Topographia Circuli Burgundici: Noseret

Topographia Germaniae
Noseret (heute: Nozeroy)
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Oiselay
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 274–276.
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[274] Noseret / Nozereth, Nozerethum, Gilbertus Cognatus, so von hinnen bürtig / beschreibet diese Statt am 23. und folgenden Blättern / in der Beschreibung deß Obern Burgunds / gar weitläufftig / und sagt / daß / ehe sie mit Mauren umbgeben gewesen / sie von den Haselnüssen / so allda wachsen / Nucillum seye genant worden: Folgends habe Ludovicus von Chalon / dieses Nahmens der Erste / als er von Jerusalem wieder nach Burgund [275] kommen / die Statt erneuert / und sie / nach der Statt Nazareth in Galiläa / geheissen / darauß / durch Veränderung der Buchstaben / Nozoreth worden seye. Sie ligt sehr fruchtbar / und lustig / auff einem erhöchten Hügel / der doch oben so eben und breit / als viel die Statt in ihrem Umbkreiß hat; von dannen man / auff allen Seiten / herab in die Thäler zu steigen hat. Ist dreyeckicht erbauet. Die Häuser seyn alle von Stein / und in gleicher Ordnung / deren Inwohner gar freundlich / in der Rede sanfft / in Geberden höfflich / und doch zugleich auch in Kriegssachen geschickt seyn. Die Gassen / so gepflastert / werden gar sauber gehalten. Hat / ausser deß Pförtleins / 2. Thor / darunter das eine / zur Uhr genant wird / weilen desselben hoher / und prächtiger viereckichter Thurn / die Uhr hat. Bey dem andern / so auch verbollwerckt / und mit einem hohen viereckichten Thurn versehen / stehet das Spital / und das Collegium der Schul / die allezeit in gutem Stande sich befunden. Und obwoln die Statt nicht sonders groß / so hat sie doch einen gar weiten Marckt / und Metzig / und neben solcher das Rahthauß: auch vier sehr tieffe / und überauß schöne Cisternen / drey sehr lustige offentliche Brünn; gar schöne Stattmauren von Quaderstucken / und daran viel Thürne / so in gleicher weite von einander stehen / auch Gräben / und Bollwerck; Item Vorstätte / gantz lustige und Sonnenreiche Gärten. Der Fürstliche Pallast oder Schloß / ligt auff der Mittagseiten der Statt / so man das Bleyerne nennet / dieweil es mit Bley bedeckt ist. Ist gar groß und viereckicht / inner der Stattmauer gelegen / und von derselben umbfangen / mit acht gar hohen Thürnen / jähen Gräben / und vor diesem auch mit allerhand Kriegs-Stücken und Rüstungen wol versehen; in welchem / wegen deß anmuthigen / und lustigen Außsehens / gesunden Luffts / und vielen Jagten herumb / sich die von Chalon, Fürsten von Oranien / und die sie geerbt / die Graffen von Nassau / gern auffgehalten / und allda gemeinlich ihr Hoffstatt gehabt haben. Und hat König Philippus II. in Spanien / deß Printz Wilhelmen von Oranien ältistem Sohn / und der Printzen / Moritzen / und deß nächsten Printzen von Oranien / Herrn Friederich Heinrichen / Graffens von Nassau / der Niederländischen vereinigten Provintzen Generaln / Bruder / Philippo, diesen / und andere mehr Ort / in dieser Graffschafft / weilen er Catholisch / und sich der Niederländischen Kriegssachen nichts beladen / restituirt; wer aber solche nach seinem Tode / weil er keine Kinder verlassen / bekommen / und jetzt besitze / ist mir noch zur Zeit / unwissend. Die Beschreibung dieses Schlosses setzet gedachter Cognatus, am 26. und folgenden Blättern; Der Haupt- und Stiffts-Kirchen aber zu S. Antonio, deren Mitglied / oder ein Domherr daselbsten / er selber gewesen / vom 29. biß auff das 36. Blat. Es hat auch ein Franciscaner Kloster allhie / in welchem eine Capellen / über die er Cognatus niemals eine schönere gesehen / und in der eine Altar-Tafel auff allerschöniste / und in solcher der Fürst Johann von Chalon / mit andern / gar künstlich abgemahlet gewesen. Es waren auch da Bilder von dem schönisten Marmolstein / sampt unterschiedlichen Gräbern. Das Wappen der Statt ist ein Beer / so sich an einen Tannenbaum leinet / in einem rohten Schild / mit einem darzwischen stehenden von Gold. Es hat dieselbe über 36. Flecken / und Dörffer / so an Zierde / und Gebäwen / vor diesem / den Stätten nicht gewichen seyn. Das Land herumb ist gar fruchtbar / hat auch gute Weyde / grosse menge Bäum; sehr hohe und Waldechte Berge / auff allen Seiten / lauffen und rinnen durch dasselbe drey gar lustige und Fischreiche Wasser / deren zwey vom Abend / unten beym Hügel vorüber; das dritte aber vom Morgen an demselben her lauffet / und Serpentin genant wird. So hat es auch in solchem Bezirck viel Wasser Adern; und etliche ansehenliche und Fischreiche Teich. Es hält die Statt deß Jahrs 4. Märckte / und ist sie / vor diesem / für die vornehmste Kauffmanns-Statt im [276] Lande gehalten worden; und ist sonderlich / zu deß H. Antonij Fest / nicht allein seinet halber / sondern auch wegen der Zusammenkunfft / der allerschönisten Jungfrawen / dergleichen in gantz Burgund keine berühmbtere / Jährlich ein grosse menge Volcks hieher kommen / und solcher Tag mit allerhand Kurtzweil / Spiel / Täntzen / und Gastereyen / zugebracht worden. Anno 1639. eroberte diese Statt Hertzog Bernhard von Sachsen-Weymar. Nach seinem Tode / bekamen die Lothringische wiederumb etliche Oerter in Burgund in ihren Gewalt; die aber / und darunter auch dieses Noseret / den Frantzosen zu theil wurden. Und als im folgenden 40. Jahr die Frantzosen abermals auff diese Statt zugiengen / so ward sie von den Burgern selber angesteckt / und verlassen; wie in dem 4. Theil deß Theatri Europaei zu lesen.