Schulze-Delitzsch (Die Gartenlaube 1859/40)

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Titel: Schulze-Delitzsch (Die Gartenlaube 1859/40)
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aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 580
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[580] Schulze-Delitzsch, als Berichterstatter der Frankfurter Commission in der Einigungsfrage am 16. September, nachdem er zur Vertheidigung seines von ihm entworfenen Statuts gesprochen hatte, nahm Bezug auf das altgermanische Institut der Geschworenen, wie es sich in unserm Brudervolke in England erhalten habe, und schloß mit den begeisterten Worten:

„Wenn die Geschwornen dort zusammentreten, so dürfen sie nicht eher die Stätte verlassen, als bis sie sich über den Wahrspruch vollständig geeinigt haben.

„Sie, die hier Versammelten, sind die Geschworenen des deutschen Volks in dieser großen Frage, und Sie dürfen diesen Saal nicht verlassen, bis Sie den Wahrspruch gefunden haben über die von der ganzen Nation heißersehnte Einigung.

„Geistige Wächter hüten den Eingang und scheuchen Alle zurück, die entweichen wollen. Es sind der Schmerz und Jammer unseres Volks, seine zertretene Größe, seine geschändete Ehre. Die brennendste Schaam müßte mich verzehren, wenn ich ohne Frucht von diesem Einigungswerke zurückkehren sollte zu denen, die mich gesendet; die brennendste Schaam, die es gibt, nicht blos in der eignen Seele, die Schaam in der Seele meines Volks!

Man kann sich denken, welchen tiefen, nachhaltigen Eindruck diese erschütternden Worte hervorbrachten.

Die Bewegung zur Schaffung einer einheitlichen deutschen Gewalt, welche durch die Eisenacher Beschlüsse zuerst hervorgerufen wurde, schreitet übrigens mächtig vorwärts und wird nicht ohne Resultat bleiben. Daß selbst die reaktionäre Presse, welche sich mit aller Macht gegen die Richtung der Reform anstemmte, die Berechtigung und Gesetzlichkeit dieser Bewegung anerkennt und ihr freien Lauf wünscht, beweist die „Augsburger Allgemeine Zeitung“, die anfangs mit Spott und Hohn gegen die Eisenacher Versammlung ankämpfte. Sie sagt in ihrer neuesten Nummer:

„Bedauerlich wäre es, wenn diese oder jene Bundesregierung auf den Einfall geriethe, einem ihrer Staatsbürger die Betheiligung an einem Verein zu verwehren, der eine Verschmelzung liberaler und radicaler Meinungen behufs einer Neubildung Deutschlands zum Gegenstand hat. Meinungen und Bestrebungen im politischen Leben der Völker hintertreiben oder auch nur polizeilich controliren wollen, heißt dem politischen Fortschritt unseres Volks Fesseln anlegen und einer gedeihlichen Entwicklung unserer Nationalität entgegenarbeiten. Wer die gegenwärtige Bewegung unbefangen ansieht, der kann sich nur darüber freuen, daß wir endlich in Deutschland auf dem Punkte angelangt sind, wo Wünsche, Anschauungen, Standpunkte laut werden können. Um wie viel befriedigender wäre die letzte Krisis abgelaufen, wenn in den deutschen Ländern in demselben Maße Preß- und Vereinsfreiheit respectirt worden wäre, als dies gegenwärtig der Fall ist!“