Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Sahlis

Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Sahlis
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 49–52
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Sahlis.


Sahlis, früher auch Sahlitz geschrieben, nahe beim Städtchen Kohren in einem herrlichen Thale gelegen, enthält ausser dem Rittergute nur Gärtner- und Häuslerwohnungen mit ungefähr zweihundertundzwanzig Einwohnern. Das Rittergut Sahlis war früher ein Vorwerk des Schlosses Kohren und erst nach dem Verfalle dieser Burg baute man hier ein Herrenhaus.

Die alte Burg Kohren (Corin und Chorun) soll von einem Wendenfürsten, Choro, erbaut worden sein, der von hier die an der Wyhra wohnenden Sorben beherrschte. Historisch wird die Burg zuerst im Jahre 974 erwähnt, wo Kaiser Otto II. sie dem Bisthum Merseburg schenkte, dessen Bischof, Giseler, sein Liebling war. Der bekannte Geschichtschreiber Bischof Dittmar von Merseburg nennt die Burg sein Landgut und besuchte sie am 2. Mai 1018 auf einer Reise nach Rochlitz, wohin ihn ein Zwist der Söhne Eckardts I. wegen der Rochlitzer und Colditzer Waldungen rief. Am 1. December 1018 soll Bischof Dittmar auf der Burg Kohren gestorben sein, doch kam er noch früher einmal hierher und berief seine Vasallen auf das Schloss, um mit ihrer Hilfe die widerspenstigen Grafen Eckardt und Hermann zu demüthigen, Beweis dafür, dass dem Bischof nicht nur die geistliche sondern auch die weltliche Macht über Kohren zustand. Ein Bischof zu Merseburg trat aus unbekannter Ursache dem Markgrafen von Meissen, als Lehnsherrn, die Burg Kohren wieder ab und dieser überliess sie den nachmaligen Herren von Chorun. Als Markgraf Conrad 1190 den Verkauf des Dorfes Rannstädt bei Leipzig an das Kloster Celle bestätigte, wird Heinrich von Chorun als Zeuge genannt, auch befand er sich zehn Jahre darauf auf dem Landtage am Colm. Er war einer der Edelleute, welche das Bündniss Kaiser Otto IV. mit Markgraf Dietrich dem Bedrängten zu Frankfurt schliessen halfen und gehörte zu dem Gefolge des Markgrafen, als der Kaiser am 14. April 1213 das von Dietrich gestiftete Augustinerkloster St. Thomä zu Leipzig bestätigte. Zuletzt erwähnt ihn als Zeugen die Bestätigungsurkunde Markgraf Dietrichs über eine Schenkung, welche Ritter Günther von Rochsburg 1220 dem Kloster Buch widmete. Zur Zeit Heinrichs von Chorun werden auch Luitfried und Ulrich von Chorun hin und wieder genannt; vielleicht waren es seine Brüder.

Das Geschlecht der Herren von Chorun erlosch wahrscheinlich zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts, denn 1303, wo Thimo II. von Chorun in einem Kaufbriefe des Klosters Buch genannt wird, geschieht dieses Namens das letzte Mal Erwähnung. Die Burg Kohren fiel als erledigtes Lehn an den Markgrafen von Meissen, der sie zum Schutze des Landes gewissen Burgmännern als Burglehn zur Verteidigung übergab, ohne dass diese wirkliche Besitzer der anvertrauten Veste waren. Als solche Burgmänner auf Kohren werden 1357 in dem Friedensvertrage zwischen Landgraf Friedrich dem Strengen und den Voigten von Plauen, genannt Friedrich von Schönburg und Burggraf Otto II. von Leissnig. Ersterer war vermuthlich der Besitzer des Schlosses Crimmitzschau, welcher 1338 starb. Er hatte 1335 mit anderen Edelleuten den Landgrafen Friedrich befehdet, bis dessen Schwiegervater, Ludwig V. von Baiern, ernstlich Ruhe gebot. Vielleicht verlor er zur Strafe das Burglehn Kohren, welches Otto Burggraf von Leissnig empfing. Bei dem bereits erwähnten Vertrage von 1357 verzichtete der Burggraf Otto um so leichter auf das Burglehn, weil er der Schwiegersohn Heinrichs des Langen von Plauen war, dem der Vertrag selbiges zusicherte. Zugleich mit Heinrich dem Langen wurden auch dessen beide Söhne mit Kohren beliehen. Als 1382 Landgraf Balthasar und Markgraf Friedrich, sowie ihres Bruders Friedrichs des Strengen drei Söhne Friedrich, Wilhelm und Georg ihre Länder theilten, fiel Kohren an die letztgenannten drei Brüder, welche am 25. Juni 1388 ihre Vettern Conrad und Dankwart von Harburg, und wenn diese ohne rechte Lehnserben sterben sollten, Günthern von Konritz, Burgmann zu Kohren, mit dem im Dorfe Sahlis gelegenen Vorwerke belehnten. Dies ist das erste Mal, wo Sahlis als Ritterlehn erscheint.

Als 1397 die Familie Heinrichs des Langen von Plauen erlosch, kam das Schloss Kohren lehnsweise an Hansen von Lanse. Unter ihm wurde Syverd von Schönefeld Burgmann zu Kohren und empfing für die Vertheidigung der Burg: Acker, soviel mit einem Pfluge bestellt werden kann, Holz und Wiesen, zwei Schock zwölf Groschen jährliche Zinsen nach Freibergischer Münze, zwei Pfund Wachs, zwei Teiche, die Lehn über die Kapelle bei der Pfarrkirche zu Kohren mit einem Schock neunzehn Groschen zu Sahlis und vier Groschen daselbst jährlichen Zinsen und einem Teiche zu Sahlis. Als Hans von Lanse 1428 ohne Lehnserben gestorben war, verkauften die Herzöge Friedrich und Sigismund, denen Kohren nach der Erbeinigung von 1410 gehörte, das Schloss Kohren mit allem Zubehör am Sonnabend vor St. Elisabeth 1429 an Melchior von Meckau oder Meggau, der die Lehn darüber zugleich mit seinem Bruder Balthasar empfing. Deren Vater, Hans von Meckau, besass schon vorher Grundstücken in der Nähe Kohrens, die nach seinem Tode Margarethe, seine Gemahlin, zum Leibgedinge erhielt, worunter sich auch das jetzige Lindenvorwerk befand. Die beiden Vettern Georg und Helfreich von Meckau (jener Melchiors, dieser Balthasars Sohn) wurden 1448 vom Burggrafen Otto III. von Leissnig mit allen Gütern beliehen, die ihre Väter von demselben zur Lehn getragen hatten. Helfreich von Meckau heirathete seines Oheims Melchior Wittwe, Elisabeth, deren Leibgedinge in einigen bei Altenburg gelegenen Gütern [50] bestand. Diese Güter verwirkte ihr Gemahl dadurch, dass er im Jahre 1451 an den Churfürsten Friedrich den Sanftmüthigen einen Fehdebrief erliess und am 8. Juli desselben Jahres die Stadt Altenburg stürmte und anzündete, wodurch das ganze Bartholomäuskirchspiel in Asche sank. Churfürstliche Soldaten hatten ihm nämlich während des Bruderkrieges sein Haus in Gnandstein (nicht das Schloss) beschädigt und mehrere zum Leibgedinge seiner Hausfrau gehörige Güter verwüstet.

Auf Verwendung seines Oheims, des Obermarschalls Hildebrand von Einsiedel, erhielt Georg von Meckau die Anwartschaft auf diese Güter, sobald seine Mutter Elisabeth mit Tode abgehen sollte. Diese verkaufte mit Bewilligung ihres Gemahls an ihren Sohn Georg von Meckau das Vorwerk Sahlis. Am Montage nach Allerheiligen 1453 wurde Hildebrand von Einsiedel auf Gnandstein vom Churfürsten Friedrich für den Fall, dass Georg von Meckau ohne rechte Lehnserben sterben sollte, mit allen Gütern desselben beliehen und nahm sie 1454, wo dieser Fall eintrat, in Besitz. Einen Theil dieser Güter, welche zum Leibgedinge seiner Schwester Elisabeth von Meckau gehört hatten, kaufte Hildebrand von Einsiedel seinen Neffen ab, als diese nach Oesterreich auswanderten.

Der Obermarschall Hildebrand von Einsiedel vereinigte mehrere angekaufte Vorwerke, wie das zu Walditz, welches einem Ritter von Hopfgarten zustand, sowie ein anderes, das Carl von Taupadel gehörte, mit Sahlis, und gründete auf diese Art das jetzige Rittergut, worüber er 1455 die Gesammtbelehnung erhielt. Als Helfreich von Meckau mit Tode abging, suchten dessen Brüder, Melchior, Caspar und Balthasar ihre Ansprüche an Kohren, das jetzt in Einsiedelschem Besitz war, gegen den Obermarschall Hildebrand geltend zu machen, dieser aber schloss mit den Brüdern zu Grimma einen Vergleich, worin er sie mit vierhundert alten Schocken zufrieden stellte. Hansen von Zehmen auf Imnitz, kaufte Ritter Hildebrand 1459 ein Schock und zehn Groschen jährliche Zinsen zu Flemmingen und Frommsdorf ab, nachdem er 1455 von Hans von Kaufungen bereits das Kirchenlehn und Erbgericht in erstgenanntem Orte käuflich an sich gebracht hatte; daher die noch jetzt bestehenden Gerechtsame des Ritterguts Sahlis in Flemmingen und Frommsdorf. Nachdem Hildebrand von Einsiedel im Jahre 1459 noch das Dorf Langenleube-Oberhain mit Zinsen und Gerichten an sich gebracht, starb er 1461 auf seinem Stammschlosse Gnandstein und wurde in der Ortskirche daselbst beerdigt. Seine Schwester Anna war die Gemahlin des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen, der in mehreren Kohren betreffenden Urkunden als Zeuge erscheint. Nach Kaufungens Hinrichtung bezog dessen Wittwe einen Theil ihres Leibgedings vom Schlosse Kohren, und wohnte auf einen nahen Vorwerke. Sie soll in der Kirche zu Kohren begraben liegen.

Die sehr bedeutenden Güter des Hofmarschalls von Einsiedel, darunter Gnandstein, Wolftitz, Sahlis, Syhra und Scharfenstein, gingen auf seinen Sohn Heinrich über, der Dienstags nach St. Thomastag vom Churfürsten Friedrich damit belehnt wurde, und gleich darauf im sechsundzwanzigsten Jahre seines Alters nach Palästina zog, um dort am heiligen Grabe die Ritterwürde zu erlangen. Späterhin leistete Heinrich von Einsiedel den Fürstlichen Brüdern Ernst und Albrecht als Rath wichtige Dienste, und brachte die Theilung der väterlichen Länder zwischen ihnen zu Stande (1485). Er war dreimal vermählt, zuerst mit Katharina von Schönberg auf Rothschönberg, dann mit Margarethe von Schleinitz und endlich mit Ilse von Schönberg auf Stollberg, die ihn überlebte und sich als Oberhofmeisterin am Churfürstlichen Hofe aufhielt. – Da die Brüder Heinrich und Wenzel von Rüdigsdorf noch einige Ansprüche an das Kohrener Burglehn besassen, so kaufte Heinrich von Einsiedel ihnen durch eine Summe Geldes nicht nur diese Anrechte sondern auch einen Theil des Vorwerks Rüdigsdorf nebst etlichen Zinsen zu Neumörbitz, Schönbach, Meusdorf und Linda ab (1471). Heinrich von Einsiedel starb am 10. Mai 1507 und hinterliess drei Söhne, Namens Hugold, Heinrich und Abraham und acht Töchter.

Der älteste dieser Söhne, Hugold oder Haubold führte während der Minderjährigkeit seiner Brüder deren Vormundschaft. Er war geistlichen Standes und Domherr zu Naumburg, bekannte sich aber später zur lutherischen Kirche und starb 1522. Heinrich II. und Abraham von Einsiedel zeichneten sich durch ihren Eifer für die Reformation aus, und namentlich Ersterer, ein sehr wissenschaftlicher Mann, führte mit Luther, Melanchthon und Spalatin einen eifrigen Briefwechsel. Trotz der Verfolgungen des streng katholischen Herzogs Georg des Bärtigen, liessen sich die beiden Brüder nicht abhalten mit Eifer für die neue Lehre zu wirken, weshalb Luther sie auch „ein seltenes Licht des Adels ihrer Zeit“ nannte. Die Belehnung über die väterlichen Güter empfingen die Brüder im Jahre 1508, und zwar vom Churfürsten Friedrich über Kohren, Sahlis, Hopfgarten und Wolftitz, vom Herzog Georg über Syhra, Scharfenstein und einige kleinere Güter, vom Burggrafen Hugo von Leissnig über Gnandstein und vom Abt zu Chemnitz über Elbisbach und Dittersdorf. Als Valentin von Einsiedel, einer ihrer Vettern im Jahre 1533 mit Tode abging, erbten die Brüder das Rittergut Priessnitz.

Heinrich und Abraham von Einsiedel hatten bereits im Jahre 1533 den Entschluss gefasst, die ererbten Güter zu theilen, er kam indessen erst 1534 zur Ausführung, und auf dem Schlosse Scharfenstein schlossen die Brüder den Vertrag, dass Heinrich Gnandstein, Priessnitz und Syhra, Abraham hingegen Scharfenstein, Wolftitz und Sahlis mit Kohren besitzen sollte. Von dieser Zeit an hörte man auf Sahlis und Gnandstein als ein Gut zu betrachten. Abraham von Einsiedel wohnte indessen nicht auf Sahlis sondern auf dem Schlosse Scharfenstein, wo er auch 1568 im vierundsechszigsten Lebensjahre starb, und in der Kirche zu Olbersdorf seine Ruhestätte fand. Da er keine Söhne hinterliess, kamen seine Güter auf seines Bruders Heinrich zahlreiche Nachkommen, welche sich dahin verglichen, dass Scharfenstein und Wolftitz von Sahlis getrennt, Wolftitz mit Priessnitz vereinigt und von Sahlis einige kleinere Grundstücke an Wolftitz und Syhra abgetreten werden sollten. Das alte, unbewohnte schon damals als wüst bezeichnete Schloss Kohren, erhielt mit Sahlis der älteste Bruder, Heinrich III. von Einsiedel, der am 12. November 1568 damit beliehen wurde, aber schon im Jahre 1572 mit Tode abging, und in der Kirche zu Kohren begraben liegt. Von seinen beiden Söhnen übernahm der ältere, Georg Heinrich das Gut Sahlis, der jüngere empfing eine Summe Geldes und zog nach Altenburg.

Georg Heinrich von Einsiedel erlebte vieles Unglück. Nicht nur dass Misswachs, Pest und eine Feuersbrunst die das Rittergut Sahlis verzehrte, ihn in seinen Vermögensverhältnissen beeinträchtigten, auch Glaubenshass verbitterte [51] ihm das Leben. Er war ein Anhänger des Calvinismus und lebte deshalb mit seinen protestantischen Geschlechtsvettern in Unfrieden. Als nun nach dem Tode Churfürst Christians I. die Verfolgung der Calvinisten begann, wandte sich Georg Heinrich von Einsiedel nach mancher erlittenen Unbill mit seiner ganzen Familie in das reformirte Anhalt, kaufte dort das Schloss Raschwitz bei Bernburg, sowie andere Güter und starb 1633 mit Hinterlassung mehrerer Söhne als Bernburgischer Regierungspräsident. Einer seiner Nachkommen war der bekannte Oberst und spätere General von Einsiedel, welcher unter Friedrich Wilhelm I. das sogenannte Riesenregiment in Potsdam kommandirte.

Im Jahre 1602 hatte Georg Heinrich von Einsiedel das Gut Sahlis für den Spottpreis von 60000 Gulden an Wolf Löser auf Brandis verkauft. Der neue Besitzer nahm seinen Wohnsitz in Sahlis, starb aber schon 1604 auf einer Geschäftsreise – er war Oberhofgerichtsassessor und Obersteuereinehmer – zu Leipzig und wurde in Kohren begraben. Seine Gemahlin Anna, eine geborne Einsiedel von Gnandstein übernahm die Vormundschaft ihrer beiden Söhne Wolf und Hans, welche nach erlangter Volljährigkeit im Jahre 1611 sich in die väterlichen Güter theilten, so dass Hans Sahlis, Pretzsch, Heinichen und Nenkersdorf, Wolf aber Brandis und Reinhards erhielt. –

Hans Löser war ein sehr unterrichteter für das Wohl seiner Gemeinden äusserst besorgter Mann, der freilich durch die aufgeregte Zeit des dreissigjährigen Krieges behindert war, alles Gute auszuführen was er beabsichtigte. Die Jahre 1606, 1610, 1611, 1612 und 1616 brachten Misswachs und Theurung, die späteren Jahre aber wilde Kriegshorden, welche mit Brand und Mord das Land verwüsteten. Am Michaelistage 1632 zog der kaiserliche Feldmarschall Holke über die Gegend, und liess durch seinen Obersten Korpitz die Stadt Kohren in Brand stecken, so dass nur wenige Häuser, die Pfarre und Kirche von den Flammen verschont blieben, doch wurden aus letzterer tausend Gulden und die silbernen Kelche geraubt. In Jahnshain erschossen die viehischen Kroaten drei Einwohner, plünderten das Dorf und hausten daselbst auf das Unmenschlichste. Bald darauf kamen die Schweden und trieben es wo möglich noch entsetzlicher als die Kaiserlichen. Die Felder wurden verwüstet, das Vieh geraubt, und wer sich widersetzte, musste sterben. Diesem unerträglichen Zustande suchte Hans Löser dadurch ein Ziel zu setzen, dass er einige Compagnieen bewaffneter Männer bildete, die unter Anführung eines Offiziers und einer Anzahl zu Korporalen ernannter entschlossener Bürger und Bauergutsbesitzer allen feindlichen Angriffen streifender Partheien erfolgreichen Widerstand entgegensetzten. Der damalige Pfarrer M. Grosch, welcher nahe am südlichen Wartthurm des Schlosses wohnte, hatte das Pulver und Blei in seiner Verwahrung, und schlug, wenn es galt selbst tüchtig mit auf das militärische Raubgesindel los. Das Schloss wurde mit Pallisaden und Einschnitten befestigt, und jeder Dorfschaft war ihr Platz zu Vertheidigung angewiesen; so hatten die Bauern von Langenleube den vorderen Thurme zu schützen. Wer gegen die eingeführte Ordnung fehlte, verfiel in Strafe. – Ehe indessen der dreissigjährige Krieg zu Ende ging, starb Hans Löser (5. September 1644) und hinterliess seine Besitzungen dem jüngeren seiner beiden Söhne, Curt, der die von seinem Vater organisirte Communalgarde noch verstärkte und ihr einen Edelmann, Matthias von Witchensdorf, als obersten Befehlshaber gab. Von diesem Curt Löser existirt noch eine Verordnung, welche die Einwohner von Kohren und Sahlis zu Vertilgung der herumstreifenden, Menschen und Thiere bedrohenden Wölfe auffordert.

Zu Ende des sechszehnten und Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurde das alte Dorf Sahlis, welches zwischen dem jetzigen Rittergute und dem Dorfe Waldis lag, und aus sechs Bauerngütern bestand, allmälig abgebrochen, und aus fünfen dieser Güter das jetzige grosse Vorwerk gebildet. Curt Löser liess das neue Dorf Sahlis, sowie die Häuser am Kohrener Schlossberge aufbauen, das erste Haus an diesem Berge aber errichtete der tapfere M. Grosch, welcher es während des Bestehens der obenerwähnten Compagnieen zum Zeughause hergab. Am 20. April 1670 starb Curt Löser und liegt in der Kirche zu Kohren begraben. Seine Söhne, die bei des Vaters Tode noch unmündig waren, übernahmen die Güter erst im Jahre 1682, und der älteste, Hans, verkaufte im Jahre 1700 die ihm durch das Loos zugefallenen Besitzungen, Sahlis und Nenkersdorf für 100000 Gulden an Friedrich von Eckhardt. Seiner zweiten Gemahlin, die 1689 im Wochenbette starb, hatte Hans Löser in der Kohrener Kirche ein prachtvolles Denkmal aus Marmor und Alabaster errichten und ein zweites im sogenannten Todtenberge aufstellen lassen; Eckhardt aber liess letzteres wegen eines Streites mit Hans Löser boshaft zerstören und abbrechen.

Friedrich von Eckhardt, Domprobst in Braunschweig und Hannöverscher Berg- und Kammerrath, wurde am 25. Juni 1700 mit Sahlis belehnt, lebte aber zu Goslar, und überliess die Verwaltung des Rittergutes einem alten Hauptmann nebst einem Inspektor, die eine heillose Wirthschaft führten, die Gemeinden drückten, und ihren Herrn schmählich betrogen. So kam es, dass Eckhardt sich gezwungen sah, im Jahre 1720 Sahlis zu veräussern. Der neue Besitzer war der Oberhofgerichtsassessor Abraham von Einsiedel auf Gnandstein, der dafür 22000 Thaler zahlte und die Güter Döllnitz und Burg im Saalkreise mit in den Kauf gab. Abraham von Einsiedel, verkaufte in den Jahren 1740 bis 1742 von Sahlis die Hainmühle zu Kohren, die Lindenmühle und das Pastholz. Nach seinem 1744 erfolgten Tode, kamen die Güter an den Lieutenant Abraham von Einsiedel, seinen Sohn, der ebenfalls wie sein Vater beträchtliche Grundstücken von Sahlis veräusserte, worunter ein bedeutendes Stück Waldes, das Jagdgut zur Linde und das Lindenvorwerk, letzteres an Gottlieb Apel für 2700 Thaler. Endlich verkaufte der Lieutenant von Einsiedel auch Sahlis an den Kammerrath Leberecht Crusius, einen reichen Kaufmann aus Chemnitz, welcher es einundfunfzig Jahre besass, und in dieser Zeit mit seinen Unterthanen manches Ungemach zu ertragen hatte, indem er den siebenjährigen Krieg, den Bairischen Erbfolgekrieg, die Theurung von 1771 und 1772 und viele Wetterschäden und Feuersbrünste erlebte. Er gründete die hübschen Anlagen, welche noch jetzt vorhanden sind, kaufte das Lindenvorwerk von Sahlis zurück, nachdem es zweiunddreissig Jahre vom Gute getrennt gewesen war, und starb am 21. October 1805. Da er ohne Leibeserben abschied, vermachte er das Gut einem Vetter, dem älteren Bruder des jetzigen Besitzers, der aber kurze Zeit nach dem Antritt der Erbschaft starb. Auch dieser hatte keine Nachkommen, und so gelangte Sahlis in den Besitz von seinem Vater, dem Buchhändler und Besitzer des Hauses die Marie zu Leipzig, Siegfried Leberecht Crusius, der von den Erben des Oberstlieutenants von Raysky 1810 auch das Rittergut Rüdigsdorf erkaufte. Nachdem sein nunmehr [52] einziger Sohn, Wilhelm Leberecht Crusius sich vermählt hatte, bestimmte er Rüdigsdorf zu dessen Wohnsitz, während der Vater selbst Sahlis bewohnte. Nach des Letzteren 1824 erfolgtem Tode, trat Herr Dr. Wilhelm Leberecht Crusius das väterliche Erbe an, ein hochverehrter Mann, der als Deputirter der ersten ständischen Kammer, als Director verschiedener, gemeinnützig wirkender Gesellschaften, sowie als eifriger Beförderer der Leipzig-Dresdner Eisenbahn sich viele Verdienste um das Vaterland erworben, und den ihm angehörenden Gemeinden stets als wohlwollender Herr und Freund mit Rath und That beigestanden hat.

Otto Moser, Red.