Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 31

Textdaten
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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Von etlichen lecherlichen schimpfbossen, die sich mit dem alten Gabriel Magenbuech zu Oberndorf und anderswa begeben haben.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 295–310
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Von etlichen lecherlichen schimpfbossen, die sich mit
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dem alten Gabriel Magenbuech zu Oberndorf und anderswa begeben haben.

Zu denen zeiten, als herr Johanns Wernher sein wonung 1

[296] in der herrschaft vor Waldt, hat er allerlai kurzweil gehapt, insonderhait aber ist Gabriel von Magenbuech, ain erlicher von Magenbuech, mehrmals zu im kommen. Der hat vil schimpflicher, lecherlicher hendel bei seinen zeiten gehapt,
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derhalben er den herren allen dreien fast lieb gewesen. Er ist uf ain zeit mit herr Johannsen Wernhern in die herrschaft Mösskirch geritten; der hat in uf ain jagen mit genomen, also ist Gabriel, allernest bei Guettenstain, mit listen uf ain wefzennest gehaißen worden zu sitzen, welches er
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gethonn und übel von den wefzen gestochen worden. Als er nacher wider ufgesessen und herr Johannsen Wernhern vorgeritten, hat in derselb, als sie under ain baum und aim nideren ast hinreiten müeßen, mit reden, das er hünder sich sehen muest, also ufgehalten, das sich der guet Gabriel selbs
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ab dem ross geritten. * [1545] In etlichen jaren hernach war ain edle junkfraw, hieß . . . von Rosen, bei graf Wilhelms gemahl von Eberstain im frawenzimmer, die straift sich selbs auch dergestalt ab ainem pferdt, wie bemelter graf Wilhelm und dann die
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grefin zu irem herr vatter, graf Philipsen von Hanow dem elter, gen Buchsweiler[1] welten raisen und ine ain mal haimsuchen. Das gieng also zu. Sie sprachet im raisen mit dem jungen graf Philipsen von Eberstain; wie sie aber der maßen arguirt, do rit sie ganz unversichtlich under ain baum,
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darvor sie dann niemands thet warnen, und zu allem unglick het derselbig baum ain rechte zwickgabel an ainem ast, der für den baum heraußgieng. In dise zwickgabel kam die junkfraw mit dem haupt, blib darin hangen, das ross gieng under ir hein. Da hieng sie, wie man vom Absolone
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schreibt, biß der ast brach; do fiel sie uf den boden herab und der ganzen mesanei mit irer reuterei ein gelechter macht. * Wie er [Gabriel] nun zu großer ungedult und zorn bewegt, ist er mit herr Johannsen Wernhern ufs morgenessen
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geen Guettenstain kommen. Underwegen ist er außer anschicken herr Johannsen Wernhers von vilen weibern zu Guettenstain ufgefangen worden, die haben im sein were mit gewalt abgürtet. Als das Gabriel ersehen, hat er in zorn geschrieen: »Packt euch[2], ir kotzen! das euch botz
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schweiß schende! flüecht, oder ich steck aine an ein schwerdt!«

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[297] Damit grief er nach der were, do het er kaine an; also wardt er von herr Johannsen Wernhern bei den weibern außgebürget. Als sie nun in den pfarrhof kamen und Gabriel in die kuchin gienge, ersahe er etliche gebrattne hüner
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noch am spiß, darab er als ain hungeriger ain solche frewde empfieng, das er wider begüetiget und den zorn fallen lassen. Hierauf herr Johann Wernher [461] haimlichen die selbigen hüner voller eisner negel bestecken lassen. Ob disch hat Gabriel nit essen wellen, sonder uf die gebratne
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hüner sich gespart; wie aber die zu disch gebracht, hat er die außer bevelch herr Johannsen Wernhers zerlegen sollen, welches im aber nit meglich; zu dem verderbte er etliche messer. Er nam ain ander hun, dann das drit, dann das viert und versucht alle mittel, die fürzulegen. Letztlich, wie
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er die eisnen negel ersicht, würt er so zornig, das er die hüner, die messer und alles brattes mit der blaten hünder die thür würft, dess iederman wol lachen mögte, sonderlichen aber, als im der zorn wider vergangen, der hüner ainstails wider ufheb und, unangesehen das sie ganz
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unsauber, doch hungers halb essen mueste. Es war domals ain pfarrer zu Mösskirch, genannt herr Adrian Dornfogl, war gleichwol gelert, aber gar ain hochfertiger und geitiger pfaff, wie man deren dann noch mehr findt. Ab dessen predigen hett Gabriel ein groß misfallen;
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dann als der pfarrer oftermals vom opfer geprediget und under andern ermanungen zu dem volk gesagt hette: »Liebs kindt, es ist mir nit umb den silberin pfening, so du mir gibst, zu thuon, aber vil mehre umb dein arme seel», dise wort im Gabriel nit vertragen, sonder sprach: »Er leugt,
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der pfaff, das in botz schwaiß schende! er neme ain silberin pfening und das der teufel dich und mich hin neme; ich will ainmal ain solchen kelchbueben, der unserm[3] Hergott missrathen ist, so voller lecher stechen, als ain vischbehalter.«
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* [1322] Herr Adrian Dornfogel predigt vom David, wie er den großen Goliad het umbgepracht, und wolt auch seins vermainens reuterisch darvon reden, sprücht: »Der David nam ain stein in sein schlauder, damit draff er den risen in sein visitur, das er zu boden fiel.« Uf ain andere
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zeit prediget er auch den passion zu Mösskirch, und wie

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[298] er uf den passaige kompt vom Longino, wie er Christo in die seiten het gestochen, so sprücht er: »In dess so kompt ein alter hüneresser daher und sticht etc.« Es wolt iederman des alten hüneressers halben in der predig vor lachen
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zerbrochen sein, aber herr Gotfridt Wernher het nit vil gefallens darab. * Zudem het sich herr Adrian mehrmals berüempt, er hette vor jharen zu Freiburg uf der hochen schuel ein baren güldin zu lehrgelt geben, wie er hennen und caponen
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verlegen solte. Das war im Gabriel herfür streichen und vermaint ihe, die hochfart gehörte keim geistlichen zu, vil weniger aim seelsorger, der dem gemainen man ein guet ebenbildt sollte vortragen. Dise reden kammen dem pfarrer für und villeucht mit ainer böserung, wie dann vilmals
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beschicht. Der legt ain großen neidt uf in, und was er im auch laidts und widerdrieß beweisen konte, das wardt nit underlassen. Begab sich uf ain zeit, als der pfarrer uf ain hoch fest zu S. Martin predigen sollt und sich dess nit versehen, het im Gabriel zu ainer bosshait und das er in
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unrüebig machte in seiner predig, die dann er, Gabriel, vermainte, mehr außer hoffart, dann außer dem gaist Gottes beschehe, des morgens, ehe man zu der kirchen leutet, ain alt rosskommat uf die canzel gelegt; das mit ainem duch het er seuberlich überdeckt, und wiewol er das von
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menigclichem megte gesehen werden, idoch, wie der messmer, auch ander vermainten, es were villeucht ain buech oder etwas anders, das außer des pfarrers verordnung dahin were geschafft worden, ließ man das also bleiben. So gab sein der pfarrer auch kein acht. Wie er nun vor dem ampt
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uf die canzel geet und das bolster ersicht, befrembdt er sich dessen, und mit verwunderung, was das seie, hept er das duch uf. So ersicht er und menigclich in der kirchen das alt kommat, darab der gemain hauf, der sonst dem pfarrer nit bössers gonte, ain gelechter anfieng. Dess nam der pfarrer
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zu ainer solchen müeh und beschwerdt an, das er sich wainens nit enthalten konte, sonder überlaut an der canzel schrie: »O wee, o wee mir armen pfarrer, soll ich das gotzwort verkünden und ain prediger [sein] und würd zu aim kommat vergleicht! sollt ich das an hals henken?« Und
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wiewol [462] er sich mit vil und merern worten uf der canzel dieser schmach ganz übel gehueb, so ward er doch von seinen widerwertigen nur dess mehr verspott und ver-

1 [299] lacht, und vermainte der Gabriel, er het sich gleichwol an ime gerochen.

Dozumal ist bemelter Gabriel auch zu zeiten zu herrn Gottfriden Wernhern hinüber geen Wildenstain geritten und
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also etlich tag bei im bliben. Begab sich uf ain zeit, das er mit den reutern hinauß geen Lübertingen ins dorf spazieren gieng. Wie sie nun frölich waren, kamen und geselleten sich zwo gueter dirnen zu inen, die ain die hieß der Keffer, die ander der Hujus. Also wie der welt brauch,
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so wardt auch dem gueten Gabriel der Keffer zugetailt. Er zog mit ir spazieren und wellt nun, wie er ainig war, auch ain mal guet gesell sein. So wolt im aber solchs nit von statten geen, er nettiget sich gleich, wie vil und so hoch er welt und das er alle vortail gebraucht, so wolt es doch nit
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gerathen. Dess bewegt und erzürnt in so hoch, das er den penitenzer uf ainen block legt und den in ainer ungedult mit feunsten schlecht. Dess mögte die guet dirn wol lachen. Also ungeschafft name der Gabriel utrumque ein spottlichen, ahnischen abzug, war fro, das er darvon war. Wie er aber
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wider geen Wildenstain kumpt, geschwült er von diesen[4] schlegen und würt so krank, das im ain barbierer, war domals stettigs bei herr Gottfridt Wernhern, genannt Jacob Maienbrun, mit großer müeh und beschwerlichen mit dem leben darvon helfen kunt. Aber der dirnen vatter, hieß
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auch der Kefer, war ain gueter vogeler, und so ain groß capitel zu Mösskirch, hetten die pfaffen allweg guet [vögel][5] bei im bestellt; damit konte er sie nach notturft versehen. Uf ain zeit, als in wenig tagen wider ain groß capitel sein sollte, grief in unser Hergott so urplützlingen an, das er
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tödenlich krank ward, als er auch des legers starb. Wie nun herr Johanns Spindler, caplon, zu im kompt und zu der peucht ermanen, mit vermelden, das er nun hinfüro seine sachen zu Gott schicken und sich mit kainem andern gescheft weiter beladen, sprücht er ernstlich: »Ach herr,
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ich kan noch nit sterben, ich hab dem cammerer und capitelherren zu Mösskirch noch in achtagen ein anzal vogel verhaißen, die mueß ich inen zuvor bekommen und liffern.» Der caplon sprach: »Unser Herrgott kert sich nit an deine vogel, noch an uns Mösskircher pfaffen.« Hierauf sprücht

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[300] der guet Kefer abermals: »Lieber herr, ist das war und ir künden mir das leben ab? ich hoff, unser Herrgott werde sich dessfals weder an euch oder an die Möskircher pfaffen keren; darumb so faren wider hin!« Also mit großer mühe
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und beschwerlich kunte er dahin gewisen werden, das er sich versehen wolt lassen. Also starb er in wenig tagen, und muesten die pfaffen also seinet halber ohne vogel sein. * [1352] Dergleichen geschach über etliche jar hernach, anno 156 . ., do war einer zu Mösskirch, hieß Baschion
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Haine von Ringenbach, ein wunderbarlicher kunt. Der wardt gleich nach weihennächten krank, fieng an zu siechen. Das trib er biß schier zu der vassnacht, do starb er. Darvor aber beclagt er sich hoch, das er sterben solte, kunt oder wisst auch mit willen nit zu sterben, seitmals er noch kain
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vassnachtbutzen het gesehen. Aber er fuere furt und mögt der vassnacht nit erwarten. * Aber das ich wider uf Gabriels sachen kom, der ist uf ain zeit geen Villingen an Schwarzwaldt geraist, do hat er ain quidam in der herberg gefunden, so ain guldene schnur
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umb den huet gehapt, wie ainest der adel zu haben pflegt, und sich für ain junker het außgeben, darneben sich oben an disch gesetzt und ganz prachtlich gehalten. Ob disch, so sie mit ainandern geredt, hat in der Gabriel gedauzet. Das hat den andern verdrossen, iedoch hat er dessen sich
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nit sonders angenomen. Nun hat der abenteurer ain steuber oder ain hundt zum federspill bei sich gehapt, der ist neben im uf dem bank gelegen; den hat er zu zeiten zwickt und [463] mit den fingern pfetzet. So dann der hundt geschrien und sich übel gehept, hat er den hundt angesprochen:
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»Fason, hat dir junker Eberlin thon.« Also hat er diß und ander gaugelspill ob dem disch mit seiner junkerschaft getriben, dorab nit allain der Gabriel, sonder auch alle andere, so zugegen, ein groß misfallen gehapt. Gemanet[6] mich fast an junker Lumplis wesen, der ain hundt an ainer zwehel
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fürte. Es ist aber alles ansten bliben biß nach dem morgenimbiß, hat der vermaint junker den Gabriel angeredt, sprechendt: »Gabriel, du hast mich ob disch gedauzet, warum

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[301] dauzestu mich?« Antwurt Gabriel: »Warumb sollt ich dich nit dauzen? ich will dich dauzen.« Sprach der ander: »Gabriel, du solt mich nit dauzen, dann ich bin ain junker!« Hierauf Gabriel: »Botz schweiß! du bist kein junker.« So
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sprach dann der ander: »Ich bin ain junker.« Deren wechselwort triben sie sovil, biß letzstlichen der Gabriel ergrimpt, erwüscht den junker beim har und schlueg den lotter bluetübel, sprechende: »Sehe, sehe, bis ein junker! Wiltu noch ain junker sein?« Also pflag er, Gabriel, die historiam
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mündtlichen zu erzellen. Hierauf het der junker geschrieen: »O wee, Gabriel, laß mich mit friden! ich will kain junker mehr sein.« »Botz schwaiß:« sprach der Gabriel, »ich schlueg den lotter bluetübel, das er sich sollt erbarmbt haben.« Es haben alle assistenten ires handels also gelacht, das
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niemands under inen dem junker hilf beweisen künden. Der ist vom Gabriel, der im sonderlichen gehessig gewesen, also gerauft und mit fünsten geschlagen worden, das er sich eilendts, nach dem in Gabriel von im gelassen und sein mütlin wol zuvor an im erkület, wainendt und mit zerstrobeltem
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haar und großem spot darvon hat packt. Bemelter Gabriel dörft wol auch also ein lerman mit dem Martin von Fridingen haben angefangen. Derselbig kam ain mal geen Costanz in den tum, darin gieng er spaziern uf und ab, wie man pflegt; war aber ganz schlecht
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beklaidt, als dann die alten vor jharen keiner cöstlichkait der claider haben geachtet; iedoch vermaint er, man sollte ine billich kennen und auch für den haben, der er were. So bekompt im ainer, den grüest er. Der selbig kante ine nit von wegen der schlechten beklaidung und dann
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auch, das er, Martin von Fridingen, ain unachtpare person war. Darum gab er im ain schlechten beschaidt. Sprücht Martin: »Du solltest billich an dem knöpfle sehen, wer ich were,« und zoch damit sein huet ab, zaigt im ain kleins guldins knöpfle, das er an ainer schnur hett am huet
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hangen. Aber der Gabriel hat bei und mit herr Johannsen Wernhern und herrn Gottfridt Wernhern, baiden gebrüedern, vil seltzamer hendel gehapt; dann so die iezernempte beide geprüeder gemainlich oder ieder insonderhait hofgericht vor
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Waldt zu halten gesinnt, und die appelationen zu Seedorf oder Oberndorf außzusprechen, ward Gabriel von den baiden herren neben andern zu beisitzer am hofgericht erfordert,

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[302] doch mehr von gespöts oder gelechters wegen, dann notturft halb. Dess het er, Gabriel, ain groß wolgefallen und half urthl sprechen. So er dann von den herrn oder den andern beisitzern seiner rathschleg halb er gerüempt und
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befragt, wo im als aim handwerksman, eim weber, solcher verstandt und hoche vernunft herkeme, antwurt er, wie er in seiner jugendt vil umb Josen im part (dabei maint er den alten graf Josen von Zollern), den [464] auch bei Wernhern von Zimbern (maint er herr Wernhern von Zimbern
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den freiherrn, so genannt der Blaterer), mehr bei Alwigen von Sulz (dabei maint er den alten graf Alwigen) were gewesen, und so diese drei herrn als verrüempte und weise herren zusamen kommen und von iren sachen gerathschlaget und geredt, were er als ain junger gemainlich bei der thür
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oder hünder dem offen gestanden und sein haar mit baiden henden von oren gestrichen und inen, wann sie mit ainandern geredt: »Ja, ja, sommer gele, lieber oheim! wie rathst? wie wer dem zu thuon?« fleißig ufgemerkt; beschloß dann seine rede, das er sprach, selbiger zeiten het er von
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diesen herren sein vernunft und geschicklichait[7] gelernet, aber es were iezmals kain fleis oder begirde in den jungen, von den eltern oder verstendigern etwas zu erlernen oder zu erfaren, derhalben sie auch mehrtails nichs weiters könten oder wisten, dann fluchen und schweren und überflüssig
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drinken: »Botz Marte, ich bring dirs; Es gilt!« etc. Solche und dergleichen reden standen im ganz lecherlich und holtsellig an. So er dann von den baiden obgenannten herrn gebrüedern angesprochen, außer was ursach er, Gabriel, bei irem bruder, herr Wilhelmen Wernhern, nit auch so hoch
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angenem oder herfür zu den handlungen und berathschlagungen gezogen wurde, als von inen, damit brachten sie in zu solcher ungedult, daz er löcher in die disch kratzt, sprechendt: »O wei, o wei! ich bin nit guet wilhelmisch, ich kan vor den vogeln nit hinzu kommen.« Damit wolt er uf
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herr Wilhelm Wernhers amptman reden und deuten, hieß Conradt Vogel. So hett auch derselb neben andern ain diener, hieß Baschion Vogel, denen baiden war Gabriel über die maßen abgunstig und vermaint, sie verhünderten ine bei irem herren. So war er auch mit dem pfarrer
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derzeit zu Oberndorf, genannt maister Petter Keuferlin, stettigs

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[303] zu unfriden. Er redte den pfaffen und gaistlichen ein und tadelte ire missbreuch. Das wolten sie von ime nit verguet haben, thetten ime auch, was sie konten, zu laidt. Begab sich uf ein zeit, das die drei herrn gebrüeder zusamen kamen
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geen Oberndorf in maister Petters, des pfarrers, haus und ganz frölich waren. Sie hetten den Gabriel auch berüeft, unangesehen das inen bewust, das sie beiderseits ainandern ganz widerwertig. Iedoch von wegen der herren namen der pfaff und dann der Gabriel sich vil freuntschaft und guets
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willens gegen ainandern an. Under dem nachtmal gieng der pfaff mermals in die kuchen und hielt sich, wie ain gueter patter familias. Wann dann der pfarrer hinauß kam und Gabriel von herr Johannsen Wernhern oder herr Gottfridt Wernhern befragt wardt, was er uf dem pfaffen hielte, sprach
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er, Gabriel: »Solt ich den kelchbueben voller lecher stechen, wie ain vischbehalter?« und zertent damit seine arm. Indess gieng der pfaff wider in die stuben, so redt in dann der Gabriel güetlichen an, sprechendt: »Lieber maister Pettre, wir sein wol ains; last euch nichs anfechten! wir wellen
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guete büeblin sein.« Darab hette nun der pfarrer ein großen verdruß, wiewol er nit dergleichen thette, gab auch kein antwurt darauf, sonder, so er seine gescheft in der stuben verricht, gieng er stillschweigendt wider hinauß. Das geschach nun etliche mal, das Gabriel [465] den pfaffen in
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abwesen übel schalte, in gegenwurte aber allerdings lobte und wol zusprach, wiewol der pfaff alle reden vor der thür wol hören und verston megte, auch zuvor den unwillen, so Gabriel zu im truege, wol wisste. Als nun das etliche mal also beschach, richteten die herren ain helfer oder caplon,
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genannt herr Baschion, an, der bei maister Petern, dem pfarrer, im haus wonte und dem Gabriel insonders feindt. Derselbig caplon gienge in aim chorrock und stolen in die stuben, sprechendt: »Maister Gabriel, ir sein uf ewer alter kommen, ir habt, wie ich höre, vil böser stückle uf der
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seelen, ir sollen euch bekeren und ain bösserung ewers lebens an euch nemen und mir iezundt beichten!« Hierauf Gabriel erzürnte, am disch ufstande, den pfaffen erwüschte und wolt in uf den boden werfen. Indess gat der pfarrer wider in die stuben und ersicht die turbam. Dieweil er dann
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vorhin vom Gabrieln erzürnt, kunte er im selbs nit entziehen, er lief herzu, begriff den Gabriel beim hals, truckt den in aim grimmen und neid uf den bank, inmaßen das Gabrieln

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[304] das gesicht[8] vergieng, mit den augen glutzet und anders nit gestalt, als ob er gleslin in augen hett. Iedoch erholt sich der maister Petter wider, macht ain gelechter darauß und zoche alles in ain schimpf. So lachten die herren alle drei
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und menigclich zugegen, das Gabriel irer hilf und beistandt halben erwürgt und umbbracht were worden. Gleich darauf ward wider ain bericht von den herren zwischen Gabrieln und denen pfaffen gemacht. Er, Gabriel, kam uf ain zeit mit herr Gotfridt Wernhers, seines herrn,
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amptman zu Oberndorf, dem alten Hannsen Wernhern, genannt Saurheffel, in ein streit und triben die wechselwort so lang mit ainandern, das sich der Gabriel des bezigs nit erweren oder erledigen konte. Er entran im letzstlich selbs und sprach zum amptman, er thette im unrecht und lüge
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in schandtlich an. Das wolt der amptman nit guet haisen, und als er das seim herrn, herrn Gottfridt Wernhern, mit ernst klagte, und aber derselbig sein daran spottet, name er ine zu Oberndorf mit stattgericht für, und war die clag also gestellt, das Gabriel ine, amptman, uf die und diese
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wort het liegen lassen, mit beger, das er hierum der billichkait nach gestraft solt werden, auch ime ain abtrag und widerruef thon. Gabriel verantwurt die clag mit schlechten worten und war der nit gestendig, sonder als der amptman selbs gelogen, dessen er noch gestendig were und frei sagte,
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het er im das offenlichen verwissen und hetts in gar nit gehaißen, dann es im nie lieb gewesen; kunte sich auch darbei wol erinnern, das es ain verkerte und unchristenliche leer oder gehaiß were, ein nebenmentschen haißen liegen. Wiewol nun der amptman alle behelf suchte, iedoch
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erkannten die richter, man sollte die zeugen, von baiden theilen ernempt, fürstellen, die sollten gehört werden, und nachgeends beschehen, was recht ist. Also warden die zeugen ofenlich vor gericht verhört. Die sagten einmündig, das Gabriel den amptman nit het liegen haißen, sonder im
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allain die luginen verwissen. Darauf wardt Gabriel von der clag ledig erkennt. Es hat dem amptman, der hiermit vil gespait worden ab solcher calumnia[9] ain solche beschwerdt und verdruß empfangen, das er dem Gabriel die überig zeit seins lebens nie wider hold worden, sonder, wamit er
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künden, allen unwillen erwisen, inmaßen, wa die herrschaft nit

1 [305] also von seiner gueten schwenk wegen handt ob im gehalten, het er zu Oberndorf nit bleiben, sonder [466] an andre ort sich begeben und nider lassen müeßen.

* [1351] Ein gleichförmigs stomma hat sich vor der
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regierung zu Insprug begeben, dann graf Wolf von Montfort het von wegen der grafschaft Rotenfels vil zenk und nachpurlicher irrung mit dem haus Österreich; kam alles zu letzst für die regierung geen Insprug. Dahin wardt der graf vertagt, der erschin. Do thett doctor . . . Frankfurter, war
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domals cammerprocurator, ein schwere clag wider den grafen. Der verantwurt die clag, sovil meglich. Begab sich aber in den reden und widerreden, das der doctor sprach: »Ir, meine gnedige und günstige herren, der graf haist mich liegen.« Das verantwort graf Wolf und sagt: »Herr doctor,
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ich haiß euch nit liegen, [1352] es ist mir aber in trewen laidt, das irs thon.« Und wiewol der doctor gern het den rawen belz angelegt, iedoch muest ers bleiben lassen, und wardt ain gelechter darauß. Es war sonst ain doctor, der das gelt vorder lieb het, wie man sagt, das die verehrungen
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und gaben die götter und auch die mentschen erfrewen. * Aber obbemelter amptman, der Saurhefel, hett ain son, genannt Burk Saurheffel, ward ain kriegsman und darneben ain lecherlich, seltzam man, und als hernach herzog Ulrich von Würtemberg für Reutlingen zoge, war die gemain sag,
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er welt nach eroberung derselben an Swarzwaldt sich wenden, auch Rotweil, Oberndorf und anders der enden innemen, derhalben sich die von Rotweil in die gegenwehr risteten. Sie maneten die von Oberndorf, auch andere, so inen mit burgkrecht verwandt. Under andern Oberndorfern, so in
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zusatz gen Rotweil kammen, war dieser Burk Saurheffel. Nun hetten die von Rotweil der zeit ain burgermaister, hieß Hainrich Freiburger, war ain hochfertiger mann, der vil uf im selbs het. Der wolt dem kriegsvolk ain ermanung thon und das wol trösten, sagt vom krieg, sovil er sich darumb
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verstandt, und wie sie gefast, auch dem herzogen widerstandt thon künten. Solch übernemen des burgermaisters als dessen, so kein krieg nie gepraucht, sonder darvon redte, wie der.blind von farben, nam der Burk Saurheffel zu grosem verdruß an, derhalben, als der Freiburger von seinem rümen
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und geschwetz ihe nit lassen wolt, sprücht letzstlich der Burk offenlich vor ieder man: »Lieber essel, beiß mich nit!« Das gefiel den andern kriegsleuten allen wol, wiewol der

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[306] burgermaister das zu großer mühe und verachtung ufnam, dann er größlich verspottet und verachtet wardt. Iedoch, in ansehung das er und seine herren von Rotweil des kriegsvolks, das sie vermainten, notturftig waren, mueste er außer
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der not ain tugendt machen und das gespai vom kriegsvolk für ain schimpf ufnemen. * [1296] In diesem krieg do namen sich die von Dornow ires herren, des herzogen von Würtenbergs, sachen hoch an und villeucht schier etwas mehr, als andere
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würtembergische stet und empter, denen es baß wer zugestanden, auch das fruchtbarlicher hetten thuon kinden, wie man gemainlichen sprücht, was übel und am wenigisten beritten, das wel am allermaisten darvornen daran sein. Also die Dornower die hetten ain große beschwerdt, das die von
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Oberndorf mit der statt Rotweil im burgrecht und sich wider Würtemberg einließen, darumb den Oberdorfern zu ainer schmach und spot do dichten die Dornower ein aigen liedt, dessen anfang also was lauten:
»Oberndorf, du schebige haut,
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Du scheust die feindt mit kabaskraut,
Mit großen kabasköpfen.
So du dann wider haime kompst,
So gibt man dir nuß[10] und öpfel.«
Es namen sich die von Oberndorf deren sachen nichs an,
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ließens für oren geen, dann vil jar anher etwas widerwillen zwischen Oberndorf und Dornow gewesen. Das soll von dem lausigen wammas von Dornhaim sein ursprung nemen; ist ain sprüchwort, damit die Dornower gespait werden. * Es sein bemeltem burgermaister, dem Freiburger, seiner
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übergroßen hochfart und übermuet vil seltzamer und lecherlicher handlungen begegnet, sonderlichen aber mit graf Herman von Sulz. Derselbig war ain fromer, einfeltiger, kündischer mentsch und ward von seinem brueder, graf Ruedolphen, geen Rotweil verordnet, daselbst sollt er das
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hofgericht versehen. Begab sich uf ain zeit, als abermals hofgericht und das selbig vor der statt under den linden sollt gehalten werden, das der guet graf Herman mit seiner gesellschaft ob dem morgenimbiß sich zuvil verspetet, also das die urthlsprecher sein im Haimgarten (also würt der
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lindengart, dorin das hofgericht iedes mals angefangen und

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[307] geendet wart, genannt), ain guete weil warten muesten. Es hetten sich die procuratores und alle umbstender zu den schranken gethon, und ob gleich deren etlich, so in ansehung der kelte und winterszeit des verzugs halb
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ungedultig, so nam sich doch dessen niemands sonderlichen an, dann allain der burgermaister Freiburger. Derselbig trib seine spitzreden. Indess kompt graf Herman, der hofrichter, mit seinen dienern und den hofgerichtspotten, wie dann ain gewonhait, das die hofbotten allweg uf ain hofrichter warten
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sollen. Der guet Herman satzt sich in seinen richterstuel, der hofschreiber gab im den stab, wie gepreuchlich, in die handt. So facht der Freiburger für sich selbs und ohne allen bevelch der andern urthlsprecher an zu reden, sprechendt: »Gnediger herr, was mainen Ewere Gnaden darmit,
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das sie meine herren (damit zaicht er mit der handt uf die andern urthlsprecher) in diesem ungewitter und winterskelte so lang uf sich warten lassen?« Und als er mehr reden welt, richt sich graf Hörman uf, spottlechlendt, wie er dann sonst auch [467] ain lecherlich angesicht het, und mit ainer
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langsamen, gespöttigen, honlechlenden stim sprücht er: »Es ist schad, lieber burgermaister, ich hab auch oft uf euch warten müeßen.« Es wolt menigclich vor lachen zerbrechen, und muest sich mein herr burgermaister des gespöts benüegen lassen und darmit verguet haben, dann ims iederman wol
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gunte. Zu ainer andern zeit waren die drei herrn gebrüedere abermals bei ainandern zu Oberndorf in maister Petters, des pfarrers, behausung, und wiewol bemelter pfarrer und dann der Gabriel nit zusamen sachen, iedoch ward Gabriel
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von den herren von merers gelechters und vatzwerks willen auch berüeft. Der pfarrer het haimlich ain groß misfallen darab und hette das gern verhündert und sprache zu den herren: »Was mainen Ewere Gnaden doch mit dem schalksnarren, das sie den so oft berüefen lassen? nun kan er doch
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nichs, dann den wein außtrinken und die disch zerkretzen, darneben ain unnutz man sein.« Aber die herren kerten sich nichs daran. Der Gabriel kam. Nun het des Gabriels hausfraw, so im haus saße, ein schmerlaib verloren. Do het in die fraw bezigen, er het ir den entwert. Das wolt
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der Gabriel nit verguet haben und het die fraw auch gescholten. Das hetten die herren gebrüeder erfaren. Ob disch fiengen sie an, den Gabriel höflich mit dem schmer-

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[308] laib anzuziehen. Izund machten sie in zornig und ganz ungedultig, dann gleich ward er wider zufriden. Aber herr Wilhelm Wernher, der jungst under den dreien gebrüedere, het ain besondere fröde, das sich Gabriel also mit dem
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schmerlaib ließe ufreden; derhalben, so seine zwen eltern gebrüeder von dem fatzwerk abliesen, so sprach dann herr Wilhelm Wernher zu seinen brüedern: »Sagimen, sagimen!« wolt sie damit anmanen, das sie nit nachließen. Das beschach dann und so oft, das letzstlich der Gabriel märkte,
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das im sollichs außer anrichten herr Wilhelm Wernhers begegnet. Dieweil er sich aber kainer ungedult oder zorn gegen ime nit annemen dorft, trawet er im ob disch mit ainem fienger, sprechendt: »Wilhelm Wernher, das dich der drunken ritt schitt!« Indess, als die herrn und auch die
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diener und umbstender des Gabriels lachten, so kompt herr Baschion, der caplon, dem dann der Gabriel insonderhait feindt war; also heimlich von den herren gebrüedern underricht worden. Er war mit huet und cappen, auch eim rock wie ain baur beklaidet und trueg in der ainen handt ein
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großen schmerlaib in aim haffenreff. Damit dritt er für den disch. So bald in der Gabriel mit dem schmerlaib ersicht und erkent, wuste er wol, das ime das zu spott angericht; aber dem pfaffen wolt ers nit vertragen, darumb wüscht er eilends hünder dem disch uf, sprechendt: »Pfaff,
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das dich[11] botz schweiß schende! ich will dich so voller lecher, als ein vischbehalter, stechen;« und wie er an pfaffen wolte, ward er von den dienern, so vor disch warteten, ufgehalten. Hiezwischen kam der pfaff mit seim schmerlaib wider darvon, und wardt Gabriel wider begüetiget, darneben
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der turba von menigclichen wol gelachet. Under andern reden und propositen, die under der malzeit fürgiengen, kam herzog Ulrich von Würtemberg uf die pan, was bei desselbigen zeiten im landt Würtemberg für veste heuser und fürneme schlösser weren erbawen worden. Man
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gedacht auch des schloß zu Stutgart. Nun redt Gabriel sein tail darzu, gleichwol er sein lebenlang nihe alda war gewesen. Das markt herr Gottfridt Wernher; der erzellte (iedoch mit fleis, den Gabriel damit anzubringen), wie das schloß zu Stutgarten uf ainer höche lege, mit vil hochen
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thürnen umbgeben, und ain [468] gähen steig hinauf hete.

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[309] Das wolt der Gabriel bössern, sagt, wie er ainest mit seim herrn säligen, herr Veit Wernhern, vilmals zu Stutgarten gewesen und, so derselbig hinauf geen hof reiten, het er ufgewartet, were er oftermals ganz otenlos und mühed
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worden. Dieweil aber das schloß zu Stutgarten in der ebne gelegen, und der Gabriel also an frischer lugin ergriffen, mechten sein die herren gebrüeder und menigclich wol lachen. Gabriel schampt sich übel, das er sich also grob verdärpt het, und wolt ain bössle darauß machen und
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sprach zu herr Gottfridt Wernhern, seinem herren: »Gotfridt Wernher, du hochgelobter fürst, du bist, botz schweiß! ain leckerschman, sommer gele! du bist ain fuchs und geest uf helem eis.« Aber er konte das gespai damit nit abwenden.
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Gleichergestalt hab ich uf ain zeit gehört, das in ainer gesellschaft von der statt Antorf geredt wardt und von aim spaivogel fürgeben, wie er uf ain zeit im winter im gebirg gegen Flandern verirret were und gar nahe erfroren. Do sprach herr Hanns Weingeber, er were ainsmals schier in
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selbigen pergen beraupt worden. Solchs beteuret er mit ganz hochen worten, wie er dann gewon war, durch die nasen zu reden, sprechendt: »Beim lebenden Got! es ist war, ir leut seindt niergends gewesen und hapt nichs erfaren.« Im konte aber und wolt niemandts hierin glauben,
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seitmals in etlichen meil wegs umb Antorf kain gebirg gefunden würt. Dergleichen facetia sagt er ainmal vom mausthurn im Rhein, wie in etlich trumetter uf selbigem thurn anblassen. Aber Gabriel sagt herrn Gottfridt Wernhern ainsmals, wie er sein eltern brueder, herr Johanns
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Wernhern, het hören welsch reden. Das wolt herr Gottfridt Wernher ihe wissen, was er gesagt, antwurt, er hett gesagt »schwarzen wein! schwarzen wein!« den hett er gefordert. Ich glaub, es seie zum schlafftrunk beschehen, da redt man zum oftermal so welsch, das kainer den andern versteet,
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was deutsch, oder welsch. Bemelter Gabriel hat sich der schwarzen kunst vil berüempt, auch mehrmals gemelt, er hab die hellische gaister in seim gewalt, das sie mit im reden in wecken weis, und kunte auch die dahin zwingen, das sie im gehorsam sein
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und in nötten mit gelt und anderer darreichung underhalten müßen. Iedoch, als er letzstlich sterben und in der pfarrer zu Oberndorf, maister Petter, beicht gehört, hat er bekennt,

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[310] er hab mit der gottlosen und verbottnen kunst nichs gekennt, was er aber geredt, hab er von schimpfs und schalksnarren weis geredt, sich bei den herren und vom adel dester ehe zu erneren. Und wie maister Petter, der pfarrer,
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anzaicht, soll er ganz christenlich ab dieser welt geschaiden sein. Das mag nun wol sein, Gott waists am bästen. Ich hab aber ainest von ainer glaubhaftigen und hochen person mermals wunderbarliche ding von Gabrieln gehört, darbei und mit dieselbig person gewest, die das gesehen und
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gehört hat, welches zu vermelden ich außer allerlai ursachen underlasse. Der allmechtig seie allen gleubigen abgestorbnen christenmentschen und uns, die noch in diesem ellenden leben, gnedig und barmherzig!



  1. Buchsweiler] hs. Buchweiler.
  2. Packt euch] hs. Packt eucht.
  3. unserm] hs. unsern.
  4. diesen] hs. diefen.
  5. vögel] ist vom abschreiber ohne zweifel ausgelassen.
  6. Gemanet] bis fürte [z. 35] in den nachträgen [1216] wiederholt dies der verfasser mit den worten: Es gemanet mich diser junker Eberlin mit sein fasonen fast an ain junker, von dem graf Oswald von Tengen sagt, der seinen adel insonderhait zu erzaigen, ein laidhund het an der zwehel gefürt.
  7. geschicklichait] hs. geschlicklichait.
  8. gesicht] hs. geschicht.
  9. calumnia] hs. calmunia.
  10. nuß] hs. muß.
  11. das dich] hs. das disch.