Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 2

Textdaten
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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie grave Christof von Werdenberg unferr von Sigmeringen von herrn Wernhern freiherren zu Zimbern dermaßen angriffen, das er, grave Christof, nit ohne sonder gelück, flüchtig geen Hedingen entrunnen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 12–14
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Wie grave Christof von Werdenberg unferr von Sigmeringen von herrn Wernhern freiherren zu Zimbern dermaßen angriffen, das er, grave Christof, nit ohne sonder gelück, flüchtig geen Hedingen entrunnen.
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Nach obgehörten handlungen hat sich herr Wernher freiherr zu Zimbern zu herzog Eberharten von Würtemberg an hove gethon, daselbst sich etliche zeit erhalten. Demnach aber dozumal groß irrungen und spenn zwischen grafe Endressen von Sonnenberg und denen graven von
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Werdenberg, begab sich, das die königclich Majestat zu hinlegung derselben baiden partheien ain rechtstag in obernenntem 1497isten jhar nach Martini zu Dillingen vor bischof Friderrichen von Augspurg, Ir Majestat darzu geordneten commissario, zu erscheinen ernent. Solchen tag sollte grave
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Haugo von Werdenberg von sein und seiner gebrüeder wegen ersucht haben; dieweil im aber in wenig tagen darvor begegnet, das er leibs schwachait, auch anderer ehaften ursachen halben personnlichen nit kommen, schickt er sein vettern, grave Christoffen von Werdenberg. Nun hett aber
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herr Wernher durch haimliche kuntschaften, das grave Haugo in willens, den tag personnlichen zu ersuchen, erfaren, desshalben, dieweil grafe Haugo der, so seinem herren vattern, auch ime und seinen geschwistergiten allen unfall zugericht, in summa das ganz zimbrisch geschlecht underzutrucken
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und an pettelstab zu richten sich understanden, auch solchs noch täglichs zu volbringen in steeter iebung, bewarb er sich umb etliche pferdt, darunder Jörg Speet, auch ander vom adel mere, und auf bestimpte zeit verfüegt er sich mit denselben in großer gehaim in ain halt, unfer von Laiz
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gelegen; dann er durch kuntschaft erfaren, das grave Haugo nit den nechsten der Scheer oder Mengen zu, sonder grave Endressen halb ain abwege umbreiten wurde. Aber der güetig Gott wolt solichs nit verhengen, sonder grave Christof von Werdenberg ritt mit acht pferden ungevärlichen aus
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Sigmeringen, sontag [316] nechst nach sant Martins tag. Als sie nun an ort und ende kamen, das es herrn Wernhern fügclichen, hat er etlichen der seinen zu im, wer sie seien, beschaidt zu nemen geschickt, welche, das sie werdenbergisch seien, beschaidt geben. Sobaldt er das gründlichen
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vernomen, hat er mit seinen, auch etlich würtembergischen

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[13] pferden, so von Hailigcreuztal[1] herauf komen, darauf gehawen, und als sie grave Christof ersehen, hat in wol bedaucht, was verhanden, derohalben er mit seinen pferdten die flucht Sigmeringen zu gegeben. Es ist aber herr Wernher sambt
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den seinen dermaßen beritten gewest, das sie den graven erritten, haben im etliche knecht under die geil gestochen, und ist sonderlichen Jörg Speet so nahe auf grave Christoffen kommen, das er das schwerdt in in stoßen wellen, welches herr Wernher ersehen. Der hat in angeschreien und
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vermant abzusteen, mit disen worten, er solle ime den vordanz lassen, er gehöre ime auf den tag zu. Derhalben Jörg Speet von grave Christoffen gesetzt und aim andern raisigen knecht, genannt Berlefin, so heftig zugesetzt, das derselbig, als er besorgt, er megte nit entreiten oder mit dem leben darvon
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kommen, mit dem pferdt über ain felsen, under Sigmeringen gelegen, in die Tonaw gesprengt und also umbkommen. Es sein auch sonst noch zwen werdenbergische knecht erstochen worden. Grave Christof wollt geen Sigmeringen in das stetle sein gerennt, es war im aber herr Wernher,
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welcher besonder wol beritten, so nahe auf dem leder, darzu fürrennten ime etlich den weg, das er nit hinein kommen mochte und genottrengt, hünder Sigmeringen dem stettle hinumb geen Hedingen zu fliehen. Herr Wernher satzt grave Christoffen so heftig zu, das er in verwundt. Demnach aber
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das closter Hedingen[2] an der straßen gelegen und daselbst ain clains thürlin in dem einfang der ringkmaur, welches ohne geferdt offen, da kam grave Christof durch große not hinein, das menigclichen hernach verwundert hat, wie er und sein pferdt dozumal hindurch haben kommen megen.
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Sobald er nun in das closter hinein kommen und abgestanden, ist sein pferdt, welches im sonders lieb gewest, von großem rennen und netten bald darnach umbgefallen und gestorben. Herr Wernher, als im grave Christof also entrunen, hat er sich nit weiter in das closter begeben, sonder mit seinen
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pferdten eilendts widerumb davon machen müeßen, ehe dann der sturm allenthalben in den umbligenden dörfern angangen; dann grave Haugo dise ding alle zu Sigmeringen im schloß wol gesehen; welcher über dise handlung der-

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[14] maßen bekümbert, das er seine hend überm haupt zusamen geschlagen und mermals: »0 wee, meins lieben vetterns, o wee, meins lieben vetterns!« geschrien, aber im in solcher kürze nit zu hilf kommen oder helfen megen. Wiewol nun
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solch handlungen ain tapfer, trutzlich gemüet herren Wernhers anzaigen, ist es doch im und seinen gebrüedern zu großem nachthail und verhünderung seiner sachen geraicht; dann als die graven von Werden[317]berg sollichs alles mit grundt bericht, haben sie das der königclichen Majestat,
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zum unglimpfigesten inen meglich, fürbracht, dardurch Ir Majestat seer widerumb erpittert und das zu besonderm großen misfallen und verachtung angenomen, wiewol herr Wernher solcher handlung aus sorgen und obangezaigten ursachen, sovil im meglich, nit bekannt sein wellen. In
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wenig zeiten hernach, als die königclich Majestat zu Urach gewest, haben die regenten des fürstenthumbs Würtemberg ime, herrn Wernhern, bei gemelter königclichen Majestat begert zu verantwurten, bei denen er auch in solchem ansehen gewest, das sie der königclichen Majestat für ine
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geschriben und die des alten, ehrlichen herkommens der freiherrschaft Zimbern erinnert und desshalben underdienstlichen angesucht, Ir Majestat welle zu hinlegung solcher irrung, damit dem vertrag, durch obbemelte graven von Zollern und Fürstenberg abgeredt, mit gepürlicher volstreckung
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gelept und nachkommen werde, fürohin nichtsdesterweniger allergnedigest verfüegen.



  1. Hailigcreuztal] hs. Hailigcreuzstall.
  2. closter Hedingen] s. darüber Lichtschlag, Urkunden zur Geschichte des Dominikaner-Nonnen-Klosters Hedingen, in Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern. I. Jahrg. 1867/68, s. 3 ff.; VIII. Jahrg., 1874/75, s. 23 ff.