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Titel: Rothe Nasen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 891
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[891] Rothe Nasen. Die „rothe Nase“ ist ein scheinbar geringfügiges Ding, aber unter dieser allgemein gebräuchlichen Gesammtbezeichnung verbergen sich verschiedenartige Leiden, die auch verschieden behandelt sein wollen. Der Schnupfen kann unter Umständen vorübergehend eine Röthung der Nase hervorrufen, auch erfrorene Nasen blühen, aber nur beim Eintritt der kälteren Jahreszeit. In diesen Fällen pflegt die Röthe mit dem Schnupfen zu schwinden und erfrorene Nasen müssen wie erfrorene Glieder behandelt werden.

Es giebt aber noch eine andere Art rother Nasen, die zu den entstellendsten Hautkrankheiten des Gesichtes zählen, es sind dies die rothen Nasen par excellence, die auf einem Hautleiden, welches Kupferröthe oder Kupferfinne genannt wird, beruhen.

Jene kleinen „Blüthchen" sind bekannt, die so oft das Gesicht junger Herren und Damen entstellen: die Gesichtsfinne. Eine böse Abart derselben bildet die Kupferröthe. Sie befällt mit Vorliebe die Nase, kann sich aber mitunter auch auf das ganze Gesicht erstrecken.

Diese Kupferröthe ist ein heimtückisches Leiden. Zunächst röthet sich nur die Nasenspitze und sieht täuschend ähnlich einem erfrorenen Riechorgan. Von Zeit zu Zeit schwindet die unerwünschte Farbe, aber eine ganze Reihe von scheinbar geringfügigen Ursachen bringt sie wieder zum Vorschein. Ein Gläschen Wein, eine lebhafte Unterhaltung, ein kalter Wind verhelfen den armen Patienten zur sichtbaren Entfaltung ihres Leidens. In diesem Zustand kann die Krankheit lange verharren, bis sie allmählich in die höheren Grade übergeht. Die sogenannten „Pfundnasen“ mit den schmerzhaften Höckern und erweiterten Blutgefäßen bilden das Endstadium jener rothen Nase.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß übermäßiges Trinken die Entstehung dieses Leidens begünstigt, ja man hat sogar die Trinkernasen zu klassificiren gesucht; und Dr. F. E. Clasen schreibt in seinem populären Buch „Die Haut und das Haar“:

„Der Branntwein röthet vorwagend die Nasenspitze, bei manchen freilich auch die ganze Nase. Die Haut ist dabei meist glatt und trocken und zeigt einen starken Stich ins Blaue. Der Weintrinker erfreut sich einer lebhaften, mehr hellen Röthe, welche sich sehr häufig auch über weite Strecken des Gesichts erstreckt; der geröthete Bezirk pflegt aber nicht glatt zu sein, sonder uneben und dicht mit Knötchen besetzt. Für besonders gefährlich in dieser Richtung gelten namentlich jene deutschen Weißweine, welche wegen ihrer durch reichliche Weinsteinsäure bedingten Säure ohnehin schon einigermaßen gefürchtet sind. Die französischen Rothweine sollen unschuldiger sein, daß sie aber ihre Liebhaber mit der unliebsamen Teintveränderung verschonten, wäre wohl zu viel behauptet. Am besten sind noch die Biertrinker dran, welche verhältnißmäßig selten an der Kupferröthe leiden. Und doch sind sie es gerade, welche es zu den kolossalsten Dimensionen und Verunstaltungen der Nase bringen, wenn sie ja einmal das Unglück haben, der Krankheit zu verfallen.“

Man könnte über diese Klassifikation streiten; der Volksmund spricht z. B. von der „Burgundernase“, und man kann auch mit Bestimmtheit sagen, daß viele, die weder mit „Nordhausen“ noch mit „Nierstein“ in engeren Beziehungen stehen, doch an der Kupferröthe leiden. Wind und Wetter begünstigen deren Ausbruch selbst bei einem durchaus enthaltsamen Droschkenkutscher und auch zarte Mädchen und Frauen, die nur Kaffee trinken, können ihr verfallen.

Ist diese Krankheit weit fortgeschritten, so ist das Heilen mit vielen Schwierigkeiten verbunden und es sind sogar operative Eingriffe nöthig. Darum ist es gut, wenn die „Kranken“ frühzeitig einen Arzt um Rath fragen. Das Herumkuriren mit allerlei Hausmitteln oder den sogenannten Geheimmitteln, die pomphaft in den Zeitungsinseraten empfohlen werden, ist eine Art gewagten Lotteriespiels. In diesem oder jenem Falle mag so ein Mittel helfen, in vielen anderen aber ruft es durch unzweckmäßige Behandlung nur eine Verschlimmerung des Leidens hervor. Ich habe oft Gelegenheit gehabt, zu hören, wie sich Leute nach „Specialisten für rothe Nasen“ erkundigten. Trotz aller Arbeitstheilung auf dem Gebiete der Medizin sind wir noch nicht so weit fortgeschritten, daß wir derartige Specialärzte besitzen. Die „rothe Nase“ wird jeder praktische Arzt behandeln können.

Als allgemeine Verhaltungsmaßregeln möchte ich kurz die folgenden bezeichnen: Man vermeide alles, was einen Blutandrang nach dem Gesichte erzeugt, trinke gar keine Spirituosen oder nur wenig davon; setze sich nicht starkem Witterungswechsel aus, meide auch große Hitze und Kälte – das alles wird der rothen Nase gut thun und die Aussicht auf Heilung befördern.
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