Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Falkenhain

Textdaten
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Autor: M.
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Titel: Falkenhain
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 55–56
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Falkenhain (Lossatal), das Rittergut.jpg
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 077.jpg
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Falkenhain
bei Wurzen.


Falkenhain liegt an der nach Torgau führenden ziemlich belebten Strasse, kaum eine halbe Stunde von der Grenze entfernt, und gehört zu den ansehnlichsten und bedeutendsten Ortschaften des Stiftes und Amtsbezirks Wurzen, nicht nur wegen der Menge und Grösse seiner Güter, sondern auch wegen [56] der Fruchtbarkeit des Bodens und des Wohlstandes der Einwohnerschaft. Ausser dem beträchtlichen Rittergute befinden sich in Falkenhain elf sogenannte Grossbauergüter, siebenundzwanzig Halbhufengüter, ziemlich ebenso viele Viertelland- und Grosshäuser und eine gleiche Anzahl Häuslernahrungen. Mit Einschluss der Kirche besteht das Dorf aus achtundneunzig Feuerstätten mit siebenunddreissig Einwohnern, welche ausser Ackerbau und Handwerken auch beträchtlichen Getreide- und Holzhandel nach dem nahen Torgau betreiben. Die Lage Falkenhains ist zwischen den Dörfern Voigtshain, Frauwalde, Heyde, Köhnitzsch und Müglenz in sanft abdachender ziemlich waldiger Gegend. Die Tradition und ein alter Bericht im Falkenhainer Kirchenbuche erzählen, dass einst die Heiden in hiesiger Gegend einen Abgott, Namens Falko, verehrten, der im sogenannten „Haine“ unfern des Fussweges nach Dornreichenbach gestanden habe. Von ihm soll Falkenhains Namen herrühren. Allerdings wurde der Götze Falko von den slavischen Volksstämmen zwischen der Elbe und Saale angebetet, und noch bis vor wenigen Jahren standen zwischen Falkenhain und Zschorna einige uralte Eichbäume, von denen die Sage behauptete, dass unter jedem derselben ein besonderer Gottesdienst stattgefunden habe. Wahrscheinlich bezieht sich diese Tradition auf die Verkündigung der christlichen Lehre, da die Missionaire nach dem Sturze des Heidenthums zu ihrem Gottesdienste gewöhnlich die Stätten wählten, wo bisher ein Slavengott verehrt worden war, weil den Neubekehrten dieser Ort noch immer lieb und ehrwürdig blieb. Aus gleicher Ursache pflegte man auch die ersten christlichen Kirchen über den umgestürzten Opferaltären der Slavengötter zu errichten, und da in uralter Zeit zu Voigtshain eine solche Capelle stand, welche der Priester zu Müglenz zu versorgen hatte, so erscheint die erwähnte Volkssage nicht ohne historischen Grund. Der Besitzer des Rittergutes Falkenhain und einige Bauern mussten dem Pfarrer zu Müglenz wegen dieser seit Jahrhunderten verschwundenen Capelle bis in die neueste Zeit einen Jahreszins entrichten.

Im dreizehnten Jahrhundert gehörte Falkenhain einem ritterlichen Geschlecht, das sich nach seinem Edelsitze „von Falkenhain“ nannte. Rudolph von Falkenhain wird 1216 in einer Urkunde Bischof Eckards von Merseburg als Zeuge genannt und Conrad von Falkenhain hatte 1231 eine Streitigkeit mit der Stadt Wurzen. Einer des Geschlechtes, Johann von Falkenhain, war Propst des St. Thomasklosters zu Leipzig und begleitete 1448 den Bischof Johann IV. von Meissen zur Visitation und Reform des Klosters St. Afra. Veranlassung zu dieser Visitation gab ein Canonicus, der so vollständig betrunken in die Kirche kam, dass er auch die gewöhnlichen Gebete nicht lesen konnte. – Bereits im fünfzehnten Jahrhundert gehörte Falkenhain den Bischöfen zu Meissen, deren Küchengut es blieb bis zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts, wo es Hans von Truchsess aus dem Hause Bornitz erkaufte; indessen muss das Gut bald wieder an das Kloster gekommen sein, denn 1538 verkaufte es Bischof Johann VIII. (von Saalhausen) an Christoph von Truchsess. Diesem folgte im Besitze Falkenhains und Voigtshains Heinrich von Truchsess, welcher 1556 starb und die Güter einem Junker Georg von Koseritz hinterliess, nach dessen 1604 erfolgtem Tode Heinrich August von Lüttichau sie für 28000 Gulden erkaufte. Dessen Sohn, August von Lüttichau erbte die väterlichen Besitzungen 1631 und behielt dieselben bis an seinen 1686 erfolgten Tod, worauf sein Sohn, Rudolph von Lüttichau, die Erbschaft antrat und 1725 starb. Nach ihm gehörten Falkenhain und Voigtshain bis 1772 Georg Rudolph von Lüttichau und nach dessen Tode Hans Georg von Lüttichau, der 1785 starb, nachdem er das Rittergut Voigtshain an August Gottfried von Hessling verkauft hatte. Das Rittergut Falkenhain blieb zwar noch einige Jahre unter vormundschaftlicher Administration im Besitze der Lüttichauischen Familie, wurde jedoch 1796 an die verwittwete Frau Kreiscommissar Adolphine Caroline Wilhelmine von Carlowitz verkauft, welche es 1805 der Frau Kammerherrin von Schönberg auf Thammenhain überliess. Von deren Sohne, Dam Ferdinand von Schönberg, erlangte Falkenhain der jetzige Besitzer Herr Hans Adolf Job von Carlowitz, kön. Sächsischer Major der Cavalerie a. D. und Ritter des St. Heinrichsordens.

Zu Falkenstein gehörten einst zwei, noch jetzt in den Flurbüchern als wüste Marken genannte Ortschaften, Poppeln und Lampertswalde, über deren Zerstörung alle Nachrichten mangeln. Dass, wie viele andere Dörfer, auch diese beiden der viehischen Wuth des Schwedischen Kriegsvolks im dreissigjährigen Kriege zum Opfer fielen ist nicht wahrscheinlich, da in dem vorhandenen ältesten Kirchenbuche von 1658 sowie in dem Gerichtsarchive der Zerstörung dieser Ortschaften keine Erwähnung geschieht; dagegen ist kaum zu zweifeln, dass Poppeln und Lampertswalde ihren Untergang durch den Einfall eines Hussitenschwarms fanden, der bis Leipzig hinabstreifte und das Städtlein Taucha verbrannte. In Schöttgens Anhang der Documente werden die zerstörten Dörfer: „villae cum supremo judicio quas in feudum tenuerint dicti Truchses“ genannt.

Die Kirche zu Falkenhain hatte seit der Reformation mannigfache Veränderungen und Reparaturen erfahren, namentlich im Jahre 1550, wo Heinrich von Truchsess auch einen neuen Hauptthurm erbauen und einen „Schütt“ oder „Getreidesöller“ darauf anbringen liess; die Baufälligkeit und Beschränktheit der sehr alten Kirche aber bestimmte endlich den äusserst reichen Collator Rudolf Heinrich von Lüttichau im Jahre 1708 die Kirche abbrechen und auf eigene Kosten von Grund aus neu erbauen zu lassen, wobei man so rüstig zu Werke ging, dass schon nach einem halben Jahre die Einweihung des neuen Gotteshauses stattfinden konnte. Das Bildniss des Erbauers, Heinrich von Lüttichau, der Chursächsischer Hauptmann war und ausser Falkenhain und Voigtshain auch die Rittergüter Rithnitz, Döbrichau und Nauendorf besass, schmückt die Kanzelseite der Kirche und auf dem Altargemälde befinden sich unter den dargestellten Personen Portraits seiner Familie. Die neue gut gearbeitete Orgel ist ein Werk Knoblauchs. Unter den 1408 Thaler betragenden Legaten, deren Zinsen im Interesse theils der Schule und Pfarre theils der Armen verwendet werden, ist das beträchtlichste 1684 von August von Lüttichau fundirt, dessen aus fünfunddreissig Thalern bestehende Zinsen an einen Studenten der Theologie, zunächst aus Falkenhain, gezahlt werden, wofür dieser aber alljährlich eine Predigt über einen vom Pfarrherrn aufgegebenen Text zu halten hat. Das Vermögen der Kirche beträgt fast 11000 Thaler.

M.