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Topographia Circuli Burgundici: Vorrede

Topographia Germaniae
Vorrede
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 5–21.
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[5]
Vorrede /
Darinn ein kurtzer Auszzug der
Ursachen / Anfangs / Fort- und Außgangs deß
vorgewesenen langwierigen Niederländischen
Kriegs enthalten.

Unter allen Kriegen / die in Europa geführet worden / ist kein berühmbter / als der Niederländische / nicht allein wegen der langen Zeit / so er gewehret / dergleichen man von keinem andern lesen wird; sondern auch der fürtrefflichen Kriegs-Helden / die sich in demselben geübt; der vielen Kunstreichen Meister halber / die allerley / neue Kriegs-Instrumenten / und Sachen / erfunden / und deßwegen viel Fürsten und Herrn / etwas allda / als in einer rechten Kriegs-Schul / zu lernen / sich dahin begeben haben; Und dann / wegen der unglaublichen Unkosten / so auff solchen langwierigen Krieg gegangen seyn; inmassen schon vor langer Zeit / nemblich umbs Jahr 1606. außgerechnet worden / daß derselbe allein dem König in Hispanien 120. Millionen Goldes gestanden / ohne die ansehnliche und grosse Kriegsheer / und die edelste Länder / so darüber im stich geblieben: Wie dann der Herr von Comans / in seiner Erzehlung / was wegen deß Niederländischen Friedens verrichtet worden / am 2. Blat schreibet / daß allein in den den ersten 25. Jahren / auff Spanischer Seiten / solcher Krieg mehr als ein hundert Millionen Goldes / ein hundert tausend gebohrne Spanier / und ein Million Soldaten von andern Nationen / gekostet habe; welche gnugsam gewest wären / Asiam und Africam damit zu erobern / wann man sie / sampt der vereinigten Niederländischen Macht / dahin gebraucht hätte. Es haben aber zu dem Niederländischen Auffstande unterschiedliche Sachen Gelegenheit gegeben. Und erstlich zwar / daß man die Spanische Soldaten nicht abgeführet / welche dann im Lande / durch ihre ungehaltene Weise / die Inwohner nicht wenig zu Unwillen beweget haben: [6] wiewol sie endlich König Philippus der Ander / abgefordert hat. Die Andere Ursach war / daß eben auff dieses Königs Begehren / Pabst Paulus der Vierdte / so viel neue Bisthumber in den Niederlanden auffgerichtet hat. Die Dritte ist gewesen die Forcht vor der Spanischen Inquisition / daß dieselbige / von den newen Bischöffen / auch allhie eingeführet werden möchte. Dann allbereit zu Keyser Carls deß Fünfften Zeiten / eine Zwiespalt in der Religion dieser Orthen sich angesponnen / und ihr viel / von den Andern / jedoch noch heimlich abgesondert haben. Die Vierdte Ursach war der Widerwillen deß Innländischen Adels / der nicht wol leyden kondte / daß zu Hoff die Spanier den Vorzug hatten / auch höchstgedachter König Philippus selbst für einen Hispanier angesehen seyn wolte; und bey dessen Schwester / und Statthalterin / Frawen Margarethen / Hertzogin von Parma / der Cardinal Antonius Perenottus Granvellanus, ein Burgunder / alles fast allein gelten thate. Folgends kamen zu den besagten / auch deß Hertzogs von Alba Verrichtungen / und seine newe Aufflagen / als er haben wolte / daß von dem Fahrenden / so offt etwas verkaufft wurde / der Zehende / von dem Liegenden aber der Zwantzigste / und dann von allen Gütern / wie sie Nahmen hätten / auff einmahl der Hunderste Pfenning erlegt werden solte; wiewol er damit nichts außgerichtet hat. Ehe er Statthalter in den Niederlanden worden / haben die / so ihre Religion geändert / zu Tornick / und Valencin / Anno tausend fünffhundert zwey und sechzig / die erste Predigten gehalten / die man aber wieder abgeschafft hat. Das tausend fünffhundert fünff und sechzigste Jahr hernach / war das letzte Friedens-Jahr bey den Niederländern. Dann als der König in Hispanien in dem folgenden 66. seinen Befehl der Religion halber / in den Landschafften eröffnen lassen; So hat es gleich daselbsten offentliche Auffruhren gegeben / und wolte man die Nachforscher in Glaubenssachen / und das Tridentinische Concilium nicht zulassen; sondern es ist hierauff der offentliche Krieg erfolget. Es haben aber erstlich auff die vierhundert vom Adel sich zusammen gethan; deren Vorgänger waren / Heinrich von Brederode / auß den alten Holländischen Grafen entsprossen; Ludwig Graff von Nassau / Fürst Wilhelms von Oranien Bruder; Florentius Pallantius, Graff von Culemburg / und Wilhelm Graf von Berg in Geldern. Die Bündliche Verschreibung ist vom Philippo Marnixio, Herrn zu S. Aldegunde / (der in seiner Jugend den Joan. Calvinum gehört / und hernach im Alter / auch andere in selbiger Lehr unterwiesen hat /) angegeben worden. Auß den besagten Edelleuten haben etwas wenig mehr als zweyhundert der obhochgedachten Regentin in den [7] Niederlanden Frauen Margarethen / eine Bittliche Schrift / zu Brüssel / übergeben; die Graff Carl von Barlamont die Geusen / oder Gheusios, das ist / Bettler / ins gemein / und verächtlich / genant hat / welcher Nahm aber ihnen so wol gefallen / daß sie desselben bey Gastungen / und dem Trunck / sich selbsten gebraucht; auch hernach die Protestirenden im Niederland die Geusen; gleich wie in Franckreich die Huguenoten / geheissen worden seyn. Und haben folgender Zeit die jenige Landschafften / so sich von dem König in Hispanien abgesondert / ein Büschelein zusammen gebundener Pfeil zuführen angefangen / so vor diesem der Königin Isabellae Catholicae Denckzeichen war. Die hochermeldte Statthalterin hat hierauff den Johann von Glimes / Marggrafen zu Berg / und Florentzen von Montmorancy / Herrn zu Montigny / noch dieses 1566. Jahr in Hispanien gesandt; die beede hernach daselbst ihr Leben gelassen. Unterdessen ist die Bildstürmerey in den Niederlanden angegangen / und ward der Anfang im besagten Jahr / an S. Marien Himmelfahrts Abend / in NiederFlandern / so zwischen der Lis oder Leye / und der West-See sich erstreckt / in den Dörffern und Flecken umb S. Omer herumb gemacht. An dem gedachten Himmelfahrtstag aber / kame man in die Statt Ypern / und wurden daselbst die Kirchen und Klöster geplündert / auch deß Bischoffs Bibliothec verbrant; und gieng es hernach auch über andere Orth mehr / also / daß dieses Unwesen alle Landschafften / ausser Namur / Luzemburg / Artois / und einen Theil von Hennegöw / innerhalb zehen Tagen / sonderlich die zu Antorff / mit ihrem grossen Schaden / innen / und allein in Flandern 400. Kirchen geplündert / zum theil auch angezündet worden seyn. Anno 1567. ist das erste Treffen / ausserhalb Antorff / bey Osteruela / gehalten / in welchem die Geusen unten gelegen / und daher in jetzt gemelter Statt ein Aufflauff erreget worden. Die Königischen bekamen wieder Tornick / Valencin / Mastricht / Hertzogenbusch / und Antorff; und geschahe eine grosse Veränderung in den Niederlanden / sonderlich / als der Printz von Oranien / und sein Bruder / sich nach Teutschland begaben; auch die Grafen von Culemburg / und Berg / ihr Vatterland verliessen: und kamen / auff deß von Brederode (der hernach in Westphalen gestorben /) Flucht / gantz Holland / Seeland / Gröningen / und Frießland / etc. wieder an die Statthalterin. Und wurde hiedurch gantz Niederland wiederumb zu Frieden gebracht. Bey die hundert tausend flohen in frembde Länder / und nahmen mit sich ihr Geld und Haußraht; wie die besagte Hertzogin / an den König in Hispanien / berichtet hat. Und gleichwol schickte höchstgedachter König / den oberwehnten Ferdinandum Toletanum, Hertzogen von Alba / ins Niederland / welches ihr / der Regentin / nicht gefiel / und deßwegen Erlassung ihres Statthalter [8] Ampts begehrte; so auch erfolgt: und verordnete ihr der König vierzehen tausend Gülden jährliches Einkommens: und hat sie sich darauff nach Italien / zu ihrem Eheherrn / Octavio Farnesio, Hertzogen zu Parma und Placentz / begeben. Der neue Gubernator aber / besagter von Alba / beruffte zu sich in den Raht / den Lamoralium, Grafen von Egmond / und Printzen zu Gaure; wie auch den Graff Philipsen von Horn / auß dem Montmorantzischen Frantzösischen hohen Geschlecht / beede Ritter deß güldenen Flüsses / und ließ sie / und andere / zu Brüssel gefangen nehmen. Daher noch viel / als sie es gehört / davon geflohen seyn. Das folgende 68. Jahr / den 1. Brachmonats / hat besagter Hertzog von Alba / in der gedachten Statt Brüssel / 19. von Adel / aus den zusammen Verbundenen / köpffen lassen / darunter 8. Catholische gewesen: Auff die hernach andere / und darunter auch obernante 2. Grafen von Egmond und Horn / wiewol sie beede auch Catholischer Religion waren / offentlich gefolgt seyn. Und hat der von Alba / auch wider den obbesagten Graff Ludwigen von Nassau / in Frießland obgesieget. Welches seinem Brudern / dem Printzen von Oranien / der einen andern Weg / mit seinem Kriegsvolck / aus Teutschland / nach Niederland gezogen / ingleichem begegnet / und in solcher Schlacht auch Antonius Lalinius, Graff von Hochstraten / der es mit dem von Oranien gehalten / wiewol er Catholisch war / geblieben ist: Zwar er / der von Oranien / an den Frantzösischen Gräntzen / den Schaden umb etwas wieder hereinbracht hat. Nach solchem / hat der von Alba Anno 69. die obangedeute neue Anlagen auffbringen wollen / damit er sich dann noch mehrers verhasst gemacht / weil nicht einen / oder den andern / sondern Alle / die Sach angienge: Daher / als Anno 1572. den 1. Aprilis / mit sonderlichem Glück und Behendigkeit / Graff Wilhelm von der March / Herr zu Lumay / und andere vertriebene vom Adel / (so sich ausser Landes an den Wassern und Meer-Gräntzen auffhielten / und Schiffe zusammen brachten /) die Statt Briel einnahmen / sich deß von Alba Glück gewendet hat. Julius Caesar Bulengerus, ein Catholischer Doctor, schreibet lib. 4. histor. sui temporis, fol. 157. seq. also von diesem Albano: Datum famae, decem et octo Belgarum millia Carnificis manu, Albano jubente, exitio data, in quibus plerique viri Principes hominis saevitiam experti. Und ist hierauff eine seltzame Enderung in Niederland erfolget. Dann Dordrecht / Flissingen / Enchusen / Horn / Alckmar / Edam / Goude / Leyden / Gorichum / und andere Ort / von Spanien abgefallen seyn / also / daß ausser Ambsterdam / und Schonhofen / fast gantz Holland / und ein grosser Theil von Seeland / den von Alba verlassen / und sich zu Printz Wilhelmen von Oranien begeben: und ist ein solche Menge auß Franckreich / [9] und Engelland / zusammen kommen / daß sie innerhalb 4. Monaten 150. Schiffe / in dem Flissingischen Meerhafen / zusammen gebracht haben. In Zutphen / OverIssel / Geldern / und Frießland / hatte unterdessen Graff Wilhelm von Berg / deß von Oranien Schwager / nicht weniger guten Fortgang / in dem die Stätte / und Flecken / entweder durch Gewalt / und Forcht bezwungen / oder freywillig / sich ergaben. Und zog deßwegen der gemeldte Printz von Oranien / das andere mal / auß Teutschland ins Niederland / und nahm unterschiedliche Stätte in Brabant ein. Als er aber hörte / wie es zu Pariß / bey der Blut-Hochzeit / dieses 72. Jahrs / mit den Huguenoten / daher gegangen / und der von Alba zu keinem Treffen kondte gebracht werden; so begab er sich nach Delpht in Holland / und hinterließ die in Brabant und Flandern / eingenommene Oerter dem von Alba wieder zu erobern / dessen Sohn Friederich auch die Geldrische / und andere Orth / bekam. Es wurde aber besagter Hertzog von Alba Anno 73. vom König wieder nach Spanien erfordert / und Ludovicus Requesentius zum Statthalter in den Niederlanden verordnet. Im folgenden 74. Jahr / ergab sich auch endlich Middelburg in Seeland dem Printzen von Oranien. Hergegen Sanctius Avila, seinen Brudern / Graff Ludwigen von Nassau / auff der Mocker Heyde / zwischen der Waal und Maas / überwunden hat: in welchem Treffen auch er Graff Ludwig / sampt seinem jüngsten Brudern / Graff Heinrichen von Nassau / und Pfaltzgraff Christophen / deß Churfürsten Sohn / entweder umbgebracht / oder von den Pferden zertretten / oder in den Sümpffen ertruncken / und umbkommen: dann man sie nie mehr finden können. Nach solcher Schlacht / haben die Spanier die erste Auffruhr / wegen nicht bezahlten Solds erregt: darauff bald hernach auch die andere erfolgt / als die Statt Leyden in Holland von ihnen vergebens belagert worden ist. Sie haben gleichwol darauff / als ihnen Herr Graff Hannibal von HohenEmbs / mit seinen Teutschen zu Hülff kommen / etliche Ort in Holland / auch die Statt Ziricksee in Seeland / Anno 1576. erobert: wiewol in Brabant die dritte / und zwar der Spanischen Reuter / Auffstand / und zugleich auch deß obernandten Königl. Statthalters Requesentii, auß dem Hauß Zunica, tödtlicher Abgang zu Brüssel / erfolget ist. Hierauff haben noch in diesem 76. Jahr / die Herren Stände / oder vornehmster Raht der Staaten / deß gedachten Graffen von HohenEmbs Teutsches Regiment abgedanckt / und bezahlt; daher die Spanischen Soldaten erzörnet worden / daß sie die vierdte Auffruhr in Seeland erreget / selbige Insel verlassen / sich nach Brabant begeben / und die Statt Alost in Flandern erhascht haben. Und hätte leichtlich die Sach zu einem innerlichen Krieg / zwischen den Niederländern / und Hispaniern / gerahten dörffen / wann nicht der König [10] Philippus stracks seinen Seyten-Brudern / den Don Johann von Oesterreich / als newen Statthaltern dahin gesandt hätte. Gleichwol wurde zu Brüssel / Wilhelm von Horn / Herr zu Hesen / zu einem Gubernatorn gemacht / welcher die Graffen von Mansfeld / und Barlamont / den Praesidenten Viglium Zuichemium, den Christophorum Asson villium, Aloysium Delrium, und etliche andere Rahtsherren / die man ins gemein die Hispanische genant / auß dem sitzenden Raht hinweg nehmen / und in einem gewissen Hauß verwahren lassen: Daher dann alles Ansehen deß Königl. Rahts gefallen / und ist damals erstlich der Grund zu dem jenigen Regiment / so bey den Ständen / und deren Abgeordneten / in den vereinigten Niederlanden / so nicht mehr Königisch seyn / noch der Zeit in Ubung ist / gelegt worden. Dann / ob woln andere an deren Stell / so man / wie gesagt / gefangen genommen / verordnet worden / damit es / als ob der Königliche Raht noch lebte / ein Ansehen hätte; so war doch aller Gewalt bey der Länder Verordneten: Und ist darauff der Gentische Bund / die Spanier auß Niederland zu jagen / zwischen unterschiedlicher Religionen Provincien / entstanden. Hergegen sich gedachte Spanier auch zusammen gethan / Mastricht und Antorff geplündert haben. Unterdessen kam der gedachte newe Statthalter Don Joan de Austria, durch Franckreich / mit 2. Geferdten / zu Lutzemburg an / welchen die Stände dergestalt angenommen / wann er den besagten Gentischen Bund unterschreibe / so auch / auff deß Königs Einwilligung / zu Anfang deß 77. Jahrs von ihme geschehen / und ist er darauff von Lutzemburg nach Löven / zu Eingang deß Mertzen / und ferners nach Brüssel kommen: Die Spanische / Italianische / und Burgundische Soldaten aber / musten / wider ihren Willen / auß dem Lande ziehen; und kamen / nach Ubergebung deß Castells zu Antorff / erstlich auff Mastricht / allda man die Gefangene außgewechslet / und die Soldaten zu bezahlen angefangen. Hernach haben sie / zu Ende deß Aprillen / das Niederland verlassen; und seyn viel Tausent starck durch Lothringen / Graffschafft Burgund / und das Hertzogthumb Savoyen / ins Welschland / und das Meyländische Gebiet / gezogen / allda sie / durch das Ligurische Gebürg / (so man Langas nennet /) außgetheilet worden; viel aber derselben wegen im Sommer bekommener Kranckheit / auch Mangel an Lebensmittel / und auß Bekümmernuß / gestorben seyn. Obermeldter Don Johann von Oesterreich / als ihme / wie es zu Brüssel daher gegangen / nicht gefallen / hat sich gleichsam mit der Flucht von dannen / und nach Namur / begeben / daselbsten er das Schloß / mit einem Kriegsliste / eingenommen / und sich nunmehr für einen rechten Gubernatorn gehalten hat. Damit zwar die Stände nicht zufrieden waren / sondern ihn gern wieder zu rück auff Brüssel gehabt hätten: Weiln [11] sie aber nichts erhalten kondten / haben sie den Printzen von Oranien zu sich beruffen und ihn zum Ruvarten, oder Conservatorn über Brabant / gemacht; welche Obrigkeits Hoheit der Römer Dictatori und der Lütticher Mamburo nicht ungleich ist. Der von Oesterreich aber hat sich zum Krieg gerüstet / wiewol er damaln nur die 2. Länder / Luzemburg / und Namur / unter sich hatte. Es wurde auß Rath deß von Oranien / der theil deß Castells zu Antorff / so gegen der Statt siehet / niedergerissen / und haben diesem Exempel auch die zu Gent / Utrecht / Ryssel / Valenzin / und andere Stätt / gefolgt / die ihre Schlösser auch abgebrochen. Es haben aber die Catholischen Stände deß Fürsten von Oranien grossen Gewalt nicht gern gesehen / und daher Gesandten nach Wien / zum ErtzHertzog Matthia von Oesterreich / gesandt / die ihme das Statthalter-Ampt auffgetragen; der es auch angenommen / und sich nach Brabant begeben; und ist ihme der gedachte Printz von Oranien / als ein Vicarius, noch in diesem 77. Jahr / zugeben worden. Das folgende 78. hat der neue Rath deß Joannis Austriaci Anhang / und ihne auch selbsten für Feind erkläret; und wurden zu Antorff / Tornick / Bruck / und Mastricht / die Jesuiter / weil sie die neue Eydsform nicht annehmen wolten / vertrieben: Hergegen hin und wider die freye Vbung der Religion zugelassen; Deßwegen dann / auß Königlichem Befelch / die oberwehnte Spanier / so vor 7. Monaten auß Niederland gezogen / auß Italia wider zu ruck / sampt dem Alexandro Farnesio, beruffen worden; also daß das gantze Kriegsheer / sampt denen / die sonsten geschrieben worden / von sechs tausend Köpffen bestunde. Als nun dergestalt der von Oesterreich verstärckt worden / hat er / und der Farnesius, oder Fürst von Parma / im gedachten 78. Jahr / bey Gemblours / einen herrlichen Sieg wieder die Niederländer erlanget; und seyn darauff Löven / Iudoigne, Bovines, Diest / Sichem / Nivelle / Bins / und viel andere Orth in Brabant und Hennegöw; wie auch das gantze Hertzogthumb Limburg wieder an die Spanische: hergegen Ambsterdam von ihnen kommen. Es starb aber noch in diesem 78. Jahr den 1. Weinmonats / der gedachte Don Johann von Oesterreich / zu Namur / als er noch nicht gar 33. Jahr alt worden. Kurtz vor seinem Tode / ist deß Königs in Franckreich Bruder / Hertzog Franciscus Hercules von Anjou, und Alençon, ins Niederland / mit einem prächtigen Titul / als ein Beschützer der Niederländer / wider den Gewalt und Unbilligkeit der Außländer / kommen. Aber der erwehnte von Parma hat das folgende 79. Jahr unterschiedliche Orth dem König in Hispanien wieder unterworffen. Und seyn auch die Wallonische / oder Welsche Provintzien / als sie sein Glück gesehen / zu ihme; Hergegen 5000. Wallonen / vom Printzen zu Oranien gefallen; sonderlich [12] aber hat ihme die Eroberung der Statt Mastricht / in diesem neun und siebentzigsten Jahr / ein gewaltiges Ansehen gemacht. Darauff Hertzogenbusch / Mecheln / Cortrick / Frießland / und OberIssel / wieder auff die Königliche Seyten kommen seyn: Wiewol die Niederländer Mecheln bald wieder / wie auch Ninove / Anno 80. eroberten. In jetztgemeltem 80. Jahr / haben die Spanischen bey dem Schloß Engelmünster / nahend dem Fluß Mandra, mit dem de la Nouë glücklich geschlagen / und ihn gefangen. Hernach umb den Anfang des Augstmonats ist die obanfangs gedacht Frau Margareth / Käyser Carls des Fünfften Tochter / Hertzogin von Parma / wieder vom König in Spanien / als seine Statthalterin / (weilen man also mit den Wallonen übereinkommen war / daß die Landschafften durch einen Fürsten deß Königlichen Geblüts / regieret werden solten /) ins Niederland geschickt worden; die auch biß nach Namur kommen; weilen aber ihr Sohn / der gemeldte Alexander Farnesius, es nicht für tauglich erachtete / daß man den Gewalt also theilen / und der Mutter die Politische / oder Lands-Regierung: ihme aber die Militarische oder Kriegssachen übergeben solte: Als ist sie / die Hertzogin / auff erlangte Königliche Erlaubnüß / wieder nach Italien An. 1583. im Herbstmonat / gezogen / und daselbst Anno 86. im Hornung / gestorben: der Sohn aber ist völliger Statthalter geblieben. Und hat er auch unterdessen / weil sie da war / in Kriegssachen nicht gefeyret / sondern etliche Orth eingenommen. Und obwoln theils Stände nicht zu frieden / daß man vom König in Spanien / als dem Erbfürsten / gantz abweichen solte; so hat doch der andern Meynung / auff der zu Antorff deß Jahrs 1581. angestellten Zusammenkunft vorgezogen / und ist / zu einem neuen Fürsten / obgedachter deß Königs in Franckreich Bruder / der Hertzog von Alenzon / etc. erwöhlt worden. Und weil der ErtzHertzog Matthias / in dessen Gegenwart dieses alles vorgegangen / deß neuen Fürsten nicht erwarten wollen; so hat er bey solcher der Stände Zusammenkunfft / seiner vierjährigen Verwaltung sich abgethan / und ist / nach etlichen Monaten / wieder in Teutschland gereist. Hierzwischen hat in diesem 81. Jahr / der Printz von Oranien seine Statt Breda verlohren / so die Königischen mit Behändigkeit eingenommen: Hergegen dem besagten Hertzogen von Alenzon die Statt Camerich zu Theil worden; Er hernach im Hornung deß 82. Jahrs / zu Antorff eingezogen / und allda für einen Hertzogen zu Brabant angenommen worden ist. Auß welcher Ursach / und weilen auch die vereinigte Niederländer Winoxbergen eingenommen / die Wallonischen Provintzien bewegt / eingewilliget haben / daß man die Hispanier und Italianer / nach dem Niederland beruffen möchte; wiewohl ohne das sich diese zwey Jahr über / ihr General / der Hertzog von Parma / [13] Tornick / und Aldenarden / und bald hernach auch Lier / bemächtiget hatte. Es seyn aber von Hispaniern fünffe / und von den Italianern vier Tausendt wiederumb / im gedachten zwey und achtzigsten Jahr / ins Niederland zum Hertzog von Parma kommen / mit welchen / und andern Völckern / unterschiedliche Orth eingenommen worden seyn. Hergegen der Hertzog von Alenzon zu Gent / als ein Graff von Flandern / eingezogen ist. Weil er sich aber / auß Rath der Seinigen / deren Wort Johannes Bodinus geführt / zu einem gantz vollmächtigen Herren in Brabant / und Flandern / machen wollen / so ist es ihme / sonderlich seinen Frantzosen / im Jenner deß folgenden 83. Jahrs zu Antorff übel ergangen; wiewol sie eben umb selbige Zeit sich Dendermont / Donkirchen / und Dixmuiden / bemächtiget hatten. Es hat sich daher dieser Hertzog wieder in Franckreich begeben; daselbst er auch Anno 84. gestorben ist; nachdeme vorhero der von Parma sein Kriegsvolck geschlagen / viel Ort / und darunter besagtes Donkirchen / Neuport / Winoxberge / Dixmuiden / Steenbergen / Zutphen / het Sas von Gent / Rupelmund / Hulst / Alost / Ypern / Bruck / und andere / zum theil erobert / zum theil wieder auff deß Königs in Hispanien Seyten gebracht hatte. So wurde auch Printz Wilhelm von Oranien dieses 84. Jahrs / zu Delpht in Holland / von Balthasar Girard / einem Hoch Burgunder / von Villafans bürtig (den Meteranus in der Arnheimischen Edition de Anno 1614. und Crusius part. 3. Annal. Suev. lib. 12. cap 30. fol. 789. mit diesen Worten Balthasar Serack nennet: Anno 1584. Princeps Orengius à quodam per insidias occisus in Belgio est, Balthasaro Seracco.) verätherischer weise erschossen; wie dann ihme / viel Jahr zuvor / solches Philippus Melanchthon, daß er auff die letzt unglücklich sein Leben beschliessen würde / verkündiget haben solle. Sein / deß Printz Wilhelms / Gemahlin / Anna / Churfürst Moritzens zu Sachsen Tochter / und Printz Moritzens von Oranien Mutter / ist zu Dreßden den 28. Decembr. Anno 1577. gestorben / und zu Meissen begraben worden: wie Johann Henrich Hagelganß in Sächsischer Helden und Heldinnen Baum pag. 65. berichtet. Es haben aber die Stände so zu Antorff zusammen kommen seyn / auß gemeinem Rath Printz Wilhelms Sohn / Graff Moritzen von Nassau / so damals 19. Jahr alt war / zum Gubernatorn über Holland / Seeland / Utrecht / und das Niederländische Meer / gemacht / und ihme Graff Philipsen von Hohenlohe zugegeben. Auff der andern Seiten hat der Hertzog von Parma bey solcher guten Gelegenheit / nicht gefeyret: sondern nach dem er Dendermont / Gent / Neumegen / und Brüssel / wieder in seines Königs Gewalt gebracht / auch Antorff / durch eine scharffe Belagerung / im Jahr tausend fünffhundert fünff und achtzig / erobert: [14] und sonsten unterschiedlich den vereinigten Niederländern / obgesieget. Daher dieselbe die Regierung der Königin Elisabeth in Engelland / durch Gesandten / auffgetragen / die zwar solche nicht angenommen / aber auff gewisse Maß / Volck / und Geld / zu geben versprochen / und Graff Roberten von Lycester verordnet hat; der auch umb das Ende deß besagten fünff und achtzigsten Jahrs / dahin gelangt ist. Er war deß Johannis Dudlaei, Hertzogs von Northumberland / Sohn / und Guilfordi, der Ianae Grejae, erklärten Königin in Engelland / Ehegemahls / Bruder. Dieser nun halff den Niederländern den Krieg fortzusetzen / als er im Haag zum Gubernatorn über die noch übrige vereinigte Niederlande / und zum Feld-Obristen gemacht ward. Es eroberte auch in dem sechs und achtzigsten Jahr / durch einen Kriegs-List / obgedachter Graff Moritz von Nassau / die Statt Axel / so sein erste Prob im Kriegswesen gewest seyn solle. Anno sieben und achtzig / ward Schluiß mit Beding vom Hertzog von Parma eingenommen. Und entstunden allerley Klagen wieder den gedachten Graffen von Lycester; deßwegen er nach Engelland erfordert ward / und die Niederländische Verwaltung endlich auffgeben hat. Das folgende acht und achtzigste Jahr / hat der von Parma Bergen op Soom vergebens belagert. Aber Anno neun und achtzig durch Vbergab / und Verkauff der Engelländer die Statt Gertrudenberg bekommen. Es kriegten auch seine Leuth das zwischen der Maas und dem Rhein gar wol gelegene und veste Schloß Blienbeck. Der Obrist Martin Schenck / als er Neumegen mit List einnehmen wolte / ist darüber ertruncken. Anno 90. empörten sich die Spanier / wegen böser Bezahlung / und bekamen die Staatischen / durch einen List / die Statt Breda wider. Und dieweil der Hertzog von Parma den Ligistischen zu Hülff in Franckreich gezogen war / so erlangten die Staaten / unter der General-Regierung deß besagten Graff Moritzen von Nassau / viel und mancherley Victorien. Und nahm er Mauritius / An. 91. Zutphen / Deventer / und Hülst / und A. 92. Neumegen / Steenwick / Oetmarsen / und Covorden auch ein. Und starb vielgedachter Hertzog von Parma den 22. Nov. zu Atrecht gar jählich. An seine statt wurde der alte Graff Peter Ernst von Mansfeld Gubernator / biß zu Ankunfft deß Ertzhertzog Ernsten von Oesterreich. An. 93. nimpt Graff Moritz seine Statt Gertrudenberg wieder ein / wie auch im Jahr 92. Gröningen. Anno 95. starb hochgedachter Ertzhertzog Ernestus zu Brüssel / zwischen dem 20. und 21. Hornung / neuen Cal. in der Nacht / der den Don Piedro de Gusman, Grafen von Fuentes / jedoch auff deß Königs ratification, an seine statt / zum Gubernatorn verordnete. Anno 1596. hat Ertz-Hertzog Albertus von Oesterreich / der sich in die 26. Jahr [15] in Spanien auffgehalten hatte / seinen Einzug zu Brüssel stattlich gehalten / und die Regierung / an deß von Fuentes statt / angetretten; und darauff Hülst / und andere Orth eingenommen. Anno 97. erlangte Graff Moritz einen stattlichen Sieg bey Tournhout / und eroberte hernach Mörs / Groll / Brefort / Enschede / Lingen / Oldenziel / und andere Orth / also / daß er 9. Stätte / 5. Schlösser / 3. Graffschafften / und 3. Herrlichkeiten / in einem Jahr bekam. Anno 98. stirbt König Philippus der Ander in Hispanien / deme sein Sohn König Philippus III. succedirt / dessen Fr. Schwester Isabellam Claram Eugeniam, Hochgedachter Ertzhertzog Albertus, zur Ehe / und damit auch die Niederlanden / und die Graffschafft Burgund / bekam. Als er nacher Hispanien umb die jetzt Hochernandte Infantin abreiste / hat er zum Feld-Obristen aber den Don Francesco von Mendoza, Admiranten in Arragonien / gemacht. Es kamen aber beede Ihre Durchl. Anno 99. wieder in Niederland an. Anno 1600. kriegten die Staaten Wachtendonck mit List ein / Item die gewaltige zwo Schantzen Crevecoeur / S. Andreas: auch die Schantzen Philippina / und Albertus: und eroberte Graff Moritz bey Neuport die berühmte Schlacht wider den Ertz-Hertzogen. Anno 1601. hat sich die Denckwürdige Belagerung der Statt Ostende angefangen. Anno 1602. eroberte Graff Moritz die Statt Grave. Anno 1603. nimbt er Schluyß auch ein. Anno 1604. den 20. Septembr. hat sich endlich Ostende / nach 38. Monatlicher Belagerung / dem Ambrosio Spinolae, ergeben. In diesem Jahr / den 25. Maji / ist zu Lützelburg der obgedachte Graff Peter Ernst von Mansfeld / im 87. Jahr seines Alters / gestorben. In dem folgenden 1605. und 6. Jahren / seyn unterschiedliche Ort / als Oldensiel / Lingen / Wachtendonck / Lochum / Groll / von den Spanischen eingenommen; Hernach ein Stillstand auff 8. Monat getroffen / und solcher verlängert / und vom Frieden gehandelt worden; wiewol man sich der Indianischen Schiffart / Religion / und dergleichen halber / Anno 1608. nicht vergleichen kondte. Endlich ward ein Stillstand auff zwölff Jahr lang gemacht / und den 4. 14. Aprilis Anno 1609. zu Antorff offentlich außgeruffen. Hierauff hat man beederseits dem Volck in Niederland abgedanckt. Im folgenden 1610. Jahr / entstunden Auffruhren in etlichen Holländischen Stätten wider die Obrigkeit; und fieng sich die Strittigkeit in der Religion an / so D. Jacobus Arminius, der im Winter Anno 1609. gestorben / zu Leyden erregt hatte. Anno 16. haben die Weiber zu Delpht einen Aufflauff gemacht: Hergegen der König in Engelland den Staaten die der Königin Elisabeth versetzte Stätte wieder eingeraumet hat. Darauff die grosse Auffruhr zu Ambsterdam / von den new [16] Reformirten oder Arminianern / wider die alt Reformirten / oder Gomaristen und Calvinisten / wegen der Religion erfolget ist. Und hat der Religions-Streit Anno 17. in Niederland continuirt; daher Anno 18. ein Synodus zu Dordrecht zu halten außgeschrieben worden / der sich im folgenden 19. Jahr geendet; in welchem Jahr auch Johan von Olden Barnefeld / gewester Holländisch- und West-Friesischer Advocat / im Haag gerichtet worden ist. Es hat aber die Widerspenstigkeit der Arminianer auch im nachgehenden 20. Jahr nicht nachgelassen. Und hat der König Jacobus in Engelland einen harten Proceß mit etlichen Niederländischen Kauffleuten / die etlich Englisch Gelt / wider das Verbott / auß Engelland überschickt / vorgenommen / dardurch manche arme Gesellen worden. Und hat man das / so der König den Kauffleuten abgenommen / auff 190. tausent Pfund Sterlings / oder 760. tausent Königsthaler geschätzt. An. 1621. nach Außgang deß obvermelten Stillstands / hat man sich wieder zum Krieg gerüstet. Es ist aber höchstgedachter König Philippus III. in Spanien / in diesem Jahr / den 31. Martii, zu Madrid / gestorben / und zum Successorn / seinen Sohn / Philippum IV. hinterlassen. Es hat auch hernach Ertzhertzog Albertus, den 2. (12.) Julii, zu Brüssel sein Leben beschlossen. Anno 22. nahmen die Spanischen Steinbergen ein; welches aber die Statischen bald wieder eroberten. Bergen op Soom ward von Spinola vergebens belagert; aber die Mauritius Schantz am Voßmeer / nicht weit davon / bekamen die Spanischen mit List. Anno 25. stirbt offternannter Printz Mauritz von Oranien / Graff zu Nassau / etc. ins Graffenhag / den 13. (23.) Aprilis; dem sein Bruder Friederich Heinrich succedirt hat. Und in besagtem Jahr hat der Marggraff Spinola, nach langer Belagerung / Bredau eingenommen. Anno 26. bekamen die Statischen die Statt Oldenseel / in welchem Jahr dem gedachten Printzen von Oranien sein Sohn Wilhelm gebohren worden. Anno 29. eroberte dieser Printz / nach langer Belagerung / die Statt Hertzogenbusch / mit Accord. Anno 30. ist obgemelter Marggraff Ambrosius Spinola, den 15. (25.) Septembris auff dem Castell zu Meyland / gestorben. Anno 32. gehet die Statt Venlo / item Rurmund / mit Accord / an die Statischen über. Und hat auch der Printz von Oranien die Statt Mastricht / dieses Jahrs / mit Beding erobert; wie ingleichen die Statt Limburg. Es bekamen auch die Statischen die Creutz Schantz / S. Jacobs Schantz / das Fort Peckgatt / und den gantzen Kouwensteinischen Teich; Item S. Ambrosius Schantz / und S. Martin Schantz; auch die gewaltige Schantz Geusenbrill. Anno 33. ward S. Veit im Lützelburgischen / von den Statischen überrumpelt: Item Herrenberg eingenommen: deßgleichen das Stättlein Werth / und die Schantz Philippine. Und in diesem [17] Jahr ist hochernante Infantin Isabella zu Brüssel / den 3. Decembris gestorben. An deren statt / König Philippus IV. seinen Brudern / Herrn Ferdinandum, zum Statthalter in den Niederlanden verordnet: unterdessen / biß Er allda ankommen / der Marggraff von Aytona seine Stell vertretten hat. Dann Er / der Infant / Ertz-Hertzog / und Cardinal / Ferdinandus, erst den 4. Novembris N. Cal. zu Brüssel ankommen ist. Anno 1635. hat der Printz von Oranien / Landen / Halen / Thienen / Diest / und Arschot eingenommen: aber Löwen vergebens belagert: Hergegen die Spanische auch unterschiedliche Ort / und darunter Limburg / und Falckenburg / wieder erobert. Anno 36. haben endlich die Staatischen die Schenckenschantz mit Accord wieder überkommen; so / das vorige Jahr / durch einen Anschlag / ihnen die Spanischen abgenommen hatten. Sie / die Staaten / bekamen auch Dalen und Falckenburg; wiewol die Spanischen Falckenburg / und Hertzogenrade / bald wieder kriegten. Anno 1637. und zu desselben Anfang / verehrte der König in Franckreich / den Printzen von Oranien / Friederich Heinrichen / oder / wie die meisten ihn / aber unrecht / nennen / Heinrich Friederichen / mit dem Titel Son Altesse, oder Sein Hochheit. In diesem Jahr / ist der seltzame Blumen- / so man Tulipanen nennet / handel / in den Niederlanden wieder abgangen; deßwegen aber allerley Ungelegenheit entstanden. Die Frantzosen haben das Castell Chambresy, und die Statt Landresy; Item die Ort / Buzigni, Maubeuge, Terlon, Bavay, la Ferte, Yvois, S. Paul, Beaumont, die Statt / und das Castell Solre, das Stättlein / Aymeries, Damvillers, das Castell Creveceur nahend Camerich / die Statt und das Castell Chymay: die Spanischen aber Venlo, und Rurmund; und die Holländer Breda / eingenommen. Und solche Unruhen haben auch die folgende Jahr / nicht allein in den Niederlanden / sondern auch in der Graffschafft Hoch-Burgund (von welcher unten / an seinem Ort / absonderlich zu lesen /) fort gewäret: wie dann Anno 39. Rodemachern / und Hesdin / von den Frantzosen eingenommen / aber Sie / vor Dietenhofen / von den Spanischen / heßlich geklopfft worden seyn. Anno 1640. bekamen die Frantzosen die gewaltige Statt Arras / und Anno 1641. Arien / Bassée, Bapames / und Lilliers; wiewol Arien / und Lilliers / die Spanier bald wieder eroberten. Und in diesem 41. Jahr / den 9. Novembr. ist hochgedachter Infant / und Ertzhertzog Ferdinandus, etc. gestorben: und hat ein zeitlang Don Francesco de Melo das Kriegswesen / aber nicht als ein Gubernator, geführt / Lenß / und Bassée wieder erobert. Anno 43. überkam der neue Spanische General / Don Andreas Cantelmo, Eindhofen / hergegen die Frantzosen Dietenhofen. An. 44. kriegten die vereinigte Staaten / oder Stände / Dalem / Falckenburg / den Saaß von Gent / und etliche Schantzen [18] herumb; die Frantzosen aber Grevelingen / und andere Ort. Im Jahr 45. wurden ihnen / den Frantzosen / Armentiers / und Meenene, zu theil: Hulst eroberten die Staatischen / sampt vielen Schantzen; Mardyck aber die Spanischen wieder. Anno 46. nahmen die Staatischen Thienen; und Vuerne / die Frantzosen ein; denen auch Cortrick / Winoxbergen / besagt Mardyck / und der gewaltige Ort Duynkirchen / worden: hergegen die Spanischen Menene überkommen; Venlo aber die Staatischen vergebens angegriffen haben. Anno 47. eroberten die Spanischen / unter ihrem neuen Gubernatorn / Herrn Leopold Wilhelmen / ErtzHertzogen zu Oesterreich / etc. Armentiers, Comene, Lens, Dixmuyde, und Lendresy, wieder: la Bassée bekamen die Frantzosen / die auch Lens abermals / doch mit ihrem Schaden / erobert: Zu Waveren haben die Staatischen übel gehauset. Und in diesem 1647. Jahr starb ihr offt gedachter General / Herr Friederich Heinrich / Printz von Oranien / Graffe zu Nassau / den 4. (14.) Mertzen / im Haag; deme sein einiger Sohn / Herr Printz Wilhelm / succedirt hat. Anno 48. eroberten Ihre Hochfürstl. Durchleucht / Ertz-Hertzog Leopold Wilhelm / etc. Cortrick mit Sturm / Vürne mit Accord / und Esterres auff Gnad und Ungnad: die Frantzosen aber / unter dem Herrn Printzen von Condé, Ypern; die auch darauff den 10. (20.) Augusti in einer Schlacht obsiegten. Anno 49. haben die Spanier das Fort Bösingen / auff der Revier von Vürne ligend / und wodurch Ypern / von Duinkirchen proviantirt wird, Item / Cnocke / ein starckes Fort / den 15. (25.) oder 16. (26.) Aprilis / eingenommen. Anno eodem 49. haben sich die Frantzosen / in Brabant / deß sehr wol / und auff 3. Rivieren gelegenen Stättleins / Condét, von dannen man 13. Meilen ohngefehr nach Brüssel rechnet / durch Accord bemächtiget; so sie aber wieder / wie auch Lillers, verlassen / als sie dieses zwischen Bethune und Ayre, gelegnen Stättleins / Vestung zuvor abgeworffen / und besagtes Bethune wol besetzt hatten. Die Spanischen haben / in solchem Jahr das veste Schloß / la Motte au Bois, zwischen Arien und Ypern / den 11. Octobr. mit Accord erobert / und dardurch die umbligende Stätte etc. in Flandern / insonderheit aber Ypern / Arien / S. Venant / Armentiers / Ryssel / etc. befreyet. Hergegen die Rosisch-Frantzösischen / besser heroben / Wasserbillich (so Einer eine Schantz nennet /) Echternach / und andere Ort / einbekommen / und Leyenburg / dem Graven von Kiel zuständig / belagert / hernach / den 31. Octobr. alten Cal. das Quartier zu Reinichen / allda die Saar in die Mosel fällt / genommen / folgends einen Streiff in die Eyfel gethan / das Stättlein Dundorff / wie auch dem Grafen von Manderscheid / sein Residentz-Schloß Kiel / und das dabey gelegne Adeliche Hauß Bensfeld / weggenommen. Vorgedachter Printz Wilhelm [19] ist Anno 1650. den 6. Novemb. Neuen Calenders / im Haag / an den Kindsblattern / als er 24. Jahr und 6. Monat alt gewesen / gestorben; dessen hinterlassene Wittib / Frau Maria / Königl. Princessin auß Engelland bald hernach / nemlich den 14. Novemb. Neuen Calenders / Abends zwischen 8. und 9. Uhren in gemeldtem Haag / einen jungen Printzen gebohren / so Wilhelm Henrich genennet worden. Anno 1651. im Majen / hatten die Frantzosen la Bassée noch / sampt Bethune; aber Arien / S. Omar / Armentiers / Ypern / und Ryssel / waren Spanisch. Anno 52. seyn 300. Reitter / von den Lothringischen Völckern über die Maas / nach Backelmeer / dem Graff Albrechten von dem Berg gehörig / gangen / und haben solches Hauß außgeplündert.

Belangend den Anno 1648. zu Münster und Westphalen / zwischen dem König Philippo IV. von Hispanien / und den Herren Staaten der vereinigten Niederlanden / auffgerichten Frieden; so findet man solchen nicht allein in Niederländischer Sprach / zu Cölln getruckt / sondern auch in Teutsch- und Lateinischer / in dem Tomo 6. Theatri Europaei, beym Ambrosio Kolben / in den Kriegs- und Friedens-Historien / und in Adolphi Brachelii historia nostri temporis rerum bello, et pace per Europam, atque in Germania maiximè gestarum, ab anno 1618. usque ad annum 1650. darinn / unter anderm / versehen / daß den Vereinigten Niederländern alle Ort / so sie / selbiger Zeit / in ihren / auch deß Königs in Hispanien / Landen / als Brabant / Flandern / etc. haben / behalten sollen / nemlich die gantze Meierey Hertzogenbusch / Statt / und Marggraffschafft Bergen ob Zoom / die Statt / und Herrschafft Breda / die Statt Mastricht / Hülst / Alckel-ampt an Venloo / sampt den 3. Quartieren / von der Obermaase / nemlich Falckenburg / Dalem / und Hertzogenradt / etc. alle für frey / etc. auff die der König / weder jetzt / noch hinfüro / weder vor Ihne selbst / noch für seine Nachfolger am Reich / etc. das geringste nicht zu praetendieren. Item / daß die Schiffart- und Handlungen auff die Oost- und West-Indien sollen gehandhabt werden / auch die vereinigte Herren Staaten noch ferner besitzen die Herrschafften / Stätt / Schlösser / Vestungen etc. in Oost- und West-Indien / Brasilien / auff den Seekanten von Asia, Africa und America. Der König in Spanien solle Vorsorg thun / daß ehrliche Oerter / unter seiner Jurisdiction, zur Begräbnuß deren / die von Staatischer Seiten absterben möchten / angeordnet werden; und solle / der Religion wegen / beederseits keine Ergernüß / mit Worten / oder Wercken / gegeben / oder Lästerung außgegossen werden. Deßgleichen sollen diejenige Güter / so confiscirt worden / den Aigenthumbs-Herren wieder zufallen. Und wird sonderlich auch im 24. und folgenden Articuln / gedacht / was deß Printz Wilhelms von Oranien / etc. [20] Erben / in der Graffschafft Burgund / und Charolois, und sonsten / restituirt worden; auch dem Printzen von Oranien verbleiben sollen / die Statt Grave / das Land von Cuyck / etc. Item / daß der König in Hispanien renunciire allen / und jeden Rechten / und Prätensionen / auff die Statt / Graffschafft / und Herrlichkeiten / von Lingen / Bevergarde / die vier Dörffer / und allen andern daran gehörigen Gerechtigkeiten / also / daß selbige würcklich / und in der That / ewig verbleiben sollen / dem Printzen von Oranien / seinen Erben / oder dessen Rechts Einhabern / etc. In dem Lateinischen wird oben angeregtes / wegen deß Herrn Printzen von Oranien / also gegeben. Quod ipsum quoque locum habebit, in utilitatem haeredum defuncti Domini Guilielmi, Principis Arausionensis, etiam quoad jura, quae habent in Salinas, in Comitatu Burgundiae, quae ipsis restituentur, et relinquentur, cum sylvis inde dependentibus, in quantum non constabit ex illis esse emptum, et solutum ex parte dictae suae Majestatis: Inter quae etiam comprehendi intelliguntur reliqua Bona, et jura, in Comitatu Burgundiae, et Charolesii; et quidquid juxta Tractatum de 9. Aprilis, anno 1609. et 7. Jan. an. 1610. respectivè necdum est restitutum, bonâ fide quamprimùm quoad omnia restituetur proprietariis, ipsorum haeredibus, aut illorum actionem duplici ex parte habentibus, etc. Quod attinet ad praetensiones, in Interessationes, quas Dominus Princeps Auriacus posset habere, respectu quorundam bonorum, quae non habet in possessione, ea super convenietur per separatum Tractatum, ad satisfactionem memorati Domini Principis Arausionensium, etc. Resignat, et renunciat pariter praefatus Dominus Rex omnibus, et singulis juribus, et praetensionibus, tàm proprietatis, Cessionum, quàm aliis, quas aliquo modo posset praetendere, super Civitatem, Comitatum, et Dominium Lingae, super 4. paroecias, alique jura isthuc spectantia, quemadmodum etiam super civitates, et Dominia Bivergernam, et Cloppenburgum etc. ut realiter, et de facto, in perpetuum queant permanere apud d. Dn. Principem Auria. cum, ejus haeredes, et successores, etc. Dabey zu mercken / daß nunmehr obgedachtes Lingen / oder Linga, dem Bisthum Münster gehörig ist / als / durch Kauff / seithero / an dasselbe gelangt / wie berichtet / und geschrieben worden ist. Joh. Henricus Dauberus, orat. funebri in excessu Frederici Henrici, Arausiorum Principis, (der An. 1584. den 28. Febr. gebohren worden / und wie oben gemelt / Anno 1647. den 14. Mertzen gestorben) gibt dem auch obernanten Printz Wilhelmen / dessen im vermelten Frieden / mit Hispanien gemacht / gedacht wird / und der [21] An. 1650. gestorben / diesen Titul: Celsissimo ac Potentissimo Principi Guilielmo, D. G. supremo Arausiorum Principi, Comiti Nassoviae, Cattimeliboci, Viandae, Dietz, Lingae, Meursae, Burae, Leerdami; Marchioni Veerae, et Flissingae, Dynastae Baronique Bredae, Urbis Gravae, ditionis Cuckian, Diessae, Grimbergae, Heerstalii, Cranendoncki, Varnestonii, Arlaei, Noseroei, S. Viti, Daesburgi, Polani, Guilielmopolis, Niervarti, Iselsteinii, S. Martinodici, Gertrudismontis, Castellorenardi, superioris atque inferioris Sualuvae; Burggravio hereditario Antvverpiae, Bisontiique; Marescallo Hollandiae hereditrio; Geldriae, Hollandiae, Zelandiae, Frisae occident. Zutphaniae, Ultrajecti, Transisalanae, Groeningae, Omlandiae, Drenthiaeque Gubernatori, Militiae foederati Belgii supremo Imperatori, et Thalassiarchae, etc. Diesen deß Königs mit den Vereinigten Niederlanden beschlossenen Frieden wolle GOTT gnädiglich erhalten.