Topographia Braunschweig Lüneburg: Wickensen

Topographia Germaniae
Wickensen
<<<Vorheriger
Wigbrechtshausen
Nächster>>>
Windhausen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 203.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Wickensen in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T117]
Wickensen (Merian).jpg
[203]
Wickensen.

Das Fürstl. Braunschweig-Wolffenbüttelsche Ampthauß Wickensen / ist vormals / als das hohe Bergschloß vnd Hauß Homburg noch im Stande begriffen / nur ein Vorwerck gewesen / worauff das Getreyde eingeerndtet / vnd die Viehezucht gehalten worden / welches / nach dem die Herrschafft Homburg an das Hochlöbliche Hauß Braunschweig vnd Lüneburg gefallen / von Hertzog Heinrichen dem Jüngern angebawet / vnd zum Ampthause / mit zween von Steinen auffgeführten Häusern / gegen einander über / vnd feinen Fürstl. Gemächern aptiret worden. Anno 1639. ist vom jetzigen gnädigen Landesfürsten ein Gang / daß man von einem Hause zum andern füglich kommen kan / angelegt / vnd nunmehr gäntzlich verfertiget. Es ist auch dieses Ampthauß mit Vorwercken / Scheuren vnd Stallungen / so alle von Steinen auffgemauret / vnd mit Sollings Steinen bedeckt seyn / zimlich wol versehen.

Es ist sonst das nunmehr verfallene alte Hauß vnd Schloß Homburg auff einem hohen Berge gelegen / vnd vormals zimlich fest / vnd mit tieffen Graben vmbgeben gewesen / inmassen die alten annoch verhandene Mauren vff Homburg noch zimlich starck / auch daselbst noch zweene Keller / so noch gut vnd vnverfallen / verhanden / ist auch ein sehr tieffer Brunn auff diesem hohen Hause welcher zwar zimlich zugeworffen / jedoch wann man einen Stein annoch hinein wirfft / wehret es eine zimliche Zeit / ehe derselbe den grund erreichet / vnd den letzten Thon von sich gibt. Es ist vnter Homburg auch ein grosser kahler Gipsberg / woruff man vom Berge werts gleich vffgehen / doch wegen der vielen tieffen Kuhlen / so müglich der Regen in solchen Gips gegossen / oder sonst eingefallen / nicht daruff fortkommen kan. Am Felde nach Statt Oldendorff werts / hat dieser Gipsberg eine starcke Höhe / wird die Hohleburg genant / vnd wann der Gips dieses Orts konte verkaufft vnd gelassen werden / hätte man dessen grosse menge zu brennen / vnd Holtzes gnug.

Das Ampt Wickensen erstrecket sich zimlich weit / hat über die dreissig Dörffer / sampt der Statt Oldenburg vnd dem Flecken Eschershausen vnter sich / wird getheilet in die Oberbörde vnd Niederbörde; Es gehet aber die Heerstrasse von der Weser mitten durch das Ampt / vnd hat dannenhero in diesem letzten Kriegeswesen viele harte Anstösse / Verheerungen vnd Außplünderungen erleiden müssen / auch sonderlich bey den Einbeckischen Belagerungen / sind die nechsten Dörffer gar ruinirt worden.