Topographia Braunschweig Lüneburg: Ilfeld

Topographia Germaniae
Ilfeld (heute: Kloster Ilfeld)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 127–128.
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Ilfeld.

Ilfeld ein Closter / zum Fürstenthumb Calenberg gehörig / hat seinen Nahmen von seinem fundatore vnd ersten Vrheber / weyland Eiligero III. Herrn vnd Graffen zu Honstein / wie bey Beschreibung deß Hauses Honstein mit mehrem von seinem Herkommen berichtet / wiewol sein Herr Vatter / Eiligerus II. vnd Fraw Mutter Lutradis de Orlamunda, Domina de Honstein, mögen den allerersten Anfang gemacht haben / vnd ihnen dahero die Fundation tribuiret seyn / wie ab den hinterbliebenen Monumenten deß Closters erscheinet. In der Closter Kirchen daselbst findet man diese Schrifft: Anno Domini M. CXC. fundata est Ecclesia Ylfeldensis B. Mariae Eyligerus Comes de Honstein fundator Ylfeldensis, Lutradis de Orlamunda, Domina de Honstein. Vnd vff einem Grabstein / darauff beyder hochwolgedachter Fundatoren Bildnuß gehawen / diese Worte:

Anno Domini c I c. CXC.

Henricus Imperator appropriavit fundum istius Ecclesiae obtentu Eligeri Comitis de Honstein, cujus pater hoc coenobium initiavit, et ipse et sui heredes perfecerunt, Lutradis fundatrix Eligerus p. m. fundator.

In deß Closters Sahlbuch num. 3. finden sich diese Worte:

Quidam Eligerus natus de Bielstein, ubi et pater ejus residens mortuus est, aedificavit castrum in monte, ante claustrum, cui nomen Ilburg / unde et comes vocabatur, der Graff von Ilburg / non tamen adhuc in Honstein. Filius hujus vocatus comes de Honstein, quod id castrum obtinuisset, cum filia comitis Heseken in Honstein, Lutrada, nata de Orlamunde, quam duxit, ac impetravit à Duce Brunsuigio id sibi dari, qui illud habebat de Imperio, Is dedit ei praedium Esbecum 12. mansis adjacentibus et villam O. Anno Domini Millesimo ducentesimo decem retractis.

Als nun nach der Hand dieser Anfang sich gebessert / vnd es an Gütern zugenommen / ists zu einer Abtey vnd Closter worden / da Vramoldus Anno 1223. der erste Abt gewesen / vnd hat man benebenst oberzehlten auß deß Closters noch übrigen Clausuren vnd Brieffschafft / daß die Münche vnd Ordensleute immerzu schwere Arbeit gethan / das ihrige auch / wann sie in solch Closter vffgenommen worden / da hinein gegeben.

Wie nun das Closter zum Stande kommen / hat es so wol der Herren Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg / als Keyserl. Freyheit vnd Confirmation / benantlich von Henrico VI. Carolo IV. Anno 1366. erlanget; Es hat auch seine Aebte von Alters gehabt / darunter Grafen / Freyherren / vnd vornehme Adeliche Personen gewesen. Als Herr Friederich / Graff zu Wernigeroda / Anno 1385. Herr Friederich von Rosteberg / 1411. Herr Heinrich / Freyherr von dem Wald / Anno 1423. Herr Bernhard Mützschefall / 1440. vnd andere mehr.

Anno 1543. ist Herr Thomas Stange zum Abt erwehlet / welcher allgemählig seine Gedancken / eine Schuel an statt der obgedachten / auch theils abgangenen Conventualen / in dem Closter anzurichten / gewendet / auch derselben / mit Einraht Philippi Melanchthonis, Justi Jonae, vnd anderer gelahrten Leute / einen guten anfang / mit einer zimlichen Anzahl Discipulen gemachet.

Anno 1550. hat Ehr Abt Stange Michaelem Neandrum, einen sehr gelahrten Mann / zum Rectore bestellet. Als nun gedachter Abt Anno 1559. verstorben / hat er in seinem Letzten zum Successore, auch deß Closters Administratore, berührten Neandrum designiret vnd benant / worauff durch dieses trefflichen Manns grossen Fleiß / Mühe vnd Sorgfalt / es dahin kommen / daß die Ilfeldische Schule dero Zeit gehabt 36. Alumnos, vnd durch [128] Gottes sonderbare Gnade vnd Segen / vnd durch der Herren Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg / gegen allerhand Anstösse / Fürstl. Manutenentz vnd Schutz berühmt / vnd darin viel trefflicher Männer / so der Kirch vnd Policey in allerhand Facultäten nützliche Dienste / mit ihrem vnsterblichen Nachruhm leisten können / erzogen worden.

Mehrgemelter Neander ist in anno 1595. den 26. Aprilis selig verstorben / vnd Ihm dieses Epitaphium vff seinen Leichstein / so jetzo in der Kirchen auffgerichtet ist / gesetzet:

Juxta hunc lapidem in tumulo requiescit, Reverendus vir M. Michael Neander Soraviensis, Rector et Antistes Monasterii et Scholae Ilfeldensis ad annos 45. doctissimus, fidelissimus et celeberrimus, maximè pius, et munificentissimus in scholam Ecclesiam et pauperes. Obiit autem Anno aetatis suae 70. Christi 1595. 26. die Aprilis Ilfeldae.

Dieses Closter hat hiebevor der vortreffliche weyland Poëta vnd Historicus Laurentius Rhodomannus, so Histor. Prof. publ. in Academia Witebergensi, verstorben / vnd vorhero vff einem Dorff / Ampt Honsteins Neandro Saxwerffen genant / ein Feldweges von dem Closter gelegen / gebohren / in selbigem Closter vnd Schuel aber vnter jetzt berühmten Neandro erzogen worden / mit einem schönen carmine Graeco Latino Heroico beschrieben / welches zu Leipzig getruckt vnd außgeben worden.