sonder die güeter sein auch hin und wider zertrennt worden, einsteils an die clöster, auch sonst von ainem zum andern kommen, wie dann uf disem ertrich[11] nichts bestendigs, daz sie zletzstlich in handen deren vom adel gerathen. Die besitzens. Und hat der
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stamm Gundelfingen biß uf unser zeit geweret und in unser landtsart in großem ansehen gewest, zudem sie auch zu den bösten grafen- und herrengeschlechtern ieder sich verheirat und also iren stand im reich etlich hundert jhare here loblichen und wol erhalten. Letzstlich ist das geschlecht
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uf obgehörten herrn Schweikharten allain kommen, und ob er wol mehr gebrüeder gehapt, hat doch keiner derselbigen künder hünder ime verlassen. Dergleichen ist herr Schweikharten auch beschehen, der hat nie kein elich kündt gehapt.

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[326] Was die ursach darvon, hab ich ainest seltzame und abenteurliche ding hören sagen. Gott waist die recht warhait und wie es allenthalben beschaffen. Seitmals aber er keins leiblichen erbens gewertig, sein im dozumal in unser
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landtsart die freiherren von Zimbern, auch die grafen von Lupfen die nechsten, auch in gleichem grad verwandt gewest und hetten ime von recht und der pilligkait wegen ab intestato succediern mögen. Und aber allen zank, der sonst nach seinem todt hett megen entsteen, zu verhüeten, do hat er
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seinen jungen vettern, herrn Claudii von Poparten, herrn zu Gommenes, sone, [Stephan][12], mit bewilligen kaiser Carls an ains sons statt in nomen, arma et bona familiae adoptiert. In kürze aber hernach ist der jung herr gestorben und, wie man gesagt, soll er am morgens todt sein am bet gefunden
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worden. Do hat herr Schweikhart desselben jungen herren zwo schwestern gleichfals an kündsstatt angenomen, under denen die ain, [Apollonia][13], herrn [Johann][14] von Montfort ußer dem Niderlandt vermehlt, aber baldt ohne künder abstarb. Kam also die erbschaft allain uf die ander schwester,
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frölin Mariam. Die erpott sich herr Schweikhart umb die jhar 1531 und 1532, dem jungen herren Johannsen Christoffen von Zimbern vor andern zu vermehln und ime all sein verlassenschaft nach seinem todt darmit zu vermachen, aber herr Johanns Wernher, des jungen herrn herr vatter, konte
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oder wolte das glück, so ime hiemit bescherret und schon vor der thür war, nit annemen, oder thette doch so liederlichen und eußerlich zu der sach, das hiezwischen graf Ulrich von Helfenstain ins spill kam. Der hetts glück, dann seim eltesten sone, grave Jörgen, wardt das frölin von
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Poparten vermehlt, und entgieng also dem stammen Zimbern hiemit durch übersehen so gueter gelegenhait über die hundert tausendt güldin hauptguets, die dem geschlecht sonst in wenig jharen hernach zugefallen weren; dann herr Schweikhart weit bössers, dann iezgehört, hünderlassen.
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Also seind die gundelfingischen güeter alle uf die grafen von Helfenstain[15] gefallen. Die fieren Gundelfingen das wap-

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[327] pen bei dem iren quartiert, schreiben sich auch neben dem vorigen titel freiherrn zu Gundelfingen. Die ursach aber, daz herr Schweikhart herrn Claudii von Bobarden kinder vor andern verwandten zu erben seiner güeter gemacht, ist
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gewesen: Es hat bemelter herr Claudius ein grefin von Arnburg[16] zu ainem gemahl gehapt, derselbigen muetter war ain grefin von Kirchberg gewest und herr Schweikharts fraw muetter ganz nahe verwandt. Dergestalt kompt manicher, das er zuvor kein nachdenkens gehapt, zu großer
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[480] erbschaft, und ist das gelück allain dem bescheret, der es annemen und behalten kan. Aber man sicht, wo die genad Gottes, do ist auch alles gelück und der beifahl reichlich, also auch das widerspill. Zu außgang des jhars 1516 ward herr Johannsen
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Wernhern wider ain son geporn, der wardt im tauf genannt Johanns Christof ............ [17] Gleich zu anfang des nachvolgenden jhars 1517 do verainigeten sich herr Schweikhart freiherr von Gundelfingen und herr Jörg truchseß von Waldpurg mit ainandern, ain walfart in das künigreich
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Galliciam zu s. Jacoben zu thon. Die brachten nun etlich ritter und vom adel, auch ander mehr zu inen in ir gesellschaft, als namlichen herr Albrechten von Landenberg, ritter, auch sein vettern Haugen von Landenberg, Wilhelmen von Reischach, Renharten von Newhausen, herr Conrat Dreischen,
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ritter, genannt der lang Hess, Bernharten von Schonow, der Vetter von Neidegk, Wolf, apoteker von Überlingen; pfaff Seboldt war iren aller caplon. So baldt herr Johanns Wernher solcher rais gewar, begab er sich auch in die gesellschaft, aber sein gemahl, auch baide seine söne, herr
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Christof Wernhern und herr Johann Christof, verordnet er zuvor in sein behausung zu Mösskirch, und gleih in der ersten vastwochen im jhar, wie oblaut, kamen die drei herren zu Costanz zusamen. Von dannen raisten sie den nechsten durchs Schweizerlandt. Zu Freiburg in Üchtlandt stießen
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die obgenannten vom adel zu inen. Mit denen zohen sie durch Frankreich in Hispaniam, besuchten den lieben s. Jacob, auch die gaistlichen herren zu Montserat; nachgends kamen sie nach Corporis Christi glücklich und wol wider heim.

Herr Jörg truchseß von Walpurg ward dozumal landthofmaister[18]

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[328] [19]in Bairn, der erlangt erlaubtnus von herzog Wilhelmen und herzog Ludwigen, geprüedern, seinen herren, und raisete auch zu s. Jacob, aber er nam mit seiner gesellschaft ain andern weg an die handt, nemlich durchs
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Niderlandt, in Seelandt und darnach per mare biß in Hispaniam; kam auch selbigs jars glücklich wider heim. Er het niemands bei sich seines gesünds, dann ein edelman, hieß Jacob von Seckendorf, und sonst ain diener, hieß Paulin Bayr......[20]
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Herr Johanns Wernher fandt anhaimsch leidige meere, dann hiezwischen und er uf der walfart umbzogen, war ime sein eltester sone, herr Christof Wernher, zu Mösskirch, da er dann auch in die zimbrisch begreptnus vergraben, gestorben, dess er zumal leidig und unmuetig wardt, aber
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doch Gott bevelchen mueste. Man sagt, der jung herr seie allain von flüssen gestorben, die haben ine ersteckt; derhalben uf die jungen wol acht zu geben und insonderhait, das die mit zugker und ander sießer speis nit also überflissigclichen verderbt und außer großer liebe zum todt
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befürdert werden.



  1. noch] hs. nach.
  2. und] ergänzt.
  3. frieren] hs. fieren.
  4. ainandern] hs. aindern.
  5. zugebracht] so ist wohl zu ergänzen.
  6. aussprechen] hs. ausprechen.
  7. halten künden] hs. halten werden.
  8. 14] ergänzt; die wittwe starb am 30. Mai 1560; s. Roth von Schreckenstein in den Württembergischen Jahrbüchern, Jahrgang 1864, s. 356, anm. 1.
  9. ein] dürfte zu ergänzen sein.
  10. Steußlingen] über die herren von Steußlingen vgl. Stälin, Wirtembergische Geschichte II, 537, über die herren von Justingen ebendas. s. 595, anm. 2.
  11. ertrich] hs. ertrichs.
  12. Stephan] ergänzt; vgl. Roth von Schreckenstein a. a. o. s. 356 ff.
  13. Appollonia] ergänzt, war nach der ausführung Roths von Schreckenstein keine schwester der Maria Bowart, sondern eine tochter Philips, des letzten grafen von Kirchberg.
  14. Johann] ergänzt.
  15. die grafen von Helfenstain] über diese erwerbung der gundelfingischen güter s. Kerler, Geschichte der Grafen von Helfenstein s. 137.
  16. Arnburg] d. i. Aremberg.
  17. . . . ] lücke in der hs. für 3 linien.
  18. landthofmaister] hs. landthofmaisters. WS: Das Wort wurde aufgrund der Fußnote auf dieser Seite vervollständigt.
  19. WS: das in der Barrackschen Ausgabe getrennte Wort wurde auf der vorhergehenden Seite zusammengezogen.
  20. ...] lücke in der hs. für eine linie.