Straßburgs Fall und Heimkehr

Textdaten
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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Straßburgs Fall und Heimkehr
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 687
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[687]

 Straßburgs Fall und Heimkehr.[1]

Straßburg ist unser! – jubelt’s durch die Lande.
Heil diesem Tag! Noch gestern sah zum Hohn
Der Thurm Erwin’s auf uns vom andern Strande,
Und heut’ ist er des deutschen Banners Thron!
Zweihundertjähr’ge Schmach, du bist gerochen!
Deutsch bist du wieder, „wunderschöne Stadt!“
Und ganz wie einst: bezwungen und gebrochen,
So, wie die Mutter dich verloren hat. –
Das ist zur Lust, Germania, dein Schmerz:
Dort steht ein fremdgewordnes Kindesherz!

Dein war die Schuld, daß fremd es dir geworden.
Ja, treuer war kein Arm, der dich umschlang;
Du überließest den Verrätherhorden
Das treu’ste Kind – und ach, nur allzulang’!
Verbittert wandte sich seit jenen Stunden
Sein Herz dem wälschen Ruhmesleuchten zu,
Dort hat es Größe, Glück und Glanz gefunden, –
Und – eine Fremde warst ihm endlich du!
Und öffnest du die Arme jetzt zum Gruße –
Dein Kind – es tritt nach dir mit trotz’gem Fuße!

Dein ist die Schuld! Nun gilt es, zu versöhnen!
Nun gilt’s, in Lieb’ ertränken all den Haß!
Du hast so viel des Guten, Großen, Schönen –
So reiche dar ein vollgerüttelt Maß!
Doch merke, was die höchste deiner Sorgen
Für all die Wiederheimgekehrten sei:
Sie fühlen heimathfroh sich nur geborgen
In einem Vaterlande groß und frei!
Und nie und nimmer kann die Macht allein
Der Siegeslohn des deutschen Volkes sein!

Die Freiheit nur ist solchen Kampfes werth!
Ein Heimathland der Menschenrechte werde,
Was deutscher Muth errungen mit dem Schwert!
Der Erde Ehre sei die deutsche Erde!
Dann wird das eigne Blut dir, Straßburg, sagen,
Daß deutsch du bist, daheim und überall!
Deutsch werden deine Herzen wieder schlagen
Und als Erhebung preisen deinen Fall!
Ja, uns auch, Alle wird dein Fall erheben
Und so Glückauf zum neuen deutschen Leben!

 Friedrich Hofmann.



  1. Als Siegesprolog am 28. September zu Leipzig im alten Theater vom Oberregisseur Grans, im neuen Theater vom Regisseur Mittell gesprochen.