Thüringer Sagenbuch. Erster Band/Burgsagen um Altenstein

Bonifacius Thüringer Sagenbuch. Erster Band
von Ludwig Bechstein
Die Hunde von Wenkheim
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130.
Burgsagen um Altenstein.

In graue Zeiten der germanischen Frühzeit hinauf ragt die Gründung einer Ritterburg, auf einem felsigen Abhange des Thüringerwaldes gegen das Werrathal. Es war ein Stein, schier verwachsen mit dem Felsen, eine Landesschirmhut und Grenzveste, wie noch näher der Werra, bei Salzungen, auch ein Stein lag, zum Schutze der Salzquellen, welchen später die Dynasten von Frankenstein als ihre Stammburg behaupteten. Des ersten Steines bemächtigten sich Thüringens älteste Schirmvögte und Grenzenhüther, die Markgrafen, nach denen er zeitweilig den Namen Markgrafenstein trug. Gleichzeitig aber blieb ein Rittergeschlecht lange Zeit im Besitze der mächtigen Bergfeste, die nach deren ursprünglichem, einfachen Namen sich einfach nannten. Das waren die de lapide, die Herren vom Stein. Von der dynastischen Eigenmacht des alten Geschlechtes aber sanken Abzweigungen zu Vasallen herab, welche die Nachbar-Burgen Liebenstein so wie Alt- und Neuringelstein erbauten und inne hatten. Vermehrter Wohnungsbedarf oder noch wahrscheinlicher geistlicher Besitzergriff der Gegend Seitens des Hochstifts Fulda, ließ später ganz nahe bei der Burg Stein eine neue Burg aufrichten, die dann gleich den Namen: die Nuemburg, Neuburg [245] bekam und nun hieß, um der ältesten Bergfeste das Vorrecht ihres Alters zu bewahren, diese der alte Stein, daraus der heutige Name Altenstein geworden. Daß die der Burg Altenstein so nahe Nuemburg mit der Nuemburg über Freiburg a. d. U. durch Namensverwechselung zur Wiederholung einer Landgrafensage Anlaß wurde, ward schon angeführt. Ebenso werden die Sagen von dem unsichtbaren oder verschwindenden Garten bei der Wallfahrt am Glasbach (der nach einer sehr frühzeitlichen Glashütte deutet), auch von der Neuenburg erzählt. Die beiden Burgen Ringelstein sind bis auf wenige Reste verschwunden, ihre Bewohner kennt die Sage nur als Raubritter. Die Weinstraße führte dort vorbei. Noch geht dort eine weiße Jungfrau um, und klengt Flachsknotten im Sonnenschein, auf einem über den Waldboden gebreiteten Tuche. In Salzungen entführten die Raubritter einst eine Braut, und schlugen, um ihre Spur zu verbergen, den Pferden die Hufeisen verkehrt auf. Nach kurzem Aufenthalt gelang es der Maid, der Raubburg zu entfliehen und zu Pferde wieder Salzungen und ihr Aelternhaus zu erreichen. Der sie unablässig verfolgende Ritter hieb noch wüthend mit dem Schwerte ins Gebälke der Hausthüre. Da die Ritter der Ringelsteine so hart an der Weinstraße wohnten, die aus Franken das edle Naß des Weines dem weinärmeren Thüringen zuführte, so raubten sie des Weines weit mehr, als sie zu trinken vermochten und bewahrten ihn auf in ungeheuern Kellergewölben. Deren Thüren verfielen und liegen vom Schutte der gefallenen Burgen überdeckt, es verfaulten die Dauben der Fässer, aber nicht früher, bis der Weinstein sich zur Krystallhaut verdichtet, die nun den Wein umschloß. Die Sage [246] von diesen Fässern erhob sich zu poetischer Prophezeihung. Einst, wenn der Tag des Weltgerichts genaht ist, und unter dem Posaunenschall der Erzengel die Gräber sich öffnen, werden auch diese verborgenen Keller und Gewölbhöhlen sich aufthun, und der Herr wird sich dieses Weines bedienen, sein großes Liebes- und Abendmahl zu halten, und die Treubewährten trinken mit ihm zum Zeichen des ewigen Lebens.