Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Gelenau

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Gelenau
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 116–117
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 183.jpg
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Gelenau.


Gelenau, ein ¾ Meilen langer Flecken, reicht vom linken Wilzschufer bis zur Annaberg-Leipziger-Strasse hinauf und ist von Thum 1½ Stunde nördlich gelegen. Ein Theil dieses Dorfes sammt dem sonst amtssässigen Rittergute stand ehedem unter dem Amte Wolkenstein; ein weit stärkerer von 5 Bauern, 12 Halbhüfnern, 10 Gärtnern, 43 Häuslern und einer Mühle mit 2 Gängen gehörte unmittelbar unter das frühere Amt Augustusburg, wiewohl es von demselben sehr entfernt liegt. Erst am 31. Oct. 1796, wo das Rittergut zu Gelenau die Schriftsässigkeit erlangte, kam es an das Amt Wolkenstein. Das Bergstädtchen Thum gehörte vor der neuen Gerichtsorganisation unter die Gelenauer Obergerichte, ingleichen auch das Dorf Jahnsbach.

Jetzt gehört Gelenau mit Thum und Jahnsbach zum Gerichtsamt Ehrenfriedersdorf, zum Bezirksgericht Annaberg, zur Amtshauptmannschaft Niederforchheim, zum Regierungsbezirk Zwickau. Gelenau hat 331 bewohnte Gebäude, 969 Familienhaushaltungen und 4682 Einwohner.

Fast alle Einwohner des Dorfes nähren sich von Klöppeln weisser Spitzen. Die zahlreichen Maurer und Zimmerleute gehen im Frühjahre meist in die Ferne, besonders nach Berlin, im Winter kehren sie heim und helfen klöppeln. Ausserdem wird hier viel Flachs erbaut und bedeutend ist hier der Korn-, Bretter- und Butterhandel.

Unter den bewohnten Gebäuden befindet sich hier ein Lehn-Gut, 2 Gasthöfe, viele Schenken, 5 Mühlen, mehre Sägen, Zeuch-, Garn- und Zwirnbleichen, 1 Unterförsterei.

Das gethürmte hiesige Schloss ist, wie dies auch die Abbildung näher besagt, von alter Bauart und die Entstehung desselben in die graue Vorzeit zu versetzen.

Der Erbauer desselben soll nach dem Schlosse benannt worden sein.

Dieses Schloss gehörte schon in den frühesten Zeiten zu der Herrschaft Wolkenstein, daher es auch, als diese an die Herzoge zu Sachsen fiel, bei dem Amte Wolkenstein verblieben ist. Herzog Albrecht der Beherzte verkaufte es 1499 mit allen Rechten nebst Thum an seinen Rath Heinrich von Schönberg, dem Aelteren zu Stollberg, dessen Nachkommen bis auf die neuesten Zeiten im Besitze derselben geblieben sind. Der jetzige Besitzer ist Herr Aug. Casp. Ferd. von Schönberg auf Thammenhain, Gelenauer und Purschensteiner Linie, und bei der Beschreibung des letztern Schlosses finden sich schon die nähern Familiennachrichten über die Herren von Schönberg, so dass wir, um Wiederholungen zu vermeiden, auf diesen Artikel füglich verweisen können.

Der jetzige Besitzer ist der 17, in dieser berühmten Familie. Derselbe ist auch Collator über die dasige Kirche und Schule.

Als Parochie bestand Gelenau vor und über 100 Jahre nach der Reformation aus dem Kirchdorfe selbst, dem Filial Weissbach mit dem oberen Theile von Dittersbach. Im Jahre 1673 ward aber Weissbach eine besondere Parochie und erhielt 1680 das Filial Dittersdorf, welches früher zu Einsiedel gehörte.

Die Kirche, deren Erbauungszeit nicht zu ermitteln ist, wurde 1580 verlängert und verschönert, wozu der damalige Collator und Gerichtsherr Joachim von Schönberg das Seinige in reichem Maasse beitrug. Der Thurm ist angebaut. Im Jahre 1666 wurde derselbe vom Blitz getroffen, wodurch eine Reparatur sich nöthig machte. Im Jahre 1765 musste man statt der verfaulten Säulen an der Nordseite neue einsetzen, und bei diesem Baue mag der Thurm seine jetzige schiefe nach der Pfarrwohnung sich neigende Richtung erhalten haben.

Im Innern der Kirche befindet sich ein schönes steinernes Epitaphium [117] das dem gedachten Joachim von Schönberg von seinen Söhnen errichtet worden ist und stellt ihn und seine Gemahlin, ihre 2 Söhne und 1 Tochter in Lebensgrösse, knieend vor. Hans Dietrich von Schönberg beschenkte im 18. Jahrhundert die Kirche mit einer neuen Orgel, einem Altar und Beichtstuhl in prächtiger Bildhauerarbeit. Das Altargemälde, die Kreuzigung Christi vorstellend, soll eine Copie des Lucas Cranach’schen Gemäldes in Schneeberg sein. Derselbe Hans Dietrich von Schönberg legirte auch 700 Thlr. Capital zu einer Priesterwittwen- und Waisenkasse und 40 Thlr. Capital für die Armen, an welche die Zinsen jährlich zu Johannis ausgetheilt werden. Seine Frau Gemahlin, Anna Dorothea von Schönberg legirte 200 Mfl., von deren Zinsen Bibeln unter arme Schulkinder vertheilt werden.

Die Schülerzahl der Gesammtparochie ist 370 Knaben und an die 600 Mädchen.

Die Schicksale Gelenaus betreffend, hat der Ort im 30jährigen Kriege viele Drangsale aushalten müssen, so wie die Nothjahre von 1816 und 1817 ihre Opfer forderten. Gelenau ist überhaupt ein sehr armer Ort und nur die erzgebirgische Gnügsamkeit ist vermögend, gegen solche Noth mit Ausdauer anzukämpfen.

Rühmend muss es aber auch anerkannt werden, dass die Gerichtsherren von Schönberg zu jeder Zeit darauf bedacht waren, Noth und Elend zu mildern und Hülfe zu schaffen, wo die Hülfesuchenden sich an dieselben wendeten.

In Trübsal und Aengsten waren sie als treue Helfer ihren Gerichtsuntergebenen stets zur Seite, weshalb auch ihre Namen, ihr Gedächtniss der dankbaren Mit- und Nachwelt aufbewahrt bleiben werden.

M. G.