Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Stötteritz obern Theils

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Stötteritz obern Theils
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 233–234
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 356.jpg
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Stötteritz
obern Theils.


Das Dorf Stötteritz, ½ Stunde von Leipzig, hat früher Melschen geheissen.

Im Jahre 1494 am St. Matthiastage stellten die Markgrafen Friedrich und Wilhelm einen Lehnbrief aus, nach welchem das Dorf Melschen oder Melsche, gelegen in der Pflege Leipzig mit 9⅓ Hufe Landes und mehrern Zinsen, dem Altare zu Unsrer lieben Frauen in der Peterskirche zu Freiberg geeignet wurde.

Diesem Altare hatte es der Münzmeister zu Freiberg Reinfried Gross gewidmet.

Die genannten Fürsten behielten sich damals die Gerichte vor und bestimmten zugleich, dass das älteste Glied der Familie des gedachten Münzmeisters in beiden Linien Lehnherr des Altars sein sollte.

Im Jahre 1492 verkaufte Mag. Donatus Groschen, Besitzer und Johann Groschen Collator des gedachten Altars, das Dorf Melsche mit allen Zubehörungen für 350 Rheinische Gulden an das Thomaskloster zu Leipzig, zu welchem Kaufe der Bischoff Johann von Meissen seine Zustimmung gab.

Im Jahre 1543 nach der Verwüstung hiesiger Gegend durch die Hussitten kommt dieses Dorf als Welsche Mark vor. Allein im 17ten Jahrhundert kommt dieser Name nicht mehr vor und das frühere Dorf Melsche war auf alle Fälle wieder aufgebaut.

Denn in einer spätern Urkunde finden wir wieder den Namen Melsche oder Stötteritz.

Erst nach dem 30jährigen Kriege, in welchem Stötteritz furchtbar gelitten, finden wir besondere Besitzer von Stötteritz obern Theils verzeichnet. Und zwar zuerst Herrn Schmied von Schmiedefeld, der Grossvater der nachherigen Besitzerin der Frau Kammer-Commissär Rink, geb. Schmied von Schmiedefeld, Namens Maria Magdalena.

Nach Herrn Schmied von Schmiedefeld übernahm dessen Herr Schwiegersohn Johann Georg Rink von Dorstig, kurf. Kammer-Commissär das Gut, welcher 1697 mit Tode abging und in der Johanniskirche zu Leipzig begraben wurde. Ihm folgte seine obgenannte Wittwe im Besitze von Stötteritz obern Theils, welche es bis 1722 innen hatte. Nach ihrem Tode kam das Gut an ihren Sohn Eugenius Gottlieb Rink von Dorstig. wirkl. kaiserl. Rath und Prof. jur. primar. zu Altdorf. Er starb in Altdorf 1745 und sein Tod wurde sehr betrauert. Seine hinterlassene Wittwe, Frau Eva Clara Rink, geb Binker, starb zu Nürnberg den 25. August 1764 in einem Alter von 79 Jahren und wurde nach Altdorf gebracht, um daselbst in ihrer Familiengruft beigesetzt zu werden Seine Wittwe hatte das Gut nicht besessen, sondern schon bei ihrem Lebzeiten war solches an Herrn Adam Friedrich von Glafey, churfürstl. sächs. wirkl. Hof- und Justisrath abgetreten worden. Dieser Herr von Glafey besass auch Lauer und Gnauthayn und er war es, welcher über ganz Stötteritz die Obergerichte erhielt. Auf diesen Herrn von Glafey folgte Herr D. Heinrich Gottfried Bauer, Domherr zu Merseburg, Appallationsrath Prof. jur. ord. Primarius und der Juristenfacultät zu Leipzig Ordinarius.

Im Jahre 1811 bestimmte derselbe, vermöge Testaments, dieses Gut seinen 5 Kindern, welche es im Jahre 1817 an Herrn Adolph Ludwig [234] Semmel, Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf Dorna und Stadthauptmann in Gera für 32000 Thlr. verkaufte. Letztrer liess es aber schon 1819 an Herrn Gotthelf Christian Friedrich Richter, damaligen Schul-Oeconomie-Inspector zu Meissen um 36500 Thlr. ab.

Herr Oeconomie-Inspector Richter veräusserte es 1823 wieder an Herrn Dr. Theod. Heinrich Karl Abraham Eichstädt, Grossherzogl. sächs. Weimarischer Geh. Hofrath, Prof. der Poesie und der Eloquenz zu Jena, Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf Benndorf und zwar um die Summe von 42,500 Thlr., nach dessen Tode erbte es dessen Frau Schwester Frau Concordia D. Ackermann Hering, geb. Eichstädt, welche es ihrer Frau Tochter Louise Mylius zu Leipzig überliess, welche es jetzt noch besitzt. Am 7. Nov. d. J. ist die einzige Schwester obgedachten D. Ackermann Hering in die Familiengruft zu Stötteritz beerdigt worden.

Die herrschaftliche Wohnung, wenn auch nicht schlossartig, ist im gefälligen freundlichen Style erbaut und zu derselben gehören schöne Wirthschaftsräume.

Die Oeconomie des Gutes ist nicht unbedeutend zu nennen, vorzüglich baut es guten Roggen, schönen Klee und auch Taback.

Die Umgebungen sind angenehm und freundlich, indem Landhäuser von nahen Leipzig den Ort ausserdem noch zieren.

Die Schicksale des Orts anlangend, so ist vorzüglich der 30jährige Krieg der gewesen, in welchem Stötteritz fürchterlich gelitten hat.

Im Jahre 1637 hat die Pesth hier so gewüthet, dass Herrschaften und Unterthanen ausgestorben sind und der Pfarrer keine Zuhörer mehr in der Kirche hatte.

Im Jahre 1806 und vorzüglich 1813 hat der Ort durch Einquartierung, Requisitionen, Plünderungen, Verheerungen und Brand namenloses Leid ertragen müssen.

Das Einzige, was in diesen unglücklichen Zeiten gerettet wurde, war die Kirche, wiewohl sie im Innern auch beraubt und geplündert wurde. Während die benachbarten Gemeinden wie in Probstheide, Holzhausen, Zuckelhausen die Kirchen verloren durch Brand, blieb solche in Stötteritz verschont.

Für Leipzigs Bewohner sind mehre Punkte von Stötteritz besuchte Vergnügungsorte geworden. Namentlich gehört die Wirthschaft des Herrn Schulze, welcher einen schönen Garten angelegt hat, zu den beliebtesten Orten in Stötteritz. Auch die nahe an Stötteritz liegende sogenannte Papiermühle ist wieder in Aufnahme und wird an Wochentagen von höheren Ständen Leipzigs an schönen Sommerabenden fleissig aufgesucht.

Der Ort selbst hat sich in den letzten Jahren bezüglich der Häuser und Einwohnerzahl sehr vergrössert; denn während im Jahre 1833 Stötteritz in 50 Häusern 300 Einwohner zählte, hat jetzt der Ort 300 Häuser mit 2500 Einwohnern, welche dem Gerichtsamte Leipzig I. zugewiesen sind.

Im Orte selbst ist ein Gens’darm stationirt.

Die meisten der Bewohner von Stötteritz finden in dem nahen Leipzig Beschäftigung und Unterhalt, im Orte selbst giebt es viel Cigarrenarbeiter, denn der Tabackbau wird hier immer noch gepflegt, wenn auch nicht mehr in solch reicher Masse, wie früher.

Das sonst noch Bemerkenswerthe von Stötteritz haben wir schon bei der Beschreibung von Stötteritz untern Theils in diesem Album erwähnt so dass wir es für überflüssig halten; nochmals darauf zurückzukommen.

Einen besondern Vorzug genoss früher Stötteritz bezüglich seines Kartoffelbaues, denn hier wurden die besten sogenannten Lerchen gezogen, eine Art dieser Frucht, welche jetzt ganz ausgeartet und nicht mehr erbaut worden ist.

(M. G.)