Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Zschorna

Textdaten
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Autor: M.
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Titel: Zschorna
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 46–47
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 069.jpg
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Zschorna
bei Radeburg.


Das Dörfchen Zschorna hat seinen Namen von dem sorbischen Worte Czorny, schwarz, wahrscheinlich wegen seiner Lage in Mitten dichter Waldungen. Es besteht aus einer Mühle mit drei Gängen und den auf herrschaftlichem Grund und Boden angebauten Häusern, einige zwanzig an der Zahl, mit etwa hundertfunfzig Bewohnern. Das eine halbe Stunde entfernte Dorf Dobra bildet mit Zschorna eine Gemeinde von zusammen fast vierhundert Köpfen, denen ein Areal von einundzwanzig Hufen gehört. Zschorna liegt eine starke Stunde von Radeburg und fünf Stunden nördlich von Dresden, rechts ab der Dresden-Ortrander Strasse enge umschlossen von grossen Teichen und dem Zschornaer Walde, der südöstlich mit der Lausitzer Haide zusammenstösst, in seiner nordwestlichen ziemlich abgeschlossenen Hälfte die Kühnhaide (Kienhaide) heisst und namentlich aus Nadelhölzern, doch zum Theil auch aus Eichen besteht. Die Kühnhaide hat einen Umfang von fast einer Meile, reicht bis nahe an Dammenhain, Mühlbach und Cunersdorf und gehört grösstentheils zu Zschorna, das überhaupt an Waldungen und Teichen seines Gleichen im Lande sucht. Die drei grössten Teiche verwahren zusammen über dreihundert Schock Karpfensatz und der Hauptteich, im Norden des Dorfes gelegen, der durch einen Damm getrennt ist, misst fünf Viertelstunden im Umfang, hat indessen freilich eine sehr unregelmässige Gestalt, und enthält allein zweihundert Schock Satz. Da er sehr flach liegt, sind zum Ablaufen seines Wassers sechs Wochen erforderlich. Seine ungeheure Wassermasse würde bei einem Dammbruche die ganze tiefer liegende Gegend überschwemmen, man hat deshalb den Damm, auf welchem die Strasse weit hinläuft, mit Eichen bepflanzt, deren Wurzeln ihm grosse Festigkeit verleihen. Der zweite und dritte Teich sind mit sechszig und funfzig Schocken Karpfen besetzt, wozu noch die vielen kleineren Teiche kommen. Der Bach, welcher die beiden Hauptteiche durchfliesst, heisst die Dober oder der Doberbach und fällt bei Paulsmühle in die Röder.

In Zschorna befindet sich ein altes stattliches, im Jahre 1547 von den Gebrüdern Christoph und Heinrich von Beschwitz erbautes Schloss, dessen Mauern drei bis vier Ellen Stärke besitzen, und das drei Stockwerke hoch ist. Durch einen späteren Anbau hat das Schloss Zschorna die Gestalt eines regelmässigen Vierecks erhalten und die Gräben, welche dasselbe einst zum Schutze umgaben, hat die Zeit der Sicherheit und Ordnung in hübsche Anlagen verwandelt. Das alte Schloss war übrigens einst der Schauplatz glänzender Feste und Lustbarkeiten, denn zwei Personen, die dem Dresdener Hofe sehr nahe standen, waren kurz nach einander Besitzer Zschorna’s. Der Kabinetsminister von Hoym war der Gemahl eines wunderbar schönen Weibes, die August der Starke liebte und nach ihrer Ehescheidung als seine anerkannte Geliebte zur Gräfin Kosel erhob. Bekannt ist der ungeheure Einfluss, welchen die eben so schlaue als liebenswürdige Kosel auf den Fürsten ausübte. Oft war der König in Zschorna, und noch zeigt man in den oberen Räumen des Schlosses ein grosses Gemach, worin bei seiner Anwesenheit Schauspiele aufgeführt wurden. Der andere historisch interessante Herr auf Zschorna war der Kanzler von Beichlingen, über den wir später einige Mittheilungen bringen werden.

Die frühesten Besitzer Zschorna’s und des fast immer damit verbundenen Dobra’s waren die Herren von Schleinitz, von denen Hans von Schleinitz 1397 und Konrad von Schleinitz 1435 als Herren des Schlosses genannt sind. Zu Ende des funfzehnten Jahrhunderts kam das Gut an die Herren von Beschwitz, von denen 1513 Heinrich von Beschwitz dem Kloster zu Grossenhain Zinsen verkaufte, seine Söhne Christoph und Heinrich aber das alte Schloss abbrechen und das noch jetzt stehende erbauen liessen. Nikol von Beschwitz verkaufte Zschorna an Hannibal von Lüttichau, der es noch 1612 besass, aber bald darauf Carl Christoph von Goldstein überliess. Im Jahre 1666 gehörte das Gut dem Kanzler [47] und Geheimrathe Wolf Siegfried von Lüttichau auf Baselitz und 1671 dem Oberconsistorial-Präsidenten Gottfried Hermann von Beichlingen. Der folgende Herr auf Zschorna war des Vorigen Sohn, der Grosskanzler Reichsgraf Wolf Dietrich von Beichlingen, ein Mann, der das höchste Vertrauen seines Herrn genoss. Als Schwager der berüchtigten schönen Sibylla von Neidschütz, die ihr Geliebter, Churfürst Johann Georg IV., zur Gräfin von Rochlitz erhob, hatte Beichlingen schon einen unbeschränkten Einfluss auf diesen Fürsten, und als derselbe durch das Pockengift der entseelten Geliebten von gleicher Krankheit hingerafft wurde, wusste sich der schlaue Mann auch bei König August dem Starken in Gunst zu erhalten, obgleich ein höchst gefährlicher Prozess alle Glieder der Neidschützschen Familie bedrohte. Neun Jahre lang blieb Beichling in der völligen Gunst seines Herrn, er war unbedingt der mächtigste Mann im Lande, besass aber dabei einen Stolz, der dem Adel endlich unerträglich wurde, so dass man Intriguen gegen ihn einzuleiten begann. Nachdem man heimlich eine Anzahl Beweise gegen ihn gesammelt hatte, wagte es ein Minister, dem Könige solche vorzulegen und der Günstling wurde plötzlich verhaftet und angeklagt. Wir haben die Beschuldigungen Beichlingens bei der Beschreibung des Rittergutes Dallwitz genannt, doch ist dort sein Todesjahr falsch angegeben, indem der unglückliche, so manches Vergehens wohl mit Unrecht angeklagte Mann erst im Jahre 1725 starb. Unter den Klagepunkten befand sich auch der des unerlaubten und betrügerischen Münzens, indem der Kanzler binnen zwei Jahren zwei Millionen rothe Sechser oder sogenannte „Leipziger Seufzer“ schlagen liess, den Profit aber in die eigene Tasche steckte. Im Mühlenteiche bei Zschorna, erzählt die Volkssage, liegen einige Tonnen dieser Leipziger Seufzer versenkt, die man nach des Kanzlers Sturze im Schlosse fand und welche der König ohne Verzug in den Teich zu werfen befahl. Die Gemahlin des Grosskanzlers von Beichlingen, Dorothea Magdalena geborene von Miltitz, starb 1759 und wurde zu Lenz begraben.

Als die verwittwete Gräfin von Beichlingen starb, besass sie die Güter Zschorna, Dobra, Proschwitz und Nebschütz, doch war Zschorna im Jahre 1711 Eigenthum eines Herrn von Nischwitz. Vermuthlich durch Erbschaft kam Zschorna 1759 an August von der Sahla auf Schönfeld, Lortschen, Ober- und Mittelsohland an der Spree und Liga, der im Jahre 1768 mit Tode abging. Nach ihm kam das Gut an Carl Friedrich von Erdmannsdorf auf Strauch, Hirschfeld und Schönfeld, churfürstlich Sächsischen Kammerherrn, gestorben 1777. Seine Güter erbten fünf Kinder, mit Ausnahme Schönfelds, das der Wittwe blieb, die sich später mit einem Grafen von Bünau vermählte. Vormünder der Erdmannsdorfschen Kinder waren deren Onkel Christoph August von der Sahla und Dr. Christian Heinrich Weinlig, Hof- und Justizrath in Dresden. Zschorna kam im Jahre 1800 an Heinrich Ludwig von Erdmannsdorf, Kammerjunker, Oberforst- und Wildmeister zu Sorau und Herrn auf Ober- und Niederzibelle, der 1841 starb. Dessen jüngster Sohn, Heinrich von Erdmannsdorf, war der letzte Besitzer aus der Familie, jetzt gehört das Gut Herrn Hauptmann Friedrich von Boxberg.

Zschorna ist in die Kirche zu Dobra eingepfarrt, ein hübsches, obgleich einfaches Gotteshaus, das am 30. März 1750 abbrannte, sich jedoch bald wieder aus der Asche erhob, wozu der Wohlthätigkeitssinn der Gräfin Dorothea Magdalena von Beichlingen nicht wenig beitrug, die auch ihre Schlummerstätte in der hiesigen Gruft fand. Zwei Legate der Herren Wolf und Siegfried von Lüttichau von 500 und 400 Thalern, welche zu Gunsten des Pfarrers und Schullehrers gegründet waren, sollen eine andere Bestimmung gefunden haben. Im Jahre 1795 brachen Diebe in die hiesige Kirche ein, ohne jedoch einen erheblichen Raub davon zu bringen. – Collatur über Kirche und Schule zu Dobra haften auf dem Rittergute Zschorna.

M.