Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Brambach

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Titel: Brambach
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 214–215
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Brambach


2 Stunden südlich von Markneukirchen und 21/2 Stunden von Adorf, liegt an der von Adorf nach Franzensbad und Eger führenden Chaussee. Der Name wird entlehnt von Brombeeren, welche noch heute in der Volkssprache Bramen genannt werden.

Der Bach, welcher hier durchfliesst, wird oberhalb des Ortes Röthenbach, unterhalb desselben Fleissenbach genannt, welchen Namen er bis zur Mündung in die Eger behält.

Brambach grenzt mit seinen Fluren östlich und westlich an Böhmen und südlich an die des letzten sächsischen Dorfes Schönberg.

Es liegt in einem freundlichen Thale, das aber wieder in mehre kleinere Thäler sich theilt, ist von 3 Seiten mit ziemlich hohen Bergen umgehen, an der vierten öffnet sich ihre eine heitere Aussicht nach dem böhmischen Dorfe Fleissen und einem Theile des Egerlandes.

Die Zeit der Gründung Brambachs ist nicht genau ermittelt, doch steht soviel fest, dass das Rittergut in älteren Zeiten fast nördlicher in der sogenannten Wintersreuth nahe an Landwüst gelegen habe, da man heute noch deutliche Spuren eines Wallgrabens findet und welcher Ort noch heute das alte Schloss genannt wird.

Dieses soll im Hussitenkriege zerstört und dann ein neues da, wo es jetzt steht, erbaut worden sein.

Die uns zuerst genannten Besitzer sind die Herren von Zedwitz und erst im 16ten Jahrhundert kam es an die Familie von Schirnding, welche sich theilweise selbst nach dem Gute „von Brambach“ genannt haben. Aus diesem besass ein Hanns 1501 die nahe böhmische Burg Altenteich, zu welcher noch jetzt ein Theil von Fleissen gehört: auch soll dieser Linie die Herrschaft Wildstein gehört haben.

Im Jahre 1537 war Moritz von Schirnding Besitzer von Brambach, welcher Landwüst, Grundstücke von Eichigt, Triebel und Mühlhausen zu Brambach kaufte und daher 4 Ritterpferde stellte. Bis 1703 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Hans Schirnding, den damals sein Schwager von Raab im Duell erstach; im Jahre 1727 der Lieutenant Philipp Karl, welcher Breitenfeld und Wohlhausen besass.

Der letzte Besitzer aus diesem Geschlechte war der Kammerjunker und Oberforstmeister August Karl Friedrich.

Am 24. November 1741 erlangte das Gut das Recht eines altschriftsässigen Guts.

Im Jahre 1819 wurde das Gut, nachdem noch der letzte von Schirnding dem Landtage 1820 beigewohnt hatte, subhastirt, und die nöthig gewordene Taxe ergab eine Summe von 273350 Thlr. Das Gut hatte damals sammt Vorwerk Schönlind zwar nur 231 Acker Feldes, aber 1131/2 Acker Wiesen, an 1624 Acker Holz, 6 Teiche, einen Gasthof, starke und wohleingerichtete Brauerei und Brennerei; endlich die Collatur der Pfarr- und Diakonenstelle allhier.

In dieser Subhastation im Jahre 1819 erstand es Herr Stiftskammerrath Flossmeister Graf Brühl aus Plauen, der es aber sogleich wieder an Herrn Obersteuerdirector von Watzdorf zu Dresden, Herrn Kreishauptmann von Planitz auf Sorge, Herrn Amtshauptmann von Beust auf Neuensalz und Herrn Kammerherrn von Beust auf Thosfell abtrat. Später acquirirte es der Obersteuerdirector von Watzdorf mit Herrn Amtshauptmann von Beust allein und nach dem Ableben des Ersteren, welches am 8. Januar 1830 erfolgte, übernahmen es gemeinsam dessen Wittwe, ein Fräulein von Watzdorf und Heinrich Leopold von Beust, und 1839 besassen es die Watzdorfschen Erben allein.

Im Jahre 1840 trat die Wittwe des Obersteuerdirector von Watzdorf ihre Gerichte an den Staat ab, und 1847 verkaufte sie das Gut an Johann Gottfried Opitz, welcher es nach etwa 5 Jahren, wo inzwischen viel Holz geschlagen worden ist, an den Pachten Ernst Wilhelm Helbig abtrat, der wegen Befreiung Mai-Gefangener 1855 steckbrieflich verfolgt und das Gut abermals suhhastirt wurde. Zu dieser Zeit ruhten nur noch 83291/2 Steuereinheiten darauf.

Denn die grossen Waldgründe hatte schon früher der Staat erkauft, vorzüglich den grossen Schirndinger Wald, welcher sich bis zur böhmischen und bayerischen Grenze erstreckt.

In der Subhastation erstand die Landesschule zu Meissen das Gut, welche eine starke Forderung hatte.

Zubehör des Guts sind noch jetzt: Oberbrambach, Frauengrün, Hennebach, ein Theil von Obertriebel mit Neubrambach und den Schirndinger Waldhäusern, Rohrbach mit der Wetterhütte, Wiedenleithen, das sächsische Schönlind, einige Häuser im Raungrunde, ein Theil von Röthenbach mit der Röthenmühle, endlich die Schaafhäuser.

Brambach gehört noch wegen seiner umfangreichen Waldungen zu den bedeutenderen Gütern Sachsens.

Die Schicksale des Orts anlangend, so haben im 30jährigen Kriege die Schweden einmal hier arg gehaust.

Im Jahre 1819 wurden 4 Häuser am Markte durch eine Feuersbrunst verheert. Ein harter Schlag traf den Ort im Jahre 1842, wo eine am 11. September Abends 9 Uhr ausgebrochene Feuersbrunst den grössten Theil des Oberdorfes und einen Theil des Markts ergriff, so dass 29 Häuser, grösstentheils Bauernhöfe, das Diakonat und die Kirche in Asche gelegt und die Unglücklichen ihrer ganzen Erndte beraubt wurden.

Der neuerbauten Kirche, über welche nebst der Schule die Herrschaft [215] die Collatur übt, gegenüber südwärts stellt am Markte das Rittergutsgehöfte mit dem Schlosse.

In diesem befindet sich seit 1858 eine Staats-Strafabtheilung oder ein Filial des Zwickau-Voigtsbergischen Zwangs-Arbeitshauses und man hofft zur Cultivirung des Bodens davon guten Nutzen.

Es giebt hier ferner eine Postexpedition seit 1834‚ ein Nebenzollamt erster Classe und ein Untersteueramt, seit 1858 ein kaiserliches Nebenzollamt zweiter Classe, welches jedoch nach Fleissen genannt wird. Die Erbkretschamsbrauerei kommt schon 1537 vor.

Der Ort zählt 191 Häuser mit 1547 Bewohnern und ist bei seinem regen Fabrikfleisse in Jahrzehnten um das Doppelte gestiegen.

Ausser mehreren Gasthäusern finden wir hier 1 Papierfabrik, 4 Mahlmühlen im Orte, zu denen isolirt noch eine zweite Papiermühle, die Schwarzteichmühle, die Lohnmühle und der Eisenhammer kommen.

Auch die Fleissner Papierfabrik ist nahe und überhaupt ist das südlichste Voigtland das rechte Papiermühlenland sächsischen Bodens.

Noch sind die salinischen Quellen der Säuerlinge zu erwähnen, welche jenen zu Elster und Franzensbad an die Seite gesetzt werden können, aber unbenutzt abfliessen.

Der Geschmack des Wassers erinnert an das Pyrmonter Wasser.

Wünschenswerth wäre es, wenn diese Quelle mit in das Gebiet der Cur-Anstalt von Elster gezogen werden könnte.