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Titel: Schiffbruch vor dem Hafen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 616
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[613]
Die Gartenlaube (1878) b 613.jpg

Schiffbruch vor dem Hafen.
Original-Zeichnung von W. Grögler in München.

[616] Schiffbruch vor dem Hafen. (Zu dem Bilde S. 613.) Wo sind sie hin, die so behäbigen, wenn nicht asketisch hageren Gestalten, welche dem Humor des Volkes und des Künstlers so oft als willkommene Angriffspunkte dienen mußten – die Bettelmönche des deutschen Katholicismus? Kaum fünf Jahre sind es her, daß sie noch friedlich in ihren grauen verschwiegenen Mauern saßen wie die Käuzchen, um dieselben nur zu verlassen, wenn es galt, Beute zu machen. Beute an Seelen und Beute an greifbaren Dingen, welche einzusammeln seit des heiligen Franciscus Zeiten das Privileg aller Mitglieder der Bettelorden war. Die Armen mußten ja „terminiren“, das heißt betteln, denn die Armut war eines ihrer Gelübde; und sie haben es redlich gethan, auch als die Orden steinreich wurden denn, wie man klüglich deutete, wenn auch die Orden Vermögen erwarben, die Einzelmönche waren und blieben arm! Da kamen denn wohl so tragikomische Situationen vor, wie unser Bild sie zeichnet: denn selbst ungetrübteste Heiligkeit und zudem die über jeden Zweifel erhabene Geduld eines Maultieres schützen in dieser unvollkommenen Welt nickt davor, daß ein Gurt reißt und ein stürzender Korb das teilweise höchst zerbrechliche Erträgniß einer ergiebigen Bettelreise zu babylonischem Wirrwarr durch einander schüttet. Das Kloster so nahe und der Herr Prior auf dem Ausguck – armer Frater!