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Gottlob, gleiches Namens, vereinigte wieder Ober- und Mittel-Cunewalde, auch verband er Preitiz damit, legte im Jahre 1749 auf einer wüsten Anhöhe vor Mittel-Cunewalde einen Weinberg und ein Lustschloss an, welches 1838 durch Brand beschädigt, jetzt als Ruine über das Thal empor ragt, und starb 1770.

Nach ihm erlangte Ober-Cunewalde sein Sohn Ferdinand Rudolph, welcher im Jahre 1791 mit Tode abging, worauf die Besitzung auf Herrn Wilhelm Carl Heinrich von Polenz auf Kleindehsa, Geheimen Finanzrath, Klostervoigt von Marienthal, Mitglied der ersten Kammer überging, von welchem es sein Sohn Julius Carl von Polenz erbte. Letztrer ist der derzeitige Besitzer von Ober-Cunewalde.

Die Gutsgebäude sind nicht unansehnlich; sie gewähren ein liebliches Bild. Die Oekonomie des Gutes ist in vortrefflichem Zustande, die Wirthschaftsräume gross und practisch eingerichtet.

Die Fluren von Cunewalde gehören der mittleren Bodenclasse an und liefern gute Getreidesorten; auch Kartoffeln werden ausgezeichnet erbaut. Die zum Gute gehörigen Waldungen sind bedeutend, Wiesewachs und Futterbau sogar vorzüglich zu nennen.

Der grösste Theil der Bevölkerung, ja selbst einige von denen, deren vorzüglichstes Geschäft der Feldbau ist, betreiben seit 70 Jahren die Weberei, welche einzelnen ein reichliches, den meisten ein nothdürftiges Brod gewährt. Viele hundert Familien arbeiten für einheimische oder benachbarte Fabrikanten, deren manche hundert und mehr Stühle beschäftigen und welche die Leinewand an Kaufleute in Bautzen, Löbau, Schirgiswalde und andere Orte versenden oder auf der Leipziger Messe und einigen sächsischen, auch zum Theil preussischen Jahrmärkten, im Ganzen oder im Ausschnitt verkaufen. Doch fehlt es auch nicht an andern geschikten Handwerkern fast jeder Art.

Auch eine Oelfabrik ist hier in Ober-Cunewalde angelegt und in Mittel-Cunewalde befindet sich eine von der Herrschaft zu Ober-Cunewalde 1761 erbaute Töpferei, die längst im Privateigenthum übergegangen ist. Eben so wenig ist an Kramläden, an Bäckereien und Wirthshäusern ein Mangel. Auch für Kranke und Leidende ist gesorgt. Es wohnt hier ein Medicinae Practicus, ein Wundarzt und vier Hebammen.

Die dasige Kirche steht ausserhalb des Gottesackers, ist ein durchaus massives, einfach schönes und grosses Gebäude, mit mehr als zweitausend Sitzen eingerichtet.

Dahin eingepfarrt sind die Dörfer Halbau, Neuhaus, Klipphausen, Voigsdorf, Köbliz, Schönberg und ein kleiner Theil von Halbendorf.

In diesem ganzen Kirchspiel Cunewalde sind sechs Gemeinden verbunden, folglich bestehen auch sechs Gemeinderäthe, ein jeder mit seinem Vorstande und Gemeindeältesten und mit einer grösseren oder geringeren Zahl von Ausschusspersonen.

Seit den letzten 60 bis 70 Jahren hat der Ort Cunewalde an Umfang bedeutend gewonnen.

Früher zählte man in Ober-Cunewalde 109, in dem dazu gehörigen Neudorf 10 und Halbau 11; 1840 schon 150 in Ober-Cunewalde, in dem dazu angebauten Orte 24, im zweiten 12; jetzt aber beträgt die Häuserzahl in Ober-Cunewalde 200, in Neudorf 20, in Halbau 22.

Im Bereiche des ganzen Kirchspiels befinden sich 33 Bauern, 2 Dreiviertels-Bauern, 14 Halbbauern, 32 Grossgärtner, 9 Viertels-Bauern, 86 Kleingärtner und 658 Häusler.

Ober-Cunewalde zählt jetzt allein an 800 Einwohner, welche dem Gerichtsamte Neusalza zugewiesen sind.

(M. G.)     




Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1854–1861, Seite 210. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/313&oldid=- (Version vom 26.9.2016)