Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Zschauitz

Textdaten
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Autor: M.
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Titel: Zschauitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 47–48
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 070.jpg
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Zschauitz.


Zschauitz liegt bei Grossenhain, an beiden Seiten des Hoppebachs und wird in Ober- und Niederzschauitz eingetheilt. Ersteres liegt auf dem rechten, Letzteres auf dem linken Ufer des Baches, beide jedoch nahe beisammen. Der Ort wird von den Fluren der Dörfer Mölbitz, Göhre, Dobritzen und Striesen begrenzt und mitten durch ihn führt die Strasse von Grossenhain nach Moritzburg. Zschauitz enthält neun Güter, zwei Gärtnernahrungen, eine Schmiede und eine Mühle mit zusammen 140 Einwohnern. Im Jahre 1835 brannte das hiesige, in Niederzschauitz [48] gelegene Rittergut sammt einem Theile des Dorfes ab, worauf ersteres sich in seiner jetzigen Gestalt aus der Asche erhob. Zschauitz ist mit Dallwitz, Dobritzen, Altleis, Neuleis, Geisslitz mit Kleingeisslitz und Mölbis in die Kirche des nahen Dorfes Lenz eingepfarrt.

Das amtsässige Erb- und Allodialgut Niederzschauitz gehörte in der frühesten Vorzeit zur Stadt Grossenhain, und namentlich zu dem dortigen Schlosse, welches später zum Rittergute Nauendorf kam. Diese alte merkwürdige Burg, welche erst im Jahre 1817 von dem damaligen Besitzer abgebrochen wurde, war einst der Sitz eines Böhmischen Burgvoigts und als später Grossenhain an Meissen kam, wohnten hier oft die fürstlichen Brüder Dietzmann und Friedrich der Gebissene. Markgraf Hans von Brandenburg bemühte sich 1292 vergeblich das Schloss einzunehmen, erst 1312 trat Markgraf Friedrich dasselbe sammt der Stadt und anderem Gebiet freiwillig an Woldemar und Hans von Brandenburg ab, wodurch der Fehde zwischen diesen Fürsten Einhalt gethan wurde. Am 6. Juni 1540 brannte durch Verwahrlosung einer Klosterfrau der grösste Theil Grossenhains nieder, wobei auch das Schloss zu Grunde ging, das der Landesherr späterhin dem Rittergute Naundorf vererbte. Wie einst Hans von Brandenburg waren auch die Hussiten und sogar die Schweden im dreissigjährigen Kriege nicht im Stande das Schloss einzunehmen, dessen gewaltige Mauern erst der Hacke und Petarde friedlicher Arbeiter erlagen.

Zu diesem alten Schlosse gehörte einst vor vielen Jahrhunderten Zschauitz, dessen Herr als Lehnsmann zu dessen Verteidigung verpflichtet war. Wenn das Czschauschiz, welches eine Urkunde von 1205 erwähnt, unser Zschauitz war, so muss es damals bedeutend grösser gewesen sein als jetzt, denn zu dieser Zeit besass das Afrakloster zu Meissen daselbst zwölf Güter. Nach dem Brande des Schlosses Naundorf überliess Herzog Moritz von Sachsen dass damals sogenannte Vorwerk Zschauitz dem Bruder seines Rathes und Günstlings Georg von Kommerstädt, der ihm dafür Gersdorf bei Nossen vertauschte. Im Jahre 1575 gehörte das Gut, ebenfalls als Vorwerk, einem Herrn von Schleinitz auf Skassa, und 1580 besass es der Consistorialpräsident Wolf Dietrich von Schleinitz auf Skassa, auf dessen Ansuchen der Churfürst das Vorwerk Zschauitz in ein Mannlehn-, Erb- und Allodialgut verwandelte. Nach des Consistorialpräsidenten Tode besassen das Gut zwei seiner Söhne, von denen der ältere, Hans, unvermählt starb, der jüngere, Gabriel, aber zweimal verheirathet war, mit Justine von Schleinitz aus dem Hause Dahlen, dann mit Margarethe Pistoris aus dem Hause Seusslitz. Das Sandsteinbild der ersten Gemahlin Gabriels von Schleinitz ist noch jetzt in der Kirche zu Lenz vorhanden.

Um das Jahr 1660 gehörte Zschauitz dem Freiherrn Wolf Günther von Carlowitz der es jedoch schon 1676 an einen Herrn Zeubig verkauft hatte. Der Hauptmann Caspar Heinrich von Ponikau besass das Gut 1705 und Johann Münch 1720. Schon 1721 gehörte Zschauitz abermals einem anderen Herrn, Namens Preusse, und 1750 erkaufte es Daniel Winkler der aber nicht verhindern konnte, dass das Gut 1776 auf dem Wege der gerichtlichen Licitation versteigert wurde. Der neue Besitzer hiess Beilich, und das Gut blieb bei dessen Familie bis auf die neueste Zeit wo es der Enkel Herrn Friedrich Gottlieb Kaurisch überliess, von dem es an Herrn Carl Gottlob Dietze kam, den Erbauer des neuen Herrnhauses. Der jetzige Besitzer ist Herr Ernst Oskar Füssel.

Die Kirche zu Lenz wurde in den Jahren 1700 und 1701 neu erbaut und zeichnet sich durch ihr stattliches Ansehen aus. Die Denkmäler welche in der alten Kirche vorhanden waren, sind grösstentheils verschwunden, wahrscheinlich beim Neubau zu den Grundmauern verwendet worden, nur wenige Steinplatten mit halbverwischten Inschriften erinnern noch an die ferne Vergangenheit. Die Kirche enthält auch das steinerne Monument des Reichsgrafen und Oberfalkenmeisters von Beichlingen, des Grosskanzlers Bruder, welches ihm seine Gemahlin errichten liess. Dieselbe war ein Fräulein Philippine Juliane von Haxthausen und vermählte sich nach dem Tode ihres ersten Mannes, des Reichsgrafen von Beichlingen mit einem Baron von Seyffertitz. Ein interessantes Legat besitzt Lenz durch einen 1614 gestorbenen Schuhmacher aus Dahlen, Johann Jacob Alber. Als derselbe nämlich in der Nähe des Dorfes verunglückte und von den Einwohnern mitleidig aufgenommen und mit grosser Menschenfreundlichkeit verpflegt wurde, versprach er dafür dankbar zu sein und hielt treulich Wort, denn er deponirte auf dem Rathhause zu Grossenhain die damals gar nicht unbeträchtliche Summe von hundert Gulden, mit der Weisung den Armen zu Lenz alljährlich die Zinsen davon zu überlassen. Der Pfarrer zu Lenz hatte die Verpflichtung in der Kapelle des einst zu Döbritzchen befindlichen Schlosses den Gottesdienst zu versehen denn die Collatur über Kirche und Schule zu Lenz welche jetzt dem Besitzer von Dallwitz zusteht, haftete einst auf dem Schlosse Döbritzchen das durch eine Feuersbrunst zerstört wurde.

M.