Unsere Goethe-Bildnisse

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Titel: Unsere Goethe-Bildnisse
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 549, 560, 580
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[549]

Photographie im Verlag der k. privil. Kunstanstalt Piloty & Köhle in München.
Goethe.
Nach dem Oelgemälde von J. K. Stieler. 1828. In der Neuen Pinakothek zu München.

Goethe.
Nach dem Oelgemälde von Georg Oswald May. 1779.
Photogravüre im Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. in Stuttgart.

[580] Unsere Goethe-Bildnisse. (Zu den Bildern S. 549 und 560.) Das heutige Heft ist mit zwei Bildnissen Goethes geschmückt, von denen das eine als das beste von denen gilt, die den Dichter im jüngeren Mannesalter zeigen, während das andere als das vorzüglichste unter den vielen Porträts gerühmt wird, die nach dem Dichter im hohen Alter gemalt wurden. Das Oelgemälde von Georg Oswald May, nach welchem das Bild auf S. 560 ausgeführt ist, stammt aus dem Jahre 1779. Es stellt also den Dichter im dreißigsten Jahre dar, im vierten Jahre nach der Uebersiedelung von Frankfurt nach Weimar. Das Bild wurde dort von May, dem Ansbachschen Hofmaler, im Auftrag der Herzogin von Württemberg gemalt.

Wieland schreibt darüber an Merck am 1. August 1779 aus Weimar: „… Mit Göthen hab’ ich vergangene Woche einen gar guten Tag gehabt. Er und ich haben uns entschließen müssen, dem Rath May zu sitzen, der uns ex voto der Herzogin von Würtemberg für Ihre Durchlaucht malen soll. Göthe saß Vor- und Nachmittags und bat mich, weil Serenissimus absens war, ihm bei dieser leidigen Session Gesellschaft zu leisten und zur Unterhaltung der Geister den ‚Oberon‘ vorzulesen. Zum Glück mußte sichs treffen, daß der fast immer wüthige Mensch diesen Tag gerade in seiner besten receptivsten Laune und so amusable war wie ein junges Mädchen von sechzehn …“

In seinem Werke „Die Goethe-Bildnisse“ giebt Hermann Rollett ein älteres Urteil über das Gemälde wieder, das er bestätigt: „Es stellt dies Bildniß den Dichter in jener unvergleichlichen Anmuth, in jenem Zauber edelster jugendlicher Schönheit dar, welcher schon der Genius sein Siegel leuchtend aufgedrückt hat, und mit welcher der junge Poet überall gleich bei seinem ersten Erscheinen die Herzen eroberte.“

Diese „Perle der Bildnisse Goethes“ kam im Jahre 1841 in den Besitz des Freiherrn G. von Cotta, des Besitzers der J. G. Cotta’schen Buchhandlung in Stuttgart. Derselbe ließ von dem Bilde einen Stahlstich herstellen zu der „Volksbibliothek deutscher Klassiker“, die 1853–1858 erschien. 1878 hat dann der Cotta’sche Verlag von dem Bilde eine große Photographie herausgegeben, die weite Verbreitung fand. Als Beitrag zur gegenwärtigen Jubiläumsfeier läßt die Firma soeben treffliche Heliogravüren des Bildes, in einer größeren und einer kleineren Ausgabe, zu ungemein billigem Preise erscheinen.

Das Oelgemälde von Joseph Karl Stieler, welches unser Holzschnitt auf S. 549 wiedergiebt, ist 1828 entstanden. Im Juni dieses Jahres entsandte König Ludwig I von Bayern seinen Hofmaler Stieler nach Weimar, um den großen Dichter mit aller ihm nur zu Gebote stehenden Kunst nach dem Leben zu malen. Goethe selbst war mit seinem Abbilde, wie er an Gerhard in Leipzig schrieb, sehr zufrieden. König Ludwig fand das Gemälde ebenfalls außerordentlich gelungen. Mit besonderer Sorgfalt hatte Stieler darauf die Verse wiedergegeben, die auf dem Briefbogen sichtbar sind, welchen der Dichter in der Rechten hält. Es sind Verse des Königs, der bekanntlich seiner Kunstbegeisterung gern auch in Gedichten Ausdruck verlieh; sie bilden die fünfte Strophe des Gedichtes „An die Künstler“ und lauten:

„Ja! wie sich der Blume Flor erneuet
Durch den Samen, den sie ausgestreuet,
Zieht ein Kunstwerk auch das and’re nach.
Aus dem Leben keimet frisches Leben,
Das zum Werk gewordene Gefühl
Wird ein neues künftig herrlich geben,
Selber nach Jahrtausenden Gewühl.“