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Verbrechen ist eine That, davor sich die Menschheit entsetzet, und die Feder zittert, es zu nennen: Vater- und Mutter-Mord zu gleicher Zeit. Die Ermordeten waren Bewohner einer sogenannten Wüstung, unweit des Pfarrorts Burggrub hinter dem ritterschaftlichen Dorfe Mittwitz zwischen Kronach und Neustadt an der Heide. Diese Wüstungen, deren es mehrere in jenen Gegenden gibt, sind einzelne Bauernhöfe von weitem Umfang. Die Wüstung, welche die Ermordeten bewohnten, gehört zu dem von Wasmerischen Dorfe Haßenberg. Der einzige Sohn seiner Eltern, Nikel Hofmann, war von seinem Vater wegen ruchloser Streiche verschiedene mahle gezüchtiget worden. Über diese Züchtigungen aufgebracht, faßte der lose Bube den Entschluß, von Nachbarn entfernt und unbemerkt, Vater und Mutter zu ermorden. Die Mordthat geschah vom 16ten auf den 17ten und ward erst am 19ten entdeckt. Den Vater fand man im Bette liegend, Nase, Kinn und Gemächt mit der Axt weggehauen. Überhaupt hatte er sieben Wunden. Der Mutter war der Kopf mitten entzwey gehauen, so daß das Gehirn auf die Erde gefloßen war. Der Vater lag in der obern Stube im Bette; die Mutter in der untern nackend auf dem Boden: woraus man muthmasset, sie habe ihrem Manne zur Hülfe eilen wollen. Die Axt, deren sich der Mörder bediente, war nebenhin an die Wand gelehnt. Nach Vollbringung dieser entsetzlichen That schloß er das Haus zu und ging nach Wallstadt, zwischen Michelau und Lichtenfels,

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Diverse: Miscellaneen in: Journal von und für Franken, Band 3. Raw, Nürnberg 1791, Seite 368. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Miscellaneen_(Journal_von_und_f%C3%BCr_Franken,_Band_3,_3).pdf/5&oldid=- (Version vom 6.1.2019)