Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Weigsdorf

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Titel: Weigsdorf
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 227–228
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Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
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Weigsdorf
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Weigsdorf.


2 Stunden südlich von der Stadt Bautzen, 15/8 Stunden von Neusalza nächst an Nieder-Cunewalde, rechts von der Spree gelegen, wohl zu unterscheiden von dem 2 Stunden von Seidenberg gelegenen Weigsdorf, was einst zur Herrschaft Friedland und sonach dem Grafen Waldstein (Wallenstein) gehörte.

Unser Weigsdorf, wozu bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation die Dörfer Köblitz und Schönberg, früher Schömbergk genannt, gehörten, hat als seine ersten Besitzer George und Peter von Kopporitz gehabt. Des Letzteren Lehnbrief ist um 1320 in Budissin ausgestellt worden.

Derselbe kaufte von Peter von Gristaw auf Krostau, das Dorf Köblitz zu Weigsdorf hinzu, im Jahre 1547, und der diesfallsige Lehnbrief ist ausgestellt vom Herren „von der Dawb of Leippe des Königreichs Bohemen oberstem Landhofmeister und zu Markgrafthumb Oberlausiz Landtvogt. Darin ist Köblitz, Kobelitz genannt, und im Kauf „Kosell“ mit eingeschlossen, sampt einer starken Wiese und der Fischerei zu Kobeliz.“ Jetzt folgte Hanns von Nostitz, diesem sein Sohn Hanns Nicolaus auf Ober-Cunewalde, welcher 1613 den 11. Juni Weigsdorf mit Köblitz an seinen Bruder Christoph Nicolaus auf Nieder-Cunewalde verkaufte.

Von ihm wiederum ging Weigsdorf mit Köblitz 1621 über auf Felix von Rüdinger.

Dieser kaufte das dem Domstift St. Petri zu Budissin gehörende Schönberg, damals Schömbergh genannt, 1622 für 3180 Meissner Gulden hinzu.

Der Domstiftssyndicus, der diesen Handel vor dem „Oberamte“ betrieb, war der Ehrveste Gelerte Adamus Thomas a Langenhardt, und der im Jahr 1624 den 23. März abgefasste Lehnsbrief ist von dem Landeshauptmann und Oberamtsverwalter Adolph von Gersdorf im Namen des Landvogts Carl Annibal, Burggrafen zu Dohna ausgestellt. Von seinem Vater Felix von Rüdinger erbte Weigsdorf, Köblitz und Schönberg Daniel von Rüdinger 1650, von diesem dessen Sohn Hans Ernst 1676, von diesem wieder dessen Sohn John Carl 1704, gestorben 1757 den 29. December im 75. Lebensjahre. Im Jahre 1758 trat dessen Schwester in den Erbbesitz, Frau Eleonore Amalia Tugendreich von Oberland geb. von Rüdinger, welche 1792 den 12. Juli aus diesem Leben schied. Von dieser seiner Grossmutter erbte Weigsdorf mit Zubehör der durch seine Stiftungen unvergesslich gewordene königlich sächsische Hauptmann Carl Gottlob Ferdinand von Nostitz und Rothenburg.

Derselbe starb 1837 am 13. December im 70. Jahre seines Alters. Aber sein Andenken wird durch seine vielen und grossen Stiftungen ewig fortleben. Zum Universalerben seines grossen Vermögens setzte er das Budissiner Landschullehrer-Seminar ein; 3400 Thlr. bestimmte er als Fonds einer Armenkasse für seine 3 Dörfer, von deren Zinsen, [228] 5. vom 100, von Jahr zu Jahr die alten gebrechlichen und kranken Armen mit Nahrung und Arznei, und die bedürftige Schuljugend mit Kleidung, Schulbüchern und Schulgelde reichlich versorgt werden muss, und in welche nach der Stiftungsurkunde die an die Stelle des frühern Losgeldes, Theilschillings u. s. w. getretene Erbunterthänigkeitsrente und andere Beiträge, wie die Strafgelder fliessen sollten, unter der ausdrücklichen Bedingung, dass von der jährlichen Einnahme immer 50 Thlr. zum Capital geschlagen werden; 2000 Thlr. zu einem Armenhause für dieselben 3 Dörfer; 400 Thlr. wovon die Richter und Gerichtsschöppen von Weigsdorf, Köblitz und Schönberg die Zinsen als Besoldungsbeitrag empfangen; 200 Thlr. deren jährliche Zinsen zu Schulprämien für fleissige, die Kirche und Schule besuchende Kinder ohne Unterschied der Jurisdiction verwendet werden müssen; sowie 1000 Thlr. zur Fundirung eines zweiten geistlichen Amtes in Cunewalde.

Weigsdorf mit Köblitz und Schönberg aber ging auf Sr. Excellenz dem Herrn Staatsminister und General-Lieutenant Gustav von Nostitz-Wallwitz auf Schweikershayn über, welcher es dermalen noch besitzt.

Das herrschaftliche Wohnhaus ist ein schönes elegant eingerichtetes Gebäude, woran schöngebaute Wirthschafts- und Oeconomieräume stossen; auch ein freundlicher grosser Garten befindet sich beim Gute, ausserdem ist das Areal des Guts an Feldern und Wiesen nicht unbedeutend, und der Boden nicht schlecht zu nennen, theilweise sogar als gut zu bezeichnen.

In Köblitz war von jeher ein Vorwerk, welches zu Weigsdorf gehörte, aber bisweilen fälschlich selbst für ein Rittergut ausgegeben worden ist.

Was die ganze Gegend von Weigsdorf, Köblitz u. s. w. anlangt, so muss man entzückt von dem Anblick unwillkührlich sich hingezogen fühlen an diese einzelnen Orte, denn die Gegend ist wahrhaft schön, und an sie und ihre Berge reihen sich eine Menge Volkssagen.

Der Frageberg mit seinen fast zahllosen Klippen, die aus Granitblöcken wie von Menschenhänden aufgeschichtet dastehen, führt uns zurück auf den Gottesdienst der alten Sorben. Unter Einer der Klippen gab es einen breiten und regelmässigen Durchgang, und eine andere zeigt, dass sie einst hohl gewesen, dann aber mit Gestein erfüllt worden sei.

Beide dienten ohne Zweifel den Orakel ertheilenden Priestern der Schiwa oder Ziwa (welche Gottheit der Isis, Ceres und Venus zugleich entsprach) zu ihren Gaukeleien; noch sieht man die Oeffnung, durch welche das Orakel, nachdem ein Priester in die Klippe gekrochen, hervortönen konnte.

Diese künstliche Höhle heisst die Teufelshöhle, und eine andere nahe Klippe der Teufelsaltar. Auf einer 3. platten Klippe sollen auch Kinder geopfert worden sein, und auf einer 4. die Statue des Czernebogs gestanden haben.

Weigsdorf hatte mit Köblitz und Schönberg zu Ende des vorigen Jahrhunderts 93 Wirthe, jetzt hat Weigsdorf 64 Häuser, Köblitz 46, und Schönberg 71 mit 400 Bewohnern, die zum Gerichtsamt Neusalza gehören.

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