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Titel: Von der Saar
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aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 624
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[624] Von der Saar. Am 30. August feierte der sogenannte „Saarbrücker Bibel- und Missionsverein“ sein diesjähriges Jahresfest in Neunkirchen. Bei der freien Versammlung am Nachmittage im Saale des Herrn Kausch lieferte der Festprediger, Herr Pfarrer H… von F…, einen Nachtrag zu seiner Festpredigt, der darin bestand, daß er der lieben Festversammlung noch einige Stückchen preisgab, welche die große Wirkung des Wortes Gottes illustriren sollten. So hörte denn die Versammlung unter Anderm folgende merkwürdige Historie: „Am 15. Juli 1870 saß Fürst Bismarck in seinem Cabinete und erhielt eine drohende, herausfordernde Depesche aus Paris. Nachdem er sie gelesen, ergriff er die Feder und antwortete in demselben Tone. Als er die Antwort beendet, welche, wäre sie nach Paris gelangt, die sofortige Kriegserklärung zur Folge gehabt hätte, griff er zufällig in seine Tasche und bekam das ‚Losungsbüchlein der Brüdergemeinde‘ in die Hand. Er dachte: du willst doch die Losung für den heutigen Tag noch einmal lesen, schlug auf und fand Matth. 5, 9: ‚Selig sind die Friedfertigen etc.‘ Dieses Wort ergriff ihn, er zerriß die geschriebene Depesche, warf sie in den Ofen (am 15. Juli in den Ofen!!) und schrieb flugs eine andere, friedlichere.“

Diese und ähnliche kostbare Anekdötchen würzte der Herr Redner durch den welterschütternden Satz: „Man muß sich freuen über solche Männer, die mehr Verstand haben als Andere, die ihre Weisheit aus der ‚Gartenlaube‘ und anderen naturwissenschaftlichen Schandblättern geschöpft haben!“

Jetzt wissen wir’s also und müssen mithelfen, der Welt die Nachricht zu verkündigen: die deutsche Politik wird nicht von Bismarck und dieser nicht von seinem eigenen Geiste geleitet, sondern das Losungsbüchlein der Brüdergemeinde ist das geheimnißvolle Orakel, welches das Thun und Lassen dieses großen Staatsmannes regelt!