Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Crossen

Topographia Germaniae
Crossen (heute: Krosno Odrzańskie)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 137–138.
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Crossen.

Dieser Stadt Name heisset eigendlich ein Saum am Rock / wie sie dann am Ende deß Landes Schlesien / gegen der Marck Brandeburg / und an der Oder / in die daselbst der Fluß Bober / oder Hebrus, fällt / gelegen. Ist alt / und allbereit bey Henrici Barbati, deß Hertzogs in Schlesien / Zeiten / ziemlich erbauet gewesen. Gegen der Freystatt zu / liget sie auff einem ebenen Felde; aber gegen Franckfurt an der Oder / hat sie hart an der Vorstadt / die gedachte Oder / über welchen Fluß ein Gebürg in die Höhe steiget. Hat gute gesunde Lufft / auff dem Gebürg einen Weinwachs und viel fruchtbare Obstbäume. Sie / die Stadt / selbsten / ist zierlich / und von vielen steinern Häusern wol erbauet / mit einer schönen Fürstlichen Burgk und Residentz; Item / mit einem steinern Rathhauß / und liechtem grossen Marckt / oder Ring / auch hohen Thürnen gezieret / und mit vesten Mauren umzogen. War / vor dem jetzigen Krieg / gar volckreich / als die die Haupt-Stadt ist deß Fürstenthums / so von ihr den [138] Namen hat / und in welches die Städtlein Zülichau oder Zollich / und Bobersperg; Item / die Herrschafft Sommerfeld / gehörig seyn. Siehe die durch D. Schickfusium vermehrte Schlesische Chronik lib. 4. c. 15. Hertzog Heinrich der Eylffte zu Glogau / der Anno 1476. ohne Kinder gestorben / hat Crossen seiner jungen Gemahlin / Frauen Barbarä / Churfürsts Alberti zu Brandeburg Tochter / vermacht. Es kriegte aber deßwegen Hertzog Hans von Sagan mit Brandeburg / und verbrante ums Jahr 1477. die Vorstädte vor Crossen / und die Brücke / verderbte auch den Weinwachs. Endlich ward die Sach verglichen / daß er / der Churfürst / für die Ansprach der obgedachten seiner Tochter / zum Unterpfand / Zollich / Crossen / Sommerfeld und Bobersperg / haben solte; davon unten in Beschreibung Glogau / ein mehrers zu lesen. Im Jahr 1538. ist dieses Fürstenthum Crossen vom Käiser Ferdinando I. dem Hauß Brandeburg gar erblich überlassen worden: von welcher Zeit an / solches den Schlesischen Titul und Adler zu führen angefangen / und dieses Land von Schlesien gantz abgesondert / und unter die Neumärckische Cüstrinische Regirung gezogen; aber gleichwol den Titul absonderlich geführet: wie dann zu dem Reichstag naher Regenspurg / Anno 1640. der Herr Churfürst zu Brandeburg / wegen deß Hertzogthums Crossen besonders / den Herrn Johann Friederich von Löben / Verwesern dieses Hertzogthums / und Hauptmann zu Crossen und Zulchau / seinen Geheimen Rath / verordnet hat. Und weilen ins gemein Crossen unter die 16. Schlesische Fürstenthümer gerechnet wird: Als ist daher auch diese Stadt hieher gesetzt / und andern / die derglichen Crossen in Beschreibung Schlesien eingebracht / nachgefolgt worden. Anno 1481. den 17. Brachmonat / ist Crossen gantz und gar außgebronnen / also / daß nicht ein einiges Häußlein stehen geblieben. Die Kirch ist auch zu Grund- und die Keller mit den Häusern eingangen / auch sehr viel Menschen jung und alt / verfallen und umkommen: Allein die Dreß-Kammer / darab sich zu verwundern / ward erhalten; als man das Blut von einem Kalbe / so man eilends abstechen lassen / darein gossen hat; wie im II. Theil deß Curei Schlesischen Chronik / fol. 95. stehet. Also ist Anno 1631. diese Stadt / samt dem Schloß / von Mordbrennern / gantz in die Asche gelegt worden; nachdem sie die Schweden zuvor eingenommen hatten; welche die Munition kaum davon bringen konten. Die Käiserlichen nahmen hernach Anno 1633. die Thor und Mauren ein; die aber im Sommer Anno 34. von den Schwed- und Brandeburgischen / wieder erobert worden. Anno 1640. hielten sich noch Schwedisch-Stalhansische hierum auff: und Anno 42. lag das Schwedisch-Torstensohnische Kriegsvolck allhie.