Topographia Braunschweig Lüneburg: Winsen an der Luhe

Topographia Germaniae
Winsen an der Luhe (heute: Winsen (Luhe))
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 205–206.
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[T118]
Winsen (Merian).jpg
[205]
Winsen an der Luhe.

Dieses Fürstliche Lüneburgische Ampthauß / sampt dem Stättlein dabey / ist 3. Meil weges von der Statt Lüneburg / auff dem Wege nach Hamburg zu gelegen. Zu welcher Zeit / vnd von wem dasselbe erbawet / kan man nicht eigentlich wissen / weiln die briefliche Vhrkunden / so hiebevor daselbst verhanden gewesen / bey wehrender Kriegsvnruhe von Handen kommen / vnd das Rahthauß [206] im Jahr 1585. abgebrant. Es ist aber das Schloß vnd die Statt Winsen in den Historien nicht vnbekant / daher abzunehmen / daß es in kurtz abgewichenen Zeiten nicht allererst gebawet. Cranzius in seiner Saxonia lib. 9. cap. 38. vnd auß ihm Bünting in seinem Braunschweigischen Chronico, melden / daß im Jahr 1371. wie Hertzog Magnus mit der Ketten / vnd Hertzog Albrecht von Sachsen / wegen deß Fürstenthumbs Lüneburg mit einander gekrieget / dieser sein Kriegsheer nacher Winsen geführet / vnd die Statt zwar leicht eingenommen / auß dem Schloß aber zimlichen Widerstand funden / auch endlich von Hertzog Magno, die Belagerung desselben zu verlassen / genöhtiget worden.

Es hat dieses Hauß vnd Stättlein gegen Morgen vnd Mitternacht die Marsch / gegen Mittag vnd Abend aber die Geest / also daß an gutem fruchtbaren Lande / zu bawung allerhand Kornfrüchten / dabey kein Mangel. Das Fürstl. Ampthauß ist vor diesem mit einem wolauffgeführten Wall / vnd zween Wassergraben / imgleichen das Stättlein mit zween Wällen / vnd dreyen Wassergraben verwahret / vnd also zimlich fest gewesen. Nach dem aber beydes im Jahr 1637. von der Königl. Schwedischen Besatzung verlassen / seyn auff der Landesfürstlichen Obrigkeit Verordnung die Wälle / sonderlich am Schlosse / mehrentheils niedergerissen.

Hinten bey dem Schlosse / vnd ferner durch das Stättlein / fleusset ein Strom / die Luhe genant / (daher dieser Ort den Nahmen / Winsen an der Luhe / zum Vnterscheid deß andern an der Aller belegenen Winsen / führet) welcher 6. Meilen von dannen / bey dem Dorff Bispingen entspringet / vnd ein Viertheil weges von dem Stättlein Winsen sich in den Elbstrom ergeusset / auch allerhand Fische / vnd zu Zeiten Lächse vnd Lachsforellen dargibet. Auff diesem Strom gebrauchen sich die Einwohner der Schifffahrt in die Elbe / vnd an die bey derselben gelegene Oerter / wie dann auch / weil das Stättlein auff einem Passe zwischen Hamburg vnd Lüneburg gelegen / es daselbst viel durchfahrens gibt / davon die Einwohner hiebevor gute Nahrung gehabt.

Als im Jahr 1592. Hertzog Wilhelm / regierender Hertzog deß Fürstenthumbs Lüneburg / mit Tode abgangen / ist dessen hinterbliebenen Gemahlin / Fraw Dorotheen / König Christian deß Dritten zu Dennemarck / Norwegen / etc. Tochter / das Ampt Winsen zum Leibgedinge eingeraumet / da Sie dann auff dem Schloß daselbst ihre Wohnung genommen / vnd biß an ihr Ende darauff verblieben.