Hauptmenü öffnen

Von dem allerbesten Land so auff Erden ligt

Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Zwey schöne kurtzweilige Lieder: Das Erste. Von dem allerbesten Land so auff Erden ligt / allen denen so genäschig / leckerhafftig / faul vnd gefrässig / […] Das Ander. Es ist ein Thierlein auff der Welt / etc.
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1671
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: im VD17 unter der Nummer 1:687322W
Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Weitere Flugschriften des 17. Jahrhunderts.
Siehe auch Schlaraffenland.
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
1 687322W 001.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
Editionsrichtlinien:

[1]

Zwey schöne kurtzweilige Lieder.
Das Erste.
Von dem allerbesten Land so auff Erden ligt /

allen denen so genäschig / leckerhafftig / faul vnd gefrässig / vnd zur Arbeit nachlässig / daß man solche Persohnen Jung vnd Alt / alsbald in das Land weisen thue / darinnen da haben sie gute Ruhe:

Das Ander:
Es ist ein Thierlein auff der Welt / etc.


Ausschnitt 1 687322W 001.jpg


Getruckt im Jahr / 1671.

[2]

Das erste Lied.

NVn höret zu vnd schweiget still / vnd höret was ich singen will / von einem guten Lande / so bleib mancher daheime / wann jhm das wäre bekandt.

Der Weg ist auch zimblich weit / junge Kinder vnd alte Leuth / mögen dahin nicht kommen / im Winter ist es jhnen zu kalt / vnd auch zu heiß im Sommer.

Die gegend im Schlaraffenland / ist faulen Leuten wol bekandt / redlich ohn allen Schaden / darinnen seynd die Häuser gedeckt / mit eytel gut Eyerfladen.

Welche Mägd oder Gesellen / deß Lands art erfahren wöllen / mögen sich dahin verfügen / wann man die Dächer bricht ab / hat er fladen sein genügen.

Thür vnd Wänd / das gantze Hauß / ist gut lebzelten überauß / die Thräm / von schweinen Braten / kaufft einer dort ein Pfenning werth / hie gilts einen Ducaten.

Wolauff jhr Kinder allgemein / zieht alle in das Land himein / zu dem Lebzeltin Hauffen / dort habt jhr fein vmbsonst genug / hie müßt jhrs theur kauffen.

Vmb jedes Hauß da ist sein Zaun / geflochten mit Bratwürsten braun / resch braten frisch gesotten / es mag sie essen wer da will / seynd niemand nicht verbotten.

All Brunnen voll Malvasier da seyn / rinnen eim [3] selbs ins Maul hinein / vnd andere süsse Wein / wer sie nun gern trincken thut / der macht sich bald hinein.

Auff den Bäum die Semmel stehen / darunder Bäch mit Milch gehen / fallen in Bach herab / vnd weichen sich fein selber ein / daß jeder zu essen habe.

Weib vnd Kinder / die Mägd vnd Knecht / seynd in das Land gar eben recht / wolauff Gretel vnd Stöffel / macht euch zu dem Milchbach / hinein / mit einem grossen Löffel.

Die Fisch wol auff dem Wasser gohn / gebacken vnd gesotten schon / bey dem Gestatt gar nahen / vnnd gehen auff das Land herauß / lassen sich gerne fahen.

Auch fliegen vmb das möcht jhr glauben / gebratene Vögel Gäns vnd Tauben / vnd wer da ist so faule / der dieselb wolt fahen nicht / dem fliegen sie ins Maule.

Die Säw all Jahr so wol gerahten / lauffen da rumb vnd seynd gebraten / tragen Messer im Rucken / damit keiner gesaumet wird / das jeder schneid ein Stucke.

Die Käß die wachsen wie die Stein / vnd wachsen im Land groß vnd klein / die mag ein jeder glauben / die Stein seynd auch zuessen gut / seynd lauter Kraffen vnd Tauben.

Im Winter wann es schneyen thut / so schneyt es lauter Zucker gut / gut Feigen vnd gut Mandel / vnd wer sie gern essen thut / hat da ein guten Handel.

Wer Roß hat ist ein reicher Meyer / sie legen grosse Körb voll Eyer / ja manchen grossen Hauffen / tausend seynd eines Pfennings werth / noch sie niemand will kauffen.

Allerley Gelt wol noch dem besten / wächßt auff den [4] Bäumen wie die Kesten / jeder mag herab lassen / das beste mag er suchen auß / das ander ligen lassen.

Es hat grosse Wäld in dem Land / darinnen wächßt das best Gewand / Röck / Mäntel vnd gut Schauben / Wammes vnd Hosen seynd auch darbey / mag er die Wahl darauß klauben.

Wer will haben ein newes Kleyd / es sey schwartz grün / blaw oder roth / der geh nur in das Holtze / da wirfft ers mit eim Stein herab / oder schieß mit einem Boltze.

Darzu wächßt auff den grünen Heyden / Damast Samet vnd genäte Seyden / darzu gut Englisch Tuche / auff den Stauden da wachsen auch / Hüt / Stieffel / vnd gute Schuhe.

Das Land hat Märckt vnd Freyheit vil / welcher sein Weib nicht haben will / mag sie vertauschen eben / man gibet jhm ein junge darfür / vnd gibt jhm auch darneben.

Das Land hat auch ein gute Gnad / darinn hat es ein warmes Bad / das ist von grosser Kräffte / wann alte Leuth baden darinn / werden gleich jung geschaffen.

Welcher ein altes Weib hat / der schick sie auch mit in das Bad / sie baden kaum drey Tage / so wird ein junges Dirnige darauß / vngefehr bey achtzehen Jahren.

Im Land da hat man Kurtzweil vil / wann man will schiessen nach dem Zihl / der gar kein Schuß hat troffen / der bekombt im Stechen wol das best / ist nie leer außgeloffen.

Der allerweiteste von dem Ziel / der gewinnt das best [5] hie seynd jhr vil / die weit neben außschiessen / ziehen sie in das Land hinein / da würden sie es geniessen.

Im Land ist Gelt zugewinnen gut / sonderlich der vil schlaffen thut / hat von der Stund ein Batzen / der mag sein Gelt schlaffend gewinnen / hie muß er hart drumb kratzen.

Ein jeder Furtz ein Thaler gilt / vnd welcher sein gelt verspielt / jhr Spieler merckets eben / so gar an gutem teutschem Gelt / thut mans jhm wider geben.

Auch welche grosse Trincker seyn / huben vmbsonst den besten Wein darzu ein guten Lohne / von jedem Trunck drey Batzen baar / man gibts Frawen vnd Mannen.

Vnd wer die Leuth wol fatzen kan / der hat ein Gulden baar davon / man darffs vmbsonst nicht thun / vnd der ein grossen Lugen thut / der hat alle mal ein Kronen.

Hie liegt mancher vil vmbsonst / dort halt mans für die gröste Kunst / alle die wol können liegen / Procurator vnd Roßtäuscher gut / thun in das Land wol fügen.

Wer dort will seyn ein gelehrter Mann / muß studiert haben Grobian / schmal Warheit auch dabey / faul vnd gefrässig muß er seyn / seynd schöne Künsten drey.

Darnach hüte sich jedermann / muß alles guts hie müssig stahn / wer was guts brauchen wolte / der wird veracht von jedermann / kein Mensch ist jhm nicht holde.

Wer gerne mit der Hand / dem verbiet man das gantze Land / vnd der nichts guts will lehren / der das Böß thut / vnd läßt das Gut / den hält man hoch in Ehren.

[6] Wer dölpisch ist vnd gar nichts kan / der ist im Land ein Edelmann / vnd der nichts kan als schlaffen ein / essen / trincken / tantzen vnd spielen / den macht man bald zum Graffen.

Wer der allerfaulst wird erkandt / ist ein König über das gantze Land / er hat ein groß Einkommen / deß Lands Art vnd Eygenschafft / habt jhr also vernommen.

Der sich will machen auff die Reyß / vnd derselb den Weg nicht weißt / der mag ein Blinden fragen / ein Stumm ist jhm auch gut darzu / thut jhm nicht vnrecht sagen.


Das ander Lied.


ES ist ein Thierlein auff der Welt / hält sich gern zu den Weibern / wiewol es jhnen nicht gefällt / kans doch kein Mensch vertreiben. Es beißt vnd sticht / vnd hilfft auch nicht / wann man sich schon thut reiben. Es ist ein Floh / deß sind nie froh / die jungen vnd alten Weiber / ein Floh / ein floh / der beißt vnd sticht / er zwickt vnd pickt / er stupfft vnd hupfft / er kreucht vnd weicht / er kitzelt vnd bitzelt / zützelt vnd fitzelt / er grabelt vnd zabelt / die Meydlein vnd die Weiber / nicht sicher vor jhm bleiben.

Die Weiber haben grosse Peyn / von flöhen über die massen / bey jhnen findt mans groß vnd klein / kein ruh sie ihnen lassen: Im Hembd vnd Kleyd thuns jhnen leyd / im Hauß vnd auff der Gassen / im Beltz vnd Rock sitzt maches Gschock / vnd plagens auff der Strassen. Ein floh / ein floh / der beißt vnd sticht / er zwickt vnd pickt / er stupfft vnd hupfft / er kreucht vnd weicht / er [7] kützelt vnd bützelt / zützelt vnd fützelt / er grabelt vnd zabeld / die Mägdlein vnd die Weiber / nicht sicher vor jhm bleiben[1].

Wann die Weiber in die Kirchen gehen / oder zur Gastung wollen: So thun sie fürs Fenster stehen / vnd fangen manchen Gesellen. Mit grossem fleiß / auff manche weis / den Flöhen sie nachstellen / vnd wann sie es erhaschet han / so thun sie es weidlich knöllen / ein floh / ein floh / der beißt vnd sticht / er zwickt vnd pickt / er stupfft vnd hupfft / er kreucht vnd weicht / er kützelt vnd bützelt / zützelt vnd fützelt / er grabelt vnd zabelt / die Mägdlein vnd die Weiber nicht sicher vor jhm bleiben.

Vnd wann sie wollen schlaffen gahn / fürs Liecht sie stehen von stund an / die flöh zu suchen / hebens an vnd fischen oben vnd vnden: Sie suchen auß / wol nach der Paußthal / falten vnd all schrunden: So lang biß sie mit grosser Müh / die flöh haben funden. Ein floh / ein floh / der beißt vnd sticht / er zwickt vnd pickt / er stupfft vnd hupfft / er kreucht vnd weicht / er kützelt vnd bützelt / zützelt vnd fützelt / er grabelt vnd zabelt / die Mäydlein vnd die Weiber / nicht sicher vor jhm bleiben.

E N D E.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: blebien