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Textdaten
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Autor: Heinrich Leutemann
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Titel: Von einem Dickhäuter
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 626–628
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[626] 
Die Gartenlaube (1875) b 625.jpg

Bégum in guter Laune.
Nach der Natur aufgenommen von H. Leutemann.

[626]
Von einem Dickhäuter.
Mit Abbildung.

Ein dem kindlichen fröhlichen Spiele sich hingebendes Rhinoceros, oder Nashorn ist ein seltener Anblick, daß es mir der Mühe werth schien, denselben im Bilde festzuhalten.

Unsere Illustration ist nach der Natur aufgenommen und stellt das jetzt im Dresdener zoologischen Garten befindliche Rhinoceros dar, und zwar spielend mit zwei befreundeten Hunden, sogenannten Rattenfängern. Dieses Dresdener Rhinoceros ist ein Weibchen und führt den Namen „Bégum“; so werden in Indien die Fürstinnen genannt. Bégum hat schon bei ihrem ersten Aufenthalt in Dresden eine größere Theilnahme dadurch erregt, daß sie sogar in den Verhandlungen des sächsischen Landtages erwähnt wurde. Der Verwaltungsrath des zoologischen Gartens hatte nämlich nicht lange nach dem Ankaufe des Thieres (von dem Thierhändler Hagenbeck) an den Landtag ein Gesuch gerichtet um Unterstützung des Gartens aus dem Säckel des Landes, welches Gesuch nun zu einer Debatte Veranlassung gab, und wobei einer der Redner meinte, daß ein zoologischer Garten, welcher viertausend Thaler für ein Rhinoceros ausgeben könne, keiner Unterstützung bedürfe. Jener Redner hätte viel richtiger in die Worte der anderen eingestimmt, welche ungefähr sagten, daß ein solches Actien-, also Privatunternehmen auf eigenen Füßen stehen muß, daß es sich allenfalls von der Stadt, der es zur Zierde, zum Nutzen gereicht, mag unterstützen lassen, daß aber eine Staatsunterstützung nur anderen ähnlichen Unternehmungen das gleiche Recht geben würde. Wenn nicht der thatsächliche Hinweis, so doch jedenfalls die stille Angst, daß dann die schrecklichen Leipziger über kurz oder lang auch einen zoologischen Garten gründen und die Hand hinhalten würden, wird wohl mit zur Ablehnung obigen Gesuchs beigetragen haben.

Bégum hat sich natürlich über alle diese Dinge keine grauen Haare wachsen lassen, ja überhaupt gar keine, die wenigen braunen an den Ohrrändern und der Schwanzspitze ausgenommen. Denn das indische Rhinoceros trägt sich eben, und nicht etwa erst, so weit sich die unvermeidlichen ältesten Männer dessen erinnern können, sondern so lange man’s überhaupt kennt, haarlos und wird wohl auch stets darin conservativ bleiben. Das Thier beschäftigte sich vor Allem mit Fressen und Wachsen, wobei ihm seine fröhliche Beweglichkeit sehr behülflich war. Auch seine große Harmlosigkeit, welche wohl wieder mit seinem sehr bescheidenen geistigen Zustande in Verbindung steht, mag sein Gedeihen nicht wenig befördert haben. Jeder, der dieses Thier zur Zeit nach seiner Ankunft im Januar 1873 gesehen hat und es jetzt wieder sieht, wird erstaunen über dessen nunmehrige Größe, und es dürfte unter den wilden Säugethieren kaum eine andere Art zu finden sein, welche sich so gewaltig schnell entwickelt. Unser Rhinoceros war bei seiner Ankunft (Januar 1873) ein Meter hoch und zwei Meter lang, ist jetzt aber (Juni 1875) anderthalb Meter hoch und drei Meter lang und hat drei Meter Umfang, aber es ist noch lange nicht ausgewachsen.

Als im Jahre seiner Ankunft die Jahreszeit so weit vorgerückt war, daß ein Herauslassen in’s Freie zulässig erschien, wurde in dem Gehege, welches zunächst dazu bestimmt war, eine ganz einfache Grube gegraben und aus dem benachbarten Brunnen mit Wasser gefüllt, zum großen Hochgenuß des Thieres. Denn nun konnte man es bei heißem Sonnenschein stundenlang in diesem Tümpel liegen sehen, oft nur den Kopf zur Hälfte heraussteckend, immer aber mit großer Betriebsamkeit dafür sorgend, daß die dicke Haut nicht bloß naß, sondern auch gehörig mit Schlamm bedeckt wurde, indem es sich immer an den Seitenwänden der Grube rieb, so daß diese immer größer, das Wasser aber dadurch selbst zum Schlamm veredelt wurde. Kam das Thier dann einmal heraus, so glich es allerdings mehr einem kleinen Schlammberg, schien sich aber offenbar in diesem Zustande sehr zu gefallen, denn sein himmlisches Behagen war nicht zu verkennen.

Bei einem späteren Besuche überraschte mich die im Bilde [627] dargestellten Scene mit den Rattenfängern. Diese Rattenfänger sind Franzosen, aber frei von allem Nationalhasse gegen uns. Der auf dem Rücken des Rhinocerosses stehende Hund ist der in Dresden zur Welt gekommene Sohn der unten befindlichen Hündin, welche im letzten Kriege nebst einem männlichen Hunde gleicher Race aus Frankreich mitgebracht wurde, und zwar wurde die Hündin bei der Leiche eines gefallenen französischen Officiers aufgefunden. Sie ist in den Besitz des Directors des zoologischen Gartens in Dresden übergegangen, und dort sind im Winterhause, wo das Rhinoceros wohnt, auch ihre Jungen geworfen und aufgewachsen. Zwischen dieser Hundefamilie und dem Dickhäuter bildete sich bald eine vertraute Freundschaft aus.

Im März dieses Jahres trat ich nun eines Morgens zum Rhinoceroskäfig, als plötzlich die erwähnte Hündin mit dem einzigen Sohne, den man ihr gelassen, gesprungen kam und Beide zu dem Rhinoceros hineinliefen. Mir waren diese Hunde vorher noch nicht aufgefallen, und ich erwartete nichts Anderes, als daß die große Bestie auf die dreisten Eindringlinge zufahren und sie schleunigst zerdrücken oder verjagen würde – aber weit gefehlt! Mit der Seelenruhe eines Philosophen ließ der Dickhäuter die Hunde um sich herumlaufen, und als diese nun sich mit ihm zu schaffen machten, ihn anbellten und in die Beine zu beißen suchten, fühlte unser Rhinoceros durch diese Aufmerksamkeiten sich sogar zur Heiterkeit angeregt. Es würde mich gar nicht gewundert haben, wenn es in heiterer Laune einen Hund mit dem Horne gefaßt und in aller Freundschaft an die Wand gedrückt hätte, aber es benahm sich noch viel origineller. Es legte sich, nachdem es erst wie zur Vorbereitung sich um sich selbst gedreht hatte, mit der ihm eigenen Rhinocerosgrazie nieder, und das Nächste war, daß sofort der Hundesohn ihm auf den Rücken sprang und Bégum sich jetzt schnell wieder erhob. Es war ein lächerlicher Anblick, dieses Reiterkunststück. Der Hund war bestrebt, sich stehend auf dem zwar breiten, aber doch glatten Rücken des sich bewegenden Thieres im Gleichgewichte zu halten und es dabei in die Ohren zu beißen, das Rhinoceros wehrte hingegen solche Freundlichkeiten ab, indem es durch Springen den Hund abzuschütteln, die empfindlichen Ohren aber durch gewaltiges Schwenken des Kopfes von unten nach oben zu schützen suchte, obgleich die unten anspringende und bellende Hündin bestrebt war, es dabei irre zu machen. In Kurzem rutschte natürlich der Hund von seinem erhabenen Standpunkte herab. War nun (denn ich habe die Scene mehrmals gesehen) das Rhinoceros in besonders heiterer Stimmung, so legte es sich wohl nochmals hin, und das Spiel wiederholte sich zum großen und lauten Ergötzen aller Zuschauer von Neuem. Ob diese Scene alle Tage wiederkehrt, bezweifle ich.

Zu den Hauptberufspflichten des Rhinoceros gehört es, sich im Schlamme zu wälzen, bis die Lust kommt, in dem jetzt gebauten und ausgemauerten Bassin ein Bad zu nehmen. Manchmal thut es das Letztere nicht sogleich, sondern läßt die Schlammkruste erst von der Sonne trocknen. Dies scheint die eigentliche höhere Rhinocerostoilette zu sein. Es mag durch Erfahrung wohl auch bemerkt haben, daß ihm in solchem Falle ein ganz besonderer Genuß beschieden ist: es wird angespritzt. Dem zoologischen Garten ist nämlich vor Kurzem die Mitbenutzung der städtischen Wasserleitung gewährt worden, und zwar mit der angenehmen Aussichtseröffnung, diese Vergünstigung, welche nur vorläufig gegen Vergütung gewährt wird, später unentgeltlich zu genießen. Diese Fülle von Wasser nun und die Leichtigkeit, es zu verwenden, ist natürlich von nicht geringer Wichtigkeit und für die Thiere oft eine große Wohlthat. Welch originelles Schauspiel war es, als plötzlich der Wasserstrahl auf das von der Lehmkruste überzogene Rhinoceros losgelassen wurde und dieses in eine offenbar ganz kannibalisch selige Stimmung versetzte! Wie wandelte es behaglich in dem Wasserregen hin und her! Es ging sogar ganz nahe zum Spender, hielt ihm den Kopf, das offene Maul hin, um direct da hinein eine Portion des Strahles zu erhalten. Der Anblick dieser ganzen Scene war ebenso neu wie für die Eigenart des Thieres bezeichnend, und man muß es bei solchen Gelegenheiten immer wieder bedauern, daß man den Elephanten der zoologischen Gärten bisher noch keine Bäder in ihren Gehegen gewährt hat.

Die bezüglich des Dresdener Rhinocerosses geschilderten Scenen werden zur Genüge die Friedfertigkeit dieses Thieres beweisen, und im Wesentlichen haben die indischen Rhinocerosse wohl alle diesen Charakter. Ist so ein Thier aber durch irgend Etwas einmal gereizt worden, dann ist seine Wuth eine blinde.

Der Thierhändler Jamrach (der Jüngere) in London, welchem ich schon früher die in der Gartenlaube erschienenen interessanten und neuen Mittheilungen über den Tigerfang verdankte, hat mir auf meinen Wunsch für diese Zeilen einiges über die indischen Rhinocerosse geschrieben, was ich im Wesentlichen hier folgen lasse. Er sagt:

„Das indische Rhinoceros wohnt nur jenseits des Ganges, wo es in den Urwäldern massenhaft vorkommt. Alle Rhinocerosse, die bis jetzt in meine Hände gekommen sind, stammen von dort. Alte Thiere werden nie gefangen, sondern geschossen. Wie bei den meisten Thieren, bleibt das Junge bei der Alten, wo es dann leicht erwischt wird. Die Fänger erhalten für ihre Mühe eine nur geringe Entschädigung, und die jungen Thiere kommen gewöhnlich in die Hände der Europäer, die ihren Gewinn dabei haben. Es ist keine Kleinigkeit, ein Rhinoceros nach Calcutta zu bringen, besonders während der Regenzeit. Dies dauert monatelang, da das Thier fast stets den ganzen Weg zu Fuß machen muß. So habe ich schon Rhinocerosse bekommen, welche über neunhundert englische Meilen spaziert sind. Am Tage wird das Thier an einen Baum gebunden, gefüttert und gebadet. Nachts geht die Reise vor sich, und gewöhnlich werden acht bis zehn Meilen in einer Nacht zurückgelegt. Nach einigen Tagen gewöhnt sich das Thier so an den Wärter, daß es manchmal sehr bedenklich wird, dieselben zu trennen. So war ich z. B. gezwungen, für das Rhinoceros, welches jetzt im Hamburger zoologischen Garten steht, einen Schwarzen eigens nach Europa mitzunehmen. Sind die Thiere noch sehr jung, so ist das Führen derselben nicht schwieriger als das eines Schafes, haben sie aber erst das zweite Jahr erreicht, so wird dies schon sehr mühsam, besonders wenn sie zu gut gefüttert werden. Mit den beiden, welche jetzt in Berlin sind, hatte ich ungeheure Mühe. Nachdem sie glücklich in Calcutta angelangt waren, sollten sie auf’s Schiff gebracht werden, und da es Regenzeit war, lag der Dampfer mitten im Strome. Kein Boot, groß genug, um die Thiere an Bord zu bringen, war wegen der ungeheuren Strömung bei dem wehenden Südwest-Monsun zu finden. Fort mußten sie, denn die Fracht war bezahlt und Hagenbeck hatte schon eine Depesche erhalten, dieselben in London zu empfangen. Ich engagirte also sechsundvierzig Boote; wir banden dieselben mit Stricken zusammen, legten sechs Fuß breit Planken über die ganze Länge, machten Alles mit acht Ankern fest, und Monsieur und Mademoiselle Rhinoceros mußten über diese Brücke bis zum Steamer gehen, was sie auch ruhig thaten, indem ein Mann vorangehend sie immer mit süßem Futter lockte. Hier wurden sie geschlungen wie die Pferde, und in drei Minuten befanden sie sich auf Deck. Glücklicher Weise war zur Zeit das Wetter ruhig, sonst hätten sie Berlin nicht gesehen. Diese beiden Thiere sind die schönsten in Europa.

Eine Eigenthümlichkeit haben alle indischen Rhinocerosse wie die Nilpferde: sie schwitzen Blut. In Europa bemerkt man dies wenig wegen des kälteren Klimas, obgleich es bei den Nilpferden auch hier schon mehrfach gesehen worden ist. Bei dem Einschiffen in Calcutta werden sie durch die bei dem Treiben und Schlagen entstehende Angst so erhitzt, daß die rothen Tropfen vom Körper laufen, als wäre derselbe mit rothem Wein begossen. Kommt ein Rhinoceros aus dem Wasser, so wird man auch bemerken, daß die Haut einen röthlichen Schein angenommen hat, und reibt man den Finger darüber, so löst sich ein blutähnlicher, rother Stoff ab. Der empfindlichste Theil des Rhinocerosses ist unter den Falten; die Haut ist hier so weich und zart, wie bei einem Kinde. Man braucht diese Stellen nur mit etwas Spitzem zu berühren, um das Thier in vollsten Galopp zu setzen und wild zu machen. Niemand kann sich die Geschwindigkeit im Laufe dieser Thiere und ihre ungeheure Ausdauer vorstellen. In der Paarungszeit (während des Vollmondes) laufen sie in einer Nacht dreißig bis vierzig englische Meilen weit, um sich am Wasser zu treffen. In den „Soonderbunds“ habe ich halbausgetrocknete Teiche gesehen, wo die Thiere von den benachbarten Inseln massenhaft zusammenströmen, und wo der Mist vier Fuß hoch auf einer Strecke über zwei Acres groß lag. Bei den Zusammenkünften der Rhinocerosse an den Teichen, obgleich sehr zahlreich, [628] sind doch immer nur zwei bis vier zusammen, sie kommen von verschiedenen Richtungen und trennen sich nach der Zusammenkunft eben so nach allen Seiten, während die Elephanten bekanntlich in Heerden bleiben. Nach Sonnenuntergang fängt erst das active Leben des Rhinocerosses an; dieses ist seine Fütterungszeit, denn am Tage schläft es oder wälzt sich im dicksten Schlamm. Wenn es seinen Magen gefüllt hat, wird es ungeheuer faul, und es ist schwierig, es auf die Beine zu bringen.

Im Jahre 1866 schiffte ich auf einem Segelschiffe zwei Rhinocerosse ein, wovon das Männchen sechs Fuß, das Weibchen fünf Fuß sieben Zoll hoch war. Das Schiff hatte schlechtes Wetter und mußte in Penang einlaufen, wo es drei Wochen blieb, dann ging es nach Mauritius mit wieder drei Wochen Aufenthalt, alsdann lief es in der Capstadt ein, um Proviant und Futter einzunehmen, von da sehr langsam nach Sanct Helena. Hier waren keine Nahrungsmittel für die Thiere zu finden, und wurden dieselben mit Sägespähnen und Holzsplittern acht Tage lang erhalten, bis sie vor Hunger umkamen. Diese Reise dauerte bis London sieben und einen halben Monat; hätte es damals einen Suezcanal gegeben, so hätte Europa zwei Thiere gesehen, welche Erstaunen erregt hätten, denn so etwas Kolossales habe ich vorher und seitdem noch nie gesehen. Der Einkaufspreis nebst Unkosten betrug sechshundertzwanzig Pfund. Jetzt werden wenige oder gar keine indischen Rhinocerosse mehr importirt, da es sich nicht rentirt; die Unkosten sind zu groß, und da die zoologischen Gärten fast alle ein[1] indisches Rhinoceros besitzen, der Berliner deren sogar zwei, so ist keine Abnahme mehr zu erzielen. Unsere besten Abnehmer waren die Amerikaner, was auch bezüglich aller anderen großen Thiere gilt; sie haben uns die größte Unternehmungslust gegeben. Alle zoologischen Gärten, welche bis jetzt das Selbstimportiren versucht haben, haben Geld zugesetzt, und als ich mich vor einigen Tagen über das Heruntergehen der Preise beklagte, erhielt ich zur Antwort; das müsse so sein. Zwanzig Reisen habe ich nach Indien gemacht und mache noch zwanzig weitere, wenn Gott es will. Wünschen die Herren Zoologen aber seltene Thiere zu besitzen, so müssen sie tiefer in die Taschen greifen und den allmächtigen Thaler nicht dreimal herumdrehen, ehe sie denselben ausgeben. Basta!“

Ich habe nicht den Muth, diesen durchweg neuen und am Schlusse sehr charakteristischen Mittheilungen des Herrn Jamrach noch Etwas hinzuzufügen. Hervorheben muß ich aber, daß der genannte Herr sich dadurch allerdings Verdienste um die Zoologie erworben hat, daß er nicht blos die meisten indischen Rhinocerosse, welche sich in Europa befinden, sondern auch andere Arten, z. B. das javanische, das sumatranische und, irre ich nicht, noch weitere zuerst lebend hierhergebracht hat. Die in Deutschland befindlichen sind wohl alle von ihm transportirt: das sumatranische und das indische in Hamburg, die zwei indischen und das javanische in Berlin, das indische in Dresden, ebenso, glaube ich, das indische in Köln, sowie Exemplare dieser Art in der Daggesell’schen und in der Kallenberg’schen Menagerie. Nur die zwei afrikanischen, eines in London, eines in Berlin, jedes mit zwei gewaltigen Hörnern, sind von Casanova aus ihrer Heimath gebracht worden und durch Hagenbeck an ihren jetzigen Aufenthalt gekommen.

L.

  1. WS: Fehlendes e ergänzt.