Was das Rennen nach dem Semper der Budissiner Frauen im 15. Jahrhundert zu bedeuten gehabt

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Was das Rennen nach dem Semper der Budissiner Frauen im 15. Jahrhundert zu bedeuten gehabt
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 135–136
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
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752) Was das Rennen nach dem Semper der Budissiner Frauen im 15. Jahrhundert zu bedeuten gehabt?
S. Köpping in der Lausitzer Monatsschrift 1805. I. S. 1–18. Carpzov’s Ehrentempel d. Oberlausitz. Bud. 1719. I. p. 250. Hoffmann, Scr. Lus. T. II. p. 360. Lausitzer Mag. 1837. S. 174. Haupt, Bd. II. S. 59. fgg.

Mehrere Chronisten der Oberlausitz berichten, es sei ehedem der Gebrauch in der Stadt Bautzen gewesen, daß Donnerstags vor Fastnacht die vornehmsten Frauen, sowohl junge als alte, zusammenliefen, allerhand schandbare Lieder sangen, den Bürgern in die Häuser liefen und für ihre unehrbaren Possen, Reden und Geberden Bratwürste, Fleisch, Brod und andere Victualien verlangten. Diese schändliche Gewohnheit, das sogenannte Rennen nach dem Semper, soll nun als ein unsauberes Ueberbleibsel der alten Bacchanalien, das die alten Wenden beibehalten, der Bischof zu Meißen, [136] Joh. Hoffmann, im Jahre 1444 (nach andern 1442 oder 1447) abgeschafft, doch dagegen ein festum Mariae virginis, inventionis pueri, da sie den Knaben Jesus im Tempel fanden, zu feiern angeordnet haben.

Damit ist aber noch nicht erklärt, was das Semperrennen eigentlich bedeute, und so hat man verschiedene Erklärungen gegeben.

Eine alte handschriftliche Chronik erzählt nun, es habe nach dem König Sompar[1], der 44 Jahre im Regiment gefessen, in Germanien und in deutschen Landen sein Sohn König Schwab 46 Jahre lang geherrscht, denselben hätten seine Nachkömmlinge, die Schwaben, auch zum Gott gemacht, ihm in der Gegend, da jetzt Görlitz und das Lausitzer Land ist, einen wilden und erschrecklichen Wald geweiht, wären auch alle zu gewöhnlicher Zeit zusammengekommen, hätten ihn offenbar mit Menschenblut verehrt und in seinem, nämlich des Sompars Namen, einen Menschen wie einen Ochsen abgestochen und abgethan, es habe auch Niemand in den Wald gehen dürfen, es wären ihm denn die Hände auf den Rücken gebunden gewesen, damit anzuzeigen die Gewalt Gottes und daß er einig wäre und die Einigkeit liebe; wenn nun Einer ohne alles Gefähr gefallen sei, habe er nicht wieder aufstehen dürfen, sondern sich herauswälzen müssen.

Andere glauben, das Wort komme davon her, daß die Frauen zu Ehren des heil. Symphorianus, der angeblich der Unfruchtbarkeit habe abhelfen sollen, diesen Unfug getrieben. Allein am Wahrscheinlichsten ist es, daß diese Sitte der Budissiner Frauen von der Stadt Nürnberg entlehnt ward, wo bekanntlich im 14. u. 15. Jahrhundert die Fastnachtslustbarkeiten der Handwerker und später auch der Patrizier unter dem Namen: „nach dem Schönbart laufen“ gehalten wurden und zu dem Ursprunge der sogenannten Schemperlieder Gelegenheit gaben.


  1. Derselbe wird auch Zember, Cimber, Gambrivius genannt und wäre also mit dem Bierkönig Gambrinus identisch.