Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Deutschenbora

Textdaten
<<< >>>
Autor: O. M.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Deutschenbora
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 58–60
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
20060423160DR Deutschenbora (Nossen) Rittergut.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 088.jpg
[58]
Deutschenbora.


Dieses Dorf wurde früher Bor, Bore und Bohra geschrieben und Deutschenbora zum Unterschiede von dem eine halbe Stunde westlich entfernten Dorfe Wendischbora genannt. Der Ort zählt achtundvierzig Feuerstätten mit dreihundertachtzehn Einwohnern, dehnt sich in ziemlicher Länge an einem ostwärts dem Neukirchner Bache zufliessenden kleinen Gewässer hin und liegt, eine Stunde von Nossen entfernt, in einem seichten Grunde an der Freiberg-Meissner Chaussee in hügeliger, fruchtbarer Gegend, die nach Südwesten ziemlich hoch ansteigt und hübsche Aussichten bietet.

Schon im elften Jahrhundert geschieht des Dorfes Deutschenbora Erwähnung, wo es „deutsch Barl“ genannt wird und zu der Zupanie Weythessen oder Weitschen gehörte. Zu jener Zeit besass, nebst anderen [59] Gütern hiesiger Gegend, das Lehngut Deutschbora der edle Wende Bor, ohne Zweifel der Stammvater des späterhin so weitverbreiteten Geschlechts der Herren von Bora, von denen Arnold von Bora 1323 als Meissnischer Vasall, Hans von Bora 1425 und Johann von Bora 1439 erwähnt werden. In der Mitte des funfzehnten Jahrhunderts kam Deutschenbora in Besitz der Familie von Mergenthal, von der man behauptet, dass sie aus Frankreich eingewandert sei, und solches durch die sechs Lilien des Wappens beweisen will. Der erste Besitzer Deutschenboras aus diesem Adelsgeschlecht war Hans von Mergenthal, welcher 1469 als fürstlicher Kanzler (mit noch sieben anderen Edelleuten) vom Papst Paul II. die Erlaubniss erhielt, in seiner Behausung einen Altar zu errichten und Messe halten zu lassen. Später begleitete Hans von Mergenthal Herzog Albrechten von Sachsen nach dem gelobten Lande, wo er am heiligen Grabe zu Jerusalem, nebst anderen Edelleuten, den Ritterschlag empfing. Seine erste Gemahlin war Elisabeth von Schleinitz aus Ragewitz, nach deren Tode er sich mit Anna von Reinsberg verheirathete, bald darauf aber mit Tode abging und im Kloster Zelle begraben wurde. Ihm folgte 1506 im Besitze von Deutschenbora sein Sohn, Wolf von Mergenthal, der mit Anna von Bieberstein und später mit Anna von Feilitzsch vermählt war, am churfürstlichen Hofe das Amt eines Oberschenken verwaltete und 1556 als hochbejahrter Greis zu Hirschfeld starb, wo die Kirche seine Reste verwahrt. Von den hinterlassenen Kindern heirathete Katharina Hansen von Berbisdorf, kaiserlichen Kammergerichtsassessor zu Speier, und Marsensis Florian von Stangen auf Ehrenberg; der einzige Sohn aber, Abraham von Mergenthal, erbte die väterlichen Güter Deutschenbora, Neukirchen und Hirschfeld, vermählte sich mit Kunigunden von Berbisdorf aus Forchheim, die ihm zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter gebar, und starb um das Jahr 1640. Wolf von Mergenthal, des Vorigen Sohn, war mit Katharina von Vippach aus Markvippach verheirathet und hinterliess das Gut Deutschenbora seinem einzigen Sohne Wolf, vermählt mit Barbara von Schönberg aus Zschochau. Caspar Rudolph v. Mergenthal, Herr auf Deutschenbora und Obereula, herzoglich Sachsen-Merseburgischer Oberaufseher der Niederlausitzer Herrschaften Dobrilugk, Forst, Lübben und Finsterwalde war Wolf von Mergenthals einziger Sohn und vermählte sich mit Magdelene von Wolfersdorf aus Bornsdorf, die ihn mit drei Söhnen beschenkte. Hans Adam, der älteste, starb 1703 zu Nördlingen an einer Lagerkrankheit, Ernst Siegismund, dessen Bruder, verschied bald darauf in Berlin, wo er als Kammerjunker lebte, und so blieb nur noch der jüngste Bruder August Philipp als der Letzte seines berühmten Geschlechts übrig, der seinen Wohnsitz zu Deutschenbora nahm.

August Philipp von Mergenthal hat sich durch das viele Gute, welches er geschaffen, einen ewigen Nachruhm erworben. Er gründete auf einer ihm gehörigen, noch vom deutschen Kriege herrührenden Wüstung ein neues Dorf, dem er seinen Namen gab, schenkte jedem Einwohner etwas Land und pfarrte sie in die Kirche zu Deutschenbora ein. Auch in Deutschenbora erbaute er sechszehn neue Häuser, vermittelte die längst gewünschte Einpfarrung des nahen Dorfes Elgersdorf und erhob die Kirche, welche bisher Filial von Hirschfeld gewesen war, zur selbständigen, indem er 1708 den Magister Baumgarten aus Döbeln als Pfarrer berief. Die Mutter August Philipps von Mergenthal hatte 1698 die Kirche gründlich restauriren und einen neuen Thurm bauen lassen, ihr Sohn verlängerte dieselbe 1739 um neun Ellen, liess grössere Fenster brechen, schaffte eine neue Orgel und eine Uhr mit Glocken an, baute Chor, Kanzel, Altar und Taufstein und legte neben der Familiengruft ein neues Begräbniss für seine Nachfolger an, mit der Bitte die Ueberreste der Mergenthale nicht in ihrer Ruhe zu stören. Man hat diese Bitte, obgleich eine Inschrift des neuen Begräbnisses sie aufrecht erhält, in neuerer Zeit nicht beachtet. Ebenso schuf August Philipp von Mergenthal eine Capelle von acht Personen zur Abhaltung der Kirchenmusik, schenkte zu diesem Zwecke der Kirche zwei schöne Pauken und legirte ein Kapitel von tausend Thalern, dessen Zinsen die Musiker empfingen. Als in den Jahren 1814 bis 1816 das Gut Deutschenbora zur Sequestration kam, ging dieses Legat und mit ihm die Kirchenmusik verloren; aber wenn auch der Posaunenschall, welcher über der Asche des edlen Mannes für alle Zeiten festlich ertönen sollte, verstummt ist vor dem Kritzeln der Advocatenfeder, das Andenken August Philipps von Mergenthal wird nie erlöschen, denn noch jetzt danken sechsunddreissig Familien in Mergenthal und Deutschenbora ihm Obdach und was er durch Wort und That für die Kirche gethan, kann nie vergessen werden. August Philipp von Mergenthal starb, ohne Weib und Kind, der Letzte seines Stammes, im Jahre 1748 als Prälat und Senior des Stifts Meissen. Nach seinem Tode kam Deutschenbora an den Minister von Ende, später gehörte es einem Herrn Wackwitz nach diesem dem Kammerherrn von Leipziger, dann Herrn Johann Georg Krauspe, und jetzt ist Besitzer des Rittergutes Herr Johann Gottlob Leuteritz. Das Gut wurde 1817 auf 101,000 Thaler geschätzt.

In mehreren Sächsischen Geschichtswerken ist die Behauptung ausgesprochen, Deutschenbora sei der Geburtsort Katharinas von Bora, der Gattin Luthers. Mergenthalsche Geschlechtstafeln erzählen: „Katharina, Hans von Mergenthals aus Deutschenbora Tochter, sei zur Zeit der Reformation in das Kloster Nimptschen gegangen habe daselbst aus Demuth ihren Familiennamen abgelegt und sich nur Katharine von oder aus Bora [60] genannt und später Luther geheirathet; nach anderen Nachrichten aber soll Katharina die Tochter eines Edelmanns, Hans von Bora, gewesen sein, der in der Gegend von Oschatz ein Gut besass. Da das Archiv des Rittergutes Deutschenbora im dreissigjährigen Kriege verloren gegangen ist, indem es mit dem Schlosse verbrannte, so sind hier keine Aufschlüsse darüber zu erlangen, durch einen neuerdings im Archive des Schlosses Gnandstein aufgefundenen Brief der Wittwe Luthers an ihre Schwägerin Elisabeth wird jedoch obige Behauptung sehr unwahrscheinlich, da Katharinas Bruder darin Hans von Bora, (also nicht von Mergenthal) genannt wird und sein Gut im Amte Borna lag. Dass gleichzeitig zwei Nonnen des Namens Katharina von Bora im Kloster Nimptschen gelebt haben sollen dürfte wol kaum anzunehmen sein.

Die Kirche zu Deutschenbora steht unter Collatur des Rittergutes und war früher ein kleines altes Gebäude worin die benachbarten Pfarrherrn von Rothschönberg und Heynitz lange Zeit hindurch abwechselnd, späterhin aber der Pastor zu Hirschfeld allein, Gottesdienst hielten. Wie schon erzählt wurde durch die fromme Mildthätigkeit der Frau Magdalene von Mergenthal und ihres Sohnes August Philipp die Kirche erneut und zur Mutterkirche umgewandelt. Die hiesige Schule, welche für die ganze Kirchfahrt, sowie seit 1835 für das eine Viertelstunde entfernte Dorf Mahlitzsch, das früher nach Krögis eingepfarrt war, bestimmt ist, zählt in zwei Classen etwa hundertdreissig Kinder. Eingepfarrt nach Deutschenbora sind Elgersdorf mit acht Häusern und siebzig Einwohnern, Mergenthal mit zwanzig Häusern und hundertzwanzig Einwohnern und Obereula mit den Bewohnern dreier Grundstücken, die Uebrigen besuchen die Kirche zu Wendischbora. Zum Rittergute Deutschenbora gehören die Dörfer Gertzsch, Mergenthal und ein Theil von Obereula. Das Dorf Deutschenbora enthält einen Flurbezirk von zwölf und drei Viertheil Hufen und drei Mühlen und wurde im dreissigjährigen Kriege von einem Schwarme marodirender kaiserlicher Soldaten überfallen, ausgeplündert und niedergebrannt, wobei mehrere Einwohner den Misshandlungen der rohen Fremdlinge erlagen, welche auch die Kirche bis auf die Mauern zerstörten.

O. M.