Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 28

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie herr Johanns Wernher und herr Gotfridt Wernher, gebrüeder, freiherren von Zimbern die herrschaften mit ainandern aingewechslet und herr Gotfridt Wernher das schloß Wildenstain listigclichen ingenomen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 270–276
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Wie herr Johanns Wernher und herr Gotfridt Wernher, gebrüeder, freiherren von Zimbern die herrschaften mit ainandern aingewechslet und herr Gotfridt Wernher das schloß Wildenstain listigclichen ingenomen.

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Wiewol ain hoffnung hett sein megen, das zimbrisch geschlecht würde sich nach eroberung irer altvätterlichen erbgüeter widerumb erholet haben, auch zu ufgang und besserung gerathen sein, so beschaint sich doch augenscheinlich, das kein unfal allain, sonder andere und mehr mit sich
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pringt, bevorab aber, so villeucht die zeit der uferlegten straffen [447] noch nit verflossen; dann nachdem graf Endres von Sonnenberg, wie obgehört, von graf Felixen von Werdenberg umbgebracht, ist in vil jharen, ja biß in sein todt hernach wenig glücks oder fals mehr bei herr Johannsen
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Wernhern freiherren von Zimbern gewest, in bedacht das anfengclichs gleich nach solcher handlung, ob gleichwol er, herr Johanns Wernher, alles bezigs genugsamlich und darab menigclich zufriden gewest, vor herzog Ulrichen von Würtemberg und dann ainer ganzen freundtschaft sich entschuldiget
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gehabt, darbei es auch bliben, nochdann ist der verdacht, das er graf Felixen geferlichen und mit wissenden dingen zu Wildenstain enthalten, immerdar vor augen gewest. Zudem, als herr Gottfridt von Zimbern von etlichen jharen mit todt abgangen, haben herr Albrecht von Clingenberg,
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ritter, und sein brueder Eberhart derzeit was anforderung und zuspruch zu dem halben theil, so bemelter herr Gottfridt verlassen, sich angemast, dann iren müettern schwestern waren gewesen, derhalben auch vermainten, eins grads neher, als Zimbern, zu sein. Zu dem begerten sie ain
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abtrag irer bewisnen diensten. Das widersprach herr Johanns Wernher von Zimbern sampt seinen gebrüedern und vermainten zu dem, das die verlassenschaft weilunt herr Gottfriden lauter zimbrische erbliche güetere; so were inen doch solliche vor hofgericht zu Rottweil anno 1[495][1]von herr
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Gottfriden selbs vermacht worden, darein dann die von Clingenberg kein billiche oder gepürliche einrede haben künden; so dann belangen ire bewisene diensten, were sie gestendig, das inen die von Clingenberg in iren netten getrewlichen gedienet und zu inen gesetzt; das begerten sie

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[271] widerumb in freuntschaft zu verdienen und, wo die gelegenhait, sich als die dankbaren zu erzaigen. Solcher irrung sein sie beider seits uf graf Heinrichen von Lupfen und Josen von Reischach zu Ach kommen. Die haben sie
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beschriben und nach eingenomenem bericht, auch vilbeschehnem reden und widerreden letzstlich also verglichen, das die baide gebrüeder von Clingenberg von irer anforderung der erbschaft abgestanden, dargegen herr Johann Wernher und herr Gottfridt Wernher inen, von Clingenberg, für ire
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dienst sollten an barem also zustellen und geben zwaihundert guldin reinisch und ain pferdt nach erkanntnus der dedingsherren, und damit sollten baide theil irer zusprüch und anforderungen allerdings gericht, auch hinfüro wider guet fraindt und nachpaurn sein. Der vertrag ist ufgericht worden
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uf unser lieben Frawen abent zu liechtmess, im jhar Christi 1512. Und in kürze hernach, als herr Johanns Wernher von etlichen seinen nechsten verwandten vil ufsatz und untrewer pratiken erfaren, ist er dardurch verursacht, sich noch desselbigen jhars umb Esto michi mit vorbemeltem herrn
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Albrechten von Clingenberg, rittern, in ain verainigung einzulassen, nemlich, welcher sie wider recht oder den ufgerichten landtfriden angreife oder beschedige, des alsdann ainer dem andern zuziehen und in des andern schlössern, stetten und flecken öffnung und enthalt suchen mege. Gleich selbigs
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jhars, umb Martini, hat sich herr Johanns Wernher mit der gesellschaft s. Jörgen schilts im Hegöw auch verainiget und mit grave Hainrichen von Lupfen, als hauptman der gesellschaft, und den zwaien seinen zugeordneten räthen, nemlich herr Hannsen von Landaw, ritter, und Caspar von
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Clingenberg, für sich und seine underthonnen verpunden. Damit aber die freiherrschaft Zimbern vor Waldt, zugleich wie die herrschaft Mösskirch, gepürlichen schutz und schürm hett, haben sich die drei geprüeder ungefärlich in monats frist nach ufrichtung iezgehörter büntnus in ein burgrecht und
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verstandt mit der statt Rotweil begeben, nach usweisung [448] der ufgerichten schürmbrief. Hergegen haben sie uf ansuchen deren von Rotweil ohne alle vorgehende not oder ehafte ursach für sich und ire erben bewilliget, ob sach, das sie, die geprüeder, oder auch ire erben ainige güeter in der
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herrschaft vor Waldt, es were an schlössen, stetten oder dörfern, verkaufen oder verpfendten wellten, ußerhalb deren, so ires geschlechts, manspersonnen, das sie alsdann der statt

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[272] Rotweil solche güetere samenthaft oder sonder zuvor anbieten und vor menigclichen umb die kaufsomma, so andere darumb geben, verfolgen und zusteen lassen sollten. Zu ende dieses 1512 jars, damit, wie es mit unfal angefangen,
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durchauß beharret, auch sich mit aim ansehenlichen unfal enden thette, do ist der vorhof zu Wildenstain durch farlesigkait und unsorgsam haushalten des gesindts übel verbrunen, dardurch dann baiden gebrüedern, herr Johannsen Wernhern und herr Gottfriden Wernhern, als die solch schloß
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zugleich ingehapt und underhalten haben, nit klainer schadt beschehen, welcher schadt dann umb sovil dester merer und höcher zu schetzen, seitmals der unfall das haus, so iren stammen und namen in irem vertreiben und verjagen sovil enthalts geben und dardurch ire güeter auch wider
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erobert, also angriffen worden. Nun ist der zeit herr Gottfridt Wernher von Zimbern, dem in der tailung die herrschaft vor Waldt worden, dozumal am hof bei herzog Ulrichen von Würtemberg gewest, do hat er sich dermaßen gehalten und hinfür gethon, das
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er frölin Apolonia, ain geporne grefin von Hennenberg, erworben. Also ist er zu seinem brueder, herr Johannsen Wernhern, kommen, den het er aller sachen seins heirats halb bericht und ine mit gueten worten, under dem schein, seitmals er ain fürstin vermehlt, so welle im gepürn, das er
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ain wolerbawen sitz, den er dann in der herrschaft vor Waldt so baldt nit zurüsten künde, entlichen dohin beredt, das er seinem brueder außer dem nest gewichen und ime die edel herrschaft Mösskirch gegen abwechslung der herrschaft vor Waldt abgedauschet und frei zugestellt hat,
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darbei im auch weiters nichs, dann die behausung des undern hofs, vorbehalten, sampt dem Aspenweir zu Beichtlingen, das vischwasser zu Mösskirch under unser Frawen brucken hinab biß zu Ettenfurt, das jagen im weiten Krais und ain wisen zu Rordorf, der Weir genannt. Solche abwechslung
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der herrschaften mocht wol haisen Glauci und Diomedis permutatio[2], das ist ain ross umb ain pfeifen. Ist also der herrschaft abgedretten und außerm schloß zu Mösskirch in undern hoff mit weib und künden und allen seinem gesündt

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[273] gezogen, der mainung, zu seiner gelegenhait mit aller haushaltung in die under herrschaft geen Seedorf sich zu begeben. Und hat in solchem tausch auch vorbehalten die newen fenster, auch die schloß und gelaich oder bandt an
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thürn zu Mösskirch im schloß; das hat im sein brueder, herr Gottfridt, guetwilligclichen zugelassen. Also hat er die fenster außgebrochen und die hinab in undern hof geordnet in die vordern stuben. Und wiewol sein gemahl, die schenkin von Erpach, des schloß zu Mösskirch gleich abtretten und
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in undern hof ziehen mueste, laut der abrede, iedoch nam herr Johanns Wernher das pfrundthaus ein vorm schloß, bei dem thor, darin ainest die grefin von Tengen, war ires geschlechts ain grefin von Kirchberg, gewonnet het. Dorin hett er sein canzlei, seine werinen, darzu er groß lust het,
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und was der music zugehört. In kürze hernach verließ er solch haus und bestand Franzen haus, gegem rathaus über [449] am markt, das ober teil, umb ain zins. Das behielt er auch nit über ain halb [jar][3], er verendert sein canzlei und was demselbigen anhangt, und zoge mit solchem rust
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in Paule Myers hünder stüble. Das bestandt auch nit ain halbs jhar, do zoge er auch darauß mit aller hab in undern hof. Aber in sollichem hin- und widerziechen brach er allweg die schloß und glaich wider ab, die er außerm schloß mit im pracht hett, und schlueg die an aim andern
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ort wider an. Villeucht hat er ain besondere affection darzu gehapt. Herr Gottfridt Wernher mecht im die schloß und glaich wol gunen, soverr das ime die edel und nutzlich herrschaft blib. Dieses dausches waren die von Mösskirch, auch die herrschaftleut haimlich nit wol zufriden, dann sie
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herrn Johannsen Wemhern, als der ganz popularis[4] und freuntlich mit inen war, vil lieber zue aim herren hetten gehapt. Herr Gottfridt Wernher wolt inen zu ernsthaft sein, als sich[5] auch in der thatt hernach befandt, das er inen zu geschwindt ist gewesen.
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* [1554] Bei wenig jaren darvor do beschach ain gleichförmige sach bei graf Philipsen von Kürchperg. Derselbig verkauft sein tail an der edlen herschaft Wulenstetten dem reichen herzog Jergen von Bayrn und das schlessle Ilerzell mit seiner zugeherde und behüelt ime bevor ain weirstatt
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in der grafschaft Kürchperg, bei dem dorf Wain, das er ain

1 [274] weir aldo mögte machen. Sonst hat er nichts mer daselbs. Dohein bawet er auch ain weir, gehert iezund gen Ochsenhausen, war auch ain ross umb ain sackpfeifen, wie man spricht. *

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Nachdem sich dieses alles verlofen, hat herr Gottfridt Wernher sein versprochne gemahl, frölin Appoloniam, mit sich geen Mösskirch gefüert, daselbst mit ir hochzeit gehabt. Nun haben die baid geprüeder mermals, welchermaßen der vorhof zu Wildenstain in gemainem costen widerumb zu
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erbawen sei, berathschlagt, in welchem aber sie keins wegs sich vergleichen künden. Letzstlich, als herr Johanns Wernher sich kainer unfreundtschaft oder unbrüederlicher mainung zu seinem brueder, her Gottfridt Wernher, getröst, ist bemelter herr Gottfridt Wernher[6] nit ersettigt gewest, das
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er seim brueder die herrschaft Mösskirch also abgeschwetzt, sonder ist ohne versehenlich an ainem morgen früe und nur selb ander geen Wildenstain geritten, daselbs er mit dem burgvogt und den wechtern sovil geredt, das sie in haben eingelassen. Als er in das schloß kommen, hat er den
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burgvogt, hieß Conlin Pfeifer, zu sich in sein gemach gefordert, welchen er, so bald er kommen, mit listen hündergangen und zur glüpt und pflicht getrungen. Dergestalt hat er mit den wächtern und andern ehalten auch gehandelt und also das schloß, so seinem brueder, herr Johannsen
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Wernhern, und ime zugleich zugehört, listigclichen ingenommen, das ime selbs und seinen erben wider alle ire verträg zugeaignet. Als er aber nach solchem widerumb geen Mösskirch komen, hat er fürgeben, herr Johanns Wernher hab im sein thail an Wildenstain geschenkt, darneben sein
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brueder solchs mit den glimpfigisten worten berichten lassen, mit weiter anzaig, das solch innemen des schloß dem geschlecht zu guetem beschehen, und domit sei herr Johann Wernher und seine erben des bawcostens, auch anderer underhaltung überhept; zudem das schloß, so er herr
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Johanns Wernher, in der herrschaft vor Waldt hausen werde, wenig dienstlich sein mege; im fall aber er oder seine erben dessen in der nott bedürfen würden, sei er urbitig, sie nit außzuschließen, sonder öffnung nach notturft zu geben, mit anderm mehr bericht und umbstenden, zu der sach
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dienstlich. Nun were ain wilder handl außer dieser sach worden,

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[275] dann herr Johanns Wernher seins brueders glate wort nit benügen lassen wolt, waver der allmechtig nit sonderlichen sein genad verlihen, das herr Johanns Wernher durch sein gemahl, fraw Catharinam, die schenkin von Erbach,
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begüetiget und zu friden und ainigkait wer bewegt worden. Die [450] hat iren herren letzstlich dahin pracht, das er sein sitz zu Mösskirch verlassen und mit aller haushaltung hinab vor Waldt geen Seedorf zogen ist. Solliches alles, wie in iezigem capitl vermeldet, ist im jar 1513 beschehen. Demnach aber
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das einnemen Wildenstain, woverr das nit underkommen, baiden brüedern zu großem nachteil und unfahl raichen megen, haben graf Hainrich von Lupfen und herr Jörg truchseß von Waldtpurg, als hierzu erpettne freundt und underhendler, in nachgendem jar 1514 sich der sach
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underzogen, baidt brüeder vor Palmarum zu sich geen Riedlingen beschriben und nach vilgeflegner getrewer underhandlung sie doch letzstlich in der güete vertragen[7], nemlichen so soll Wildenstain das schloß mit seiner zugehörde herr Gottfriden Wernhern und seinen erben bleiben, iedoch soll er das ohne
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vorwissen und sondere bewilligung herrn Johansen Wernhers, seines brueders, oder seiner erben weder versetzen, verkaufen, oder auch sonst in ainichen weg von seinem stammen und namen alieniern; auch soll herr Gottfridt Wernher seinem brueder und seinen erben iederzeit, wann das
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die notturft erfordert, öffnung daselbst geben, doch ohne sein schaden; waver aber herr Gottfridt Wernher, oder seine erben zu zeiten, als öffnung zu Wildenstain an sie begert, vermainen würden, es thette inen solches begern nit nott, item, so herr Gotfridt Wernhers erben solches
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enthalts oder öffnung zu costen oder schaden kemen, so soll das alles zu erkantnus dreier von der freundtschaft, so hiezu erbetten, gesetzt werden, was auch darin dieselbigen drei freundtschafter entschaiden, darbei soll es ungewaigert bleiben, mit andern mehr artikeln, im vertrag begriffen. Wie
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partheiisch aber solcher vertrag gewest, kan ain ieder verstendiger wol vermerken. So hett auch bei der underhandlung keiner, so herr Johannsen Wernhern mehr widerwertiger gewest, dann eben herr Jörg, truchseß, sein künden. Dergestalt sein sie des strits und irrung umb das schloß
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Wildenstain in der güete domals entschaiden worden, welches

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[276] schloß der herr Gottfridt Wernher sein lebenlang ingehapt; ist nach seinem todt, sampt der herrschaft Mösskirch und aller seiner verlassenschaft an seines brueders, herr Johanns Wernhers, söne, als die nechsten agnaten, widerumb
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gefallen. Also ist selten was bestendigs uf erden. Ob aber herr Johanns Wernher seinem brueder, herr Gottfridt Wernher, den halben thail am schloß geschenkt, wie das herr Gottfridt Wernher fürgeben, des hat man kein gewissen grundt erfaren megen.



  1. 1[495] 495 ergänzt; s. I 620.
  2. Glauci et Diomedis permutatio] s. Pauly, Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft III, 881 und oben band I, 275 anm. Auf diesen tausch gründet sich das griechische sprichwort Χρύσεα Χαλχείων.
  3. jar] fehlt in der hs.
  4. popularis] hs. populatis.
  5. sich] hs. sie.
  6. Wernher] hs. Wernhern.
  7. vertragen] s. Schlude, Geschichte der Bergfestung Wildenstain s. 29.