Sage von dem Schenken von Tautenburg

Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Georg Theodor Grässe
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Sage von dem Schenken von Tautenburg
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 224-226
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[224]
250) Sage von dem Schenken von Tautenburg.
Peccenstein a. a. O. S. 285.

Das alte thüringische Geschlecht der Schenken von Tautenburg, die von der Burg Varila auch den Beinamen von Varila führten, hat auch für das Königreich Sachsen eine hohe Wichtigkeit, denn ein Johann Schenk v. Tautenburg ist von Herzog Albrecht von Sachsen 1498 seinem Sohne Herzog Heinrich mit nach Frießland als Hofmeister und Unterstatthalter beigegeben worden, und als bei einem Aufruhr der Friesen der junge Herr und sein Hof in Lebensgefahr gekommen und schon die Kette geschmiedet war, an welcher diese ihnen aufhängen wollten, und die nachmals in dem Neuen Stall zu Dresden zu sehen war, ist es dieser Schenke gewesen, der der Friesen Grimm solange mit Vorstellungen aufzuhalten gewußt hat, bis der Vater des jungen Herzogs mit Heeresmacht anlangte und die Aufrührer zu Paaren trieb. Es hat aber einmal ein Ritter aus dieser Familie (1274) [225] eine Reise zum heiligen Grabe unternommen und glücklich vollbracht, ist aber auf dem Rückwege auf der Insel Aetolia von Saracenen gefangen und dem Sultan Bondogodar zum Geschenk geschickt worden. Weil aber dieser an ihm einen heldenmüthigen Sinn gespürt und der Ritter sich in allen ritterlichen Spielen auszeichnete, hat er ihn liebgewonnen und hochgehalten und hat dieser ihn auf seinem Zuge gegen den Johanniterorden begleiten müssen, in Folge dessen dieselben trotz tapferer Gegenwehr bis auf die Insel Creta zurückgedrängt worden sind. Bei diesen Kämpfen hat Herr Schenk wider seinen Willen gegen die Christen kämpfen müssen, Alles in der Hoffnung, sich des Sultans Gunst und seine Freiheit zu erwerben. Als nun aber nachmals die Saracenen gegen ihre ärgsten Feinde, die Tartaren in Scythien, zogen, hat er ebenfalls wieder mitziehen müssen, ist aber, als er sich allzukühn unter sie gewagt, mit vielen andern saracenischen Obersten gefangen worden, aber zum Glücke in die Hände eines tartarischen Obersten, der von Geburt ein Pole war, gefallen, dem er so wohl angestanden hat, daß dieser ihm nachmals sein eigen Stück Landes zu eigen und endlich gar seine Tochter zum Ehegemahl gegeben. Als er nun zu immer höherer Würde und Reichthum gelangte, dachte er darauf, wie er sein Vermögen durch Kaufleute und Wechsel auf deutschen Boden schaffen und sich von diesen barbarischen Völkern freimachen könne. Dies ist ihm auch gelungen, denn er ist einmal nebst andern Tartaren als Gesandter an König Lesce den Schwarzen von Polen geschickt worden und hat dabei sein Weib in Mannskleidern mit sich in einer Kutsche aus dem Lande geführt und ihr befohlen, ihn mit einigen Dienern an einem gewissen Orte zu erwarten. Als nun seine Gefährten den Rückweg angetreten, hat er sich von ihnen auf der Straße verloren und durch Polen nach Böhmen und dann nach Deutschland begeben, und ist mit seiner Gemahlin frisch und gesund nach 12jähriger Abwesenheit zu den Seinen gekommen, hat aber fast Alles in seiner Herrschaft verändert gefunden und es hat ihn Niemand mehr erkennen wollen, seine Reussische [226] Gemahlin aber, so treulich bei ihm gehalten, aber keine Kinder mit ihm gezeugt, ist bald nachher gestorben und im Kloster Reinhardsbrunn begraben worden. Das ihr gesetzte Grabmal war Anfang des 17. Jahrhunderts noch zu sehen und führte die Inschrift: Anno Domini 1286 obiit Cythavia Russica Generosi Domini Baronis de Vargila gemma lucidissima. Oratore pro ea.