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Topographia Circuli Burgundici: Echternach

Topographia Germaniae
Echternach
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 228–230.
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[228] Echternach / Epternach / Echternacum, Epternacum, Man will / daß die Gegend / wo dieses Luzenburgisch Stättlein / und Kloster / jetzt stehet / vor Zeiten Andethannia geheissen habe; in welcher folgends der Heilige Willibrordus, der Nation ein Anglo-Saxo, deren von Utrecht ErtzBischoff / auch der Holländer / Friesen / und Antorffer Apostel / so Anno 739. gestorben / daß Benedictiner Kloster / an der Sauer / oder Sura, (welches Wasser nicht weit von Bastonac / auß einem zweyfachen Bronnen entspringet /) durch Beyhülff des Caroli Martelli, und der Irminae, deß Königs Dagoberti, Tochter / gebawet / und solches der H. Dreyfaltigkeit / dem H. Petro / und Paulo / wie auch Johanni dem Täuffer / geweyhet habe; darinn er auch / nach seinem Tode / begraben / und folgends ein Patronus, und Beschirmer dieses Klosters / gehalten worden. Als nun das Kloster gebawet / so ist hernach ein Dorff darzu kommen / und auß solchem endlich ein Stättlein worden / das man mit Mauren / Thoren / Thürnen und Gräben / umbzogen / und verwahret hat. Der jetzige Nahm soll / wie Bertelius berichtet / daher kommen / weil dieses Stättlein [229] mit 7. unterschiedlichen Bergen umbgeben; und aber Epter-nac / auff Griechisch 7. Berg heisse. Vorhin stunde ein Dorff / oder Fleck / auff 300. Schritt davon / Nahmens Beden / so vielleicht der Alten Adethania mag gewest seyn. Heutigs Tags hat dieses Stättlein / so fast in runder Form erbauet / ungefehr 300. Häuser / einen guten Lufft / und auff den Bergen herumb Weinwachs; wiewol er / ausser in guten Jahren / sauer ist; und sonsten Holtz / und Wälde genugsam / und auß der Sura allerhand Fisch / und / unter denselben / zu gewisser Jahrszeit / nicht wenig Salmen. Es ist dieses Stättlein bey die 260. Jahr älter / als deß Landes Hauptstatt Luxemburg. Von der Mitternacht Seiten ligt ein hoher Felsen / welchen die vorüber fliessende Sauer / durch ein schöne Bruck / mit dem Stättlein anhencket; deren Brucken Erbauung / wie auß vielem erscheinet / viel Jahr vor dem Kloster / entweder von den Römern / oder denen von Trier / vorgenommen worden. Es haben die Burger allhie ein grosse / und ansehenliche Pfarrkirch / zu S. Petro und Paulo genannt / so fast mitten im Stättlein gelegen. Nicht weit von solcher Kirch ist daß Spital zu S. Görgen. Es ist auch ein JungfrawCloster S. Francisci Ordens / und der jenigen Gattung / die man ins gemein Urbanistas nennet / allhie / so Anno 1330. gestifftet worden. Die zwölffte desselben Klosters Abbtissin war deß Jahrs 1598. Margaretha von Manderscheid / die Bertelius, singularis prudentiae virginem nennet / und saget / daß sie von den andern Schwestern erwöhlet / und vom ErtzHertzog Alberto zu Oesterreich / Fürsten im Niederland / ernannt worden seye. So viel aber obgedachtes Benedictiner Kloster allhie belangt / so hat solches über das Stättlein zu gebieten / und ist der Abbt desselben Herr; wiewol es auch seinen Schultheiß / Richter / und 7. Schöpfen hat / welche der Abbt zum Statt Regiment verordnet. Es gehören dem Abbt auch das Schloß Bollendorff / und das Dorff Dreyß. Unter andern Reliquien / so in solchem Kloster auffbehalten seyn / wird für einen grossen und köstlichen Schatz / deß H. Märtyrers Sebastiani Haupt gewiesen / welches der Pabst Sergius dem H. Wilibrordo, als er von Rom gereist / geschenckt hat. Neben dieses heiligen Sebastiani Altar / sihet man eine sehr lange / dicke Dicke Wachskertzen / so 364. Pfund wieget / und die Käyser Maximilianus I. Anno 1512. dem H. Sebastiano verehret hat. Dann als Robertus von Monreal, selbiger Zeit Abbt dieses Klosters / die Bestättigung desselben Freyheiten erlangt / und der Käyser vernommen / daß besagtes Stättlein zum Reich gehörte / und nicht weit von Trier / (namlich 3. Meilen) ligen thäte / so ist er hieher gereist / und hat sich allda / beym gedachten Abbt / einen gantzen Tag / und zwo Nacht / auffgehalten. Es hat ein Abbt allhie Macht Müntz zu schlagen. Und gehört er unter die Stände deß Westphälischen Craises; wird auch noch auf die Reichstäge beschrieben; aber vom König in Spanien / unter dem Titul Burgund jetzt eximirt, daß er also weder Reichs- noch Craißtäge / mehr besuchet. Der 36. Abbt in der Ordnung / Heinrich von Schoeneck / so Anno 1324. gestorben / hat am ersten / wie obgedachter Bertelius berichtet / sein Closter / sampt dem Stättlein / und den Regalien / vom Käyser zu Lehen empfangen. Sein Nachfahr Arnoldus ist vom Balduino, Ertzbischoffen zu Trier / eingeweihet worden. Unter dem 49. Abbt / Winando Glewel / ist fast das gantze Stättlein / durch unversehenes Fewer abgebronnen. Es seyn die folgende Aebbte von den Mönchen allda erwehlet / durch die Käyser / und Päpste bestättiget / und durch die Ertz Bischöffe zu Trier eingeweihet worden. Aber folgends im Jahr 1562. ist Anthonius Hovaeus der erste gewesen / so auff Belieben der Statthalterin Margarethae in den Niederlanden / und also auch im Hertzogthumb Luxemburg / Abbt worden; deme An. 1569. Martinus Masius, und diesem / auß Willen Königs Philippi II. in Spanien / Anno 1585. Johannes Gladt / so Anno 1594. gestorben / succedirt haben. Auff diesen ist Johannes Berteles, Berteltz / oder Bertelius, von Löven gefolgt / so die Luzemburgische [230] Histori geschrieben / und dessen in dieser deß Hertzogthumbs Luzemburg Orten Beschreibung / offt gedacht wird; deme höchstgedachter König Philippus der Ander in Spanien / als Hertzog in Luzemburg / durch den damaligen General-Gubernatorn in den Niederlanden / Ertzhertzog Ernestum zu Oesterreich / Benamsungs- oder Beruffungs-Brieff geschickt / und nennt er sich selber am 178. Blat den Vierten diß Nahmens / und 69. in der Ordnung Abten zu Epternach / und sagt: Er wäre vom Pabst Clementen dem Achten bestättiget / und durch den Ertzbischoffen zu Trier / Herrn Lotharium, im Nahmen / und an statt deß Käysers / mit den Regularibus belehnet worden: habe aber gleich im ersten Jahr / nemlich Anno 1596. den 28. Maii / Unglück gehabt / in dem etliche Holländische Soldaten / bey eiteler Nacht / in das Stättlein / und Closter gefallen / alles außgeplündert / und ihn / den Abt / persöhnlich mit sich nach Nieumegen in die Gefängnüß geführet hatten. Er ist gleichwol wieder loß worden / und Anno 1607. allhie gestorben. Deme Petrus Richardotus, Joannis Richardoti, deß Praesidenten in den Spanischen Niederlanden / Sohn / succedirt hat.