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Wie der Galgen am Markte zu Altenburg wegkam

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Wie der Galgen am Markte zu Altenburg wegkam
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 307–308
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
Übersetzer:
Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[307]
5) Wie der Galgen am Markte zu Altenburg wegkam.
S. Sachsengrün 1861. S. 40.

Auf dem Markte zu Altenburg, da wo die Sporengasse herabkommt, hat einmal ein Galgen gestanden und es wohnte damals in einem Hause, da, wo jetzt die Post steht, ein vornehmer fürstlicher Rath, der viel zu sagen hatte. Der hochedle Stadtrath hätte nun gern den Galgen am Markte weggeschafft, denn es entsetzten sich Weiber und Kinder vor ihm, wenn er Früchte trug, und nur den Krähen war er angenehm, da sie an ihm Futter fanden, aber dazu mußte der fürstliche Rath seine Einwilligung geben und da er einen Galgen für eine große Zierde des Marktes hielt, mußte der Galgen bleiben. Nun trug es sich zu, daß einmal bei einer festlichen Gelegenheit ein fürstlicher Herr bei dem fürstlichen [308] Rathe speiste, und darauf hatte der hochedle Stadtrath lange gewartet. Flugs kamen die Stadtknechte und henkten einen Dieb an den Galgen. Als sich nun die Herrschaften zu Tische setzten bei dem Rath, gab es auf der Tafel, denn die Sonne schien gerade recht schön, ein gar kurzweiliges Schattenspiel, denn so wie ein Windstoß den Gehenkten am Galgen schaukelte, so lief dessen Schatten über die Tafel und besonders über den Teller des Fürsten, und wollte demselben kein Bissen schmecken, so daß er ungnädig aufstand und das Haus verließ.

In der Nacht darauf wurde der Galgen niedergerissen, denn der fürstliche Rath ließ dem hochedlen Stadtrath vermerken, wie er sich wundere, daß man den schönen Markt mit dem Galgen verunreinigen lasse, der Stadtrath aber that, als ob er den Galgen, der doch ein altes Denkmal sei, gar nicht gern wegräume.