Seite:Die Heimath in der neuen Welt, Dritter Band.djvu/95

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Fredrika Bremer: Die Heimath in der neuen Welt, Dritter Band

ich mitunter das anmuthigste, hellste Gezwitscher, dem unserer Sperlinge ähnlich, aber klarer oder milder klingend. Man sagt mir, es komme von den kleinen Eidechsen, die sich in so großer Menge vorfinden und hier Stimme bekommen haben.

Die Stadt hat ein höchst eigenthümliches Aussehen. Die Häuser sind niedrig, nie über zwei niedrige Stockwerke hoch, die Straßen eng, so daß eine Menge Leinwandtücher, welche Budenschilde vorstellen, von der einen Häuserreihe bis zur andern herüber hängen. Die Mauern der Häuser, Paläste und Thürme sind blau, gelb, grün, orangefarbig angestrichen, und man sieht oft Frescomalereien. Man fürchtet die weiße Farbe und den Sonnenschein darauf für die Augen. Man sieht keine Rauchsäule, keine Schornsteine. Ueberall platte Dächer mit steinernen oder eisernen Stacketen und Urnen mit ehernen Flämmchen. Ich begreife nicht, wohin das Feuer und der Rauch ihren Weg nehmen. Die Atmosphäre der Stadt ist krystallhell. Die engen Straßen sind nicht mit Steinen gepflastert, und wenn es geregnet hat, wie dieß ein paar Tage in Strömen geschah, so entstehen ungeheure Pfützen und Gruben; wenn es trocken ist, wiederum viel Staub. Kleine Trottoirs, selten breit genug, daß zwei Personen an einander vorbei gehen können, ziehen sich an den Häuserreihen entlang.

Auf den Straßen springen und drängen sich nach allen Richtungen eine Art großer Insekten, mit ungeheuren Hinterbeinen und einer langen Nase, auf welcher ein hohes schwarzes Horn oder eine thurmartige Erhöhung sitzt. So nämlich kamen mir die cubanischen Equipagen oder Volanten, welche das einzige Fuhrwerk Havannahs ausmachen, zuerst vor. Und willst Du sie näher beschauen, so sehen sie aus wie eine Art von Cabriolets, aber die zwei ungeheuren Räder sitzen hinter dem Wagenkorb selbst. Dieser ruht auf Federn

Empfohlene Zitierweise:
Fredrika Bremer: Die Heimath in der neuen Welt, Dritter Band. Franckh, Stuttgart 1854, Seite 77. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Heimath_in_der_neuen_Welt,_Dritter_Band.djvu/95&oldid=- (Version vom 20.8.2021)