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ihm das Leben. Er war ein Anhänger des Calvinismus und lebte deshalb mit seinen protestantischen Geschlechtsvettern in Unfrieden. Als nun nach dem Tode Churfürst Christians I. die Verfolgung der Calvinisten begann, wandte sich Georg Heinrich von Einsiedel nach mancher erlittenen Unbill mit seiner ganzen Familie in das reformirte Anhalt, kaufte dort das Schloss Raschwitz bei Bernburg, sowie andere Güter und starb 1633 mit Hinterlassung mehrerer Söhne als Bernburgischer Regierungspräsident. Einer seiner Nachkommen war der bekannte Oberst und spätere General von Einsiedel, welcher unter Friedrich Wilhelm I. das sogenannte Riesenregiment in Potsdam kommandirte.

Im Jahre 1602 hatte Georg Heinrich von Einsiedel das Gut Sahlis für den Spottpreis von 60000 Gulden an Wolf Löser auf Brandis verkauft. Der neue Besitzer nahm seinen Wohnsitz in Sahlis, starb aber schon 1604 auf einer Geschäftsreise – er war Oberhofgerichtsassessor und Obersteuereinehmer – zu Leipzig und wurde in Kohren begraben. Seine Gemahlin Anna, eine geborne Einsiedel von Gnandstein übernahm die Vormundschaft ihrer beiden Söhne Wolf und Hans, welche nach erlangter Volljährigkeit im Jahre 1611 sich in die väterlichen Güter theilten, so dass Hans Sahlis, Pretzsch, Heinichen und Nenkersdorf, Wolf aber Brandis und Reinhards erhielt. –

Hans Löser war ein sehr unterrichteter für das Wohl seiner Gemeinden äusserst besorgter Mann, der freilich durch die aufgeregte Zeit des dreissigjährigen Krieges behindert war, alles Gute auszuführen was er beabsichtigte. Die Jahre 1606, 1610, 1611, 1612 und 1616 brachten Misswachs und Theurung, die späteren Jahre aber wilde Kriegshorden, welche mit Brand und Mord das Land verwüsteten. Am Michaelistage 1632 zog der kaiserliche Feldmarschall Holke über die Gegend, und liess durch seinen Obersten Korpitz die Stadt Kohren in Brand stecken, so dass nur wenige Häuser, die Pfarre und Kirche von den Flammen verschont blieben, doch wurden aus letzterer tausend Gulden und die silbernen Kelche geraubt. In Jahnshain erschossen die viehischen Kroaten drei Einwohner, plünderten das Dorf und hausten daselbst auf das Unmenschlichste. Bald darauf kamen die Schweden und trieben es wo möglich noch entsetzlicher als die Kaiserlichen. Die Felder wurden verwüstet, das Vieh geraubt, und wer sich widersetzte, musste sterben. Diesem unerträglichen Zustande suchte Hans Löser dadurch ein Ziel zu setzen, dass er einige Compagnieen bewaffneter Männer bildete, die unter Anführung eines Offiziers und einer Anzahl zu Korporalen ernannter entschlossener Bürger und Bauergutsbesitzer allen feindlichen Angriffen streifender Partheien erfolgreichen Widerstand entgegensetzten. Der damalige Pfarrer M. Grosch, welcher nahe am südlichen Wartthurm des Schlosses wohnte, hatte das Pulver und Blei in seiner Verwahrung, und schlug, wenn es galt selbst tüchtig mit auf das militärische Raubgesindel los. Das Schloss wurde mit Pallisaden und Einschnitten befestigt, und jeder Dorfschaft war ihr Platz zu Vertheidigung angewiesen; so hatten die Bauern von Langenleube den vorderen Thurme zu schützen. Wer gegen die eingeführte Ordnung fehlte, verfiel in Strafe. – Ehe indessen der dreissigjährige Krieg zu Ende ging, starb Hans Löser (5. September 1644) und hinterliess seine Besitzungen dem jüngeren seiner beiden Söhne, Curt, der die von seinem Vater organisirte Communalgarde noch verstärkte und ihr einen Edelmann, Matthias von Witchensdorf, als obersten Befehlshaber gab. Von diesem Curt Löser existirt noch eine Verordnung, welche die Einwohner von Kohren und Sahlis zu Vertilgung der herumstreifenden, Menschen und Thiere bedrohenden Wölfe auffordert.

Zu Ende des sechszehnten und Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurde das alte Dorf Sahlis, welches zwischen dem jetzigen Rittergute und dem Dorfe Waldis lag, und aus sechs Bauerngütern bestand, allmälig abgebrochen, und aus fünfen dieser Güter das jetzige grosse Vorwerk gebildet. Curt Löser liess das neue Dorf Sahlis, sowie die Häuser am Kohrener Schlossberge aufbauen, das erste Haus an diesem Berge aber errichtete der tapfere M. Grosch, welcher es während des Bestehens der obenerwähnten Compagnieen zum Zeughause hergab. Am 20. April 1670 starb Curt Löser und liegt in der Kirche zu Kohren begraben. Seine Söhne, die bei des Vaters Tode noch unmündig waren, übernahmen die Güter erst im Jahre 1682, und der älteste, Hans, verkaufte im Jahre 1700 die ihm durch das Loos zugefallenen Besitzungen, Sahlis und Nenkersdorf für 100000 Gulden an Friedrich von Eckhardt. Seiner zweiten Gemahlin, die 1689 im Wochenbette starb, hatte Hans Löser in der Kohrener Kirche ein prachtvolles Denkmal aus Marmor und Alabaster errichten und ein zweites im sogenannten Todtenberge aufstellen lassen; Eckhardt aber liess letzteres wegen eines Streites mit Hans Löser boshaft zerstören und abbrechen.

Friedrich von Eckhardt, Domprobst in Braunschweig und Hannöverscher Berg- und Kammerrath, wurde am 25. Juni 1700 mit Sahlis belehnt, lebte aber zu Goslar, und überliess die Verwaltung des Rittergutes einem alten Hauptmann nebst einem Inspektor, die eine heillose Wirthschaft führten, die Gemeinden drückten, und ihren Herrn schmählich betrogen. So kam es, dass Eckhardt sich gezwungen sah, im Jahre 1720 Sahlis zu veräussern. Der neue Besitzer war der Oberhofgerichtsassessor Abraham von Einsiedel auf Gnandstein, der dafür 22000 Thaler zahlte und die Güter Döllnitz und Burg im Saalkreise mit in den Kauf gab. Abraham von Einsiedel, verkaufte in den Jahren 1740 bis 1742 von Sahlis die Hainmühle zu Kohren, die Lindenmühle und das Pastholz. Nach seinem 1744 erfolgten Tode, kamen die Güter an den Lieutenant Abraham von Einsiedel, seinen Sohn, der ebenfalls wie sein Vater beträchtliche Grundstücken von Sahlis veräusserte, worunter ein bedeutendes Stück Waldes, das Jagdgut zur Linde und das Lindenvorwerk, letzteres an Gottlieb Apel für 2700 Thaler. Endlich verkaufte der Lieutenant von Einsiedel auch Sahlis an den Kammerrath Leberecht Crusius, einen reichen Kaufmann aus Chemnitz, welcher es einundfunfzig Jahre besass, und in dieser Zeit mit seinen Unterthanen manches Ungemach zu ertragen hatte, indem er den siebenjährigen Krieg, den Bairischen Erbfolgekrieg, die Theurung von 1771 und 1772 und viele Wetterschäden und Feuersbrünste erlebte. Er gründete die hübschen Anlagen, welche noch jetzt vorhanden sind, kaufte das Lindenvorwerk von Sahlis zurück, nachdem es zweiunddreissig Jahre vom Gute getrennt gewesen war, und starb am 21. October 1805. Da er ohne Leibeserben abschied, vermachte er das Gut einem Vetter, dem älteren Bruder des jetzigen Besitzers, der aber kurze Zeit nach dem Antritt der Erbschaft starb. Auch dieser hatte keine Nachkommen, und so gelangte Sahlis in den Besitz von seinem Vater, dem Buchhändler und Besitzer des Hauses die Marie zu Leipzig, Siegfried Leberecht Crusius, der von den Erben des Oberstlieutenants von Raysky 1810 auch das Rittergut Rüdigsdorf erkaufte. Nachdem sein nunmehr

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Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/071&oldid=- (Version vom 21.5.2018)