Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schwarzenberg

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Schwarzenberg
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 185–187
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 286.jpg
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Schwarzenberg.


Zu den interessanten Schlössern von Sachsen gehört unbedingt auch das Schloss Schwarzenberg, in sehr waldiger Gegend, 3 Stunden von Schneeberg entfernt gelegen.

Als ein Haupttheil des ungeheueren Miriquidviwaldes, nachher die böhmischen Wälder genannt, war der Bezirk in früheren Zeiten nur schwach bevölkert; nur hier und da mag ein Gasthof oder eine Köhlerhütte an den wenigen Strassen gestanden haben, welche durch den Wald nach Böhmen führten. Wälder wurden damals wenig beachtet und so mag gar lange Zeit über diese Gegend kein Oberherr geboten haben. Die wenigen Bewohner waren Deutsche, welche sich den Bedrückungen der Sorben entzogen hatten. Wenigstens wurde die hiesige Gegend zu keinem sorbischen Gau gerechnet. Im 10. Jahrhundert unter dem Kurfürst Heinrich I. und Otto I. kamen niedersächsiche Familien in die Gegend von Schwarzenberg, (so genannt von dem Wasser, welches hier vorbeifliesst) und eine derselben, die Grafen von Osterode vom Harz bauten bei Schwarzenberg ein festes Schloss und bildete eine Herrschaft, die östlich bis zur Pöhl, südlich ein Stück ins heutige Böhmen hinein, westlich bis zur Mulde reichte. Burg und Herrschaft wurde nun deutsch (nach dem Schwarzwasser) Schwarzenberg genannt. Diese Herrschaft, das nachherige Schwarzenberger Amt, besass 950 Graf Eckebrecht von Osterrode. Vielleicht nicht viel später bildete sich eine Herrschaft oder nachmalige Grafschaft Hartenstein, die in einem schmalen[WS 1], aber 7½ Meilen langen Strich aus der Zwickauer Gegend bis in die von Kupferberg in Böhmen reichte, folglich das ganze nachmalige Amt Crottendorf mit begriff und deren Besitzer schon ums Jahr 1200 Burggrafen zu Meissen waren. Schwarzenberg gehörte zu Böhmen, Hartenstein aber zu Meissen.

Nach[WS 2] einer Urkunde vom 11. Jahrhundert besass die Herrschaft Schwarzenberg zu damaliger Zeit ein Graf Ziska, Stammvater des Reussischen Geschlechts und Bruder des seit 1089 Neuenburger Bischofs Wolfram; auch findet sich wirklich ein Brief des Voigts Heinrich von Gera, d. d. Schwarzenberg 1282.

Was hingegen manche Schriftsteller vom Grafen Aribo von Gleissberg und Schwarzenberg von den hiesigen „Markgrafen auf dem Norkau und auf dem Walde“ u. s. w. erzählen, beruht blos auf einer Verwechselung unseres Schwarzenbergs mit Schwarzenburg und mit Schwarzenberg in Franken.

Zur Zeit des 13. Jahrhunderts finden wir Dynasten von Schwarzenberg, noch später das böhmische Geschlecht von Boskowitz im Besitz der Herrschaft. Unter Wilhelm von Boskowitz, einem eifrigen Gegner der Hussiten, zerstörten letztere Schwarzenberg.

Die Grafen Schlick zu Passau mögen Schwarzenberg blos pfandweise besessen haben, denn Maria von Boskowitz brachte es ihrem Gemahl Albrecht von Tettau als Morgengabe mit. Da nun aber schon 1461 ein Wolf von Sensheim, Dynast von Schwarzenberg war, welcher den sächsischen Herzog Wilhelm ins gelobte Land begleitet hat, so müssen die Tettauer die Herrschaft sehr bald wieder veräussert haben. Bald erscheint als Besitzerin in dieser, überhaupt sehr wechselvollen Zeit, die böhmische Prinzessin [186] Sidonie, und brachte Schwarzenberg als Aussteuer dem Herzog Albert mit, der sie aber schon 1488 an Wilhelm von Tettau verkaufte, nach anderen Nachrichten sei dies erst im Jahre 1499, wo es ihm zu dem friesischen Kriege an Geld mangelte und wo er auch Thum an Heinrich von Schönberg veräusserte, geschehen.

Wilhelms Wittwe und Erben aber (Georg von Tettau zu Mechelgrün, Christoph und Albert zu Neuensalz und Schilbach) verkauften Schwarzenberg schon 1533 wieder an den Kurf. Johann Friedrich um 20700 Gulden. Nach dessen Gefangennehmung schlug Kaiser Karl V. das südliche Drittel zu Böhmen, (zu welchem daher noch heute die Schwarzenberger Städtchen Platten und Gottesgabe gehören) und gab den Rest an Kurf. Moriz ab.

Dieser überliess ihn 1548 – jedoch ohne Bergwerke, Steuern und Geleite – an seinen Bruder, welcher 1550 dafür Wolkenstein eintauschte.

Seitdem blieb Schwarzenberg dem Kurhause, welches jedoch 1784 die zugehörige Jagd auf dem böhmischen Drittheile (eben diese hatte Moriz mit übernommen) nebst dem Plattener Jagdhause um 2000 fl. an Joseph II. verkaufte.

Kurf. August bildete nun aus der Herrschaft ein Amt, welches er F. G. Rachalss mit dem Prädicat eines Oberamtmannes übergab und 1562 mit den von Friedrica von der Planiz auf Göltzsch um 28300 fl. gekauften Gütern Neustädtel, Stützengrün und Schönhaide vermehrte und es zu einem der grössten Aemter von Sachsen machte.

Später[WS 3] wurde dieser District durch die Abtheilung des Eibenstocker Amtes und durch die Errichtung eines Justitiariats zu Schönhaide verringert; aber es blieb bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation immer noch ein bedeutendes Amt, mit welchem ein Forstjustizamt, ein Rentamt und zwei Flossämter verbunden waren.

Das hohe und sehr malerisch auf dem Felsen gelegene Schloss, durch eine steinerne, breite Treppe mit der Stadt verbunden, wurde 1555 durch den Amtshauptmann Wolf von Schönberg kastellartig hergestellt und nach dem Brande von 1709 wieder erneuert, mit einem grossen runden Thurme und zwei Thürmchen, sonst das Kreis-Criminal, Forstrügen und Rentamt enthaltend, in welches 1760 den 25. Februar Lips Tullian eingebrochen sein soll, dient jetzt meist zum Criminalgefängnisse.

Schwarzenberg ist übrigens ringsum von ziemlich hohen Bergen umgeben, namentlich dem Rockelman, dem Galgenberg, dem Mühlberg, dem Tannenwald mit dem Ottenstein, dem Brückenberg, dem Schafberg mit dem Schlosswalde, der doppelgipflichen Morgenleithe, dem höchsten Berge der Gegend, dem Todensteine, dem Magnetenberg u. s. w. umgeben ist und in dem Felsenthale des Schwarzwassers, welches unmittelbar unterhalb der Stadt ganz dem Plauenschen Grunde gleicht, werden die herrlichsten An- und Aussichten geboten, wie in dem nahen Thale der Pöhl und des Oberwaldbaches bei Wildenau, woselbst die Bäche in das Schwarzwasser einfallen und bei Aue sich mit der Mulde vereinigen.

Diese Berge, meist aus Gneus und Glimmerschiefer, hier und da auch aus Granit bestehend, schützen den Ort vor den rauhen Winden und machen das Klima milder, als es die Seehöhe erwarten lässt, milder als es in Schneeberg und Freiberg ist.

Schwarzenberg, der Ort hat drei Vorstädte, einen Marktplatz, zwei Haupt- und einige Nebenstrassen und wird von dem Schwarzwasser zur Hälfte umflossen.

Die 3200 Ellen lange, über Berg und Thal sich erstreckende Schlosswasserleitung versorgt die Stadt mit dem besten Trinkwasser.

Die Stadt hat gegenwärtig 222 Häuser 2371 Einwohner, welche sich von Landwirthschaft, Klöppeln, Nähen, von der Brauerei, vom Bergbau und Handel nähren.

Dazu kommt noch ein lebhafter Verkehr durch die günstige Lage des Ortes an den Kunststrassen nach Schneeberg, Lössnitz, Eibenstock, Johanngeorgenstadt und neuerdings durch den Bau der Eisenbahn. Uebrigens bietet auch der Aufenthalt mehrerer Beamter, indem sich hier ein Gerichtsamt, ein Forst-, ein Rent-, ein Floss-, ein Untersteueramt, eine Bezirksteuereinnahme, eine Chausseegeldereinnahme, eine Obergrenzcontrole, eine Postverwalterei, eine königl. Pechniederlage befinden‚ dem Orte Nahrung und Verdienst.

Ausserdem existiren hier zwei Apotheken‚ eine Baumwollspinnerei, drei Ziegeleien, eine Loh-, eine Mal-, eine Schneidemühle, ein [187] Flossholzhof, ein Drathwerk‚ welches durch die Vollkommenheit und Mannichfaltigkeit der Arbeiten ausgezeichnet ist.

Die Kirche ist mit einem ziemlichen hohen Thurme versehen und von 1690–99 erbaut. Bei dem grossen Brande von 1824 waren das Schloss und die Kirche die einzigen Gebäude, welche von der Feuergluth verschont blieben.

Ausserdem ist noch nennenswerth das drei Stock hohe schöne Forst- und Rentbeamten-Gebäude, und das seit 1824 erneuerte Rathhaus am Markte, welches das Local für die hiesige Harmonie-Gesellschaft, sowie ein Sessionszimmer für das Johanngeorgenstädter Bergamt enthält. Ausser einer Knaben- und Mädchenschule mit einem Rector, Cantor, Collabrator und Hülfslehrer besteht hier auch eine Klöppelschule.

Die Seelsorge hat nur ein Pfarrer, welcher auch die Gefangenen im Schlosse besucht.

Wenn auch die Stadt selbst ausserdem nicht grosse Merkwürdigkeiten aufzuweisen hat, so wird der Naturfreund durch die Schönheit der Gegend entschädigt.

Ausser den allgemeinen Naturschönheiten bei der Stadt und in der Umgegend sind noch zu erwähnen: Der Schlossberg, mit seinen Gängen und Anlagen, der kleine Wasserfall, unterhalb der Chausseebrücke mit Anlagen beim Schiesshause. Noch weiter unten führt der Poetengang, mit einer in den Granitfelsen gehauenen Grotte, von dem Landeshauptmann Grafen von Solms angelegt, bis in den Sachsenfelder Schlossgarten.

Einen zweiten herrlichen Spaziergang gewährt das Thal nach dem Erlhammer mit einer der grössten Eisengiessereien und Maschinenwerkstätten Sachsens. Je weiter man geht, desto grösser und erhabener werden die Felsenparthien, darunter die Kanzel, der Teufelstein u. a.

Zu den nächsten Vergnügungsörtern gehören das Schiesshaus, das raschauer Bad, die sogenannte grüne Wiese, der Klosterberg.

Nicht minder interessant ist der Besuch der nahen König Antonshütte, einer Silberschmelzhütte, welche 1828–31 mit einem Aufwande von 74000 Thlr. gebaut wurde, um die silbernen Erze der nahen Reviere zu schmelzen.

Ehemals gab es hier ein Oberzehnten- und ein Bergamt und eines der stärksten Hauptgebiete in Sachsen war hier; zu Anfang des 18. Jahrhunderts Walk- und Schleifmühlen; eine Plättwalzenfabrik bis 1780, (wie ähnliche nur in Mailand und Genf existirten), welche schon 1716 Gold- und Silberlohe lieferte; seit 1730 ein Fossilienwerk, wohin später der Drahthammer zu stehen kam.

Mit der Zeit nahm der Bergbau immer mehr ab und mit dem Zollanschluss auch der bedeutende Grenzhandel.

Allein über den Ort ruht ein gewisser Segen. Die Eisenbahn, die jetzt hier durchführt, trägt zum neuen Aufblühen des Orts, der sich von Jahr zu Jahr verschönert, redlich das ihrige dazu bei.

M. G.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: schma en
  2. Vorlage: Mach
  3. Vorlage: Späer