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Philon: Über die Unveränderlichkeit Gottes (Quod Deus sit immutabilis) übersetzt von Hans Leisegang

widerstreitet Edom, der Irdische[1] – denn so heißt er in Übersetzung – und droht, er werde sie eilends und mit aller Kriegsmacht von dem Wege abdrängen und diesen gänzlich unwegsam und ungangbar machen. [31] 145 Die abgeschickten Gesandten sagen nun folgendes: „Wir wollen durch deine Erde vorbeiziehen;[2] wir werden nicht durch Äcker, nicht durch Weinberge gehen, wir trinken kein Wasser deines Brunnens. Auf der Königsstraße werden wir ziehen; nicht nach rechts noch nach links wollen wir ausbiegen, bis wir deine Grenzen durchschritten haben. Edom aber antwortete und sprach: Du sollst nicht durch mich hindurchziehen, sonst werde ich mit Krieg dir entgegen ziehen. Und es sprachen zu ihm die Söhne Israels: am Gebirge wollen wir entlang ziehen. Wenn wir aber und das Vieh von deinem Wasser trinken, wollen wir dir eine Ehre geben;[3] aber die Sache hat nichts zu bedeuten,[4] wir wollen am Gebirge entlang ziehen. Er aber sprach: Du sollst nicht durch mich hindurchziehen“ (4 Mos. 20, 17–20). 146 Von einem der Alten[5] wird erzählt, daß er beim Anblick eines reich ausgestatteten Festzuges sich zu einigen seiner Schüler umwandte und sagte: „Meine Freunde, da seht ihr, was ich alles nicht brauche“, ein kleiner Spruch, durch den er eine große und wahrhaft himmlische Botschaft verkündete. 147 Was meinst du? Hast du im olympischen Kampfe gegen allen Reichtum den Siegeskranz erworben und über seine Schätze so die Herrschaft gewonnen, daß du nichts davon zum Genuß und Gebrauch behalten hast? Bewundernswert ist der Ausspruch, viel bewundernswerter aber die Gesinnung, die so eine Kraft besitzt, daß sie sofort und ohne Anstrengung einen überlegenen Sieg davontragen konnte. [32] 148 Doch nicht nur einem Einzelnen ist es erlaubt, die Anfangsgründe der Weisheit zu verkünden, in denen er von Moses unterwiesen wurde, sondern [295 M.] auch einem ganzen menschenreichen Volk. Beweis dafür ist folgendes: Es erkühnte sich und wagte die Seele eines jeden seiner Schüler, zu dem Könige aller scheinbaren Güter, zu dem irdischen Edom – denn irdisch sind tatsächlich alle auf Schein beruhenden


  1. Über Edom und die Königsstraße vgl. zu Über die Nachkommen Kains § 101f.; Über die Wand. Abrah. § 146.
  2. Zur Übers. s. § 153f.
  3. Der Sinn ist eigentlich: „so wollen wir es bezahlen“; vgl. aber § 169. Τιμή kann Ehre und Wert bedeuten.
  4. Die Bibel meint: es macht keine Schwierigkeit; s. aber § 171ff.
  5. Von Diogenes; Cicero Tusc. V 91. Diog. Laert. II 25. Epicurea p. 296, 21.
Empfohlene Zitierweise:
Philon: Über die Unveränderlichkeit Gottes (Quod Deus sit immutabilis) übersetzt von Hans Leisegang. H. & M. Marcus, Breslau 1923, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloDeusGermanLeisegang.djvu/33&oldid=- (Version vom 23.2.2022)