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Bernhard Grueber: Peter von Gmünd genannt Parler. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Jahrgang I.

Diese Inschrift enthält in Bezug auf die Abstammung des Vaters Heinrich die schon erwähnten dunkeln Stellen: der übrige Theil, welcher sich auf die Thätigkeit Peters bezieht, ist vollkommen richtig und stimmt aufs genaueste sowohl mit den erhaltenen Denkmalen wie mit den anderweitigen urkundlichen Nachrichten überein. Aufgestellt wurde diese Schrift, wie aus der Sachlage hervorgeht, zur selben Zeit als die Choreinweihung geschah, nämlich 1385; daher sind nur jene Werke des Meisters aufgezählt, die damals ganz oder größtentheils vollendet waren.

Die zweite, wahrscheinlich von Peters eigener Hand in einen Quader der S. Bartholomäuskirche zu Kolin eingemeiselte Schrift gibt in fünf Zeilen Kunde vom Beginn des dortigen Chorbaues:

Incepta. est. hec. structura. chori. sub-. (sublimis.)
anno. dmi m. ccclx. xiy. kln. februi. temporibus.
serenissimi. principis. dni. Karolj. dei. gra.
imperatoris. romanor. &. regis bohemie.
per magistr. petr. de. gemudia. lapicidam.

Dieser Bau des hohen Chores wurde begonnen im Jahre 1360 am 13. Februar zur Zeit des durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Karl von Gottes Gnaden Römischen Kaisers und Königs von Böhmen durch Meister Peter von Gmünd Steinmetz.

An diese beiden Dokumente schließt sich eine im Auftrag des Königs Wenzel IV. im Jahr 1396 gefertigte große Gedächtnißtafel an, welche an der Südseite des Prager Domes aufgestellt die wichtigsten den Dombau betreffenden Ereignisse in chronologischer Ordnung aufzählt.

In dieser wohlerhaltenen auf eine Marmortafel sehr vertieft eingegrabenen Inschrift werden die bei dem Feste der kurz zuvor vollzogenen Grundsteinlegung des Prager Domschiffes und der bei dem Feste des heiligen Adalbert anwesenden Hauptpersonen mit Namen aufgezählt, wobei die den Dombaumeister betreffende Stelle lautet: „et petro de Gemund magistro fabrice prefate“. –

Wenn diese wichtigen Schriftdenkmale eine ununterbrochene vierzigjährige Thätigkeit im Lande Böhmen bezeugen und bereits mehr enthalten, als über die Lebensgeschichte irgend eines gleichzeitigen deutschen Künstlers bekannt geworden ist, darf eine Beschreibung der erwähnten den Meister Peter darstellenden Büste als fernerer monumentaler Beleg hier nicht umgangen werden. Die Porträtgallerie im Triforium zeigt den Meister als einen ungewöhnlich schönen Mann im Alter von etwas über fünfzig Jahren, mit feingeschnittenem fast aristokratischem Profil und prachtvoll gewölbter Stirn. Die Haare sind grau und dünn, bereits von der Stirne zurückgetreten, der Bart noch ziemlich dunkel und sorgfältig geordnet; Blick und Haltung verrathen den intelligenten in allen Kreisen sich leicht bewegenden Weltmann, der sich im kaiserlichen Saale eben so schnell zurechtfindet, als in der Bauhütte. Er trägt einen blauen in saubere Falten gelegten Ueberwurf, wahrscheinlich die Kleidung des Ordens der Mansionäre, welchem er angehört haben soll, unten am Saume des Kleides ist auf einem Schilde sein Handzeichen, ein doppelter Winkelhaken, wie ihn die Tischler heute noch gebrauchen, angebracht. Die Büste ist bemalt, das Gesicht zeigt eine gesunde etwas brünette Farbe, der Schild ist gelb, das Handzeichen roth. Dieses auf mehreren Arbeiten unseres Meisters angebrachte Zeichen gewährte die ersten Anhaltspunkte über seine Thätigkeit als Bildhauer. (Leider ist das Triforium jetzt vermauert, die Büsten beschädigt.)

Empfohlene Zitierweise:
Bernhard Grueber: Peter von Gmünd genannt Parler. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Jahrgang I.. H. Lindemann, Stuttgart 1878, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:WuerttVjhhLG_Jhg_01.djvu/074&oldid=- (Version vom 1.8.2018)