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Textdaten
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Autor: W. F.
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Titel: Titulaturen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 206
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[206] Titulaturen. Wäre es nach dem Ableben von Pius dem Neunten nicht an der Zeit, wie mit dem ungebührlichen höchstens spottweise möglichen Titel „Heiligkeit“, so mit gar manchen anderen unzulässigen Bezeichnungen gründlich aufzuräumen, wenigstens im Bereiche deutscher Zunge und vorschriftsmäßiger Ausdrucksweise? Wie ein sich seiner Menschenwürde bewußter Sterblicher nicht häufig genug, in Wort oder Schrift, mit „gnädiger Herr“, „gnädige Frau“, „gnädiges Fräulein“ um sich werfen kann, ist schlechterdings unerfindlich, fast noch mehr aber, wie gewöhnliche Erdensöhne und Erdentöchter diese Erhebung über ihres Gleichen leiden mögen. Das Wort „gnädig“ bedeutet ja doch, daß der, dem solche Eigenschaft zukommt, mit Wohlgefallen und segnend aus einer höheren Wesenssphäre in eine niedrigere herabzusteigen pflegt, durchaus nicht etwa, daß einer dann und wann, wie Fürsten, Gnade für Recht ergehen läßt. Jenes unbegreifliche Nichtachten des wahren Verhältnisses und des sprachlichen Rechtes hat gewaltig überhand genommen, gewiß nicht zur Ehre des deutschen Volkes. Wie mag man z. B. „hochverehrt“ sagen, wo selbst das einfache „verehrt“ schon zu viel ist, wie „in Ehrfurcht ersterben“ vor einem Menschen! Hören wir doch einmal auf, uns in so muthwilliger oder aufgedrängter Weise selbst zu erniedrigen!

W. F.