Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 34

Textdaten
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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Diß nachvolgendt capitel thuet meldung etlicher spennigen lehen, denen Gremlichen zugehörig, auch von Hanns Jacoben Gremlichen zu Hasenweiler, was er für guete hendel gehapt.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 328–332
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Diß nachvolgendt capitel thuet meldung etlicher spennigen lehen, denen Gremlichen zugehörig, auch von Hanns Jacoben Gremlichen zu Hasenweiler, was er für guete hendel gehapt.

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[481] Es ist zu wissen, das etliche jhar lang grose irrung zwischen den Gremlichen zu Hasenweiler und Menningen, Hanns Jacoben und Hansen, gevettern, an ainem und dann Hainrichen und Jacoben von Neunegk, gebrüedern, andertails gewesen von wegen des viertenthails des
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weinzehendens zu Süplingen, welchen zehenden Wilhelm Gremlich zu Hasenweiler und der alt Hans Gremlich umb herr Wolfen von Homburg, ritter, erkauft umb 1000 gülden. Bei dem selbigen verkauf und belehenung wolten die Gremlichen bleiben und denen von Neuneck keiner rechtmeßigen
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anforderung gestendig sein. So war aber bemelter von Neunegk muetter ain Gremlichin, deren vatter Conrat Gremlich gehaißen, und dieweil ir vatter auch am weinzehenden ain

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[329] tail gehapt, den sie auch ir lebenlang het genutzt, so vermainten die baid gebrüeder von Neuneck, der zehendt sollt inen billicher, dann den Gremlichen, zusteen, dann so der zehendt ain manlehen gewesen, wie das die Gremlichen
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fürgeben, so hetten sie den von herr Wolfen von Homburg, als erben Ludwig Gremlichs zu Cruchenwis, dann er desselbigen ainiche dochter gehapt, nit erkaufen dörfen, sonder es were umb sonst und ohne gelt an sie gefallen. Also hat der stritt solches lehens halb etliche jar geweret, von dem
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jhar anno 1512 an zu rechnen, in welchem jar die vorderung angefangen, das Agatha von Neunegk witib, ain geborne Gremblichin, ir lehensgerechtigkait am weinzehenden zu Süplingen irem son Hainrichen von Neuneck freiledigclichen zugestellt und mit brieflichen urkunden solch lehen herr
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Johannsen Wernhern, als dem lehenherren, ufgesagt und gebetten, das irem sone Hainrichen zu verleihen. Wie das Hanns Jacob und Hanns die Gremlichen, gevettern, bericht, haben sie dem von Neunegk solchs nit zugeben wellen und sich desshalben, wo sie Neuneck spruch und vorderung nit
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erlassen, mehrmals für iren lehenherren, herr Johannsen Wernhern, und die lehenman des rechtens erpotten. Dieser stritt ist etliche jhar gewesen. Es hat sich aber in brieflichen urkunden befonden, das anno 1475 der alt herr Wernher freiherr zu Zimbern außer ansuchen und pitt Wilhalms
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und Hannsen Gremlichs, gebrüedern, und Hannsen Ludwig Gremlichs, ires vettern, bewilliget hat, das ire vettern und basen, nemlich herr Hanns Gremlich, Johanniterordens comenthur zu Schwebischen-Hall, und dann herr Hörman Gremlich, caplon zu Ravenspurg, dessgleichen Agathen Gremlichin,
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Antonii von Neuneck hausfraw, Hainrichs und Jacobs muetter, auch Margretha Gremlichin, Erharts von Gravenecks eliche hausfrawen, alle viere geschwistergiten, iren aller lebenlang in leibgedings weis zu nutzen und zu niesen, und hat die Agatha von Neuneck ire geschwistergit alle überlept, auch
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den zehenden genossen, daher dann die ansprach erwachsen. Hernach in 12 oder 14 jharen hat sich widerum ain spann in der Gremlichen von Hasenweiler lehen, dem weinzehenden zu Süplingen, begeben; dann als Hanns Jacob Gremlich mit todt abgangen und bei seiner hausfrawen, war
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eine von Embs[1], zwen sön, Hanns Jacoben und Wolf Grem-

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[330] lichen, verlassen, denen dann von der freundtschaft herr Jörg Sigmundt von Emps, tomher zu Costanz und Basel, und Jacob Gremlich zu Menningen als tutores und gerhaben verordnet, do wardt Balthaser[2] von Hewdorf, Eitelbilgeris
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brueder, von der freuntschaft erbetten, den tail am weinzehenden zu Süplingen in der jungen namen zu lehen zu tragen, biß die jungen erwachsen. Denselbigen lehenträger name graf Hanns Wernher an. Als aber bemelter Baltus von Hewdorf im Türkenzug in Ungern anno 1542
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beliben, ist es von den tutorn, obgehört, vermist worden, das sie in jarsfrist, wie in lehenserforderungen gepreuchlich, dem lehenherrn kain andern lehenträger [482] fürgeschlagen oder gegeben, oder doch dem lehenherren glaublichen solichs erforderns kain glaublicher schein fürkomen,
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hierauf graf Johann Wernher vermaint, sollich übersehen oder nit weiter erfordern beschehe außer verachtung, oder das sie sonst kein lehenträger weiter geben, oder das lehen verschweigen wellen, derhalben reden uß erschollen, als ob der graf das lehen nit weiter verleihen, sonder einziehen
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welle. Hiemit ist den tutorn, dem von Emps und dann Jacob Gremlichen, zu werk geschnitten gewesen. In sollichem allem sein hin und wider allerlai missifen und geschriften ergangen, und sonderlich hat sich graf Johanns Wernhern gegen baiden tutorn, obgemelt, auch herrn Velkern von
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Kneringen, ritter, und Burkharten von Dankentschweiler, die im hievor hierumb zugeschriben, dermaßen erclert, seitmals er ain gefärliche ungehorsame bei den Gremlichen befonden und wol wer befuegt gewest, gleich nach dem aigenthumb zu greifen, iedoch, das sich niemands billich hab zu
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beclagen, so welle er die lehenman beschreiben und die stritig lehensach mit recht erleutern und darauf sich mit rechtlicher erkantnus zu erzaigen. Aber die sach und dieser stritt ist baldt hernach mit aim geringen abgetragen und verglichen worden anno 1543.
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Die zwen jungen Gremlichen, Hanns Jacob und Wolf, sein gar ainer ungleichen art gewest. Der elter, Hanns Jacob, war ein weibischer, küntlicher mentsch. Er het den theil Hasenweiler, do hauset er und war sein gröste kurzweil, das er frawenclaider solt anthon, die er dann ganz
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hipsch und köstlich hett. In solichen frawenclaider gieng

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[331] er dann uf die fest und sonnentag under seine pauren im dorf zum danz. So muesten dann die paurenknecht mit im danzen und in waidlich umbher drehen; das hett er für seine bösten delicias. Das solt ain große gehorsami bei
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seinen underthonnen haben gebracht. Er ist kein reuter gewesen, noch sonst auch kein weltmentsch, ist auch sein lebenlang niergends hinkommen. Darumb ist er uf ain zeit beredt worden, das ers gewagt, ain walfart zu unser Frawen geen Einsidlen zu thuon. Also, wie er sich doch zu
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Hasenweiler uf die rais erhept, do haben in seine bauren belaiten müeßen biß zu ende des eschs, auch hat im sein messner im dorf nachleuten müeßen, so lang er ine hat uf dem thurn sehen künden. An der widerfart von Ainsidlen do hat der botten vor anher geschickt. Als er schier zum dorf
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kommen, hat in der mesner wider einher leuten müeßen; auch sein ime seine pauren entgegen zogen in esch hinauß und haben iren junker von ainer solchen ferren und sorgclichen rais[3] empfangen und biß ins schloß wider belaitet. Er hett uf ein zeit seinen pfarrer an s. Niclaus tag hören
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predigen die legendt desselbigen hailigen und wie er drei schöner, erwachsnen döchtern erledigt und verhüet, das sie nit zu schanden oder sünden kemen, sonder das sie in ehlichen stat kommen. Darab hett er auch sollichs wolgefallen, das er sich entlichen entschloß, er wellt[4] auch ainmal
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s. Niclaus sein und in seinem dorf under den paurendöchtern umbher terminirn und sein liberalitett erzaigen. Damit er sich nun zuvor uf der ban beritte und sich versuchte, wie es im wellte ansteen, do legt er an sant Niclaus abendt ain alb an und ain dalmatik darüber; so hett er im vorhin ain
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gemalten bischofhuet und ain stab hierzu machen lassen. In solchem must im der messner beholfen sein und sein rüttmaister sein. War der mainung, er wellte uf der kirchen sich probieren; do hett es underm dach ain weite, große lauben, war ain kornschütte, die mogten die pauren im dorf
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brauchen und ire früchten dahin schitten und behalten. Nun hetten aber die pauren desselbigen aubents etliche seck mit korn in die kirchen gepracht, die wolten sie uf die schüten hinauf gezogen haben; als sie aber vernamen, [483] das iren junker was gefert wolt selbigs aubends uf der lauben
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anrichten, do ließen sie die früchten in secken hieniden in

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[332] der kirchen ligen und vergaßen aber darbei, das sie das loch oben in der büne under dem zug nit wider zuthetten, ließens also ofen steen und die seck in der kirchen. Gegen aubents kompt der junker mit seinem messner und ainem bueben, geet uf die lauben; da legt man ine an in cappis
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et cotis, wardt aber in dem fahl übersehen, daz er vom messner nit gewarnet, sonder das zugloch noch offen stunde; villeucht hat ers auch nit gewist, oder het gern gesehen, das sie des narren weren abkommen. Also, wie sich der junker probiert und sant Niclausen simuliert, sicht er nit
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wol für sich, zudem auch der aubent anfieng und etwas dunkel war; derhalben trifft er das offen loch am zug und felt sampt der infel und dem stab in die kirchen hinab uf die seck. Die halfen im mit dem leben darvon. Der messner und der bueb liefen die stieg hinab, aber der junker war
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vor inen in der kirchen. Der clagt sich des fahls gar übel, wiewol im nichs geschehen, allain der bischofstab, den hett er entzwei gefallen, aber dem bischofhuet manglt nichs; so stand es auch noch wol mit der kappen, daran die langen oren. Gleich ward ain groß zulaufen in die kirchen von
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bauren und allerhandt sorten volks. Also, do dem s. Niclausen nichs sonst braste, do füerten die bauren iren s. Niclausen und den junkern wider heim ins schloß, und het die comedia ain ort. Hernach wolt er nit mehr s. Niclaus sein, het der santweis genug, dieweil ime das hailigenwesen
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im anfang so übel war geratten. Aber seine pauren hetten mit iren secken den junker erhalten, darumb ist der harnisch guet, sonderlich an dem ort, do man sein am bästen bedarf. In den kunkelstuben do hat er vil geferts gehapt. Er ist unverheirat gestorben, und sein die güeter an sein brueder
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Wolfen kommen, der waist die seins gefallens wol zu gebrauchen.



  1. eine von Embs] die stammtafeln von Hübner und Bergmänn nennen diese nicht.
  2. Balthaser] hs. Bathaser.
  3. rais] hs. sorg, ein schreibfehler.
  4. er wellt] hs. ewellt.