Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Ober-Cunewalde

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Autor: Moritz Grimmel
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Titel: Ober-Cunewalde
Untertitel:
aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 209–210
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Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
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Ober - Cunewalde


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Ober-Cunewalde,


eigentlich früher kurzweg Cunewalde genannt. Denn die Eintheilung in Ober-, Mittel- und Nieder-Cunewalde stammt aus späterer Zeit.

Der Ort zieht sich in einer Ausdehnung von fast 2 Stunden durch ein von zwei Bergketten umgebenes, von einem oft bedeutend anschwellenden Bach durchflossenes fruchtbares Thal, von Morgen nach Abend, eine starke Meile südlich von Bautzen und 1 Meile westlich von Löbau.

Seinen Namen hat Cunewalde von der Wiegengöttin Cuno oder Cunina empfangen, welcher die alten Heyden auf den an der Südseite gelegenen Waldbergen, namentlich, wie es scheint, auf dem mittelsten derselben, dem in diesem Album oft erwähnten Frageberg ihre Milchopfer gebracht haben.

Eben um dieses Götzendienstes willen mag eine grosse Zahl von Häusern dieses Dorfes schon längst vor der auch in der Lausitz geschehenen Heidenbekehrung angelegt worden sein.

Die Zeit, in welcher an die Stelle des heidnischen Aberglaubens die christliche Anbetung Gottes getreten ist, kann nicht genau angegeben werden. So viel ist gewiss, dass nach der erfolgten Gründung des Bisthums Meissen (965) von Otto dem Grossen das Volk der Lausitz dem Bischof zu Meissen nicht nur zur Seelensorge anvertraut war, sondern auch demselben manche Lehngüter zum Eigenthume übergeben worden sind. So auch Cunewalde, welches zu dem Kirchsprengel des vom Bischof von Meissen, Bruno II., im Jahre 1267 fundirten Capitels oder Decanats St. Petri in Budissin geschlagen wurde.

Das Domcapitel erlangte auch frühzeitig die Mitherrschaft und hat bis heutigen Tages die alleinige Verwaltung des Kirchen- und Kirchen-Schul-Lehns behalten.

Noch ungetheilt, den domstiftlichen Antheil abgerechnet, haben Cunewalde besessen Friedrich von Bolbriz im 15ten Jahrhundert, welchem Bischof Johannes VI. einen Lehnbrief über acht Dörfer gegeben; dann Heinrich Schrey; nach ihm Christoph von Gablenz, welchem Peter von Haugwitz folgte. Letzterer hatte mit seinem Bruder auf Rodewiz und mit Georg von Kopperiz auf Weigsdorf dem Könige von Böhmen ein Ritterpferd bewilligt. Dann war es in den Händen des Hans von Nosswiz (auch Nostiz geschrieben), welcher 1552 mit Tode abging und ganz Cunewalde kam an Donat von Metzrad, worauf es wieder ein Nostiz und zwar Hans von Nostiz auf Voigsdorf erlangte. Nach seinem Tode theilten sich seine Söhne in Ober- und Nieder-Cunewalde.

Hans Nicolaus von Nostiz war Kaiserlicher Appellationsrath und Landesältester des Bautzner Kreises. Nach seiner Umsiedelung nach Böhmen kam das Gut an das von Ziegler’sche Geschlecht, welches nach dem Tode des Besitzers von Nieder-Cunewalde im Jahre 1632 auch letzteres erwarb.

Joachim von Ziegler kaufte Ober-Cunewalde um 1623. Nach seinem Tode (1631) erhielt sein Sohn Wolf Rudolph von Ziegler Ober-, Mittel- und Nieder-Cunewalde, daneben auch Wehrsdorf. Nun folgte sein Sohn Carl Gottlob, Commandant der Festung Königstein, welcher am 14. Juli 1715 zu Bautzen starb. Der jüngste Sohn des Carl [210] Gottlob, gleiches Namens, vereinigte wieder Ober- und Mittel-Cunewalde, auch verband er Preitiz damit, legte im Jahre 1749 auf einer wüsten Anhöhe vor Mittel-Cunewalde einen Weinberg und ein Lustschloss an, welches 1838 durch Brand beschädigt, jetzt als Ruine über das Thal empor ragt, und starb 1770.

Nach ihm erlangte Ober-Cunewalde sein Sohn Ferdinand Rudolph, welcher im Jahre 1791 mit Tode abging, worauf die Besitzung auf Herrn Wilhelm Carl Heinrich von Polenz auf Kleindehsa, Geheimen Finanzrath, Klostervoigt von Marienthal, Mitglied der ersten Kammer überging, von welchem es sein Sohn Julius Carl von Polenz erbte. Letztrer ist der derzeitige Besitzer von Ober-Cunewalde.

Die Gutsgebäude sind nicht unansehnlich; sie gewähren ein liebliches Bild. Die Oekonomie des Gutes ist in vortrefflichem Zustande, die Wirthschaftsräume gross und practisch eingerichtet.

Die Fluren von Cunewalde gehören der mittleren Bodenclasse an und liefern gute Getreidesorten; auch Kartoffeln werden ausgezeichnet erbaut. Die zum Gute gehörigen Waldungen sind bedeutend, Wiesewachs und Futterbau sogar vorzüglich zu nennen.

Der grösste Theil der Bevölkerung, ja selbst einige von denen, deren vorzüglichstes Geschäft der Feldbau ist, betreiben seit 70 Jahren die Weberei, welche einzelnen ein reichliches, den meisten ein nothdürftiges Brod gewährt. Viele hundert Familien arbeiten für einheimische oder benachbarte Fabrikanten, deren manche hundert und mehr Stühle beschäftigen und welche die Leinewand an Kaufleute in Bautzen, Löbau, Schirgiswalde und andere Orte versenden oder auf der Leipziger Messe und einigen sächsischen, auch zum Theil preussischen Jahrmärkten, im Ganzen oder im Ausschnitt verkaufen. Doch fehlt es auch nicht an andern geschikten Handwerkern fast jeder Art.

Auch eine Oelfabrik ist hier in Ober-Cunewalde angelegt und in Mittel-Cunewalde befindet sich eine von der Herrschaft zu Ober-Cunewalde 1761 erbaute Töpferei, die längst im Privateigenthum übergegangen ist. Eben so wenig ist an Kramläden, an Bäckereien und Wirthshäusern ein Mangel. Auch für Kranke und Leidende ist gesorgt. Es wohnt hier ein Medicinae Practicus, ein Wundarzt und vier Hebammen.

Die dasige Kirche steht ausserhalb des Gottesackers, ist ein durchaus massives, einfach schönes und grosses Gebäude, mit mehr als zweitausend Sitzen eingerichtet.

Dahin eingepfarrt sind die Dörfer Halbau, Neuhaus, Klipphausen, Voigsdorf, Köbliz, Schönberg und ein kleiner Theil von Halbendorf.

In diesem ganzen Kirchspiel Cunewalde sind sechs Gemeinden verbunden, folglich bestehen auch sechs Gemeinderäthe, ein jeder mit seinem Vorstande und Gemeindeältesten und mit einer grösseren oder geringeren Zahl von Ausschusspersonen.

Seit den letzten 60 bis 70 Jahren hat der Ort Cunewalde an Umfang bedeutend gewonnen.

Früher zählte man in Ober-Cunewalde 109, in dem dazu gehörigen Neudorf 10 und Halbau 11; 1840 schon 150 in Ober-Cunewalde, in dem dazu angebauten Orte 24, im zweiten 12; jetzt aber beträgt die Häuserzahl in Ober-Cunewalde 200, in Neudorf 20, in Halbau 22.

Im Bereiche des ganzen Kirchspiels befinden sich 33 Bauern, 2 Dreiviertels-Bauern, 14 Halbbauern, 32 Grossgärtner, 9 Viertels-Bauern, 86 Kleingärtner und 658 Häusler.

Ober-Cunewalde zählt jetzt allein an 800 Einwohner, welche dem Gerichtsamte Neusalza zugewiesen sind.

(M. G.)