Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Gerstäcker
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Sakit latar
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 256
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Krankheit auf Java
Blätter und Blüthen
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[256] Sakit latar. Auf Java existirt eine wunderliche Krankheit, oder vielmehr eine krankhafte Eigenschaft einzelner Eingeborener, die sich besonders unter den Frauen zeigt und Sakit latar oder Latarkrankheit (vielleicht von dem Wort loetar werfen, also Werfkrankheit) genannt wird.

Sie tritt allerdings nicht häufig, und hauptsächlich nur im Innern auf, ist aber deshalb gefährlich, weil man es den davon betroffenen Personen nie ansehen kann, indem das Leiden auf den körperlichen Gesundheitszustand derselben gar keinen Einfluß ausübt.

Die Krankheit selber besteht in einer unwiderstehlichen Neigung der damit Behafteten, irgend eine ihnen vorgemachte rasche Bewegung unverweilt nachzuahmen. Hat z. B. eine Frau diese Krankheit und man wirft in ihrer Nähe einen Stein in’s Wasser, so kann sie sich nicht helfen und muß das Nämliche thun. Steckt man etwas rasch in den Mund, so folgt sie dem Beispiel mit irgend einem Gegenstande, den sie gerade in der Hand hält. Trägt sie irgend etwas, sei es in einem Haus Porcellan, eine Lampe oder sonst etwas, ja sei es selbst ein Kind, und kommt Jemand auf sie zu, der rasch die Bewegung macht, als ob er etwas hinwirft oder aus den Händen fallen läßt, so schleudert auch sie sicher Alles von sich, was sie eben noch so sorgfältig getragen hat. Die eigene Mutter verschont dabei ihr Kind nicht, jede sonst noch so knechtische Ehrfurcht vor Häuptlingen oder Beamten hört auf, und hat der Kranke nicht selber gerade etwas in der Hand, so erfaßt er das erste Beste und wirft es zu Boden.

Es läßt sich denken, daß es schon nicht angenehm sein kann, nur ein mit dieser Krankheit behaftetes Hausmädchen zu haben, denn wenn sie gerade einen Stoß Teller in’s Zimmer bringt und irgend ein Muthwilliger die Bewegung macht, oder selbst der Zufall irgend Jemanden zu einer ähnlichen veranlaßt, so kann man sich auch fest darauf verlassen, daß sie das Porcellan klirrend zu Boden wirft. Gefährlich wird es aber, wenn man ein solches unglückliches Wesen als Kindermädchen in Dienst nimmt, da der Ausbruch der Krankheit eben nur von zufälligen Umständen abhängt.

Manches Unglück ist auch schon dadurch geschehen, aber die Javanischen Gerichte nehmen dabei große Rücksicht auf diese Kranken, und eine Frau, von der es sich herausstellt, daß sie wirklich die Sakit latar hat, wird nie eines angerichteten Unheils wegen bestraft werden.

Ob die Krankheit heilbar ist oder wodurch sie entsteht, weiß man noch nicht einmal; derartige Kranke sind noch zu wenig beobachtet worden, jedenfalls wäre es aber interessant, der Erscheinung weiter nachzuforschen.

Fr. Gerstäcker.