Topographia Braunschweig Lüneburg: Elbingeroda

Topographia Germaniae
Elbingeroda (heute: Elbingerode)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 79–80.
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Elbingeroda (Merian).jpg
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Elbingeroda.

Das zum Fürstenthumb Grubenhagen gehörige Hauß vnd Bergflecken Elbingeroda / soll von weyland Graff Eliger von Ilefeld gebawet seyn / nach dessen Nahmen es dann Eligeroda / vnd nicht Elbingeroda / von Anfangs genennet. Dieser Graff Eliger ist gestorben vmb das Jahr 1189. vnd sollen alle Grafen von Honstein von Ihm entsprossen seyn / wie Cyriacus Spangenberg in seiner Sächsischen Chronicken / Cap. 234. am 402. Blate gedencket. Sonsten ist das Hauß in eine runde / vnd in etwas höher denn das Flecken / vff einen Steinfelß gebawet / wie dann gegen Süden das Hauß nach altformischer Art / von Graff Eliger gebawet / vnd anjetzo noch das Grafenhauß genennet wird.

Anno 1577. ist das Hauß gegen Osten von Aschen von Holle / der ein Pfandrecht daran gehabt / mit newen Gebäwden verbessert.

In vnd fast nahe bey dem Flecken entspringen drey schöne klare Brunnen / deren einer der Seherborn / der ander Linnenborn / so im Brauhause daselbst erquellet / der dritte der Beckerborn geheissen / nicht weit vom Flecken / welche Brunnen dann so viel Wasser zusammen geben / daß etliche Mühlen davon getrieben / womit die Einwohner deß Flecken nothtürfftig können versorget werden.

Sonsten haben hiesiges Ampts vnd Fleckens Einwohner an fruchtbaren Aeckern nicht sonderliches / ausserhalb daß man zu nothürfftigen Futterungen / vnd sonderlich Sommerkorn / mehrentheils aber am Hafern / daselbst bawem kan. Winterfrucht wird nicht viel gebawet / wegen grosser Kälte / so zu Zeiten / auch wol mitten im Sommer / da die Frucht in der besten Blüte stehet / mit Reiffen beschädiget / daß an statt Korn nur ledig Stroh gedroschen / [80] Es gibt aber zimblich Grasewachs / daß zu Sommerszeiten so wol das Ampt / als die Einwohner / zimblich Viehezucht halten können. So hat auch das Ampt gute Holtzung / sonderlich in Dannenholtz / daß auch zu Gebäwden anderen nachbarten Oertern damit kan gedienet werden.

Es ist über diß das Ampt von dem Allerhöchsten mit reichem Eisenstein gesegnet / daß nicht allein das Ampt davon vff ein hohen Ofen / vnd zwey Zerrenhütten genugsam zu verschmeltzen / vnd gutes / so wol zweygeschmoltzen / als auch gemein Eisen machen / sondern auch viel benachbarten Orten den Eisenstein verkauffen / vnd mittheilen kan. Wie dann die Einwohner deß Flecken / so mehrentheils in Bergleuten / Holtzhauern / Köhlern / vnd Fuhrleuten bestehen / sich fast alle auß dem Eisenhandel ernehren.

Es entspringet auch der Fluß / die Kalte Bode genant / davon die Bode / so für Quedlinburg herfleusst / ihren Nahmen hat / zwischen dem Königsberge / so Wernigerödisch / vnd dem Sandbrincke / so Elbigerödisch / vnd zwar so starck / daß das Wasser / oder der Fluß / das Hütten- vnd Schmeltzwerck alle damit kan getrieben vnd geführet werden.

So ist am selbigen Ampte / an der Grentze / der grosse vnd sehr hohe Berg der Brocken / Lateinisch Bructerus genant / gegen Nordwesten gelegen.

Mehr sind in diesem Ampte vnterschiedliche alte Schlösser gelegen gewesen / benantlich die Königsburg / Elendesburg / Sühdenburg / vnd Histinnenburg / so von vndencklichen Jahren sollen Raubschlösser gewesen seyn.

Anno 576. vff Urbani, hat sich im Hartze / am Winterberge vnd Hohne / ein Wolckenbrust niedergelassen / daß im Flecken Elbigerode / durch Ergiessung deß grossen Wassers / ein gemaurtes Thor / das Bornenthor geheissen / sampt etlichen Häusern weggeflossen / zumahl das Wasser über 3. Lachter hoch durchs Flecken geflossen / vnd grossen Schaden gethan.

Anno 599. ist die Meyerey vnd Vorwerck beym Ampte / durch einen grossen übernatürlichen Windsturm / über ein hauffen geworffen / darinnen etliche fünffzig stück Viehe / so an Ketten gebunden gewesen / vmbkommen. Dieser Windsturm ist durch die domahlige Meyerische / so eine Zauberin gewesen / durch ihre Teuffelskunst / nach Verhängnuß Gottes / zu wege gebracht / so 2. Jahr hernach wunderlich außgekommen / vnd die Hexe von Statz von Münnichhausen zu Grona an der Weser verbrant worden.

Anno 625. ist ein grosser Windsturm vmb Galli am gantzen Hartze entstanden / davon in diesem Ampte die fünff besten Oerter Holtzes niedergeworffen / vnd dadurch am Blockbaum vnd Kohlholtz ein vnglaublicher Schade geschehen / welches noch jetziger Zeit / vnd lange hernach / gespüret werden wird.