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Titel: Sonderbare Wirkungen des Sturmes
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aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 666,667
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[666] Sonderbare Wirkungen des Sturmes. Zu den überraschendsten Wirkungen der Wirbelstürme gehören die wohlverbürgten Thatsachen, daß man nach ihrem Aufhören Vögel fand , die aller Federn beraubt, und Menschen, denen alle Kleider vom Leibe gerissen waren. Auf die Gewalt des Windes konnten diese Erscheinungen nicht zurückgeführt werden, da ja Vögel und Menschen in solchen Fällen als Gesammtmasse vom Winde hätten fortbewegt werden müssen.

Eine Fülle ähnlicher Vorkommnisse wurde bei den Tornados beobachtet, die vor drei Jahren in Frankreich wütheten und über die nach und nach ausführliche Berichte gesammelt und gesichtet wurden. Danach wurden auf der ganzen betroffenen Strecke Bäume zerrissen, [667] und zwar in einer Art, welche nicht der Wirkung des Windes zugeschrieben werden kann. Die zerstörten Bäumen lassen sich auf drei Grundformen zurückführen: 1) Eichen, die in einer Länge von. 7 bis 8 m von oben nach unten entzwei gespalten wurden, 2) Pappeln und Buchen, die in einer Länge von 1,5 bis 3,5 m in. geradlinige regelmäßige Ruthen von gleicher Dicke zerstückelt wurden. Eine Buche von 0,4 m. Durchmesser wurde z. B. in mehr als 500 Ruthen zerfetzt, die 1 cm dick; 2 cm breit und 3,5 cm lang waren. 3) Fichten und andere Harzbäume, deren Stämme quer durchgeschnitten waren, mit fast ebener Bruchfläche.

Diese Erscheinungen sowie viele ähnliche lassen sich nur als Wirkung der Elektricität verstehen: denn wie anders soll man sich z. B. den Fall erklären, daß von zwei frei und dicht nebeneinander stehenden Fässern das eine gefüllte vollständig vernichtet wurde (explodierte), während das andere leere unbeschädigt stehen blieb?

In der Zeitschrift „Das Wetter“ wird über eine ganze Reihe ähnlicher Vorgänge berichtet, die sich auch auf die bei jenen Tornados beobachteten Kugelblitzerscheinungen beziehen. Ein Vater wird mit seinem Vieh auf dem Weg nach Hause vom Orkan überrascht und sieht eine Feuerkugel, die mit rasender Geschwindigkeit herabstürzt. Von Schreck ergriffen, wirft er sich sofort zur Erde. Die leuchtende Kugel schlägt auf den Boden, zerspringt mit einem Krach und bedeckt den Mann mit Staub. - In Saint-Claude haben viele Personen, welche beim Ausbruch des Orkans gegen den Winddruck kämpften, um ihre Fenster zu schließen, Feuerkugeln von der Größe einer Billardkugel wahrgenommen, die in der Drehungsrichtung - des Wirbelwindes mit Gewalt fortgerissen wurden. Eine große Zahl anderer hat durch die Schornsteine oder Ofenthüren in ihre Wohnungen Feuerkugeln eindringen sehen, welche sich langsam in den Zimmern fortbewegten und einen leuchtenden leicht in Spiralen gewundenen Streifen hinterließen. Zu Reinon bemerkte eine Frau als sie ihre auf der nahen Wiese weidenden Kühe holen wollte, wie plötzlich violette Flammen aus dem Boden hervorbrachen und sie rings umgaben; sie waren so hoch, daß die Frau aus Furcht, ihre Augen könnten Schaden leiden, das Gesicht mit ihrem Taschentuch bedeckte. Einen Augenblick später stürzte der Wind alles um. Ein Pächter und seine Knechte erkannten deutlich, wie die Blitze vor dem Hereinbrechen des Sturms über den Boden strichen. Es war, als ob alles im Feuer aufgelöst sei, dabei roch es nach Pulverdampf. Menschenleben sind diesen sonderbaren Blitzformen, soweit die Erkundigungen reichen, nicht zum Opfer gefallen.

Alle diese Thatsachen lassen die Annahme berechtigt erscheinen, daß die Electricität keineswegs nur eine Begleiterscheinung der Wirbelstürme, sondern weit eher eine ihrer Ursachen sei.