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Titel: Rotteck-Jubiläum
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 408
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[408] Rotteck-Jubiläum. Am 16. Juli sind es hundert Jahre, daß Karl von Rotteck zu Freiburg im Breisgau geboren wurde. Es genügt, Namen wie Rotteck, Welcker, Itzstein, Wessenberg zu nennen, um an Zeiten zu erinnern, in welchen ganz außerordentliche Kraft des Geistes und Charakters in Kämpfen verbraucht, ja hingeopfert wurde, die für den Augenblick keinen andern Erfolg hatten, als den, daß sie dem triumphirenden Ansturm der Reaction in dem erweckten Volksgeiste einen Damm entgegensetzten. Das Volk konnte den unerschütterlichen Kämpfern mit keinem andern Lohn danken, als mit seiner treuen Anhänglichkeit, Liebe und Verehrung; wie aber führte die herrschende Gewalt sich gegen sie auf? Einen Rotteck, den Gelehrten und Geschichtsschreiber, erklärten die großen Geister des deutschen Bundes für unfähig zu akademischen Vorträgen und zur Redaction einer Zeitung; er kämpfte fortan nur noch als Volksvertreter und Schriftsteller für das Volk und seine Ueberzeugung, aber dies mit ganzer Seele. Seine Reden im badischen Landtage, sein Geschichtswerk und sein und Welcker’s „Staatslexikon“ waren die schärfsten Freiheitswaffen jener Zeit und sind sein unvergängliches Denkmal. Ein steinernes setzte ihm sieben Jahre nach seinem Tode (Rotteck starb am 25. November 1840) seine dankbare Vaterstadt. Da kam, nach dem Jahre 1848, eine neue Reactionsblüthe, und sie mußte auch ihrer würdige Früchte sammeln. In einer Juninacht 1851 ließ der damalige Stadtdirector (seinen Namen mögen wir nicht niederschreiben), – ob aus eigener Reactionsdienstwonne oder noch besonders dazu ermuthigt, ist einerlei – dieses Volks-Denkmal heimlich und gewaltsam zertrümmern und beseitigen. – – Erst am 25. Mai 1862 weihte die Stadt ihm ein neues Denkmal, dessen Abbildung wir unsern Lesern in Band X, Seite 565 der „Gartenlaube“ gebracht haben. Darauf hinweisend, fordern wir hiermit alle treuen Freunde der Volksfreiheit und Nationalehre auf, Rotteck’s Ehrentag so zu feiern, wie sein Wirken es verdient und wie es unserer Zeit würdig ist.