Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 32

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Diß capitel sagt von etlichen schalksnarren und andern dorechten mentschen, was sie zu disen zeiten für gueter schwenk getriben haben.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 310–319
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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[469] Diß capitel sagt von etlichen schalksnarren und
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andern dorechten mentschen, was sie zu disen zeiten für gueter schwenk getriben haben.
Wir haben in nechst vorgehendem capitel etlich guete schwenk, die sich mit Gabrieln Magenbuch begeben, erzellet, und wiewol villeucht ain ernhafter leser ganz superstitios
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vermainen mechte, schimpflich oder verkerlich zu sein, die lecherlichen bossen von obgehörten dorechten oder unbesinnten mentschen in ain solliche historiam einzumischen, iedoch das alles wol erwegen und diese gedanken bedechtlich hündangesetzt, so werden die sachen, wie die ergangen,
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auch was sich in unser landtsart bei den zimbrischen underthonnen, zugehörigen und vernachpurten zu zeiten begeben, angezeicht und mueß der leser also nach erkündigung sovil trauriger und nachtailiger handlungen mit diesen dorechten oder kurzweiligen sachen widerumb recreirt und ufgehalten
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werden, welcher sich dann vil nach dem ervolgten vertrag mit den grafen von Werdenberg begeben; dann es hetten die von Werdenberg ain kündischen mentschen bei inen, hieß Auberle Hesel, war ain kindt; den erzogen und erhielten ernempte[1] grafen von Gottes willen. Graf Christof
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von Werdenberg schickt in zum oftermal geen Mösskirch, da trib er dann vil kurzweil und bracht herr Johannsen Wernhern und seim gemahl, auch der ganzen messenei

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[311] (also nampt ers) ain grueß von marfrawen von Mantua, die war graf Christofs gemahl. In schickt graf Christof uf ain zeit abermals geen Mösskirch. Herr Johanns Wernher hett sein fraw muetter, die grefin von Ettingen, und ander erlich
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leut zu gast geladen; ihe man fatzt den narren, das er außreißen und entlaufen wolt. Herr Johanns Wernher eilt im nach, ergriff den narren, der schon vor der thür war, bei dem kittel, zoch den kittel, sovil er dessen ergreifen möcht, hinein und beschloß die thür, vermaint, in damit zu
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behalten. Aber der Auberle war nit unbehendt, schnit den theil kittels an der thür ab, lief darvon. Wie nun menigclichen achtet, er wer noch verhanden, und die thür geöffnet, fiel der theil kittels in die stuben, und sahe man in über den äußern hof hinlaufen. Nachdem nun Auberle
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Hessel zu Sigmaringen gestorben, hat graf Christof ain andern narren überkommen, hieß der Nuspaum, war ain seltzamer vogel. Der hett ain sprüchwort an ime, das er sagt, so entwann ainer zu spatt kam zum essen oder andern sachen: »Man macht dir kein aigens.« Noch hett graf
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Christof ain andern narren, der hieß Hanns Hofmaister, war ain wunderbarlicher abenteurer. Der kam uf ain zeit gen Habstal[2]; dohin hett in graf Christof von Werdenberg geschickt mit aim brief. Er hett sich aber uf seim affenwerk des wegs verhündert, das er zu spat kam und sich des
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morgenessens versaumpt. Die schwestern hießen den narren willkom sein, mit vermelden, sie hetten ime nichs zu essen zu geben, dann er hett sich verspettiget, und hett sich gleichwol gefüegt, das sie auch zu im hetten gesagt, wie sein gesell, der Nußbaum: »Man macht dier kain aigens.«
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Aber der Hofmaister wardt nit unbehendt, sprücht zu der priorin: »Ach, fraw, sein von meinet- und meins essen wegen unbekümmert! ir dörfen mir nit vil geben, ich frag auch kaim essen sonderlich nach, allain, so ich hab ain guet voressen, ein suppenflaisch und ain [470] guete, wolgesottne
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hennen und ain prates, sampt ainer maß wein, bin ich sein gar wol zufriden und bedarf nit mehr.« Dem narren war ernst und vermaint, er het gar wol von der sach geredt. Aber er muest sich vil neher behelfen und mocht im nit

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[312] das halbthail nach seinem begern gepürn. Graf Christoffen ist es hernach fürkommen, der hat des gauchs wol lachen megen. Und ist dess weniger an ain solchen doren zu achten, dann es lud sich uf ain zeit graf Wolf von
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Hochenloch bei Philips Echtern, der domals vizthom war des fürsten von Menz zu Aschoffenburg, zu gast. Philips Echtern entschuldiget sich, er kennte in uf dizmal also unversehen der gepür nach nit halten. Der graf ließ nit nach, sprach: »Ach, mein vizthom, ir dörfen von meinen wegen nit ängstig
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oder sonders bemühet sein, ich frag vilerlai essen gar nit nach; so wir ain essen vierzehen oder fünfzehen haben, will ich wol zu friden sein und nit mehr begern.« Darbei war im auch ernst. Philips Echter sprach: »Herr, ain kue bescheiß euch, und ain große, schwarze kue[3] ! wa wolt ich
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euch sovil essens geben künden? ir müeßen also zu unzeiten mit vil wenigerm verguet haben.« Also aßen sie mit ainandern. Philips Echter war ain hof- und weltman, der gab dem grafen sovil zu essen und zu trinken, das er halt all satt ward und nach dem essen entlüef außerm hof ohne
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seiner diener wissen, und wolt über den Main geen Leider faren, war ain kleins dörfle, so er doch wol hett über die groß staine brucken kommen künden. Aber es war ain rechter schwindelhürn[4]; wie er gelept, also ist er auch darnach hingangen. Aber ad propositum. Der Hanns
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Hofmaister mueste zu Sigmaringen der esel warten und das wasser hinauf ins schloß fieren; so dann die essel tragendt wurden, wont er, es were seine künder, und lief dorafter zun edelleuten, zaigt inen an, die essel weren schwanger, und bat, sie wellten gefettrig sein. Dergleichen geucherei
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trib er vil, dann die leut schankten ime gefettriggelt. Das gefiel ime wol. Nit mag ich wissen, obs er, oder gleich sein herr domals bösser bedachtet haben. Herr Johanns Wernher het noch ain solchen dorechten man, war auser Oberndorf bürtig; man hieße das geschlecht nun die Scherer,
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iezundt werden sie die Gengle genannt. Er hieß Wolf Scherer, aber von wegen das er so dorecht und ain so wunderbarlicher, verkerter mentsch, ward er nit Wolf, sonder Petter Letzkopf gehaißen. Er gieng sommer und winter

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[313] ohne hossen und schue, und wiewol er gelt sovil, das er sich het mit klaider und geschüch beschleufen mügen, ime auch hin und wider vil geschenkt wardt, so trueg er doch die schuech an der gürtel, und ward ain solcher landfarer,
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das er an kainem ort blib. Insonderhait, wo er am allerwerdesten und am maisten ward ufgehalten und do man in am liebsten het, do kunt er am minsten bleiben; so er dann märkte, das er an aim ort unwert, konte den narren niemands auß dem haus bringen. Herr Johanns Wernher
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het den armen mentschen manichmal gern behalten und umb Gottes willen erhalten, aber da war kain bleibens. Er kam uf ain zeit zu im geen Mösskirch, also ward er, wie dann zu hof der prauch, gefatzet. Das verdroß den düppel nit wenig, derhalben, domit er sich reche, besteckt er alle
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die schloß mit helzlin, do er vermaint, das herr Johanns Wernher die geprauchen muste. In maßen, do herr Johanns Wernher kam und vermaint ufzuschließen, fande er die schlüssellöcher alle[5] voller hölzle, und muest man übelzeit haben und die schloß alle abbrechen, auch die [471] thüren
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übel zergengen. Herr Johanns Wernher war dieser abenteurer gar übel zu friden, besorgt, der narr mögte villeucht im hernach noch größern schaden zufüegen, derhalben nach erinnerung der beschehnen bosshait, must der bosshaftig narr die statt und herrschaft verschweren. Er wardt Kilian
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Fleinern, war herr Johannsen Wernhers raisiger knecht, zugeben, der sollt in außer der herrschaft füeren. Das beschach. Kilian fürt den gauch biß gar nahe zum closter Waldt, da verließ er in und ritt wider heim. Aber der Petter war der helzer wol bericht und darzu uf seinen füeßen
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geng beritten. Der macht sich nach abscheiden des Kilians, seins glaitmans, uf den weg und kam vor dem Kilian geen Mösskirch. Iedoch wolt er nit zum underthor hinein, sonder lief stracks über alle wisen, fiel durch die Ablach und zum Müllerthürlin in die statt. Wie nun der Kilian in das schlos
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wil reiten, sicht er den narren am Markt steen, dess er sich nit wenig verwundert; zaigt das seim herrn an. Herr Johanns Wernher beschickt eilends den Petter; den erinnert er, was er geschworen, und seitmals er als gröblich übergangen, was er damit beschult. Der narr war aller sach
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gestendig, zaigt aber an, nachdem Kilian von im geschaiden,

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[314] were er uf ain großen stain gesessen und hett in alle welt rings herumb gesehen, so hett im aber kein ort an der welt mehr gefallen, dann Mösskirch, darumb würt er sich auch nit von dannen weisen lassen. Herrn Johannsen
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Wernhern war der zorn zum thail wider vergangen, mueste des narren küntlichen reden und dorechten geperden wol lachen und ließ ine gleich zu Mösskirch bleiben. Man sagt, er seie bei vier malen zu Compostella bei sant Jacoben gewesen, darumb er dann allwegen briefliche urkundt und
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warzaichen hat gebracht, wiewol er kain ander sprach, dann deutsch, reden konte. Aber es war nit vil an im gelegen, darumb het er das glück. Nun war dozumal zu Rordorf ein einfeltiger mentsch, hieß Hainrich Klenger, er ward aber nun der Lulle genannt.
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Derselbige hett uf ain zeit was verschult, darumb im gnad bewisen, das er zu abtrag seines verschuldens zu s. Jacob gehn solt. Dess muest er ain aidt schweren. Also wardt er diesem Petter Letzkopf angehenkt, der sollt mit ime gen Compostellam. Sie machten sich beide uf die rais, aber
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der Petter kam allain wider, und ist ain großer argwon gewesen, er hab den Lullin uf dem weg ermürdt, wiewol das nit hat gewisslichen angezaigt oder beigebracht mügen werden. So er darumb zu redt gestellt, sprach er, Lulle were an eim morgen früe von ime komen, wist nit wohin, und
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hett in nit mehr gesehen. Darbei muest man ine bleiben lassen, oder es wardt doch weiter nit hinnach gefraget, hat auch nit wol sein künden. Mer dann ainmal ist er zu Rom gewesen. In Italia ist er uf ain zeit zu aim deutschen betler, eim blinden, kommen, den hat er hin und wider dem bettel
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nach gefüert. Ainsmals, als derselbig bettler, der blindt, seins vermainens allain gewesen, hat er vierzig stuck golds, so er in seinem bettelmantel vernehet und verborgen gehapt, herfür zogen. Das hat der Petter gesehen, aber nit dergleichen gethon. In kürze darnach sein sie baide dem
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pettel nach zu Rom umbher zogen, da haben sie mehrmals den größern thail Rom durchstrichen. Nun hat Petter seiner sach wol achtung geben, dann er ihe verhofft, im sollten die vierzig stuck golds werden, als auch beschach. Derhalben ains aubent spat, als sie baide mit ainandern über
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ain Tiberbrugken giengen und niemands verhanden, ersicht er, das der blindt [472] den mantel am hals hangen; darumb füert er in uf das ort der brucken, erwüscht den mantl

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[315] und sprücht zum blinden: »Sprüng! oder du felst über den stain». Der blindt vermaint nit also sorgclichen steen, und sprüngt. Damit felt er in die Tiber hinab, und also blib dem Petter der mantel und das gelt. Er hats von im
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selbs nit verschweigen künden. Darneben hat er auch anzaigung gethon, wie er umb solch gelt gleich liederlich wider kommen; auch seie er ains mals von etlichen Walhen uf dem weg begriffen worden, die haben ine uf den boden zerspannet und im gewalt angelegt. Also wunderbarliche
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und seltzame ding, so ime begegnet, hat er nit verschweigen, wenig bedenkendt, ob im was nachtails hierauß ervolgen megte. Als er wider in das Deutschlandt kommen, ist er vil wider zu herr Johannsen Wernhern gewandlet, der wolt in aber von wegen seins unsaubern wandels nit gern dulden.
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Er kam uf ain zeit geen Seedorf. Herr Johanns Wernher war sein gar unwillig, er wolt sich aber außerm haus nit thedingen lassen oder weichen. Wie er nun ain fenster in der größern stuben im schloß ufthuet, so fleugt ain maisen hinauß. Das nam herr Johanns Wernher, sich sein zu
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entladen, für ain ansprach, schlueg im die maisen für hundert güldin an und wolt ihe vom narren ain abtrag haben, oder gefangen legen. Der Petter sprach: »Wie kanst du dich umb das maislin also gestellen? Ich will dir ain anders kaufen umb drei heller.« Also nach vil wechselworten und
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thedigung umb die empflogen maisen, als der narr besorgt, herr Johanns Wernher würde ine umb den abtrag villeücht inlegen, macht[6] er sich eilends darvon. Herr Johanns Wernher het alle kurzweil darmit. Er ließ dem narren in aim schimpf und zu ainer angst nachjagen. Der lief den
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nechsten hinüber gen Zimbern zu herr Wilhelm Wernhern; bei dem war er auch etliche tag. Wie er aber von dem gesünde alda vernam, das herr Wilhelm Wernher willens were, in ainer kürze geen Zürich zu seiner schwester, der äptissin zum Frawenmünster, zu verraisen, lag er dem herren
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ernstlichen an, mit pitt, er sollte in auch mit nemen, dann er sonderlichen in Schweiz gern umbher terminierte, von wegen das man ime, wie er sagte, reuchlichen almuesen gebe und darnehen vil milch, die er gern aße. Aber herr Wilhelm Wernhern wolt des narren nit. Der wardt dardurch erzürnt
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und het heimlich achtung, an welchem ort herr Wilhelm

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[316] Wernhers reitrüstung war, und wie sein niemandt war nam, besetzt er die reitkappen mit leusen und macht sich darvon. Und wie sich hernach herr Wilhelm Wernher dessen nit versehen und uf den weg kam, befande er ain solche
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unruhe, das er die kappen hin thon und sich wider seubern lassen mueste, damit doch ain barbierer zu Schaffhausen genug zu schaffen gewan. Der Petter kam nach dieser bosshait nit vil mehr zu herr Wilhelm Wernhern und ist auch hernach verloren worden, das niemands wissen oder
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erfaren megen, wo er hin komen. Wol zu achten, er seie entwann under ain eis geschlupft. Man sagt von ime, er seie uf ain österliche zeit geen Einsidlen kommen, und dieweil man ine nit könt hat, ist er in der große menge des volks eins tags sibenmal zum hochwürdigen sacrament
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gangen. Wie er nun wider herauß komen, hat er allenthalben berüempt, wie so große gnad und ablas zu Einsidlen sei, dann es gienge, wer wellte, alda sibenmal zum sacrament. Das ist ime alles nachgelassen worden. Diesem Petter Letzkopf ist ain anderer dorechter mentsch
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in der profession nachgevolgt, der hieß Petter von Neufern. Der hat bei seinen zeiten vil seltzamer handlungen triben [473] und mertails zu und umb Rotweil sich enthalten. Zu herr Johannsen Wernhern, so der zu Seedorf oder zu Oberndorf gewesen, ist er vil und oft komen. Es het in herr
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Johanns Wernher uf ain zeit erzürnt, darzu stimpt auch Georg Will von der Scheer, war ain burger zu Rotweil, ein kurzweilig man. So wust sich der Petter höcher an inen nit zu rechen, sonder er sprach zu herr Johannsen Wernhern: »Ich dachte, du werest ain junker, so bistu nur ain schlechter
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edelman;« und wie alle anfiengen, dieser rede zu lachen, insonderhait Georg Will, sprücht der narr zu im: »Ich waiß nit, ob du ain zunftmaister bist, oder ain narr. Es hat mich, sprach er, alle welt für ain narren, was thuo aber ich? Ich hab die welt für ain narren.« Seins bösen, ungezempten
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mauls halber (dann er mit reden niemands verschonet, er were gleich hoch oder nider stands) wolten ine die von Rotweil uf ain zeit in der statt nit mehr dulden, dann er etlichen der großen Hannsen, so in gespait, die lauter warhait gesagt; darumb muest er alda weichen, welches er doch
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beschwerlich thete. Also kam er ain meil darvon in ain dorf, genannt Wülflingen, ligt am Hewberg und gehört dem graven von Zollern. Daselbst bestellten in die bauren zu

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[317] aim schmalhirten; also würt der hirt genempt, der die kelber, gaiß, schaff und ander klein vich hüeten soll. In der beställung soll er von den fürnembsten der gemaindt bericht[7], uf was waid er faren solt, insonderhait ward im ain berg,
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nit ferr darvon gelegen, in ansehung das vil welf darin, hoch verbotten. Also da man den narren denselbigen berg und waldt verbott, do facht in erst an, das vich darein zu treiben. Begab sich in wenig tagen hernach, das der Petter mit seinen gaisen und schaffen an das verbotten ort kam; also
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waren die wölf da und verzuckten sechs schaff von der hördt, die waren gleich zerrissen und gefressen. Der narr stält sich greusenlich, er schalt die wölf und warf mit steinen nach inen, aber es half nichs. Die sechs schaf waren hin und zu allem glück oder unglück gehörten sie alle sechs
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aim mair zu. Derselbig war der sach gar übel zu friden und nam den narren im dorf mit recht für. Der narr erschin. Da thette der paur ain große clag uf den Petter, wie er durch seinen unfleis in umb die schaf gebracht und zu schaden gefürt hette, mit beger ains abtrags, sampt dem
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erlittnen costen. Der Petter tratt nach beschehner clag fürs gericht und wolt sich verantworten, aber die richter vermaneten ine, er solt ain fürsprechen außerm gericht nemen, der im das wort thette. Petter sagt, er dörfte kains fürsprechens, sonder könte im selbs genug reden. Darauf
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sprach er zu den richtern, er were der clag nit gestendig, zudem unbillich, das er die schaf bezallen sollte als der, so keinen nutz darvon ingenommen, sonder der sollts billichen bezallen, der sie gefressen hette; und sätzts damit zu recht. Hüerüber bedachten sich die richter nit lang, und dieweil sie
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sonst mehrtails dem maier, dem der schadt beschehen, villeucht sonst abgünstig waren, do erkannten sie ainhellig für den narren und namlich, das der oder die, so die schaf gefressen, billich bezallen und allen uncosten abthon sollten. Der mair war der urthel nit content und, so er von seinen
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freunden und verwandten nit abgehalten, het er appelliert. Aber der Petter begert der erhaltnen urthel brief und sigel. Das wardt im von wegen des uncostens, so weiter darauf laufen het megen, aberkent. Also blib die rechtvertigung uf dißmal darbei, und entstunde vil gespais herauß, dann

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[318] niemands wissen megte, welche welf, oder wievil deren weren gewest, so die schaf gefressen und allen uncosten sollten ablegen. Nichs destoweniger wolten die maierschaft zu Wülflingen deren schlappen nit mehr gewarten, gaben dem Petter sein
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verdienten lon nach marzall und bestellten ainandern hirten. Es haben in kürze hernach [474] die pauren zu Iringen im Preisgew ein so narrechte urthl geben, als aim müller daselbst ein essel in ain weingarten entloffen und drauben gefressen, darüber vom inhaber des weingarten für gericht
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geladen, red und antwurt gehört worden. Do haben die richter daselbst zu recht erkennt, waverr der essel in weingarten nider gesessen und den schaden gethonn, und das also zurecht genug beweisen werden mag, soll der müller nach erkenntnus für in bössern; waverr aber der essel nit
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nidergesessen, sonder allain passando die trauben versucht, soll es für ain ehrtrinkle geachtet werden. Also ist, das ich main, der cleger noch mit der inquisition bemühet, das er nit gründtlich beibringen mag, ob der essel gesessen oder gelegen, oder wie er die trauben gefressen.
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Also sagt man auch, sei vor jharen ain armer man mit zwaien esslen geen Hildelsheim komen, und dieweil er in ainer garkuchen gessen, do haben die zwen essel sich ledig gemacht und ainer apoteken sich genehert, und als eben ungeschicht selbigs tags der apoteker in zwaien geschieren
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ein claret[8] zugerüst (wie sich dann die septentrionalische lender sölichs gedränks vil gebrauchen) und die werkstat umb essenszeit offen gestanden, haben sie solchen claret ußgesoffen, sein darvon unsinnig worden, gesprungen und seltzam affenspill getriben. Als nun iederman zugeloffen,
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hat der apoteker seins schadens gewaret und den gueten, armen man, der von dieser ungewonlichen zech nichs gewist, vor der obrigkait beclagt. Also hat sie der burgermaister zu baiden thailn verhört, und do er vernomen, das die essel zum trunk gestanden, hat er gesprochen, man solls
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nun für ain ertrunk halten. In somma, das ich diß capitel beschließ, kein schedlicher ding ist, als da ain herrschaft einen solchen lust mit narren hat; dann was wolt im regiment mit dergleichen leute ußgericht werden? Gleichwol die armen leut auch umb Gottes willen, wie billich, erzogen
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sollen werden. Bei unsern zeiten hat graf Hoyer von Mans-

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[319] feldt vil narren und nerrin erhalten und, so er ain sondere kurzweil, hat er die in der dürnitz in eim erker zusamen beschlossen und verspert, darvor ein eisin getter gewesen. Alsdann haben die narren ainandern gerauft und ain wilde
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weis gehapt; denen hat er mit höchsten frewden zugesehen. Were bei den alten Griechen oder Römern in eim viro illustri ein seltzams zu hören gewesen, aber die nationen und zeiten haben ire sondere maniern und gebreuch.



  1. ernempte] hs. ernempten.
  2. Habstal] über dieses kloster s. Zingeler, Urkunden zur Geschichte des Klosters Habstal, in Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern, XI. Jahrg., s. 35 ff., und X. Jahrg., 66 ff.
  3. schwarze kue] über die schwarze kuh s. Liebrecht in den Heidelberger Jahrbüchem 1863, 683; De Gubematis, Die Thiere in der indogermanischen Mythologie, übersetzt von M. Hartmann (1874) s. 36 und 675.
  4. schwindelhürn] hs. schwinderhurn; s. register.
  5. alle] hs. aller.
  6. macht] hs. machts.
  7. bericht] es ist entweder zu ergänzen: erhalten haben, oder es ist statt soll zu setzen erhielt.
  8. claret] kleine Schriften v. W. Wackernagel I 104 ff.