Versuch eines „National-Almanachs für Teutsche“

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Titel: Versuch eines „National-Almanachs für Teutsche“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 34
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[34] Versuch eines „National-Almanachs für Teutsche“. Wir haben an dieser Stelle die Eintheilung und Einrichtung des von der ersten französischen Republik eingeführten Kalenders, sowie die Benennung der einzelnen Tage desselben mitgeteilt (vergl. „Gartenlaube“ 1880, S. 99). Dieser Kalender hat seinerzeit auch in Deutschland Nachahmung gefunden, allerdings in her Beschränkung, daß die frühere Eintheilung des Jahres beibehalten wurde und nur die einzelnen Tage nicht mehr nach Heiligen, sondern nach berühmten deutschen Männern benannt wurden. Der Historiker Ernst Ludw. Posselt, der zu den Ideen der französischen Revolution hinneigte, hat in seinen „Kleinen Schriften“ (Nürnberg 1795) den „Versuch eines National-Almanachs für Teutsche“ veröffentlicht. Es giebt von jedem Monate eine kurze in ungereimten Verszeilen gehaltene Schilderung, in welcher jedem bestimmte Wesenseigenschaften, manchmal allerdings in etwas gewaltsamer Weise, zugetheilt werden. Und zu diesen Eigenschaften sollten auch der Charakter und die Lebensschicksale derjenigen Personen in einer gewissen Beziehung stehen, nach welchen die Tage der betr. Monats benannt wurden. Wir wählen als Beispiel den November

Weh! Durch Felsenritzen heult der Nordsturm,
Heulet durch den blätterlosen Wald;
Schaurig heben in den Mitternächten
Der Erschlagnen Geister durch den Wald.

5
Weh dem Pilger! den sein böser Engel

Solcher Mitternacht entgegenführt:
Paradiese werden ihm zu Wüsten;
Seines Lebens Winter kommt so früh.

Jammer! Jammer! fern von seinen Lieben

10
Stirbt er in des Elends kaltem Arm:

Doch einst tönt des Weltgerichts Posaune;
Dann spricht Gott ihm den gerechtern Spruch."

Diesen gruselnden Versen entsprechend sind die Tage des Novembers meist nach Personen benannt, die auf dieser Welt viel auszustehen hatten und dieselbe meist auf gewaltsame Weise verließen. Die vorgeschlagenen Namen lauten: 1) Kaiser Heinrich IV.; 2.) Heinrich der Löwe; 3) Kaiser Philipp von Schwaben; 4) Herzog Otto von Wittelsbach; 5) Konradin von Schwaben; 6) Friedrich von Oesterreich; 7) Agnes Bernauerin, 8) Kaiser Adolf von Nassau; 9)Kaiser Albrecht I. von Oesterreich; 10) Günther von Schwarzburg; 11) Johannes Huß; 12) Hieronymus von Prag; 13) Friedrich V. Kurfürst von der Pfalz; 14) Wilhelm v. Grumbach; 15) Johann Friedrich, Herzog von Gotha etc. Einen praktischen Erfolg hatte dieser Vorschlag natürlich nicht.