Topographia Bavariae: Ingolstatt

Topographia Germaniae
Ingolstatt (heute: Ingolstadt)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main Merian 1644, S. 34–37.
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Ingolstatt.

Diese schöne / vnd Veste Bäyrische / mit ihrem Landtgericht / in die Mönchische Regierung / oder RentAmpt gehörige / vnnd in OberBäyern gelegene Statt / wirdt von etlichen Aureatum; vom Munstero, Schoppero, Dreslero, Romano, vnd andern / Engelstatt / von den Schwäbischen Anglen / genandt. Vnd schreibet Freherus part. 2. Originum Palatin. c. 11. wie etliche meynen / daß dieser Anglen ein Theil in das innere Teutschland kommen / vnnd mit den Longobarden vnd Schwaben ins Welschland gezogen seyen / vnd ihres Nahmens Fußstapfen in Ingelheim / Ingolstatt / Engelburg vnd Engerute hinderlassen haben / vnd ziehet er zu seinem Beweiß den Engelländischen Scribenten Cambdenum an. And. Brunner. part. 2. Annal. Boi. lib. 6. pag. 50. sagt / daß in der Außtheilung deß Bayerlandts zwischen Käyser Carls deß Grossen Söhnen / Pipino, vnd Carolo (so aber hernach / noch vor dem Vatter gestorben seyn /) deß Dorffs Ingoldestatt am ersten gedacht werde; so heutigs Tags Ingolstatt seye. Jacobus

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Höchstett (Merian).jpg
Ingolstatt (Merian).jpg

[35] Gretserus in Append. de Aureato, am 256. Blat / von den Bischöffen zu Eychstatt / vermeynet auch / das Engelstatt von den Anglis, so er für Sachsen hält / herkomme; vnnd diese Statt daher von Theils Anglopolis genandt werde. Vnd seye noch zu Ingolstatt der Engelhoff / so man ins gemein für der Statt Anfang halte. Er wolle aber auch wider die nicht seyn / welche von denen Engelländern / so in grosser Anzal / auß jrem Vatterland / bey den Teutschen die Christliche Religion fortzupflanzen / kommen / solchen Namen herführen; weiln es der Warheit ähnlich / daß einer auß denselben sich hieher gesetzt / vnd einen Anfang zur Statt gemacht habe; wie auch / das benachbarte Eychstatt von den Engelländern herkommen. Er sagt gleichwol darbey / daß Ingolstatt allbereit dem Hertzog Tessel in Bäyern vom Keyser Carl dem Grossen zu Lehen angesetzt worden seye. Casparus Ens, in seinen deliciis, vnd P. Bertius in tab. Geogr. contractis, vermeynen / daß solcher Orth / zun Zeiten Käysers Ludovici IV. noch ein Dorff / zum Closter Altaich gehörig gewesen / darauß diser Käyser eine Statt gemacht habe. P. Henznerus meldet in seinem Reyßbuch / daß diese Statt im Jahr Christi 1312. fast vmb den halben Theil erweitert / vnd Anno 1420. vom Hertzog Ludwigen im Bart / die Mawren gar außgebawet worden seyen. Hertzog Georg der Reiche von Landshut hat das schöne vnd wolerbawte Schloß allhie aufgeführt; Hertzog Wilhelm aber die Statt Anno 1537. zu seiner Vestung gemacht. Sie ligt gar eben / außgenommen gegen der Thonaw / da sie was haltig ist. Dresserus schreibet in seinem Stättbuch / daß der innere Vmbkreyß seye von fünff vnd dreyssig hundert Schritten. Die Gegend herumb ist eben / vnnd hat einen herrlichen Träydboden. Ein vornehmer Freyherr meldet von jhr / in seinen geschriebenen Reysen / daß es allhie ein starckes Schloß neben der Thonaw habe: Die Häuser in der Statt seyen schön / vnnd alle lustig gemahlet; habe auch schöne Gassen: Die Kirch sey herrlich vnd groß / darinn das schönist vnd köstlichste Marienbild / deßgleichen nicht zu finden seyn solle / werde vor ein sonderbare Antiquität gehalten; die Arbeit / Edelgestein vnd Schmeltzwerck / soll vber 50000. Cronen geschätzt werden; das Bild ist von klarem Gold / ziemlich groß / der Rock vberall gantz weiß geschmeltzt / gar künstlich / dafür knyet ein Bild / so einem König von Franckreich vergleicht / hat ein lang Kleyd an / Blawfarb mit gelben Lilien / alles gar schön darauff geschmeltzt; ist auch mit gar köstlichem Edelgestein besetzt. Sonst ist noch ein klein Bild dabey / Sanct Michael mit der Wag in der Hand / auch von Gold / vnd Edelgestein / vnnd mit allerhand Farben geschmeltzt / künstlich gearbeitet; wie dann diese Bilder zusammen gehören. Mitten in der Kirchen auff dem Boden ist die Fundation diser Kirchen / mit langen rotfarben Steinen außgesetzt / so das Warzeichen zu Ingolstatt. Hat 3. schöne grosse gewölbte Capellen / vnd andere schöne Sachen; So ist das Jesuiter Collegium auch schön / mit vielen Zimmern / Stuben / vnd Classen / vnd einem grossen Hof in der mitten. Vnd so viel sagt dieser Freyherr. In einer andern geschriebnen Verzeichnuß stehet / es sey vmbs Jahr 1275. das Franciscaner Closter allhie / vnd Anno 1330. vngefehr der Spital / gestifftet worden: Hertzog Ludwig im Bart / Herr zu Ingolstatt / habe die vberauß schöne Kirch zu vnser Lieben Frawen von Grund herauß gebawet / 7. Priester darzu eingesetzt / stattliche Sachen von Ornat / Silber vnd Goldt darzu vermacht / auch ein Marmolsteinen Begräbnuß zugerichtet / dahin er seines Vattern Stephani Gebein / von Schönefeld auß / hab führen lassen; wie auch einen armen Spittal / angericht / vnnd zu Erhaltung der vorigen erbawten Kirchen sieben vnnd neuntzig tausendt Goldtgülden verordnet / vnnd vermacht. Aber sein Sohn Hertzog Ludwig der Buckelte / hab dem Vatter / der ihn / wider seinen Willen / zu einer verheurathen wolte / diese Statt eingenommen / welche ihn gleichwol / als den rechten Erben / nicht vngern eingelassen; aber da sie jhme die Schlüssel zur Kirchen / vnnd deß Vattern Schatz / nicht geben wolten / hab er diese mit Gewalt auffgebrochen / vnnd den gantzen Schatz / vnd Vorrath deß Vatters / der selbiges mahl zu Newburg wohnte / hinwegk genommen / seye fortgefahren / [36] vnd habe anderer Stätt an der Thonaw sich auch bemächtigt. Es seye Ingolstatt wegen 3. Stück berühmbt. 1. Wegen der hohen Schul / so mit gleichen Freyheiten als Bononia, vnd Wien begabt; bey welcher Robertus Bellarmnius, Obertus Gifanius, vnnd Petrus Appianus gelesen haben. 2. Wegen des Käysers Caroli V. vnd der Protestierenden Lager / im Jahr 1546. allda; Vnd dann 3. wegen der Vestung / vnd so viel auß angedeuter Verzeichnuß. Es ist aber dabey zu mercken / daß gemeldten Hertzogs Ludwigen im Bart Schwester / Fraw Elisabeth / König Caroln / dieses Namens den Sechsten in Franckreich gehabt / welcher / vnd seine Gemahlin / jme Hertzog Ludwigen / dem Schwagern / vnd Brudern / einen gewaltigen Schatz gegeben / welchen er eingeschlagen / vnnd vor jhme her in Bäyern hat führen lassen. Vnd von diesem Schatz hat Hertzog Ludwig hernach obgedachte newe Pfarrkirchen zu vnser Frawen von Grund auffbawen lassen. Aventinus, da er im 8. Buch seiner Bäyrischen Chronick / am 411. b. Blat / von besagtem Schatz handelt / meldet / daß der Rath allhie ein groß Pergamen Buch habe / darinn alle Stück / was ein jegliches an Silber / Gold / Edelgestein / gewogen / gehalten / golten / beschrieben stehen / vnd seye alles vmb 50. Tonnen Goldes angeschlagen worden. Theils wollen / daß oberwehnte schöne güldene / vnd mit einem grossen Hauffen Saphiren / Rubinen / Perlen / vnd andern Steinen / gezierte Marienbild / vnd den Ritter / auff 100000. Gülden / vnnd allein den Rubin am Bilde auff der Brust / wie ein Hertz geschnitten / vff 14000. Gülden werth schätzen. So aber vielleicht von voriger Zeit / da man reicher / vnd die Edelgestein nicht so gemein / als jetzt gewesen / zuverstehen seyn wirdt; Was nun die auch obangezogene hohe Schul allhie anbelangt / so vermeynen Theyls / daß allbereit im Jar 1410. ein Anfang zur selben gemacht / vnd die Professores von Wien darzu beruffen worden seyen; welche Papst Pius der Ander hernach mit Freyheiten gehabt; Hertzog Ludwig aber / der reiche Fürst von Landshut (als der nach Absterben obgedachter beeden Hertzogen / Ludwigs im Bart / vnd Ludwigs deß Buckelten / Vatter vnd Sohns / ohne Mannliche Erben / von seinem Herrn Vatter / Hertzog Heinrichen dem XV. zu Landshut / auch Ingolstatt / vnd was darzu gehörte / geerbt hat) Anno 1471. jhr gewaltig auffgeholffen / vnd sein Sohn Hertzog Georg der Reiche / dieses löbliche Werck vollendts zu Ende gebracht habe. In der newen Cosmographia Munsteri wirdt der Anfang solcher Vniversität ins Jahr 1472. gesetzt / vnd vermeldet / daß (Anfangs) die gantze Vniversität in 4. Nationen / nemblich die Bäyerische / Rheinische / Fränckische / vnnd Sächsische / seye getheylet / vnnd Anno 1556. die Jesuiter allhie eingesetzt worden / welches dann / sonders Zweiffels / auß dem 2. Theil Metrop. Salisb. Hundij genommen / da am 416. vnd folgenden Blat / stehet / daß Anno 1472. Hertzog Ludwig in NiederBäyern am ersten diese hohe Schul allhie angerichtet habe. Vnd waren der Professorum Anfangs wenig / auch ihre Bestallung gering / welche beysammen wohnten / vnd vber einen Tisch giengen. Vnnd werden daselbst die Völcker / so vnter den erwehnten Nationen begriffen gewesen / gesetzt: Vnd darbey gesagt / daß solcher Vnterschied der Nationen / vnd Pocuratorn / so auß den Ital. vnnd Frantzösischen Schulen herkommen / gleich wider abgethan / vnd dem Rath der hohen Schul den Rectorn zu erwöhlen / vnd aller anderer Gewalt vbergeben worden; vnd daß die Jesuiter Anfangs jhre Wohnung in dem alten Collegio, biß auffs Jahr 1576. gehabt / biß sie in das jetzige Gebäw gezogen seyn: Vnd daß vom Papst der hohen Schul zu einem Cantzler der Bischoff von Eichstätt / als in dessen Dioecesi Ingolstatt gelegen / gegeben worden / der seinen Vice Cancellarium, nemblich den fürnembsten Proffessorem der H. Schrifft allhie habe: Von Hertzog Georg in Bäyern seye hernach das newe / oder Georgianische Collegium nahend dem alten / erbawet worden. Von der Belägerung im Jahr 1546. deren auch oben Meldung geschehen / seyn Sleidanus zu Ende deß 17. vnd Anfang deß 18. Buchs / Ludovicus ab Avila lib. 1. vnd Lambertus Hortensius, libro 2. et 3. beede von dem Teutschen Schmalkald. Krieg / zu lesen / daselbsten auch / was es vor ein Gelegenheit vmb Ingolstatt habe / vnnd wie die [37] Lager formirt gewesen / zu sehen. An. 1632. versuchte der König aus Schweden diesen Orth zu erobern / aber vergebens / vnd ward jhme im recognosciren den 20. Aprilis / sein Pferdt von einer Stück Kugel getroffen / vnd getödtet / auch Marggraff Christoph von Baden darüber erschossen. Es wird wochentlich ein offener Weinmarck allhie gehalten.

Von der Bibliotheck allhie schreibet Herr Carolus Stengelius, part. 2. rer. August. cap. 69. pag. 308. daß Johannes Egolphus von Knöringen / Bischoff zu Augspurg / der deß Jahrs 1575. gestorben / deß Henrici Glareani Bücher alle / für diese Hohe Schul gekaufft habe / die hernach mit deß Clenckii Eisengreinii, vnd der Eckiorum Bücher / vermehret worden seye. Anno 1633. hatte Hertzog Bernhard von Sachsen Weymar / durch Vermittelung deß Generals Cratzens / vnnd Obristen Farenbachs / Collusion, den 5. Maij / einen Anschlag auf Ingolstatt vor / der jhme aber nit angehen wollen. Cratz entschuldigte dieses / so gut er kondte / vnnd wolte sich zu Wien deßwegen / beym Käyser / selbsten purgieren; welcher gleichwol auf die Schwedische Armee in Schlesien gerathen. Der Obriste Farensbach / ein zwar braver Soldat / doch vnbeständigen leichtsinnigen Gemüts / der fast alle Europaeische Potentaten / vnd Theils nicht nur einmahl / zu Herren gehabt; aber fast allezeit / liederlicher weiß / ohne Vrsache / Changiret, ward deßwegen zu Regenspurg / den 19. Maij / hingerichtet, schreibet mit diesen Worten Kemnitzius part. 2. vom Schwedischen Krieg / libro 1. folio 122. Anno 1652. war allhie Churfürstl. Bäyrischer Statthalter Herr Graff Frantz Fugger.